Acastvs

ACASTVS, Gr. Ἄκαστος, ου, ( Tab. XV.) des Pelias und der Anaxibia, oder, nach andern, der Philomaches Sohn, Apollodor. lib. I. c. 9. §. 10. half in seiner Jugend das calydonische Schwein mit erlegen, Ovid. Metam. lib. VIII. v. 306. und gieng hernachmals unter den Argonauten auch mit nach Colchis. Val. Flacc. lib. I. v. 164. et Apollon. lib. I. v. 224. Als bey seiner Zurückkunft seine Schwestern durch der Medea Betrug den Vater umgebracht hatten, Apollodor. l. c. §. 27. et Ovid. Metam. lib. VII. v. 297. so erhielt er zwar durch Jasons Vorschub das Königreich, Dio. dor Sic. lib. IIII. c. 54. sagte aber co dann nicht allein diesen siebst der Medea aus seiner Residenz Jolcus fort, Apollodor. l. c. §. 28. sondern verfolgete auch seine Schwestern aufs heftigste. Es flüchtete daher Alcestis zu ihrem Vetter, dem Könige Admetus, nach Pheris. Ob sie nun wohl keine Hand mit an den Vater geleget, so forderte sie dennoch Akastus von dem Admetus wieder; und, da solcher sie nicht in der Güte ausliefern wollte, so verwüstete er nicht nur dessen Land mit Feuer und Schwerte, sondern belagerte ihn auch selbst mit einer starken Armee in Pheris. Als sich nun Admetus des Nachts einst aus der Stadt wagete, so fiel er dem Akastus unvermuthet in die Hände, der ihn denn hinzurichten drohete, wo er ihm nicht die Alcestis auslieferte. So bald diese vernahm, in was für Gefahr Admetus ihrenthalben schwebete, so überlieferte sie sich ihrem Bruder selbst. Um diese Zeit zog Herkules ungefähr mit des Diomedes Pferden aus Thracien durch solche Gegend. Da er nun sowohl des Admetus Betrübniß über der Alcestis schlechten Zustand, als auch dieser Unschuld und Gefahr vernahm, so griff er den Akastus mit seinen Leuten an, schlug dessen Heer, befreyete die Alcestis, und stellete sie dem Admetus wieder zu. Palæphatus de Incredibil. c. 41. Indessen hatte Akastus seinem umgebrachten Vater zu Ehren ein prächtiges Spiel zu Jolcus angestellet, auf welchem Zethus im doppelten Wettrennen oder dem Laufe von sieben Stadien, (Dolichodromus) Calais in dem Laufe eines doppelten (Diaulos) und Castor eines einfachen Stadii, Pollux im Gefechte mit dem Streitriemen, Telamon mit der Wurfscheibe, Peleus im Ringen, Herkules im Pammachio, Meleager mit dem Wurfspieße, Bellerophon im Pferderennen, Jolaus mit dem vierspännigen Wagen, Cephalus mit der Schleuder, Eurytus im Schießen mit Pfeilen, Olympus mit der Pfeife, Orpheus mit der Cithar, Linus im Singen, und Eumolpus im Singen zu der Pfeife des Olympus den Preis behielt, Cycnus aber den Pilus unversehens tödtete, und Glaucus von seinem eignen Pferde zerrissen wurde; Hygin. Fab. 273. und soll er der erste gewesen seyn, welcher solche Spiele angestellet hat, Plin. hist. nat. L. VII. c. 56. welches andere nicht einräumen. Da aber bey dieser Feyerlichkeit Astydamia, des Akastus Gemahlinn, sich in den Peleus verliebete, allein bey diesem auf ihren Antrag eine abschlägliche Antwort bekam, so verklagte sie ihn bey dem Akastus, als ob er ihr selbst ungebührliche Dinge angemuthet hätte. Dieser wollte nun zwar den Peleus nicht eigenmächtig dafür abstrafen, weil er ihn selbst ehemals eines geschehenen Todtschlages wegen wieder mit den Göttern ausgesöhnet hatte, führete ihn aber mit sich auf die Jagd; und da sich Peleus ungemein bemühet, und daher sich niedergelegt hatte, etwas auszuruhen, so entführete ihm Akastus im Schlafe sein Schwert, und ließ ihn also unbewehrt zu seinem Glücke und Unglücke liegen. Es würde auch bald darauf mit ihm geschehen gewesen seyn, als ihn die Centauren also antrafen, wo ihn nicht noch Chiron gerettet hätte. Apollodor. lib. III. c. 12. §. 3 Conf. Schol. Apollon. ad l. c. Damit er sich nun an dem Akastus solcher Verrätherey wegen rächete, so brachte er den Jason, Castor, und Pollux nebst andern auf seine Seite, überfiel damit die Stadt Jolcus, und, als er Astydamien in seine Hände bekam, ließ er sie hinrichten, in kleine Stücken zerhauen, diese hin und her zerstreuen, und über dieselbe sein Heer in die Stadt hineinziehen. Apollodor. l. c. §. 7. Indessen scheint es, daß Akastus selbst hierbey sich noch mit der Flucht gerettet habe, weil er den Peleus hernach wieder von dem Throne vertrieben hat; so wie nachher Neoptolemus, des Peleus Enkel, solch Unrecht an ihm zu rächen, einen Anschlag auf ihn machte, und, nachdem er dessen Söhne Menalippus und Plisthenes auf der Jagd ertappet und niedergemacht hatte, endlich den Akastus auch selbst in seine Gewalt bekam. Auf seiner Großmutter, der Tethys, Vorbitte aber ließ er ihm das Leben, dagegen ihmdieser das Reich und die Herrschaft also fort dafür abtrat, Dict. Cret. lib. VI. c. 7. und endlich noch ar der Läusesucht starb. Plutarch in Sylla c. 22. Seine Töchter waren Laodamia und Sterope, von denen jene den Protesilaus heurathete, sich aber endlich selbst mit dessen Bilde verbrannte; Hygin. Fab. 104. diese aber ihrer Mutter so fern zum Behelfe dienete, daß sie gegen des Peleus Gemahlinn schriftlich vorgab, als ob selbiger sie heurathen werde, womit sie denn machte, daß solche leichtgläubige Dame sich aus Verdrusse selbst erhieng. Apollodor. l. c.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.

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