Baetvlvs, Baetylvs

BAETVLVS, BAETYLVS, i, Gr. Βαίτυλος, ου, oder auch Bætylium, Βαιτύλιον, eine Art Steine, die man für beseelet hielt, und einige schwärmerische Gemüther daher als Orakel um Rath zu fragen pflegeten. Diese Steine waren rund und von einer mittelmäßigen Große, so daß man sie leicht anhängen, oder sonst bey sich tragen konnte. Phot. Myrlob. Cod. 242. p. 1047, 1062. Es soll derselben von verschiedener Gattung gegeben haben, deren einige dem Saturn, andere dem Jupiter u.s.w. geheiliget gewesen. Ibid. Der Gott Uranos soll dieselben zuerst erfunden und verfertiget haben. Sanchun. ap. Euseb. Præpar. Evang. L. I. c. 10. p. 37. Da nun derselbe unter seinen vier Kindern einen Sohn gehabt, der Bätulus geheißen, so muthmaßet man, daß diesen beseelten Steinen von solchem der Namen gegeben worden. Falconet sur les Bætyles. Mem. de l'Acad. des I. & B. L. T. IX. p. 189. Andere hingegen halten dieses für eine Fabel, welche aus einer Zweydeutigkeit in dem phönicischen Worte entstanden, das nicht so wohl einen beseelten, als vielmehr einen gesalbeten, Stein bedeute, welches der Uebersetzer nicht gewußt habe. Aus diesem Grunde soll denn der wahre Ursprung der Bätylien von dem Steine herkommen, auf welchem Jakob in der Nacht geruhet, da er das Gesicht von dem Auf-und Niedersteigen der Engel gehabt hat, und den er bey seinem Aufwachen gesalbet hat, wovon denn der Ort nachher Bethel, oder das Haus Gottes genannt worden. Bochart. Chan. L. II. c. 11. p. 707. sq Allein, ungeachtet diese Meynung vom Vossius de Theolog. gent. VI. Huetius Demonstr. Evang. prop. IV. p. 258. und andern angenommen worden: so läßt sich doch verschiedenes dawider nicht ohne Grund einwenden, und man kann nicht zeigen, daß dieser Stein unter den Heiden eben so berühmt gewesen sey. Falconet. l. c. p. 195. Bey den Alten findet man fast keinen andern Begriff davon, als von dem Steine, welchen Saturn anstatt des Jupiters verschlucket hat. Sieh Abadir. Daher denn auch das griechische Sprüchwort gekommen ist: Du solltest wohl einen Bätylus verschlingen; Καὶ Βαίτυλον ἄν καταπίνοις. Erasmi Adag. p. 235. Einige Neuere haben die Bätylien für kleine länglichte eiserne magnetische Werkzeuge halten wollen. Neue gesellsch. Erzähl. IV. Th. 115. S. Allein, daß der Bätulus von dem Magnete unterschieden sey, hat Falconet nicht nur am angeführten Orte, sondern auch in einer andern Abhandlung, Mem. de l'Acad. des I & B. L. T. VI. p. 377. sqq. sattsam gezeiget. Er selbst hält ihn für den blitzenden Stein, der unter dem Namen Donnerstein, Ceraunium, bekannt ist. Plin. Hist. N. L. XXXVII. c. 9. & Mem. de l'Acad. T. IX. p. 208.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.

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