Münnich

Münnich

Münnich, Burkhard Christoph, Graf von, russ. Generalfeldmarschall, geb. 9. Mai 1683 zu Neuenhuntorf in Oldenburg, gest. 16. Okt. 1767 in Petersburg, Sohn des Deichgrafen Anton Günter v. M., trat in französische, 1701 in hessische, 1716 in polnische und 1721 in russische Dienste, in denen er den Bau des Ladogakanals, des Hafens van Kronstadt und der Festungswerke von Riga leitete. 1728 wurde er in den russischen Grafenstand und 1732 von der Kaiserin Anna, auf die er nebst Ostermann und Biron den größten Einfluß ausübte, zum Generalfeldmarschall und Präsidenten des Kriegskollegiums erhoben. Er gab dem russischen Landheer eine neue Organisation und errichtete das Kadettenkorps sowie die Garnisonschulen. 1734 eroberte er Danzig, stillte die Unruhen in Warschau und eroberte 1736 die Krim, nahm 1737 Otschakow mit Sturm, schlug 1739 die Türken bei Stawutschan, bemächtigte sich der Festung Chotin und besetzte die Moldau. Den von Anna zum Regenten des Reiches erklärten Herzog Ernst Johann Biron von Kurland stürzte er 1740, ließ sich zum Premierminister ernennen und betrieb mit Eifer das Bündnis mit Preußen. Da die Regenim sich aber zu Österreich und Sachsen hinneigte, nahm er im Mai 1741 seinen Abschied. Bald darauf wurde er bei der Thronbesteigung der Kaiserin Elisabeth verhaftet und zum Tode verurteilt, auf dem Schafott aber begnadigt, nur seiner Güter für verlustig erklärt und nach Pelym in Sibirien verwiesen, wo er das auf seinen Befehl für Biron erbaute Haus bezog. 1762 setzte ihn Peter III. wieder in seine frühern Gü ler und Würden ein. Nach dessen Sturz ernannte ihn die Kaiserin Katharina II. zum Generaldirektor der Häfen am Baltischen Meer. Seine Tagebücher sind eine wichtige Quelle für seine Zeit. Vgl. Herrmann, Beiträge zur Geschichte des russischen Reichs (Leipz. 1843). Sein Leben beschrieben v. Halem (Oldenb. 1803, neue Ausg. 1838), Kostomarow (russ., im 2. Bd. der »Russischen Geschichte in Biographien«, Petersb. 1884) und Jansen (in den »Nordwestdeutschen Studien«, Berl. 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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