Canning

Canning (spr. Känning), 1) Georg, geb.[636] 11. April 1770 in London, wurde auf Kosten seiner Verwandten väterlicherseits, da seine Mutter nach des Vaters Tode als Schauspielerin nur ein spärliches Einkommen hatte, in der Rechtsschule (Lincolm-Inn) zur juristischen Praxis vorgebildet, studirte dann in Eton u. Oxford, war schon in seinem 24. Jahre Mitherausgeber des Mikrokosmus, trat 1793 für Newport in das Parlament u. zeichnete sich hier als Redner aus; bes. sprach er für die Abschaffung des Sklavenhandels u. die Emancipation der Katholiken. 1796 wurde er Unterstaatssecretär u. hing als solcher ganz dem System Pitts an, mit dem er 1802 das Ministerium verließ, um beim nächsten Ministerwechsel wieder mit ihm in das Cabinet zu treten. 1806, nach Pitts Tode, trat er an dessen Stelle als Führer seiner Partei auf u. 1807 als Minister des Auswärtigen in das Ministerium Portland ein. Die schwierige Lage Englands, welches nach dem Tilsiter Frieden von Frankreich u. Rußland gemeinsam bekämpft werden sollte, ordnete er 1808 durch die Wegführung der dänischen Flotte aus Kopenhagen, damit dieselbe nicht zur Verstärkung der Napoleonischen Macht gebraucht werden könne; schloß 1809 einen Allianztractat mit Spanien u. setzte die Berufung Wellingtons zum Oberbefehlshaber der englischen Armee in Spanien durch. Beim Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich u. Österreich drang er auf eine kräftige Unterstützung des Letzteren, konnte aber seine Collegen nur zu der Scheldeexpedition bewegen. Als er darauf die Ersetzung Lord Castlereagh's durch einen fähigeren Staatsmann forderte, kam es zu einem Conflict, welcher den Sturz des Ministeriums Portland zur Folge hatte. Von Castlereagh gefordert, wurde C. im Duell leicht verwundet. 1812 wurde ihm von Lord Liverpool das Amt des Auswärtigen angetragen, doch kam es wegen der Katholiken-Emancipationsfrage zu keiner Einigung; ebenso scheiterte die Combination eines Ministeriums Wellesley-C. aus persönlichen Gründen. Als der europäische Kampf gegen Napoleon begann, den C. mit aller Energie herbeizuführen getrachtet hatte, befand er sich als müßiger Zuschauer auf seinem Gesandtschaftsposten in Lissabon, während Lord Castlereagh die Früchte seiner Bemühungen erntete. Nach dem Frieden trat er 1817 aufs Neue ins Ministerium u. wurde Präsident des Indischen Ministerialdepartements; 1820 legte er das Amt nieder, da er sich nicht dazu verstehen konnte, das Verfahren des Königs gegen seine Gemahlin gut zu heißen; bereiste darauf Frankreich u. Italien u. kehrte 1822 nach England zurück, um an Castlereagh's Stelle Minister des Auswärtigen zu werden. Als solcher gab er der auswärtigen Politik Englands eine ganz bestimmte, mit den liberalen Institutionen der Verfassung übereinstimmende Richtung, indem er auf dem Congreß von Verona der Heiligen Allianz die Befugnisse absprach, in die innere politische Entwickelung der europäischen Staaten einzugreifen; deßhalb protestirte er gegen die Intervention Frankreichs in Spanien, erkannte Mexico u. Columbia als selbständige Staaten an u. schloß mit denselben Handelsverträge, welchem Vorgange später die übrigen Großmächte folgten. Das von Spanien aus insurgirte Portugal wurde durch seine Vermittelung beruhigt, indem seine Kriegsdrohung hinreichte, Spanien zum Einschreiten gegen die Insurgenten zu bewegen. Um Griechenland zu unterstützen, ging er 1826 einen Vertrag mit Rußland ein, welchem auch Frankreich auf seinen Antrieb beitrat. In demselben Jahre brachte er es dahin, daß die Emancipation der Katholiken im Unterhause durchging, ohne jedoch die Verwerfung der Emancipation im Oberhause verhindern zu können. Im Febr. 1827 war er erster Minister u. bildete, da seine toristischen Collegen ihre Demission gaben, aus gemäßigten Whigs ein neues Ministerium, mußte aber seinen Antrag auf Ermäßigung der Kornzölle durchfallen sehen u. st. 8. Aug. 1827 in Cheswick bei London. Er wurde in der Westminsterabtei neben Pitt begraben. C. war ein großer Staatsmann, von den freisinnigsten, edelsten Gesinnungen, u. ein gewandter, scharfsinniger Parlamentsredner; einer allgemeinen Parlamentsreform war er entgegen. Seiner Gemahlin gab das Parlament 1828 die Pairswürde mit einer Pension. In der Westminsterkirche u. außerhalb derselben, auf dem Wege zum Parlament, sind ihm Statuen errichtet. C-s Speeches (Reden) sind gesammelt Lond. 1825; von R. Therry, ebd. 1828, 6 Bde.; Redes Memoirs of the life of H. C., ebd. 1822; Stapleton, The political life of C., ebd. 1831, 3 Bde., 2. A. 1832. 2) William, Sohn des Vor., war Seecapitän u. ertrank 1828 auf Madeira; 3) Charles John Viscount, jüngerer Bruder des Vor., geb. 1801, gehörte rücksichtlich seiner politischen Stellung zu der Peelschen od. liberalconservativen Partei, war von 1841–46 im auswärtigen Amte Unterstaatssecretär u. hierauf Obercommissar der Wälder u. Forsten. Als im Febr. 1851 Lord Stanley den Auftrag erhielt, einneues Cabinet zu bilden, wurde C. berufen, in dasselbe zu treten, was er aber ablehnte. Im Parlament trat er als Gegner der Bill über die kirchlichen Titel der Katholischen Kirche auf u. war bei der großen Londoner Industrieausstellung Vorsitzender der Commission derselben u. später Berichterstatter über die Vertheilung der Preise. Als im Dec. 1852 das Ministerium Aberdeen sich neugestaltete, übernahm er das Amt des Generalpostmeisters, trat im Febr. 1855 als Ausschußmitglied in den Geheimenrath für den Volksunterricht u. wurde im Juli d. J. zum Generalgouverneur von Britisch-Indien ernannt. Unter seiner Verwaltung brach der Indische Aufstand aus, s.u. Indien (Gesch.). 4) Stratford-C., s. Stratford.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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