Athamas

ATHAMAS, antis, Gr. Ἀθάμας, αντος, ( Tab. XXV.)

1 §. Aeltern. Sein Vater war Aeolus, der vermeynte Gott der Winde, seine Mutter aber die Enarete, des Deimachus Tochter. Apollod. lib. I. c. 7. §. 2.

2 §. Stand. Er war erst ein kleiner König in Böotien, Apollod. lib. I. c. 9. §. 2. hernach aber dergleichen in Thessalien, Eurip. ap. Hygin. Fab. 4. oder nur von Orchomenus; Pausan. in Attic. p. 83. & in Bœot. p. 594. Serv. ad Virg. Aen. V. 241. und zwar in der insonderheit von ihm benannten Landschaft Athamantia; Apollod. l. c. ja, er soll es auch in Theben gewesen seyn, Tzetzes ad Syncoph. v. 22.

3 §. Gemahlinn und Kinder. Man giebt ihm bald zwo, bald drey Gemahlinnen. Die erstere davon soll Ino gewesen seyn, die er aber bald verstieß, und die Nephele, eine Göttinn, Apollod. lib. I. c. 9. §. 2. & Schol. Aristoph. ad Nub. v. 256. oder, wie sie auch einige nennen, Nebula, Hygin. Fab. 1. oder Nubes, Lactat. ad Stat. Achill. I. v. 65. heurathete. Weil aber solche einigen Anfällen von Wahnwitze unterworfen war, so wurde er ihrer bald überdrüssig, und nahm die Ino, des Kadmus Tochter, Hygin. l. c. wieder. Die dritte hieß Themisto, eine Tochter des Hypseus, Id. ib. welche man auch wohl Demotice nennet, Schol. Pind. Pyth. Od. IV. v. 288. und mit der Nephele für einerley ansehen kann. Er zeugete mit dieser Nephele den Phrixus, und die Hellen, Apollod. l. c. mit der Themisto den Sphincius und Orchomenus, Hygin. l. c. oder, nach andern, den Schöneus, Erythrius, Leukones und Pöus, Herodor. ap. Schol. Apollon. l. II. v. 1147. oder Ptous, Hygin. l. c. und mit der Ino endlich den Klearchus oder Learchus und Palämon oder Melicertes. Tzetz. ad Lycophr. v. 22.

4 §. Unfälle. Weil Juno, um der Semele willen, einen Haß auf das ganze Geschlecht des Cadmus geworfen hatte, so ließ sie denselben auch an der Ino, und folglich selbst am Athamas mit aus. Hygin. Fab. 5. Sie gab daher der Ino in Sinn, der Nephele Kinder aus dem Wege zu räumen; und beredete daher auch die andern Frauen, daß sie das Saamengetreide erst dörreten, ehe es gesäet wurde. Da nun solches daher nicht aufgieng, folglich eine große Theurung entstund, schickete Athamas einige seiner Leute nach Delphi, das Orakel um Rath zu fragen. Es bestach aber die Ino solche Abgeschickte, daß sie dem Athamas hinterbringen mußten, das Orakel habe gerathen, den Phrixus, den Göttern zur Versöhnung, zu schlachten. Ob er nun wohl ungern daran gieng, so zwangen ihn dennoch endlich seine Unterthanen halb und halb dazu: allein es rückte den Phrixus und seine Schwester ihres Mutter die Nephele hinweg. Apollod. lib. I. c. 9. §. 1. & Tzetz. ad Lycophr. Sieh Phrixus. Andere hingegen melden, daß Phrixus sich selbst zu dem bestimmten Opfer angebothen. Allein, als der, welcher die falsche Antwort des Orakels gebracht, es ersehen, habe er aus Mitleiden gegen ihn, dem Athamas der Ino ganze Bosheit entdecket, da er denn dieselbe, nebst ihrem Sohne, dem Phrixus, zu bestrafen übergeben. Allein, als solcher dasselbige auch bewerkstelligen wollen, so habe ihm Bacchus wieder die Ino entrücket. Hygin. Fab. 2. Indem aber Athamas gemeynet, daß solche wirklich hingerichtet worden, so habe er die Themisto geheurathet; jedoch, da er erfahren, daß Ino auch noch lebe, so habe er sie wieder holen lassen, und, ohne zu sagen, wer sie sey, bey sich behalten. Als hierauf Themisto dieselbe zu ihrer Vertrauten gemacht, und dereinst befohlen, der Ino Kinder mit schwarzen Decken, ihre eigenen aber mit weißen zu bedecken, so kehrete diese solches um. Themisto erstach also die unter der schwarzen Decke, und brachte folglich ihre eigenen Kinder um, der Ino ihre hingegen ließ sie leben; worauf sie denn, als sie den Irrthum erkannte, sich endlich auch selbst entleibete. Id. Fab. 4. Immittetst wurde Athamas selbst von der Ino in so fern rasend gemacht, daß er den Learchus auf der Jagd erschoß, Apollod. lib. I. c. 9. §. 7. & Hygin. Fab. 4. 5. Cf. Tzetz. ad Lycophr. l. c. & v. 229. oder ihn auch in der Meynung, er habe einen jungen Löwen ergriffen, einige Male um den Kopf herum schwang, und endlich wider einen Stein zerschmetterte, sie aber, die Ino selbst, als eine Löwinn mit noch einem jungen verfolgete, Ovid. Metam. lib. IV. v. 515. und sie nöthigte, daß sich dieselbe mit dem übrigen Sohne, dem Melicertes, selbst ins Meer stürzete und ersäufete. Apollod. l. c. §. 2. Cf. Tzetz. l. c. Wie er aber darüber auch aus Böotien entweichen mußte, so fragete er das Orakel um Rath, wo er sich hinwenden sollte, welches ihm denn antwortete, er solle sich niederlassen, wo er von den wilden Thieren selbst zu Gaste würde gebethen werden. Als er nun an einen Ort kam, wo die Wölfe etliche Schafe fraßen und bey seiner Erblickung das übrige Fleisch liegen ließen und davon liefen, so schloß er, daß solches der bestimmte Ort seines Aufenthaltes sey. Nachdem er sich nun daselbst niedergelassen, so nannte er die ganze Gegend von sich Athamantia, soll auch nach einigen hieselbst erst die Themisto geheurathet, und mit ihr obbenannte Kinder gezeuget haben. Hingegen wollen andere, daß er seine Zuflucht zu dem Andreus genommen, der ihm die ganze Gegend um den Laphystia eingeräumet, und, da er vermeynet, daß alle seine Kinder gestorben, so habe er solche Landschaft nachher dem Coronus und Haliortus, seines Bruders, des Sisyphus, Enkeln überlassen, die selbige aber hernach doch wieder dem Phrixus und dessen Kindern abgetreten. Pausan. Bæot. c. 34.


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