Blut

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Blut, I. (Physiol.), der allgemeine thierische Nahrungssaft, welcher das Material zu allen Organen u. Gefäßbildungen liefert. Es zeigt bei den verschiedenen Thierklassen große Verschiedenheit in seinen Eigenschaften u. seiner Zusammensetzung. Rothes Blut haben nur die vier obersten Thierklassen: Fische, Amphibien, Vögel u. Säugethiere nebst dem Menschen. Säugethiere u. Vögel besitzen warmes Blut, athmen durch Lungen u. haben doppelte Herzkammer; Amphibien, zwar mit Lungen, aber in unregelmäßigen Athemzügen athmend, u. Fische, durch Kiemen im Wasser athmend, beide mit einfachem Herzen versehen, haben kaltes Blut. Thiere niederer Klassen haben meist ein ungefärbtes Blut. Das Blut der warmblütigen Thiere ist eine im Leben gleichförmige, dickliche, etwas kleberige Flüssigkeit, von intensiver, je nach dem Orte des Körpers, wo es sich befindet, nach Constitution, Nahrungsmitteln etc. dunklerer od. hellerer Röthe. Arterien führen ein mehr helles, scharlachrothes; Venen, bes. die des Pfortadersystems, ein dunkleres, zum Theil fast schwarzrothes; die Capillargesäße ein carmoisinrothes Blut. Das specifische Gewicht des Blutes eines gesunden Menschen ist 1,055–1,064 u. seine Wärme im Mittel 321/2° R. Der Geruch des frisch gelassenen Blutes ist nicht sehr stark, doch eigenthümlich, dem des Schweißes u. Harnes ähnelnd u. tritt bes. durch Zusatz von Schwefelsäure deutlich hervor; der Geschmack ist schwach salzig. Es befindet sich in eigenen, das Herz ausgenommen, röhrenförmigen Kanälen: Blutgefäste, Blutadern, in denen es sich ununterbrochen fortbewegt. A) Bestandtheile des Blutes. Das Blut besteht aus einer gelblichweißen Flüssigkeit (Plasma, Liquor sanguinis, Intercellularflüssigkeit, Urbildungsflüssigkeit, Blutflüssigkeit), in welcher mikroskopische, rothe u. weißliche Bläschen (Blutkörperchen od. Blutbläschen, Blutzellen) suspendirt sind Mit dem Momente, wo das Blut die Vene verläßt, nimmt seine Dickflüssigkeit u. Zähigkeit zu, nach 10–14 Minuten bemerkt man, daß sich auf der Oberfläche gelblichweiße Tropfen[913] bilden, deren Menge zunimmt, bis sich endlich eine ganze Flüssigkeitsschicht (Serum sanguinis) über die feste Masse (Blutkuchen, Placenta, Cruor) gelagert hat. Der Blutkuchen senkt sich immer mehr zu Boden, bis er den höchsten Grad seiner Contraction erreicht hat, was gewöhnlich nach 7 Stunden erfolgt ist; nur krankhaftes Blut braucht oft über 40 Stunden, ehe sich das Serum vollständig vom Blutkuchen getrennt hat. Diesen Proceß nennt man das Gertenen des Blutes; er besteht in der Absonderung des Faserstoffs aus der Intercellularflüssigkeit, wobei er in den sich bildenden Maschen die Blutkügelchen in sich einschließt u. mit zu Boden reißt. Heftiges Umrühren u. Zutritt von atmosphärischer Luft u. Sauerstoff beschleunigen das Gerinnen, Kohlensäure verlangsamt es, daher gerinnt venöses Blut, wegen seines Gehaltes an Kohlensäure, später als arterielles. Wasser bewirkt in kleinen Mengen eine Beschleunigung, in größeren Mengen eine Verzögerung des Gerinnens; einen ähnlichen Einfluß haben Salze, daher hängt die verschiedene Gerinnungsdauer des Blutes in Krankheiten wahrscheinlich von der Menge der beigemengten Substanzen ab. Auch im Organismus gerinnt das Blut, z.B. bei Unterbindung der Venen, hier aber bei Weitem langsamer, als an der Luft. Die Consistenz des Blutkuchens hängt theils von der relativen Menge der Blutkörperchen u. des Faserstoffs, theils von dem Gasgehalt u.a. Bestandtheilen des Blutes ab. Oft sieht man über dem Blutkuchen sich eine gelbliche Kruste bilden, Crusta inflamaoria s. phlogistica (Entzündungshaut od. Speckhaut), sie besteht aus Fibrin u. farblosen Blutkörperchen u. rührt theils von einem Überschuß an Fibrin, theils von der Form des Gefäßes her, in welchem das Blut gerinnt; bei Anwendung hoher cylindrischer Gefäße nämlich werden die Blutkörperchen vermöge ibres größeren Senkungsvermögens eher zu Boden sinken, als aller Faserstoff gerinnt, daher sich auf der Oberfläche Faserstoff ohne Blutkörperchen absetzt; in diesem Falle ist der Blutkuchen auch konisch, weil sich der Faserstoff, der oben aufliegt, wegen seines geringen Gehaltes an Blutzellen mehr contrahiren kann. Die Entzündungshaut, welche übrigens bei Pferdeblut normal ist, zeigt eine schüsselförmige Vertiefung, nach Befinden auch eine convexe Oberfläche; sehr voluminös bildet sie sich in manchen Krankheiten, bes. in solchen, wo der Faserstoffgehalt des Blutes wesentlich zunimmt, so bei Lungenentzündung u. bei acutem Gelenkrheumatismus. a) Die Blutkörperchen haben bei jeder Thierklasse eine verschiedene Form u. Größe; beim Menschen sind sie dicke biconcave Scheiben mit farblosen Umhüllungsmembranen, die mit einer rothen, im durchfallenden Lichte gelb gefärbten Flüssigkeit (Hämatin) angefüllt sind. Bei einigen Wiederkäuern, z.B. dem Kameel, Dromedar u. Lama, sind sie elliptisch u. biconcav, die der Vögel oval u. nach dem Rande scharf zugebend, die der Amphibien oval u. stark convex. Im menschlichen Blut sind sie etwa 1/300 Par. Linien im Durchmesser, im Embryo etwas größen Neven den rothen Blutkörperchen kommen noch, wiewohl im normalen Blut in bei Weitem geringerer Menge, farblose Blutkügelchen vor; diese sind größer, etwa, 1/200 Par. Linien, u. mehr kugelig als scheibenförmig; sie sind frei von eisenhaltigem Hämatin u. fettreicher, als die rothen, daher specifisch leichter. Die Dichtigkeit der rothen Blutzellen im gesunden Blut schwankt zwischen 1,0880 u. 1,3880 in Krankheiten ist sie bald größer, bald geringer. Läßt man das Blut gerinnen, so sinken, auch wenn der Faserstoff sich noch nicht ausgeschieden hat, die Blutkörperchen zu Boden; unter verschiedenen Umständen geschieht dies aber schneller od. langsamer, u. untersucht man die Flüssigkeit unter dem Mikroskop, so zeigt sich, daß die schneller sinkenden Zellen sich geldrollenförmig mit ihren flachen Seiten an einander gelagert haben, während die mit geringerem Senkungsvermögen isolirt bleiben; durch Zusatz von Eiweiß, Zucker u. Gummi läßt sich bewirken, daß sie sich in der erwähnten Weise zusammengruppiren u. schneller zu Boden sinken, daher glaubte man, daß das Senkungsvermögen der Blutkörperchen mit dem größeren od. geringeren Gehalt der Intercellularflüssigkeit an diesen Stoffen zu- od. abnehme, indem sie es wären, welche ein Aneinanderkleben der Blutzellen verursachen. Wenn man aber überhaupt den Grund dieser Erscheinung in einer kleberigen Materie suchen will, so würde eher der Hüllenmembran der Blutkügelchen zugeschrieben werden müssen. als der sie umgebenden Flüssigkeit; da indessen die geringste mechanische Erschütterung hinreicht, jeden Zusammenhang dieser Aneinanderlagerung aufzuheben, so scheint hierbei nicht sowohl eine kleberige Substanz, als vielmehr ein einfaches Zusammenhaften der Blutbläschen angenommen werden zu müssen, welches durch die wegen der Differenz der Schwere von Plasma u. Blutkörperchen entstandenen Bewegung unterstützt u. ganz analog der Erscheinung zu beurtheilen ist, die man bei frisch gefälltem Chlorsilber macht, daß dieses nämlich, wenn es mit der Flüssigkeit stark geschüttelt wird, sich leichter zusammenballt; auch hier haben die einzelnen Theile mehr Gelegenheit, sich einander zu nähern u. an einander zu haften, als dies in ruhig stehenden Flüssigkeiten geschehen kann. Die hellere Farbe des Blutes wird nicht allein durch die geringere Anzahl Blutkörperchen bedingt, sondern wesentlich durch die Form der einzelnen Zellen selbst. Versetzt man Blut mit Wasser, so erscheint es im auffallenden Lichte dunkler gefärbt, ebenso durch Essigsäure; Äther u. Kohlensäure, neutrale Alkalisalze u. Sauerstoff färben es heller. Diese Substanzen bewirken nämlich eine Formveränderung der Blutzellen, mit der nothwendig auch eine Verdickung od. Verdünnung der Zellenmembran verbunden sein muß; wenn daher durch Expansion die Zelle dünner wird, so scheint der rothe Farbstoff mehr in seiner natürlichen Farbe durch u. ertheilt so dem Gesammtblute eine dunklere Färbung, wogegen bei Verkleinerung der Blutbläschen die Membran zusammenschrumpft, sich verdickt u. faltet u. somit die eigentliche Farbe des Hämatins weniger intensiv durchtreten läßt. Nach Befinden können derartige Substanzen die Blutbläschen so weit ausdehnen, daß deren Hülle zerreißt u. der farbige Inhalt ausfließt; man. erreicht dies bei Anwendung von viel Wasser od. Äther. Daß Kohlensäure u. Sauerstoff allein durch die Formveränderung der Blutzellen die dunklere od. hellere Färbung des Blutes bedingen, ist unwahrscheinlich, vielmehr liegt der Grund dieser Erscheinung in einer chemischen Verbindung dieser Gase mit dem farbigen Inhalt der Blutkörperchen, indem auch dieser außerhalb der Zellenmembran, mit den erwähnten Gasen behandelt, dieselbe Farbenveränderung zeigt, wie bei der[914] Einwirkung auf die unversehrten Zellen. Der wesentliche Bestandtheil des Zelleninhaltes ist das Hämatin (Blutroth od. Hämatosin, C4H22N3O6Fe), es ist im trocknen Zustande dunkelbraun, ohne Geruch u. Geschmack, unlöslich in Wasser, Alkohol u. Äther, löslich in Alkalien u. wird durch Chlorgas grün gefärbt. Die neuesten Forschungen haben gelehrt, daß man aus dem Inhalt der Blutzellen eine krystallisirbare Proteïnsubstanz, das Hämatoglobulin, darstellen kann, welches Lehmann für ein Umwandelungsproduct der Proteïnsubstanz der Blutkörperchen hält. Diese Krystalle sind ihrer Form nach verschieden je nach der Thierklasse, von welcher das Blut stammt, so daß man auf diese Weise das Blut verschiedener Thiere unterscheiden kann; beim Menschenblut gehören sie dem regulären System an. Sie sind durchsichtig, farblos od. schwach röthlich, stark lichtbrechend, in Alkohol, Äther, Wasser, Mineralsäuren u. Alkalien schwer löslich, werden durch Alkohol od. Erhitzen auf 100° unlöslich, in Essigsäure quellen sie auf u. können oft in großer Menge aus dem Blut. dargestellt werden (ungefähr 7% des gesammten Blutes). Förderlich zur Bildung der Blutkrystalle ist die Gegenwart von Kohlensäure, Sauerstoff u. Sonnenlicht. Virchow erhielt ebenfalls eine krystallisirbare Substanz, die aber nicht identisch mit der vorigen ist, u. die er Hämaoïdin nannte. Die Hüllenmembran der Blutkörperchen ist wahrscheinlich bei den einzelnen Zellen selbst verschieden, jedenfalls besteht sie aber weder aus Fibrin, noch aus Proteïndeutoxyd, wie Mulder glaubte, sondern aus einer anderen Proteïnsubstanz, deren Natur noch nicht genügend erforscht ist. Was die Menge der Blutkörperchen betrifft, so fand Schmidt im gesunden Blute eines Mannes auf 1000 Th. Blut durchschnittlich 512 Th. Blutkörperchen; Vierordt bestimmte ihre Zahl zu 5,055,000 Stück auf 1 Cub.-Millim., Welker dagegen fand 4,600,000 Stück auf demselben Raume. Frauenblut enthält weniger Blutzellen, bes. während der Schwangerschaft. Ebenso ist bei den verschiedenen Thieren der Gehalt an Blutzellen außerordentlich verschieden; auch die verschiedenen Gefäße enthalten nicht an Blutkörperchen gleich reiches Blut, sowie die Nahrung, wiederholte Blutentziehung u. pathologische Zustände auf die Vermehrung od. Verminderung der Blutkügelchen wesentlich einwirken; so kann ihre Zahl bei der Chlorose auf 80 bis 46 pr. m. herabsinken. Häufig tritt eine Verminderung des Wassergehaltes der Blutkörperchen ein, was immer die Folge einer Wasserentziehung des Plasma ist, weil die endosmotischen Strömungen durch die Hüllenmembran das Gleichgewicht zwischen der Intercellularflüssigkeit u. dem Zelleninhalt stets wieder herstellen. Wie die ganze Constitution des Blutes in Folge pathologischer Zustände wesentlich modificirt wird, so tritt auch eine Verminderung od. Vermehrung des Hämatingehaltes der Blutzellen ein, so daß auch hierdurch die Farbe des Blutes verschiedenwechselt. Über die Fette des Blutkörpercheninhalts ist man noch nicht im Klaren, sie sind meist krystallisirbar u. können unter Umständen, namentlich bei Säufern, in solchen Quantitäten aufgespeichert werden, daß das Gesammtblut dadurch eine hellere Färbung annimmt. Die farblosen Blutkörperchen sind ganz identisch mit den Chylus- u. Lymphkörperchen, sie treten in ihrer Menge bei Weitem zurück gegenüber den rothen (etwa im Verhältniß 1_: 80), können sich aber bei Krankheiten bedeutend vermehren, z.B. bei der Pneumonie, Tuberculose u. Leuchämie; verhältnißmäßig reich an farblosen Blutkörperchen ist auch das Milz- u. Lebervenenblut. Die Bildung der Blutkörperchen geht wahrscheinlich im Chylus vor sich, unter gewissen Umständen auch in der Leber, sicherlich ist sie aber nicht an bestimmte Organe gebunden, denn man sieht sie im Embryo eher entstehen, als sich Gefäße u. Drüsen gebildet haben. Auch über den Ort, wo sie zu Grunde gehen, fehlen noch sichere Aufschlüsse, es ist aber durch die Untersuchungen Jos. Scherer's über die Milzpulpe sehr wahrscheinlich gemacht, daß die Milz die zu ihren Functionen nicht mehr tauglichen Blutzellen aufnehme u. zerstöre. b) Der Faserstoff od. das Fibrin des Blutes, des Hauptagens der Gerinnung ist, so lange das Blut noch im Organismus kreist, in der Intercellularflüssigkeit vollständig aufgelöst. Bei der Gerinnung bemerkt man, daß sich der Faserstoff zunächst in Form von Fäden ausscheidet, daß diese nach u. nach geschlossene Maschen bilden, innerhalb deren die Blutkügelchen eingeschlossen u. bei der Senkung des Blutkuchens mit zu Boden gerissen werden. Früher glaubte man, daß der Faserstoff in den Blutzellen enthalten sei, daß bei der Gerinnung diese aufsprängen u. den Faserstoff abgäben; ähnliche Hypothesen über die Gerinnung sind in Menge aufgestellt, zur Zeit aber noch keine wissenschaftliche Erklärung dieser Erscheinung gefunden worden. Der Gehalt normalen Menschenblutes an Faserstoff beträgt 0,25–0,3 Procent, steigt aber bei Lungenentzündung auf 0,7 Procent u. bei acutem Gelenkrheumatismus oft auf 1,3–1,5 Procent. Außer im Scorbut ist eine Abnahme an Faserstoff höchst selten. Frauenblut enthält in der Regel mehr Faserstoff als Männerblut, namentlich während der Schwangerschaft; ebenso ist das Blut verschiedener Gefäße sehr ungleich reich an diesem Bestandtheil, so enthält arterielles Blut mehr Faserstoff, als venöses, auch im Milzvenenblut findet man wenig eigentliches Fibrin, im Lebervenenblut sogar nur Spuren. Rein kann man den Faserstoff nicht herstellen, wenn man den Blutkuchen nur mit Wasser von den Blutkügelchen befreit, es bleiben sowohl farblose Blutzellen, als auch Hüllenmembranen rother Blutkörperchen zurück; dagegen erhält man ein ziemlich reines Product durch Auflösen des mit Wasser ausgewaschenen Blutkuchens in säurehaltigem Alkohol, Fällen mit Ammoniak u. Auswaschen mit Wasser. Die über dem Blutkuchen stehende Flüssigkeit, c) das Serum, ist eine trübe od. klare (je nachdem das Blut während od. nach der Verdauung dem Organismus entnommen wurde), gelbliche od. grünliche, kleberige Auflösung verschiedener Stoffe, von 1,027–1,028 spec. Gewicht, seine Menge beträgt ungefähr 87,4–93,3 Procent des Gesammtblutes. Unter den in ihm aufgelösten Materien spielt das Albumin eine Hauptrolle, es ist als Natronalbuminat u. zwar im Blut verschiedener Gefäße in verschiedenen Modificationen enthalten, d.h. als neutrales, basisches u. saures Salz. Das Blutserum der Frauen ist reicher an Albumin, als das der Männer, letzteres enthält durchschnittlich 7,9–9,8 Procent. Fett kommt gewöhnlich nur in geringeren Mengen vor, man erkennt es unter dem Mikroskop entweder als fettsaures Natron od. Glycerin, u. zwar margarinsaures, palmitinsaures u. elaïnsaures. Das Cholesterin, welches man als constante Beimengung im Serum gefunden[915] hat (seine Menge beträgt 0,025–0,900 pr. m.), vermehrt sich in Krankheiten, die mit Fieber begleitet sind, auffällig; auch Serolin hat man entdeckt. Vermehrung von Fett überhaupt kommt bei fettiger Nahrung u. im Blute von Säufern vor. Die Zahl der Extractivstoffe, die man im Serum aufgefunden hat, ist sehr groß, mehrere von ihnen sind constante Beimengungen, andere dagegen nur in Krankheiten aus anderen Organen in das Blut übergetretene Stoffe; so ist Zucker ein nie fehlender Bestandtheil des Blutes. Ferner hat man noch entdeckt: Harnstoff, Harnsäure, Hippursäure, Kreatin, Kreatinin, Hypoxanthin, Glutin, Ameisensäure, Essigsäure u. Milchsäure. Gallensäuren scheinen nur in krankhaftem Blute aufzutreten; über die Farbstoffe des Serum weiß man nur wenig. Während unter den mineralischen Bestandtheilen der Blutkörperchen das phosphorsaure Kali bei Weitem überwiegend ist, so findet man im Serum vorzugsweise Natronsalze, bes. Chlornatrium, angesammelt, auch schwefelsaure u. kohlensaure Salze sind fast ausschließlich der Intercellularflüssigkeit eigen. Von anderen dem Serum accessorisch beigemengten Materien sind die Chylus- u. Lymphkörperchen zu erwähnen, ferner die Faserstofffragmente od. Faserstoffschollen, die wohl auf sehr verschiedene Weise entstanden sein mögen. Zu den regelmäßig im Blut auftretenden Stoffen gehören auch, wie H. Davy u. Berzelius zuerst gefunden haben, einige Gase, die entweder von der Flüssigkeit aufgelöst, od. in ihr als Gasbläschen vertheilt sind. In größter Menge findet man die Kohlensäure, bes. ist venöses Blut reicher daran, als arterielles; Stickstoff u. Sauerstoff kommen in geringeren Quantitäten vor, der Stickstoff ist der Intercellularflüssigkeit mechanisch beigemengt, der Sauerstoff ist theils an Fibrin u. Proteïnoxyd gebunden, theils haftet er an der Hüllenmembran der Blutkörperchen (vgl. Athmen).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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