Chrysomallvs

CHRYSOMALLVS, i, Gr. Χρυσόμαλλος, ου, ( Tab. XI.) oder Chrysovellus, wie ihn einige fälschlich nennen, Schol. German. ap. Muncker. ad Hygin. Fab. 3. da man ihn doch lieber Chrysovillus nennen könnte. Iunii animadv. L. V. c. 12. Er war ein Widder mit einem goldenen Felle, Neptuns und der Theophane Sohn, welcher den Phrixus nach Kolchis führete, der ihn daselbst opferte. Hygin. Fab. 3. & 188. Man weis aber nicht recht wem, dem Mars oder Mercurius, Munck. ad Hygin. Fab. 3. Jedoch kann man muthmaßen, daß es derjenige Gott gewesen, der bey den Orchomeniern Laphystius hieß. Paus. in Attic. c. 34. p. 42. welches auch einige ausdrücklich sagen. Schol. Apollon L. II. 655. Andere wollen, er habe ihn dem Jupiter Phryxius dargebracht. Tzetz. ad Lycophr. v. 22. Schol. Pind. in Pyth. Od. IV. 430. weswegen denn eben kein großer Streit seyn darf, da der erste Namen dem Jupiter ebenfalls zukömmt, und unter beyden kein gar zu großer Unterschied in der Bedeutung ist. Cf. Staveren ad Hygin. Fab. 3. Das Fell wurde dem Mars gewiedmet, und in dessen Haine aufgehängt. Hygin. l. c. Er wurde aber dem Phrixus von seiner Mutter, Nephele, zugeführet, welche ihn vom Mercur bekommen, Apollod. L. I. c. 9. §. 1. Tzetz. l. c. der auch sein Fell golden gemacht hatte. Apollon. L. II 1147. & Schol. ad eum. Außerdem besaß dieser Widder noch zwo besondere Eigenschaften. Er konnte nicht nur fliegen, sondern auch mit einer Menschenstimme reden. Denn als Athamas den Phrixus hinrichten wollte, und ihm deswegen befohlen, den besten Widder zum Opfer auszusuchen: so wählete er diesen, der ihm denn entdeckete, was seine Stiefmutter wider ihn und seine Schwester Helle vorhätte. Er rieth ihm dabey, sie sollten sich beyde auf seinen Rücken setzen, und der Gefahr also entgehen. Didym. ad Hom. Il. Η. 86. Sie thaten solches, and der Widder flog mit ihnen durch die Luft hinweg. Apollod. & Tzetz ll. cc. Nonn. Dionys. X. 99. August. de C. D. XVIII. 13. Jedoch sagen einige deutlich, er sey mit ihnen über die See geschwommen: Manil. Astron. IV. 516. Hier fiel Helle herab, und ersoff in derselben, ob sie ihm gleich das eine Horn mit abriß. Eratosth. Cataster. 19. Weil nun Phrixus über diesen Unfall sehr betrübt war, so tröstete ihn der Widder, und sprach ihm einen frischen Muth ein. Schol. Apollon. ad L. I. 256. Er warnete ihn auch vor gewissen Barbarn, welche ihn überfallen wollten, da er ein wenig abgestiegen war, und sich auf einem Hügel auszuruhen gedachte, welcher daher Brixaba, das ist, nach dasiger Landessprache, Widderstirn, genannt wurde. Dieses soll an dem Flusse Tanais geschehen seyn. Plutarch. de fluv. p. 1158. T. II. Opp. Er nahm ihn darauf wieder auf seinen Rücken, und nachdem er ihn unbeschädiget nach Kolchis gebracht, so befahl er selbst dem Phrixus, ihn zu schlachten. Schol. Apollon. l. c. Ja, er zog sich auch selbst sein goldenes Fell ab, und gab es dem Phrixus zum Andenken, worauf er in den Himmel stieg. Hygin. Astron. poet. L. II. c. 20. Daselbst ist er das erste Zeichen in dem Thierkreise, wie sein Fell das berufene goldene Vließ, dessen Andenken noch jetzt durch einen ansehnlichen Ritterorden erhalten wird. Was aber solches eigentlich gewesen, wird niemand leicht zulänglich darthun. Indessen hat man doch schon bey den Alten dafür gehalten, daß des Phrixus Pflegevater Krius geheißen, welches so viel, als einen Widder bedeutet. Dieser habe ihm die Nachstellungen seiner Stiefmutter Ino entdecket, und ihm gerathen, solcher durch die Flucht zu entgehen. Schol. Apollon. L. II. 1147. Er gieng auch selbst mit ihm und der Helle zu Schiffe, welche auf der See entweder an einer Krankheit starb, oder ins Meer fiel. Krius und Phrixus aber kamen nach Kolchis, wo sie einen Schöps nahmen, dem sie die Wolle vergolden ließen, und welchen sie also dem Jupiter opferten. Tzetzes l. c. Nach andern soll er des Athamas Schatzmeister gewesen seyn, und da er von dessen Absicht, den Phrixus zu tödten, Wind bekommen, es diesem gesteckt haben, welcher denn für ein Schiff sorgete, worauf sie eine große Summe Geldes brachten. Sie nahmen auch eine Bildsäule von gediegenem Golde mit sich, welche des Pelops Mutter, Eos, vorstellete, und Aeetes hernach von ihnen zum Geschenke erhielt. Palæphat. de incred c. 31. Man hat aber dieses Vorgeben für ein wenig ausschweifend gehalten, weil man sonst nirgends finde, daß Eos oder Aurora Pelops Mutter gewesen. Meziriac comment. sur les Epitres d'Ovidel T. II. p. 36. Wieder andere geben den Krius für des Phrixus Hofmeister aus, der mit ihm entflohen wäre, da sie denn aufgefangen, und zu dem Aeetes gebracht worden, der zwar des Phrixus verschonet, dem Krius aber die Haut abziehen lassen, die er denn nach seiner Gewohnheit in dem Tempel des Mars aufhängen lassen. Weil ihm nun war prophezeyet worden, daß es um ihn werde gethan seyn, wenn Fremde solche Haut entführen würden, so setzete er nicht nur eine besondere Wache, sie in Acht zu nehmen; sondern ließ sie auch übergolden, damit sie ihren Hütern jederzeit desto besser in die Augen fallen möchte. Diod. Sicul. L. IV. c. 48. p. 174. Einige hingegen wollen, daß solcher Widder ein Schiff gewesen, welches einen goldenen Widder zum Zeichen gehabt, Id. l. c. Schol. Apoll. ad L. I. 256. Hellanicus ap. Nat. Cam. lib. VI. c. 9. Ban. Erl. der Götterl. IV B. 494 S. Aandere deuten dessen Fell auf die Flüsse in Kolchis, welche Gold mit sich führeten, das von den Einwohnern mit Schafsfellen aufgefischet wurde. Eustath. in Dionys. Perieg. v. 689. s. sect. 98. oder auch auf ein Buch, worinnen die Kunst Gold zu machen enthalten, und das auf Fellen oder Pergament geschrieben gewesen sey, Anonym. c. 3. inter Mytholog. Galei p. 9. Charax ap. Eustath. l. c. und was des Dinges alles mehr ist. Einige aber haben weiter nichts, als nur bloß die Kostbarkeit, Schönheit und Seltenheit der kolchischen Wolle darunter verstanden. Varro de re rust. L. II. c. 1. Cf. Meziriac. l. c. Indessen bedeutet doch der Namen Chrysomallus von Χρυσὸς, Gold, und μάλλος, Fell oder Vlies, nichts anders, als ein goldenes Fell, und soll dasselbe übrigens, als es Jason mit aus dem Hayne des Mars hinweg getragen, einen Glanz, als die Sonne selbst, von sich gegeben haben, hiernächst so groß gewesen seyn, daß es dem Jason von der Schulter bis auf die Füße gereichet. Apollon. lib. IV. v. 174. Die meisten wollen zwar, daß es golden gewesen; Schol. Apollon. ad l. c. doch geben auch einige vor, es sey von Farbe weiß, oder auch purpurroth gewesen. Simonides ap. Schol. laud l. c.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”