Cacvs

CACVS, i, Gr. Κάκος, ου, ( Tab XIII.)

1 §. Namen. Diesen hat er von dem Griechischen Κακὸς, welches so viel, als böse oder arg, bedeutet, und sollen ihm solchen die Arkadier gegeben haben, als sie von ihm allerhand Drangsal ausstehen mußten. Serv. ad Virgil. Aen. VIII. c. 190. & Fulgent. Mythol. lib. II. c. 6.

2 §. Herkunft und Beschaffenheit. Sein Vater soll Vulcanus gewesen seyn. Ovid. Fast. lib. I. v. 551. Wie aber seine Mutter geheißen, solches findet sich nirgends. Er war nicht allein ein ungeheuerer Riese, sondern auch ein sonst gar scheußliches Ungeheuer, welches darzu Feuer und Dampf aus seinem Rachen speyen konnte. Virgil. Aen. VIII. v. 198.

3 §. Aufenthalt. Diesen hatte er in einer Höhle in dem Berge Aventinus, der damals annoch mit lauter Walde bewachsen war. Es war daher solche Höhle so versteckt, daß die Sonne selbst mit ihren Stralen nicht zu ihr hindurch dringen konnte. Virg. Aen. VIII. v. 195. Wie er hiernächst deren Eingang mit einem Steine, welchen keine zehn Paar Ochsen bewegen konnten, Ovid. l. c. v. 564. zu verwahren pflegte: also hatte er um solchen Eingang herum die Köpfe derer aufgesteckt, welche er umgebracht, Virgil. l. c. v. 196. & Ovid. l. c. v. 557. da hingegen die Knochen vor der Höhle herum zerstreuet lagen. Ovid. l. c. v. 558. Immittelst gieng solcher Eingang gegen die nachmalige große Rennbahn zu, und befand sich an dem Orte, der hernachmals die Salinen hieß und allernächst an der Porta Trigemina war, Solin. ap. Nardin. lib. VII. c. 8. oder nach dem jetzigen Rom, wo jetzo die Kirche der heil. Prisca zu sehen ist. Nardin. l. c. p. 449.

4 §. Thaten und Tod. Er war nicht allein ein grausamer Straßenräuber, sondern gab auch einen entsetzlichen Mordbrenner ab. Wie aber endlich Herkules mit des Geryons Rindern durch Italien und also auch durch die Gegend trieb, wo er sich aufhielt, so ließ er sein Vieh, da er eine sehr gute und reiche Weide für dasselbe fand, auf solche gehen, und legete sich selbst etwas zu schlafen nieder. Indessen ließ sich Kakus solche Rinder so wohl gefallen, daß er nach einigen deren zwey, Ovid. Fast. I. v. 548. nach andern aber viere, Virgil. Aen. VIII. v. 208. entführete. Damit ihm nun Herkules nicht auf die Spur kommen möchte, so zog er sie bey den Schwänzen, und also rückwärts in seine Höhle. Als aber Herkules erwachte, und bey Umzählung seines Viehes die entführeten vermißte, so suchte er sie allenthalben aufs sorgfältigste, fand aber nirgends nichts; und, als er den Kakus, der vor seiner Höhle stund, darum befragete, so wollte er auch nichts von denselben wissen, und gleichwohl den Herkules nicht in seine Höhle lassen, sondern da solcher mit Gewalt hinein wollte, die benachbarten Hirten wider ihn zu Hülfe rief. Herkules gerieth auf den Einfall, und trieb die übrigen Rinder vor die Höhle. Da nun solche zu bölken anfiengen, so antworteten die in der Höhle, und verriethen also des Kakus Schelmerey. Hierüber kam es zwischen beyden zun Schlägen, weil Kakus seinen Raub im Guten nicht wieder hergeben wollte: er wurde aber gar bald von dem Herkules mit seiner Keule niedergeschlagen, welcher darauf dessen Raubnest völlig zerstörete. Dionys. Halic. lib. I. c. 5. & Livius lib. I. c. 7. Einige wollen, er habe sich selbst mit in seine Höhle versperret, welche denn Herkules mit aller seiner Gewalt nicht zu eröffnen vermocht, bis er endlich selbst eine über derselben stehende große Klippe abgerissen, und damit von oben eine Oeffnung in dieselbe gemacht. Als er darauf mit Bäumen und Steinen, wie die Mühlsteine, auf den Kakus losgestürmet, so habe dieser so viel Feuer und Rauch von sich gespyen, daß er sich ganz darinnen verstecket, dessen aber ungeachtet sey Herkules dennoch durch selbiges hindurch gedrungen, habe den Kakus ergriffen, ihn erwürget, und endlich bey den Füßen zur Höhle hinaus geschleppet. Virg. l. c. v. 220. & Iuvenal. Sat. V. v. 125. Noch andere wollen wissen, daß er ihn, als er sich lange mit Steinen und dergleichen gewehret, endlich noch mit seiner Keule erschlagen habe. Ovid. l. c. v. 575. Und obgleich die meisten darinnen überein kommen, daß er von den Rindern, die er in die Höhle gezogen, verrathen worden: so geben doch auch einige vor, daß solches von seiner eigenen Schwester, der Kaka, geschehen sey. Lactant. Instit. divin lib. I. c. 20. §. 36. & Servius ad Virgil. l. c. v. 190. Man hat noch die Vorstellung von seiner List, die gestohlenen Rinder bey den Schwänzen in seine Höhle zu ziehen auf einem geschnittenen Steine, worauf sich zugleich der Berg Aventinus zeiget, über welchen ein Fuchs läuft, diese List zu bemerken. Lipperts Dactyl. I Taus. n. 650. Man hält diesen Stein aber für die Arbeit eines Neuern. Mariette de pierres gravées. T. II. P. 1. tab. 89.

5 §. Eigentliche Historie. Er wird nicht unwahrscheinlich für einen großen Straßenräuber und Mörder gehalten, Dion. Hal. lib. I. c. 5. & Libri Pontif. ap. Aur. Vict. de O. G. R. c. 7. welcher für des Vulcans Sohn angegeben wird, und Feuer und Rauch aus dem Rachen gespyen haben soll, weil er zugleich den Leuten Häuser und Höfe angestecket. Serv. ad Virg. Aen. VIII. v. 190. Jedoch nennen ihn einige auch nur einen Hirten; Liv. lib. I. c. 7. und noch andere machen ihn zu einem diebischen und verschlagenen Knechte des Evanders. Cassius ap. Aur. Victor l. c. c. 6. Inzwischen wie Herkules wegen seiner wieder gefundenen Rinder dem Jupiter den hernachmals lange in Rom bekannten höchsten Altar, Aram maximam, erbauete: also erwiesen ihm dagegen Evander und seine Arkadier für die Befreyung von dem Kakus auch selbst seine göttliche Ehre. Dion. Hal. l. c.

6 §. Anderweitige Deutung. Er soll zum Beyspiele dienen, daß sich niemand auf seine Listigkeit zu verlassen habe, weil er bald und unversehens verrathen werden kann. Omeis Mythol. in Cacus s. p. 63.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.

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