Avgéas, Avgias

AVGÉAS, AVGIAS, æ, Gr. Ἀυγείας, ου, ( Tab. XXVI.)

1 §. Namen. Da solcher aus dem griechischen Ἀυγείας gemachet wird, so wird er bald Augeas, bald Augias geschrieben, nachdem das griechische ει, in dergleichen Namen, bald in ein e, bald, in ein i, verwandelt wird. Allein, daß er auch von einigen Augeus genannt wird, Hygin. Fab. 157. ist etwas besonders, jedoch so leicht nicht nachzuthun. Muncker. ad eumd. Fab. 30. Wohl aber sollte er nach einigen eigentlich Augĕas, Gr. Ἀυγέας heißen, weil Ἀυγείας mehr den Gebrauch, als guten Grund vor sich haben soll. Thomas Gale ad Apollod. p. 106.

2 §. Aeltern. Sein Vaterwar, nach einigen, Helius, oder Sol, nach andern Phorbas, und, nach den dritten, Neptun. Apollod. lib. II. c. 4. §. 5. Die Mutter aber war auch nach einigen, Naupidame, des Aphidamas Tochter, Hygin. Fab. 14. p. 47. nach andern Hyrmine, des Neleus Tochter, Muncker. ad Hygin. l. c. & Schol. Apollon. ad lib. I. v. 173. und nach den dritten die Iphiboe. Tzetz. ad Iycophr. v. 41. Allein, da Helius so ziemlich mit Eleus überein kömmt, so machen einige auch nur dieses Sohn aus ihm, und wollen, daß ihm Helius, oder Sol, zum Vater zugeschrieben werde, ihn desto größer zu machen. Pausan. El. prior. c. 1.

3 §. Stand. Thaten und Tod. Er war König in Elis, Apollod. lib. II. c. 4. §. 5. und gieng in seiner Jugend unter den Argonauten mit nach Kolchis. Orpheus Argon. v. 212. Apollon. Rhod. I. 172. & Hygin. Fab. 14. Cf. Burman. Catal. Argon. Als er aber von dar zurück kam, so legete er sich meist auf die Oekonomie, und unterhielt insonderheit eine ungemeine Menge Rinder und Ziegen, Pausan. El. prior. c. 1. insonderheit aber hatte er der erstern in einem Stalle auf die 3000 beysammen stehen. Nat. Com. lib. VII. c. 1. Weil nun solcher Stall lange Zeit nicht ausgemistet worden, so befahl Eurystheus dem Herkules, solches zu thun. Dieser gab sich daher bey dem Augias an, und versprach ihm, gegen den zehenden Theil des Viehes, solchen Stall in einem Tage zu reinigen, welches sich denn solcher König gefallen ließ. Wie sich aber Herkules schämete, den Unflath auf dem Rücken wegzutragen, wiewohl Eurystheus meynete, daß er solches thun sollte: so leitete er die beyden Flüsse Peneus und Alpheus zusammen, Apollod. l. c. oder auch nur den Peneus allein, Diod. Sicul. lib. IV. c. 13. p. 154. oder, nach andern, gar keinen von beyden, sondern den Fluß Minycius, durch den Stall, oder auch durch das mit Miste bedeckte große Stück Landes, Pausan. l. c. und schwemmete damit den Mist insgesammt, ohne seinen Nachtheil, aus selbigem hinweg. Wie aber Augias erfuhr, daß er solche Arbeit auf des Eurystheus Befehl thun müssen, so wollte er ihm den bedungenen Lohn nicht geben. Als es darauf zu Klagen kam, so zeugete des Augias eigener Sohn, Phyleus, wider seinen Vater, mußte sich aber, nebst dem Herkules, also fort aus Elis hinweg machen. Apollod. l. c. Es konnte daher Herkules auf nichts anders, als auf Rache, gedenken, und brachte folglich ein ziemliches Heer auf die Beine, womit er den Augias in Elis aufsuchte. Als es aber zur Schlacht kam, so mußte er doch unverrichteter Sache wieder abziehen, weil dem Augias insonderheit Aktors Söhne, Eurytus und Kteatus, sehr guten Beystand leisteten. Pausan. l. c. Er passete darauf diesen beyden auf, als solche zu einem Feste nach dem Isthmus zu giengen, und machete sie bey Kleonis nieder, überfiel auch darauf den Augias aufs neue mit einem Heere, und erlegete ihn endlich selbst, worauf er solches Land dem vertriebenen Phyleus wieder zustellete. Diod. Sic. l. c. c. 33. p. 166. Jedoch wollen auch einige, daß er vor Alter gestorben sey. Pausan. l. c. c. 3. Es verordnete endlich Oxylus, daß ihm jährlich, als einem Helden oder Halbgotte, eine Feyer gehalten werden mußte, Id. ib. c. 4. wie denn sonst von ihm noch angemerket wird, daß es geschienen, als giengen Stralen aus dessen Augen, Schol. Apollon. ad lib. v. 172. woher er vielleicht für der Sonne Sohn gehalten worden.

4 §. Familie. Wer seine Gemahlinn gewesen, hat sich nicht finden wollen, wohl aber daß seine Sohne Phyleus, Apollod. lib. II. c. 5. §. 5. Agasthenes, Pausan. El. prior. c. 3. und Eurytus, Diod. Sic. l. c. seine Tochter aber die Agamede gewesen, mit welcher Neptun den Diktys zeugete. Hygin. Fab. 157.

5 §. Eigentliche Historie. Diese kann seyn, wie sie erzählet worden, außer daß am wahrscheinlichsten falle, wie er so viel Vieh gehalten, daß eine ganze Gegend des besten Landes endlich mit dem Miste bedecket, und dadurch unbrauchbar gemachet worden, die aber Herkules, da er, mit zugenommenen Leuten, den nächsten Strom darüber hinweg laufen lassen, wieder gereiniget, und zu nutzbarem Lande gemacht habe. Banier Entret. XIV. ou P. II. p. 73. Ebend. Erl. der Götterl. IV B. 615 S.

6 §. Anderweitige Deutung. Sein Stall ist ein Bild einer Stadt oder Familie voller bösen Leute, oder auch eines Menschen voller Laster, welche zu reinigen, oft ein Herkules, oder ungemeine Mühe und Arbeit erfordert wird. Masen. Spec. Ver. occ. c. XXIII. n. 20. Daher ist denn das gemeine Sprüchwort entstanden: Augiæ stabulum purgare, oder wie es die Griechen nur aussprechen: Ἀυγία βουστασία, Lucian. ap. Erasm. Adagior. Chiliad. p. 292. welches von einer Sache gebrauchet wird, die ungemein unflätig und besudelt ist. Erasm. l. c.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.

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