Achelóvs

ACHELÓVS, . Ἀχελῶος, ώου, ( Tab. III.)

1 §. Name. Diesen soll er nach einigen von ἄχος, die Traurigkeit, und λύω, ich löse auf, führen, Eustath. apud Voss. Etymol. in Aqua s. pag. 44. Conf. Id. Theol. Gent. lib. II. c. 77. vielleicht weil er, als ein Fluß, mit seiner annehmlichen Gegend den Menschen ihre Traurigkeit zu benehmen, fähig gewesen: andere hingegen leiten solchen von einem alten griechischen Worte ἄχα her, welches das Wasser bedeutet, und λούω, ich wasche, oder bade, weil dessen Wasser insonderheit dazu gebrauchet worden; Iul. Caes. Scalig. apud eumd. l. c. daher auch einige solchen Namen Aquæ lavacrum deuten. Vossius ipse l. c. Die dritten geben vor, daß er erst Thoas geheißen, nachdem aber Achelous, König in Aetolien, darinnen verunglückt, so habe er den Namen solches Königes bekommen. Nat. Comes lib. VII. c. 2. Und endlich sagen einige, er habe erst Thestius geheißen, von dem Thestius, des Mars und der Prisidice Sohne, den Namen Achelous aber von dem Achelous, des Oceans und einer Nymphe Sohne, bekommen, als derselbe in ihm ertrunken. Plutarchus, vel quisquis autor est, libelli de Fluminibus apud eumd. l. c.

2 §. Ursprung. Einige geben ihn für einen Sohn des Oceans und der Erde, Alcæus apud Nat. Com. lib. VII. c. 2. et Paullus Perusin. apud Boccac. lib. VII. c. 19. andere für einen Sohn der Sonne und der Erde aus; Heca. tæus apud Nat. Com. l. c. die dritten machen ihn zu einem Sohne des Pontus und Mars, Hygin. Præf. p. 5. und die vierten zu einem Sohne des Oceans und der Tethys, Hesiod. Theogon. v. 340. welches denn in so fern seine Richtigkeit hat, weil Oceanus und Tethys nichts anders, als das Meer bedeuten, aus welchem alle Flüsse ihren Ursprung haben. Homer. apud Boccac. lib. VII. c. 19. Einige schreiben sonst auch insonderheit, daß, als er seine Töchter, die Sirenen, verloren, er seine Mutter, die Erde, um ihren Trost in seinem Alter und Betrübnisse ersuchet habe, welche sich denn eröffnet, und ihn wieder in sich genommen. Damit seiner aber nicht möchte vergessen werden, so habe sie einen Fluß aus sich entspringen lassen, welchen sie dessen Namen zugeleget Servius ad Virgil. Georg. lib. I. v. 9. Doch kann er in so fern auch wohl für einen Sohn der Erde gehalten werden, weil die Flüsse in ihren Quellen aus solcher hervor kommen.

3 §. Thaten. Weil die Schönheit der Deianira, des Oeneus, Königs in Calydonien, Tochter, viel Freyer anlockete, so fand er und Herkules sich auch unter denselben mit ein. Oeneus wollte sich keinen von allen gern zum Feinde machen, welches doch geschehen müssen, wenn er einen von ihnen den andern vorgezogen, und erklärete also, daß der die Deianira haben sollte, welcher im Kampfe gegen den andern die Oberhand behalten würde. Weil nun keiner der Freyer es mit dem Herkules und Achelous annehmen wollte, so bekamen es diese beyde mit sich allein auszuführen. Sie giengen daher einigemal mit größter Gewalt auf einander, ohne daß sie einander etwas abgewinnen konnten, endlich aber versah es Achelous, daß ihn Herkules nicht allein über den Haufen warf, sondern zugleich auch auf den Hals sprang, und dergestalt umtrieb, daß er sich durchaus nicht wieder erholen konnte, sondern mit dem Maule in den Sand zu liegen kam. Weil er nun solcher Gestalt mit seiner Stärke nichts mehr auszurichten vermochte, so wendete er sich zu seinen Künsten, und verwandelte sich in eine ungeheure Schlange. Allein, Herkules lachete darüber, weil er schon in seiner Wiege zwo dergleichen Bestien umgebracht hatte, und selbst das lernäische Ungeheuer ihm nicht widerstehen können, ergriff auch damit den verwandelten Achelous dergestalt bey der Kehle, daß, wenn er nicht erwürget seyn wollte, er solche angenommene Gestalt wieder mußte fahren lassen. Er verwandelte sich aufs neue in einen grimmigen Ochsen: allein Herkules fassete ihn auch so mit der einen Hand in die Schulter, und mit der andern bey dem einen Horne, und streckete ihn solcher Gestalt nicht nur in den Sand, sondern brach ihm auch gar das ergriffene Horn ab. Als sich nun Achelous in allem überwunden sah, stürzete er sich aus Scham und Verdrusse in den von ihm benannten Strom, und überließ dem Herkules die Deianira. Die Nymphen nahmen das abgebrochene Horn und machten das bekannte Horn des Ueberflusses daraus, Ovid. Metam. lib. VIIII. a versu 8. usque ad 88. oder wie andere melden, gab Achelous dieses dem Herkules selbst, und bekam dargegen sein abgebrochenes Horn wieder. Apollodor. lib. II. c. 6. §. 5. Als sich aber einst fünf Nymphen in seiner Gegend befanden, und zehen Ochsen den übrigen Feldgöttern opferten, seiner hingegen darbey vergaßen, so riß er, als sie am lustigsten mit Tanzen und Springen bey ihrem Feste waren, das ganze Stück Land, worauf sie sich befanden, von dem übrigen los, und führete es in die See hinab, worauf denn Land und: Nymphen, und unter solchen auch die Perimele, die er doch sonst gar innig geliebet, in fünf besondere Inseln verwandelt wurden, Ovid. Metam. lib. VIII. v. 576. seqq et Lactant. Placid. Narrat. lib. VIII. Fab. 5. 6. die nach der Zeit von einem gewissen Wahrsager, Echinus, den Namen Echinades oder auch Echinä bekommen haben. Cnipping. ad Ovid. l. c. v. 588.

4 §. Gemahlinn und Kinder. Seine Gemahlinn war Perimede, des Aeolus Tochter, mit welcher er den Hippodamas und Orestes zeugete. Apollodor. lib. I. c. 7. §. 2. So soll er auch mit; der Melpomene, oder, nach andern, mit der Calliope, und, nach noch andern, mit der Sterope, die Sirenen, und sonst noch die Callirhoe, Dirce und Castalia, zu Töchtern gehabt haben. Natal. Comes lib. VII. c. 2.

5 §. Wahre Historie. Er ist eigentlich ein Fluß. der auf dem Berge Pindus entspringt, Aetolien und Akarnanien von einander scheidet, und endlich in das ionische Meer fällt. Strabo lib. X. p. m. 13. 14. Er fließt sehr krumm und mit einem großen Geräusche, daher denn seine Verwandelung in eine Schlange und Ochsen gedichtet worden, Barth. ad Stat. Theb. lib. II. v. 731. und, da er, nach einigen, die Thesproten und Cureten von einander schied, und bald diesen, bald jenen etwas zuführte, so entstund daher ein steter Krieg, bis endlich Herkules die Cureten besiegen half, den Fluß in einen Strom zwang, und ihm also gleichsam das eine Horn abbrach. Anonym. apud Th. Galeum Opusc. Mythol. c. 5. p. 86. Andere hinge gen geben vor, da solcher Strom einen doppelten Arm gehabt, und mit einem insonderheit einen großen Theil Landes überschwemmet, so habe Herkules den einen verdämmet. Da nun ein ungemein fruchtbares Land daher entstanden, so habe man gedichtet, daß aus dem abgebrochenen Horne, welches der eine verstopfete Strom ist, das Cornu Copiæ entstanden sey. Diodor. Sic. lib. IIII. c. 35. Daß er aber die fünf Nymphen in das Meer geführet, ist nichts anders, als daß er durch seine Schnelligkeit und Stärke viel Land weg gespület, und mit sich in die See genommen, woraus denn die Echinadischen Inseln entstanden, welche jetzo die Isoli Curzoli, wie der Achelous selbst Aspri, heißen.

6 §. Anderweitige Deutung. Einige wollen, daß der Name Achelous überhaupt so viel, als ein besonderes und vortreffliches Wasser bedeute; daher denn auch insonderheit das Wasser, das bey den Opfern gebrauchet wurde, Achelous genannt worden. Ephorus apud Nat. Com. lib. VII. c. 2. Woher er aber für einen Sohn des Oceans angegeben wird, ist schon beygebracht worden; und daß er ein Sohn der Sonne seyn soll, will nur anzeigen, daß, da die Sonne die Dünste aus der Erde zieht, aus diesen so dann Regen, Schnee, Schloßen und dergleichen entstehen, durch solche aber die Flüsse ihr Wachsthum haben; daher nicht allein Achelous, sondern auch alle andere Flüsse für Söhne der Sonne angesehen werden können. Nat. Com. l. c. Andere gehen ganz einen andern Weg, und machen den Achelous, jedoch nur so fern, als er seinen Kampf mit dem Herkules hatte, zu einem Vorbilde eines Landes, das sich im Kriege gegen seinen Feind zu wehren hat. Denn wie er allerhand Gestalten angenommen, sich gegen den Herkules zu behaupten: so nimmt auch ein solches Land allerhand zu seinem Schutze vor; es bauet Festungen, bringt das Landvolk in die Städte, bauet Brücken, trägt andere ab, schaffet den Proviant an haltbare Oerter und was dergleichen mehr ist. Hingegen trachtet ein Feind, daß er zu einer Schlacht mit den Einwohnern komme, weil er sich insonderheit vor dem Mangel an Proviante fürchtet, und, da er den Sieg behauptet, bricht er seinen Feinden gleichsam ein Horn ab, worauf denn derselbe weicht, und sich in feste Oerter zieht, hingegen der Obsieger das Land frey behält, es ausplündert, und gleichsam zu seinem Horne des Ueberflusses hat, woraus er nimmt, was er verlanget. Baco Verulam. de Sap. Vett. c. 23. Diese Deutung halten einige gar hoch, andere aber sehen sie, und zwar vielleicht nicht so ganz unrecht, für ziemlich gezwungen an.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.

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