Arachne

ARACHNE, es, Idmons, eines Purpurfärbers, von Colophon, Tochter, erlernete von der Pallas die Weberkunst, und brachte es darinnen so hoch, daß oft die Nymphen von dem Tmolus und aus dem Paktolus sich nach Hypäpas, wo sie wohnete, begaben, und ihre Arbeit betrachteten. Wie sie aber darüber endlich so hochmüthig wurde, daß sie sich rühmete, sie wollte es mit der Pallas selbst auf ein Wettwirken ankommen lassen, so verstellete sich diese in eine alte Frau, und suchete sie davon abzumahnen. Da sie aber auf ihrem Sinne blieb, so nahm diese ihre rechte Gestalt an sich, und gieng wirklich einen Wettstreit mit ihr ein. Es machete auch Arachne ihr Gewebe so schön, daß Pallas an dessen Kunst nichts auszusetzen fand. Weil sie aber doch lauter Schandthaten der Götter darauf vorgestellet hatte, z. E. wie Jupiter sich in einen Ochsen verwandelt habe, die Europa zu entführen; in einen Adler, die Asterie zu berücken, in einen Schwan, die Leda zu betriegen, in einen Satyr, die Antiope zu seinem Willen zu bringen, in den Amphitryon, die Alkmena zu überlisten, und was dergleichen mehr war, so zerriß sie ihr Gewebe, und stieß sie etlichemal mit dem Weberschiffchen vor den Kopf. Dieses schmerzete die Arachne dergestalt, daß sie vor Verdrusse einen Strick ergriff, und sich erhieng. Pallas erhielt sie zwar noch beym Leben, besprengete sie aber doch mit einem Kräutersafte, daß sie in eine Spinne verwandelt wurde, die daher beständig das Wirken oder Spinnen ihre Arbeit seyn läßt. Ovid. Metam lib. VI. v. 5. – – 145. und kürzer Lact. Placid. Narr. lib. VI. Fab. 1. 2. 3. Einige wollen sie daher für die Erfinderinn der Flachsarbeit, in Spinnen und Weben, wie auch der Vögel und Fischnetze halten; Plin. H. N. lib. VI. c. 56. Andere aber setzen sie zum Exempel der Undankbarkeit, daß sie sich mit der Minerva, von der sie doch ihre Kunst gelernet, in einen Wettstreit eingelassen; wie nicht weniger eines schnöden Hochmuthes, der diejenigen stürzet, welche sich denselben verleiten lassen, ihre Geschicklichkeit allzusehr zu erheben, und selbst Gott dabey zu verachten, der sie denn fallen läßt, und machet, daß ihre Werke, indem sie ihrem Eigendünkel folgen, zu nichts taugenden Spinnenweben werden. Omeis Myth. in Arachne.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.

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  • Arachne — (gr., die Spinne), 1) (Sagengesch.), Tochter Idmons, eines Purpurfärbers zu Kolophon, geschickte Weberin. Als die Nymphen vom Tmolos u. Paktolos ihre Arbeiten bewunderten, forderte sie die Minerva zum Wettkampf im Weben auf. Nachdem die Göttin… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Aráchne — (»Spinne«), im griech. Mythus Tochter des Purpurfärbers Idmon zu Hypäpa in Lydien, forderte, übermütig gemacht durch die Bewunderung ihrer Webekunst, Athene zum Wettkampf heraus. Die Göttin zerriß das Gewebe der A., das die Liebesabenteuer der… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Arachne — Arachne, myth., Weberin, die mit Minerva wetteifern wollte; diese zerriß ihr kunstvolles Gewebe und verwandelte die A., welche sich erhängt hatte, in eine Spinne …   Herders Conversations-Lexikon

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