Nägeli


Nägeli

Nägeli, 1) Hans Georg, Musiker, geb. 16. Mai 1773 in Wetzikon bei Zürich, gest. 26. Dez. 1836 in Zürich, errichtete 1792 in Zürich einen Musikverlag, der unter anderm 1800 die erste Ausgabe von J. S. Bachs »Wohltemperiertem Klavier« brachte, ist aber besonders bekannt durch seine Verdienste um den schweizerischen Volksgesang. 1805 begründete er ein Singinstitut (Chorgesangverein), von dem sich 1810 ein Männerchor abzweigte, der ähnlich wie in Norddeutschland die Zeltersche Liedertafel den Ausgangspunkt des schnell aufblühenden Männergesangs in der Schweiz und Süddeutschland bildete. Mit M. G. Pfeiffer gab er mehrere Chorgesangschulbücher heraus: »Gesangbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen« (Zür. 1810), »Gesangbildungslehre für den Männerchor« (1817), »Chorgesangschule« (1820). Außerdem schrieb er: »Der Streit zwischen der alten und neuen Musik« (1827, gegen Thibaut). N. war Mitglied des Züricher Erziehungsrats, dann auch des Großen Rates, Präsident der Schweizerischen Musikgesellschaft etc. Seine volkstümlichen Lieder (»Freut euch des Lebens«) fanden weite Verbreitung. Vgl. A. Kellers Festrede zur Einweihung von Nägelis Denkmal in Zürich 1848 (Aarau 1849); seine Biographie schrieb J. Schnabeli (1873).

2) Karl Wilhelm, Botaniker, geb. 27. März 1817 in Kilchberg bei Zürich, gest. 10. Mai 1891 in München, studierte in Zürich, Genf, Berlin, habilitierte sich 1842 in Zürich, wurde daselbst 1848 außerordentlicher, 1852 ordentlicher Professor in Freiburg, 1855 in Zürich und 1858 in München. N. hat in allen Teilen der Botanik grundlegend gearbeitet. Er gab der Morphologie eine streng entwickelungsgeschichtliche Grundlage und zog dabei die niedern Kryptogamen in den Bereich methodischer Forschung. Dabei machte er die neue Zellenlehre zum Ausgangspunkt der Morphologie und untersuchte namentlich auch die Zellbildung und die Molekularstruktur der einzelnen Organe der Zellen. Er behandelte auch die Algen im systematischdeskriptiven Sinn und lieferte sehr wertvolle Untersuchungen über Phanerogamengattungen, bei denen die Artbegrenzung wegen des Vorkommens von Hybriden oder von konstantern Zwischenformen der Systematik Schwierigkeiten bietet. Besonders bei den Hieracien gelangte er zur Ausstellung von Zwischenarten, deren Entstehung durch Transmutation der Arten er als einen in dieser Gattung noch gegenwärtig fortdauernden und zugleich von Standortsverhältnissen abhängigen Prozeß nachwies. In der letzten Zeit beschäftigte er sich hauptsächlich mit den Bakterien. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: »Die Cirsien der Schweiz« (Neuchâtel 1841); »Zur Entwickelungsgeschichte des Pollens« (Zürich 1842); »Die neuern Algensysteme« (das. 1847); »Gattungen einzelliger Algen« (das. 1849); »Pflanzenphysiologische Untersuchungen« (mit Cramer, das. 1855–58, 4 Hefte); »Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik« (Leipz. 1858 bis 1868, 4 Hefte); »Entstehung und Begriff der naturhistorischen Art« (1. u. 2. Aufl., das. 1865); »Das Mikroskop« (mit Schwendener, das. 1865–67, 2 Bde.; 2. Aufl. 1877); »Die niedern Pilze in ihren Beziehungen zu den Infektionskrankheiten und der Gesundheitspflege« (Münch. 1877); »Die Schranken der naturwissenschaftlichen Erkenntnis« (das. 1877); »Theorie der Gärung« (das. 1879); »Untersuchungen über niedere Pilze« (das. 1882); »Mechanisch physiologische Theorie der Abstammungslehre« (das. 1883); »Die Hieracien Mitteleuropas« (mit A. Peter, das. 1885–89); »Botanische Mitteilungen« (aus den Sitzungsberichten der Akademie, 3 Bde., das. 1863, 1866 u. 1881); »Über oligodynamische Erscheinungen in lebenden Zellen« (hrsg. von Schwendener und Cramer, Basel 1893). Mit Schlei den gab er die »Zeitschrift für wissenschaftliche Botanik« (Zürich 1814–46, 4 Hefte) heraus. Vgl. Wunschmann, Karl Wilh. N. (Berl. 1893); Cramer, Leben und Wirken von K. W. N. (Zürich 1896).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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