Dolomīt

Dolomīt, 1) (Braunspath, Perlspath, Bitterkalk, Dolomie, nach dem französischen Geologen Dolomieu genannt), Mineral, krystallisirt in Rhomboëdern, die Krystalle sind selten einzeln, meist in Drusen, zu kugeligen, nierenförmigen, traubigen od. galligen Aggregaten verwachsen, häufig in derben, körnigen, dichten u. porösen Massen; seine Härte ist 3,5–4,5, sein spec. Gew. 2,845. Gewöhnlich ist er farblos od. weiß, auch hellroth, bräunlichroth, braun od. grünlich, enthält kohlensauren Kalk[229] u. kohlensaure Magnesia in verschiedenen Verhältnissen; am häufigsten ist die Verbindung von 1 Atom kohlensaurem Kalk u. 1 Atom kohlensaurer Magnesia. Die körnigen Varietäten bilden oft ganze Gebirgsmassen (s. unten 2); krystallisirt kommt er bes. in Tyrol u. der Schweiz, in Niederösterreich, bei Miemo in Toscana, Glücksbrunn in Thüringen, Tharandt u. Freiberg in Sachsen, Joachimsthal, bei Dorpat (Schmidt, Über die Dolomit-Thone der Umgegend Dorpats, Dorp. 1856) u.a. O. vor; er findet sich häufig auf Erzgängen u. Kalksteinlagern. 2) (Rauchwacke, Rauchkalk, Magnesiakalk, Geogn.), ein körnig krystallinisches, mehr od. weniger dichtes Gestein von poröser, galliger Beschaffenheit, ist eine Verbindung von kohlensaurem Kalk u. kohlensaurer Magnesia, hat meist eine weiße od. licht gelbliche bis bräunliche Farbe u. ist theils frei von Beimengungen, theils enthält er verschiedene Mineralien eingeschlossen, so: Glimmer, Zinkblende, Turmalin, Schwefelkies, Corund, Fahlerz, Auripigment, Realgar etc.; zuweilen ist er bituminös, bes. der Zechstein-D. Er kommt in verschiedenen Gebirgsformationen vor, häufig in Glimmerschiefer, im Zechstein, Muschelkalk, Jura u. in der Kreide, bildet oft mächtige, eigenthümlich geformte Felsmassen, die im Innern von Spalten u. ungeheueren Klüften durchzogen sind; von Schichtung zeigt er keine Spur. Sehr verbreitet tritt er in den Alpen auf, wo er zwischen metamorphischem Schiefer u. Gneuß lagert; auch im Juragebirge erscheint er in Form von schroffen, nackten Felsen von beträchtlicher Höhe; ferner findet er sich in England, wo er an mehreren Stellen die Steinkohlengebilde überlagert, in Anston (Yorkshire) sind großartige Brüche, am Harz u.a. O. Nur manche D-e sind reich an Versteinerungen, in anderen, am Harz, namentlich in den älteren D-en der Alpen, fehlen sie ganz. Über die Entstehung des D-s sind verschiedene Meinungen aufgestellt worden; L. v. Buch glaubte, daß einige D-e durch Sublimation entstanden sein müßten, Haidinger u. Forchhammer erklärten ihn für eine Meeresbildung, indem sie dabei die Gegenwart von schwefelsaurer Magnesia im Meerwasser od. von Bittersalzquellen annahmen. Haidinger stellte zuerst die Vermuthung auf, daß der D. ein Zersetzungsproduct von kohlensaurem Kalk u. schwefelsaurer Magnesia sei, welche letztere zugleich die Entstehung des Gypses verursacht habe. Der D. wurde schon im Alterthum zur Bildhauerei benutzt, auch gibt er einen vortrefflichen hydraulischen Mörtel; ferner wendet man ihn zur Bereitung von Kohlensäure u., wenn er reich an Magnesia ist, zur Darstellung von Bittersalz an.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Dolomit — Dolomit, Dolomitspat, Rautenspat, ein Mineral, kohlensaure Kalkmagnesia CaMgCO3 (54,23% CaCO3 + 45,77% MgCO3 oder 47,83% CO2, 30,43% CaO, 21,74% MgO) als Normaldolomit; Abarten sind Mesitin, kohlensaures Magnesiaeisenoxydul MgFeC2O6, ferner… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Dolomit — (nach dem franz. Geologen Dolomieu) bezeichnet: Dolomit (Mineral), auch Dolomitspat, Rautenspat, Perlspat und Braunspat, ein Mineral Dolomit (Gestein), ein Karbonat Gestein mit mindestens 90 % Dolomit Mineral kurz für die in den Alpen… …   Deutsch Wikipedia

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  • dolomit — DOLOMÍT s.n. v. dolomită. Trimis de LauraGellner, 13.09.2007. Sursa: DEX 98  DOLOMÍT s.n. v. dolomită. Trimis de LauraGellner, 13.09.2007. Sursa: DN …   Dicționar Român

  • Dolomīt — (nach dem franz. Mineralogen Dolomieu), Mineral und Gestein, besteht wesentlich aus Calcium Magnesiumkarbonat. Im Mineral D. (Dolomitspat, Rautenspat, Perlspat, Bitterspat, z. T. Braunspat) ist meistens 1 Molekül (54,4 Proz.) Calciumkarbonat mit… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Dolomit — Dolomīt, Rautenspat, Bitterkalk, Bitterspat, Perlspat, nach dem franz. Geologen Dolomieu (s.d.) genanntes hexagonales Mineral, in Rhomboedern kristallisierendes Magnesiumkarbonat, farblos oder gefärbt, im Braunspat noch mit Eisen und… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Dolomit — Dolomit, Bitterkalk, Kalktalkspath, zur Sippschaft des Kalkes gehörend, kommt krystallisirt in Rhomboëdern unter dem Namen Bitter oder Rautenspath, und derb und körnig als D. vor; als solcher bildet er große weitverbreitete Gebirgsmassen, wie z.B …   Herders Conversations-Lexikon

  • dolòmīt — m 〈G dolomíta〉 min. kalcijev magnezijev karbonat, sličan vapnencu, sastavni dio nekih stijena ✧ {{001f}}fr …   Veliki rječnik hrvatskoga jezika

  • dolomit — dolòmīt m <G dolomíta> DEFINICIJA min. kalcijev magnezijev karbonat, sličan vapnencu, sastavni dio nekih stijena ETIMOLOGIJA fr. dolomite, prema francuskom geologu D. de Dolomieu (1750 1801) …   Hrvatski jezični portal

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