Blumen

Blumen, B. sind eins der schönsten Erzeugnisse der Natur. Bes. zeichnet sie der Schmelz der Blumenfarben, vorzugsweise der Korollenblätter, bei denen blau, roth u. violet, gelb u. weiß die gewöhnlichsten, grau, braun u. vornämlich schwarz die seltensten sind; nur bei wenig B. läßt sich die Farbe extrahiren u. fesseln (vgl. Blumenblau, Blumengelb, Carthamin u. Pflanzenfarben). Der Blumengeruch ist B. mehr als anderen Pflanzentheilen eigen; verhältnißmäßig besitzen ihn jedoch nur wenige, von denen einige wieder wohlriechend sind, dann aber angenehm, lieblich, gewürzhaft, außerdem aber scharf od. betäubend riechend; ihnen sind die stinkenden, selbst ekelriechenden entgegengesetzt. Den Geruch der B. benennt man auch nach Vergleichungen moschus-, ambraartig-, bockig- od. wanzigriechend etc. Der B-geruch wird durch Feuchtigkeit u. Erhöhung der Temperatur vermehrt. Die Ausdünstung der B. überhaupt, Blumenduft, ist meist erregend u. erquickend, daher auch Kranke ihn lieben; doch ist starker B-duft, namentlich in verschlossenen Zimmern, Personen mit schwachen Nerven häufig lästig, indem er betäubt u. Kopfschmerz verursacht, ja er tödtet Insecten u. größere Thiere, u. Menschen, die in Zimmern schlafen, wo stark riechende B. stehen, erleiden wohl Ohnmachten, selbst Schlagflüsse. Aus den Blüthen des weißen Diptam entbinden sich brennbare Dünste, die sich an einem nahe gehaltenen Lichte entzünden; auch geben manche gelbe Gartenblumen (Indianische Kresse, Ringelblume, Feuelilie, Sonnenblume, Lack u. m. a.) in heißen Sommermonaten, kurz nach Sonnenuntergang, bei heiterer, trockener Luft, einen blitzähnlichen Schein, oft 2–3mal hinter einander. Man nennt dies Blumenleuchten. Auch die Blumengestalt, bei welcher die verschiedensten Formen (s. Blüthe II. A) a–b) vorkommen u. das Auge ergötzen ist beachtenswerth. Blumenliebhaberei, eine sehr verbreitete Neigung u. nicht allein auf deren Besitz beschränkt, kann eigentlich nur im Eigenbesitz eines Gartens zu einer gewissen Höhe verfolgt werden; doch ist auch Blumencultur im Zimmer u. auf B-bretern am Fenster u. dann zu jeder Jahreszeit (vergl. Wintergarten) sehr verbreitet. Früher war die B-liebhaberei nur auf die Cultur weniger Arten B. u. zwar solcher gerichtet, die eine Menge Abarten geben, wie bes. Tulpen, Aurikeln, Nelken, [905] Ranunkeln, Hortensien, Georginen u.a.; neuerlich ist sie mehr wissenschaftlich u. auch auf die neuen u. seltenen Arten gerichtet. Vor allen liebt man den Blumenflor, das gleichzeitige Blühen von B. einer Art u. auf Einem Beete od. Gestelle. Blumenzucht erfolgt aber in besonderen, nur der Cultur von B. bestimmten Blumengärten. Die B-zucht zerfällt in eine natürliche u. eine künstliche. Erstere erstreckt sich auf die Cultur der einheimischen B., die im freien Felde wachsen u. nur der Pflege durch Düngen, Jäten, Begießen u. höchstens im Winter einer Bedeckung bedürfen; die künstliche B-zucht befaßt sich mit der Erhaltung u. Vermehrung ausländischer, namentlich tropischer B., mit der Erzeugung neuer B-sorten durch Kreuzung u. andere Mittel, zu welchem Ende die Anlage von Gewächshäusern nöthig ist. Den Inbegriff aller zur B-zucht erforderlichen Kenntnisse nennt man Blumistik. Außer dieser muß der B-gärtner Geschmack u. Schönheitssinn besitzen, um B. zu schönen Gruppen zusammenzustellen; ferner muß er Rücksicht auf die herrschende Mode nehmen, der auch einzelne B-sorten unterworfen sind. Die Eintheilung des B-gartens u. die übrige Einrichtung hängt von dessen Größe u. örtlicher Beschaffenheit ab, doch wählt man, wenn man den Garten nur theilweise zu B. bestimmt, die sonnigsten u. besten Stücke zu Blumenbeeten u. scheidet sie von den Beeten mit Küchengewächsen u. von den Wegen durch Buchsbaum, Federnelken, englisches Gras od. auf andere Art. Die B-beete dürfen nicht zu breit sein, damit man von jeder Seite zu den Gewächsen gelangen kann; sie müssen mit solchen B. besetzt werden, von denen, wenn einige Gewächse früher, wie Crocus, Tulpen, Hyacinthen, abgeblüht haben, andere, wie Nelken, Winden, noch später Astern, zur allgemeinen Blüthe kommen, auch sich im Wachsthum nicht hindern. Neuerdings macht man die B-beete u. Blumenparquets in Parks u. öffentlichen Anlagen, nicht blos viereckig u. regulär, sondern auch mehr dem Oblongum u. dem Kreis sich nähernd. Auch pflanzt man bes. steinigen Boden liebende B. od. andere als Blumenberg auf eine hügelige Stelle, die man auch wohl felsenartig mit Steinen belegt, od. bringt eine Zusammenstellung blühender Gewächse auf Unterlagen, in Kästen od. umgeben von Weidenruthen, die in Form eines Korbes (Blumenkorb) gestellt sind, so daß die mittelsten über die zur Seite, od. die hinteren über die vorderen hervorragen. Auch faßt man die Beete mit künstlich aus Steingut od. Holz nachgemachten Edelkorallen od. Streitmuscheln u. anderen Conchylien od. mit Kalktuffsteinen ein. Bei diesen Vorrichtungen setzt man B. sehr oft, bei der B-zucht auf Zimmern fast immer, in Blumentöpfe (Blumenäsche) aus gebranntem Thon, Steingut od. Porzellan, mit B-erde gefüllt. Die Blumenerde ist entweder gut bereitete Gartenerde od. auch nach der Verschiedenheit der B. verschieden gemischte Erde. Unter die B-töpfe setzt man ein Untersetznäpfchen, worein gewöhnlich das die B. befeuchtende Wasser gegossen wird, welches sich durch das in dem Boden des B-topfes befindliche runde Loch zieht. Für Winterblumenzucht (bes. der Hyacinthen, Tulpen, Crocus, Tazetten) im Fenster sind runde, unten weite, oben verengte u. mit einem Rande um die obere Öffnung versehene Blumengläser gewöhnlich; man setzt die Zwiebeln darein in Wasser u. bringt sie so im Winter zur Blüthe. Vorzüglich setzt man B. in solchen B-töpfen auf Blumengestelle treppenförmige Gerüste mit od. ohne Schirmdach von Wachsleinwand, Segeltuch, Schindeln etc. gegen Regen. Manche Arten von B. werden in Töpfen, u. im freien Lande an schwache cylinderartig, unten gespitzte, weiß od. grün angestrichene, auch wohl mit bunten Knöpfchen versehene Blumenstäbe mit Bast befestigt. Die B. bringen außer dem Verkauf der ganzen B-stöcke auch abgeschnitten u. einzeln od. in Blumensträußen vereinigt od. in Blumenkränzen gewunden verkauft pecuniären Gewinn. Bei manchen B. ist das Abschneiden der abblühenden B. vortheilhaft, damit sich die übrigen besser entfalten, od. damit sie länger blühen. Indessen darf der Stängel nie abgepflückt werden, wobei das Gewächs leidet. In den Rechten ist das B-abschneiden od. Abbrechen in einem Garten ein Act der Besitzergreifung. Man bewahrt abgeschnittene B. in frischem Zustande in Wasser gelegt od. in Blumentöpfen od. Blumengläsern, in Vasen-, Urnen- od. Cylinderform, mit den Stielen in frisches Wasser gesteckt u. kühl u. schattig gehalten; sie blühen um so länger, wenn man die frisch verschnittenen Stiele eine kurze Zeit in kochendes Wasser taucht u. sie dann erst in gewöhnliches Wasser setzt. Auch hat man runde od. ovale Blumentische, zum Aufstellen abgeschnittener B. in Wasser od. auch zum Einsetzen der B. in B-töpfen in dieselben. Die Versendung abgeschnittener B. geschieht bei aufgeblühten mit langem Stiel, der mit Wachs verklebt od. sonst gegen die Luft verwahrt wird, u. in eine Schachtel zwischen feuchtes Moos gepackt, daß sie nicht aus ihrer Lage kommen; am Bestimmungsort angelangt, werden sie, nachdem die Stiele von Neuem verschnitten sind, in frisches Wasser gesetzt; im Winter sind sie gegen Erfrieren zu sichern. Die Aufbewahrung getrockneter B. geschieht, indem man sie entweder zwischen Papier leicht preßt (s. Herbarium), od. mit Erhaltung ihrer Form, indem man die schon an der Luft trockenen, aber noch frischen, auch völlig aufgeblühten, in seinen, trockenen Sand eingesteckten B. mit demselben so überstreut, daß er auch in die inneren Blüthenräume eindringt, u. dann sie so mehrere Wochen lang in einer mäßigen Ofenwärme hält u. hierauf vom Sande reinigt. Bes. eignen sich hierzu Nelken, Malven, Ranunkeln, Aurikeln, Narcissen u.a., die nebst der Form auch die Farbe behalten. Blumenhandel wird im Großen, von eigenen Handelshäusern ausgehend, bes. in Holland, namentlich in Harlem, jetzt auch in Berlin betrieben. In früherer Zeit, als die Liebhaberei für die Cultur einzelner Gewächse größer als jetzt war, war der Preis einzelner Exemplare, z.B. von Tulpen, sehr hoch; ja wie in neuester Zeit mit allerhand Actien Schwindelhandel getrieben wurde, so wurde 1636 u. 1637 in Holland ein solcher mit B-zwiebeln, die erst noch gezogen werden sollten, getrieben. Jetzt werden mehr Hyacinthen, so wie Zwiebeln von Jonquillen, Tazetten, weißen Lilien, Martagon, Iris, Fritillarien, Crocus aus Holland bezogen, u. es kommen Preise von 60 Thlr. u. mehr für das Stück vor (vgl. Harlem). Der kleinere B-handel beschäftigt sich mit einzelnen, schon gezogenen B-gewächsen in Töpfen, od. auch mit Sträußern u. Kränzen, wie er in großen Orten auf eigenen Marktplätzen (Blumenmarkt) betrieben wird. Der neuesten Zeit gehören die Blumenausstellungen als Zeugnisse u. Ergebnisse der B-künste an. Dieselben finden[906] von B-züchtern zu den Zeiten des Jahres, wo im Garten noch keine B. blühen, od. wo sie verblüht haben, in besonderen Localen statt, u. werden hierbei bes. die Einführung gewisser B., die Erzielung von durch Schönheit, Größe, Farbe, Form ausgezeichneten Exemplaren, Vollständigkeit des Sortiments einer Gattung etc. berücksichtigt, zuweilen auch mit Preisen honorirt. Außer England finden sich solche B-ausstellungen in Paris, Brüssel, Wien, Berlin. Mainz, Prag, im Kleinen auch in anderen Städten. Die B. als Schmuck waren von jeher sehr gewöhnlich; man schmückte Jünglinge u. Jungfrauen bes. bei Vermählungen mit B., u. in den Blumenspielen (s. Jeux floraux) spielten sie eine große Rolle. Noch jetzt ist das Blumenstreuen gewöhnlich, indem man Personen, denen man liebend u. verehrend huldigt, bei einem festlichen Empfange gepflückte B. auf dem Wege, auf welchem sie beim Einzug od. Eintritt in eine Stadt od. in ein Haus gelangen, od. Bräuten beim Kirchgang vorwirft. Doch ist es schicklich, daß dies nur von herausgewachsenen Kindern od. jungen Mädchen geschieht. Auch wirst man vorzüglichen Künstlern, z.B. gefeierten Schauspielern, Blumen auf dem Theater zu. Eine schöne Sitte ist es auch, die Gräber der Hingeschiedenen mit B. zu schmücken. Im Orient war bes. die Blumensprache (s.d.) von jeher beliebt. B. im Wappen sollen Hoffnung u. Freude bedeuten; die Zahl der Blätter u. ihre Besamung werden nach dem Gattungsnamen benannt; 5blätterige nennt man Rosen. 2) Die künstlichen B. sind B. aus Seide, Floretseide, Seidencocons, steifem Papier u. Pergament, Flor, Sammt, die man ausschlägt u. mittelst Hausenblase an Draht od. sonst befestigt, u. daraus beliebige, oft nach der Phantasie geformte B. u. Früchte bildet; auch Gänse- u. Hühner- u. andere bunten Federn, Chenille, Stroh u.a. werden dazu benutzt. Die zum Anfertigen künstlicher B. nöthigen Stoffe werden entweder vorher gefärbt od. später mit dem Pinsel angestrichen, auch wohl mit Gummi überzogen. Das Gaufriren, d.h. die Erzeugung der Blattadern u. Rippen geschieht durch Pressen mit metallenen Stempeln. Die Krümmungen u. Wölbungen der Blätter werden mittelst heißer Eisen hervorgebracht. Zur Verfertigung der Stiele u. Stängel. dient geglühter Eisendraht, der mit Papier u. Seide umwickelt wird. Die vollkommenste Nachahmung natürlicher B. hat man mit Wachs erreicht. Man gebraucht zur Anfertigung von Wachs-B. reines weißes Wachs, dem Terpentin- od. Mohnöl zur Verminderung der Sprödigkeit zugesetzt ist. Man färbt das Wachs durch Schmelzen mit dem betreffenden Farbestoffe, taucht in Blattform gebrachte Stücke Gyps od. Holz hinein, so daß sich darüber eine Wachskruste bildet, u. hilft mit dem Pinsel nach, wo etwa Schatten, Flecken od. Striche noch anzubringen sind. Schon unter Nero kannten die Römer künstliche B., später fertigte man in Italien dergleichen, in noch höherer Vollkommenheit in Frankreich, doch hat sich die frühere allgemeine Benennung derselben im Putzhandel, als italienische B., ziemlich verloren. Die besten werden jetzt in Paris gefertigt, in Deutschland werden sie aber auch in Berlin, Wien u.a. O. schön fabricirt. Sie werden meist in Cartons od. Schachteln dutzendweise versendet.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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