Plvto

Plvto

PLVTO, ónis, Gr. Πλούτων, ωνος, ( Tab. IX.)

1 §. Namen. Er hat den lateinischen Namen Pluto von dem Griechi schen πλούτων. Orph. Hymn. XVII. v. 5. Dieser soll von πλοῦτος, Reichthum, kommen, weil er unter andern auch ein Gott desselben war. Voss. Etymol. in Dives, p. 215. Sonst hieß er bey den Lateinern insonderheit Dis, Sumanus, Orcus und Februus, welche Namen an ihren Orten nachzusehen sind; und die Griechen nennen ihn auch ᾅδην. Sieh Ades.

2 §. Aeltern und Geburt. Sein Vater war Saturn, seine Mutter aber Rhea, Apollod. l. I. c. 1. §. 3. und er also Jupiters und Neptuns Bruder: seine Zwillingsschwester aber war Glauka. Boccacc. l. VIII. c. 6. Wie besagter sein Vater alle seine Kinder so fort nach ihrer Geburt wieder zu verschlingen pflegete, so machte er es auch mit dem Pluto nicht anders, und zwar nachdem er auf solche Weise schon die Vesta, Ceres und Juno in sich begraben hatte. Doch gab er ihn auch wieder mit von sich. Apollod. l. c. c. 2. §. 1.

3 §. Wesen. Er war der Gott der Hölle; Virgil. Aen. VI. v. 106. wie auch aller unterirdischen Dinge; Diod. Sic. l. V. c. 69. p. 233. & Albric. de Imag. Deor. c. 20. und also so wohl der verstorbenen Seelen, Claudian. de R. P. l. I. v. 56. als auch des in der Erde verborgen liegenden Reichthums. Lucian. in Timone. §. 370. Dieses Reich fiel ihm damals zu, als er sich mit seinen Brüdern, Jupiter und Neptun, in die Welt theilete. Apollod. l. I. c. 2. §. 1. Es waren unter ihm die drey höllischen Richter, Minos, Aeakus und Rhadamanthus, nach deren Urtheile er die verstorbenen Seelen entweder in die elysäischen Felder, oder in den Tartarus verwies; ferner Charon, der solche Seelen über die höllischen Flüsse führete; die Furien, welche die Verdammten peinigten, Cerberus, der nichts wieder aus der Hölle heraus ließ, und was der Dinge alle mehr waren. Struv. Synt. A. R. c. 1. p. 118. Von ihm sollten die Blitze bey Nachtzeit herkommen. Plin. H. N. l. II. c. 52. Denn er war ein Herr der Nacht, wie nicht weniger des Lebens und des Todes, des Anfanges und des Endes aller Dinge. Claud. l. c. v. 55. Ihm war auch die ganze Kraft und Natur der Erde gewiedmet. Cic. de N.D. l. II. c. 26. p. 1183.

4 §. Thaten. Er stund dem Jupiter getreulich wider die Titanen bey, und die Cyklopen beschenketen ihn zu solchem Kriege insonderheit mit einem Helme. Apollod. l. I. c. 2. §. 1. Dieser machte ihn unsichtbar, indem er darunter zwar alles sehen, aber von niemanden hinwiederum gesehen werden konnte. Heraclit. de Incredib. c. 27. Er kam demselben auch wider die Giganten zu Hülfe. Claudian. Gigantom. v. 45. Allein, da er dergleichen den Pyliern leistete, so wurde er selbst von dem Herkules verwundet. Apollod. l. II. c. 7. §. 3. Diesem mußte er auch den Cerberus abfolgen lassen, dabey eine von seinen Eulen abschlachten, den Theseus befreyen, und seinen Hirten Menötius fast erwürgen sehen. Id. ib. c. 5. §. ult. Ein andermal wurde er von demselben bis an die Pforte der Hölle verfolget, und mit einem Pfeile in die Schulter geschossen, woran ihn Päon wieder heilen mußte. Hom. Il. Ε. v. 395. Sonst soll er die Art, die Leichen zu begraben und Leichenreden zu halten, erfunden haben. Diod. Sic. l. V. c. 69. p. 233.

5 §. Beynamen. Diese sind


Agathalyus,Agelastus,Agesilaus,

Altor,Axiocerses,Chthonius,

Dis,Februus,Orcus,

Quietalis,Soranus,Stygius,

Summanus,Vedius,Veiovis.


6 §. Gemahlinn. Da sich Typhöus dereinst dergestalt unter der Insel Sicilien bewegete, daß Pluto furchte, sein Aufenthalt möchte zu Grunde gehen, und daher empor an des Tages Licht gefahren kam, um zu sehen, ob noch alles stehe, wie es solle, so schoß ihm Cupido einen seiner Pfeile, aufder Venus Betrieb, ins Herz. Weil er nun die Proserpina ungefähr bey Herna auf einer Wiese Bluhmen pflücken sah, so entführete er selbige sogleich, und behielt sie zu seiner Gemahlinn. Ovid. Met. V. v. 356. Sieh Proserpina. Es findet sich aber nicht, daß sie einige Kinder mit einander gezeuget. Boccacc. l. VIII. c. 7. Außer ihr hatte er die Nymphe Menthe zu seiner Buhlschaft, die von Proserpinen, aus Eifersucht, in einen Krausemünzenstock verwandelt wurde. Ovid. Met. X. v. 730. & Lact. Placid. Narrat. l. X. Fab. 14. Er soll auch die Veneratio oder Reverentia zur Tochter gehabt haben, wiewohl nicht bekannt ist, von was für einer Frauensperson. Boccacc. l. c.

7 §. Bildung. Man bildete ihn als eine füchterliche Mannsperson, die auf einem Throne von Schwefel in einem ganz finstern Orte saß, in der rechten Hand einen Zepter, mit der linken aber eine Seele hielt, unter den Füßen den Cerberus, neben sich aber die Harpyien hatte, von dessen Throne sodann die vier Flüsse Lethe, Cocytus, Phlegethon und Acheron hervor giengen. Neben ihm saß Proserpina; und die Furien, nebst den Parcen, fanden sich auch um ihn herum. Albric. de Imag. Deor. c. 10. Andere hingegen geben ihm nur einen übel zugerichteten Thron, (rudem) und finsteren Aufenthalt, nebst einem ungeheuern unflätigen Zepter. Claudian. de R. P. l. I. v. 79. Noch andere wollen, daß solcher Zepter gar klein, seine Krone aber von Ebenholze gewesen. Mart. Capella ap. Chartar. Imag. 42. Statt des ersten führet er auch wohl nur einen Schlüssel. Pausan. Eliac. pr. c. 20. p. 325. Zuweilen pflegte er auf einem Wagen zu fahren, welchen vier schwarze Pferde zogen, Ovid. Met. l. V. v. 360. die mit ihren besondern Namen Orphnäus, Aethon, Nykteus und Alastor hießen. Claudian. l. c. v. 282. Es finden sich außer dem Raube der Proserpina nur sehr wenig alte Denkmäler von ihm. Auf einer Gemme sitzt er als Jupiter Stygius ganz bekleidet, mit dem Scheffel auf dem Kopfe und dem Spieße in der linken Hand auf einem Stuhle, und scheint mit der rechten dem neben ihm sich befindlichen Cerberus zu fressen zu geben. Maffei gem. ant. P. II. t. 36. Auf einem Gemälde an dem Grabe der Nasonen sitzt er mit der Proserpina zu seiner linken auf einem Throne, und hat einen Zepter mit doppeltem Knaufe in seiner rechten. Ueber dem Kopfe hat er ein Gewand, welches ihm zugleich den größten Theil des Leibes bedecket. Mercur bringt ein junges Mägdchen vor ihn, welchem eine ältliche Frauensperson folget. Montfauc. ant. expl. T. I. P. I. pl. 37. n. 3. Sein Kopf kömmt mit einem Diadem versehen auf einigen consularischen Münzen vor, und hat eine Gabel mit zweenen Zacken, zuweilen fast in der Gestalt unserer Feuerhaken, zum Merkmaale hinter sich. Beger. Thes. Brand. T. II. p. 551. & 567. Haverc. Thes. Morel. T. I. p. 89. & 294.

8 §. Verehrung. Er hatte ehemals insonderheit einen berühmten Tempel zu Pylos, Strabo l. VIII. p. 344. und einen gemeinschaftlichen mit der Pallas an dem Flusse Koralium, wo die Pamböotia gehalten wurden. Id. l. IX. p. 411. Dergleichen mit einem schönen Hayne hatten er und Juno, oder wie man viel lieber will, Proserpina, in einem Dorfe bey Nysa. Id. l. XIV. p. 649. & Almelov. ad h. l. So hatte er auch zu Rom seine Tempel, und zwar einen unter dem Namen des Veiovis, in der VIII Region, Victor & Gellius ap. Merulam Cosmogr. P. II. l. 4. c. 22. und einen unter dem Namen des Sumanus, oder Ditis patris in der XI Region. Victor. ap. Nardin. l. VII. c. 4. Unter ihm stunden die Klopfechter; Prudent. ap. Voss. Theol. gent. l. IX. c. 30. desgleichen die amphitheatralischen Spiele. Voss. l. c. Ihm waren auch die Cypressen, Plin. H. N. l. XVI. c. 36. der Buchsbaum, die Narcissen und das Kraut Adiantum heilig. Voss. l. c. Von Thieren aber opferte man ihm Stiere Virgil. Aen. VI. v. 253. und Ziegen. Voss. l. c. Die Gallier sollen sich gerühmet haben, von ihm herzustammen. Cæsar de bel. Gal. l. VI. c. 18. Gleichwohl findet man von ihrer Verehrung desselben wenig. Ban. Erl der Götterl. II B. 743 S.

9 §. Eigentliche Historie. Er scheint allerdings ein wirklicher Fürst gewesen zu seyn, der in der Theilung mit seinen Brüdern, dem Jupiter und Neptun, die Abendländer, insonderheit aber Spanien, bekommen, woselbst er zuförderst die Bergwerke gebauet, und, weil diese sehr ergiebig gewesen, für den Gott der unterirdischen Reichthümer gehalten worden. Da nun Spanien viel niedriger liegt, als Griechenland, so hat man ihn zu einem Gotte der Hölle gemacht. Banier Entret. VIII. ou P. I. v. 224. Dess. Erl. der Götterl. IV B. 65 S. Cf. Lactant. Inst. l. I. c. 11. & Nat. Com. l. II. c. 9. Nach andern wird er deswegen dafür angesehen, weil er zuerst den Gebrauch eingeführet, die Leichen zu begraben, den Todten ein Grabmaal zu errichten und andere Ehrenbezeugungen zu erweisen, da man sich sonst gar nicht um sie bekümmert hatte. Diod. Sic. l. V. p. 233. Einige machen nur einen König in Molossien aus ihm, welcher Aidoneus geheissen, und die Proserpina zur Gemahlinn gehabt. Plutarch. in Thes. c. 36. Voss. Theol. gent. l. I. c. 19. Noch andere machen ihn zum Cham, des Noah Sohne, Voss. l. c. c. 18. 19. und wiederum andere zum Sem; Huet. D. E. Propos. IV. c. 10. §. 6. Beydes aber ist nichts, als eine bloße Muthmaßung.

10 §. Anderweitige Deutung. Einige machen die dicke Luft aus ihm, die allernächst der Erde ist; Phurnut. de N.D. c. 5. andere hingegen den Reichthum, welcher meist aus der Erde kömmt, dessen Tochter denn die Veneratio ist, die insgemein durch den Reichthum zuwege gebracht wird. Boccacc. l. VIII. c. 7. Die dritten deuten ihn auf die Erde, die Proserpina aber auf den Samen des Getraides. Cic. & Euseb. ap. Nat. Com. l. II. c. 9. Sein Helm, welcher alle, die ihn aufsetzten, unsichtbar machte, soll bemerken, daß die Todten, welche in die Erde begraben werden, den Menschen aus den Augen kommen und also unsichtbar werden. Heraclit. de Incred. c. 27. Sein Schlüssel bedeutet, daß niemand aus seinem Reiche wieder zurück komme; Pausan. El. prior. c. 20. p. 325. und was dergleichen mehr ist.


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