Memnon

Memnon, im griech. Mythus der Sohn des Eos und des Tithonos, König der Äthiopier, zog seinem Oheim Priamos von Troja zu Hilfe, erlegte den Antilochos, ward aber von Achilleus getötet und erhielt von Zeus auf Bitten der Eos die Unsterblichkeit. Memnonsgräber zeigte man an verschiedenen Orten; von dem bei Abydos am Hellespont gelegenen erzählte man, daß Memnons wegen allzu großer Trauer in Vögel (Memnoniden) verwandelte Gefährten jährlich dorthin kämen und sich, gleichsam Leichenspiele feiernd, unter Wehklagen zerfleischten. Den Frühtau nannte man Tränen der Eos, womit sie jeden Morgen den aufs neue geliebten Sohn beweine. Spätere Zeit suchte M. mehr und mehr als historische Person aufzufassen und machte ihn zum Erbauer der Königsburg in Susa, wie sich denn die Griechen ursprünglich das Reich des M. bei der am Ausgang der Sonne gelegenen Wohnstätte der Eos dachte; erst spät verlegte man es nach dem ägyptischen Äthiopien. In Ägypten aber ward der Mythus von den Griechen mit einem kolossalen Sitzbild bei Theben, das den König Amenophis III. darstellte, in Verbindung gebracht. Diese Kolossalstatue, die neben einer zweiten ebenso großen einst den Eingang eines Tempels auf dem westlichen Nilufer schmückte, besteht aus einem sehr harten Kieselsandstein und hatte ursprünglich eine Höhe von 21 m, war aber vielleicht durch ein Erdbeben 27 v. Chr. zerbrochen worden. Seitdem fand die merkwürdige Erscheinung statt, daß das Steinbild, von den Strahlen der ausgehenden Sonne getroffen, einen Ton, ähnlich dem Klang einer zerspringenden Saite, von sich gab, was die Sage von dem »Tönen der Memnonssäule« veranlaßte, wodurch M. beim Ausgang der Sonne den Gruß seiner Mutter Eos erwidere. Das Phänomen, dessen Strabon zuerst gedenkt, hatte seinen Grund wahrscheinlich in dem Abspringen kleiner Steinteile, das besonders beim Wechsel der Temperatur zur Zeit des Sonnenaufganges stattfand. Vgl. Letronne, La statue vocale de M. (Par. 1833); Lepsius, Briefe aus Ägypten (Berl. 1852).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Memnon — may refer to: Saint Memnon the Wonderworker early Christian saint from Egypt, hermit and hegumen of one of Egyptian monasteries Memnon (mythology) and those erroneously named after him in the Graeco Roman era: the Colossi of Memnon, two statues… …   Wikipedia

  • MEMNON — MEM Fils de Tithonos et d’Eôs (l’Aurore), Memnon était un héros légendaire des Grecs qui crurent le reconnaître dans l’un des deux colosses situés de part et d’autre du grand temple funéraire d’Aménophis III, dans la Thèbes occidentale. Taillés… …   Encyclopédie Universelle

  • Memnon — MEMNON, önis, Gr. Μέμνων, ονος, (⇒ Tab. XXXI. & ⇒ VII.) 1 §. Aeltern. Sein Vater war Tithon, Laomedons Sohn und des Priamus Bruder, seine Mutter aber Aurora, die von besagtem Tithon ihn und den Emathion bekam. Apollod. l. III. c. 11. §. 3. 4.… …   Gründliches mythologisches Lexikon

  • Memnón — se puede referir a: ● En la mitología griega, Memnón fue un rey de Etiopía e hijo de Titón y Eos. En la Guerra de Troya; el adquirió un ejército a la defensa de Troya y fue muerto por Aquiles. Sin embargo, el primero mató a Antíloco. Después de… …   Enciclopedia Universal

  • Memnon — {{Memnon}} Sohn der Eos* und des Tithonos*, König der Aithiopen, der auf Seiten der Trojaner gegen die Griechen kämpfte, von Achilleus* erschlagen, von seiner göttlichen Mutter entrückt und von Zeus* unter die Unsterblichen aufgenommen wurde. Die …   Who's who in der antiken Mythologie

  • Memnon — [mem′nän΄] n. [L < Gr Memnōn] 1. Gr. Myth. an Ethiopian king killed by Achilles in the Trojan War and made immortal by Zeus 2. a gigantic statue of an Egyptian king at Thebes, said to have emitted a musical sound at sunrise …   English World dictionary

  • Memnon — Mem non, n. [L., from Gr. ?, lit., the Steadfast, Resolute, the son of Tithonus and Aurora, and king of the Ethiopians, killed by Achilles.] (Antiq.) A celebrated Egyptian statue near Thebes, said to have the property of emitting a harplike sound …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Memnon — Memnon, 1) Sohn des Tithonos u. der Eos, König von Assyrien, in Susa residirend, wo er die Königsburg Memnonia baute; nach And. äthiopischer König u. Bezwinger Asiens bis an Susa u. den Choaspes, der von Priamos mit einem goldenen Weinstock… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Memnon — Memnon, Sohn der Eos und des Tithonos, Äthiopierfürst, von Achilleus vor Troja getötet, angeblich Urheber der Memnonsäulen bei Theben, zweier noch vorhandener sitzender Kolosse (Kieselkonglomerat) König Amenophis III. aus dem 2. Jahrtausend v.… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Memnon — Memnon, in der griech. Mythe Sohn der Eos und des Tithonus, König der Assyrer oder Aethiopier, vor Troja von Achilles erschlagen, ohne Zweifel ein orientalischer Sonnengott, dessen Bedeutung die Griechen nicht verstanden. M.ssäulen nannten sie 2… …   Herders Conversations-Lexikon

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