Domingo, S. [1]


Domingo, S. [1]

S. Domingo, 1) Fluß in Senegambien (Westküste von Afrika), mündet in den Atlantischen Ocean; 2) (Hayti, Haïti, früher Hispaniola), eine der Großen Antillen (Westindien) u. zwar nächst Cuba die größte; im N. vom Atlantischen Ocean, im S. vom Caraibischen Meere umflossen; im O. durch die Mona-Passage von Portorico, im W. durch die Windward-Passage von Cuba getrennt; mit den dazugehörigen umliegenden Inseln Tortuga, Lavache, Samana, Gonave, Saona u. den Beateninseln, 1385 QM.; sehr gebirgig; das Centralgebirge Cibao durchzieht die Insel von SO. nach NW., steigt in der Mitte bis zu 6000 Fuß, erreicht im Yaequi (der höchsten Spitze des Hauptkammes) eine Höhe von 8400 Fuß, sendet mehrere Zweige nach NO. u. SW. aus, ist vulkanischen Ursprungs u. hat namentlich am südlichen Abhange fruchtbare Savannen, ist größtentheils mit tropischen Urwäldern bedeckt u. fast bis zu den Gipfeln hinauf der Cultur zugänglich; Vorgebirge: Cap Tiburon, C. San Nicolas, C. Haïtien, C. Rafael, C. Engano, C. Isabella, C. Falso; die Küsten mit Felsenriffen umgeben; Baien: die große Bucht von Gonave od. Leogane (zwischen den beiden westlichen Halbinseln) mit den beiden Baien von Gonaives (im NO.) u. Port-Republicain (im SO.) ferner die Baien von Acul, Mancenille, Balsamo u. Samana (an der Nordküste), Ocoa, Neyba, Jacquemenei, Bainet u. Cayes (an der Südküste). Die Flüsse sind sehr kurz, im Sommer seicht u. schwellen nur in der Regenzeit an; die bedeutendsten: Neyba (Neiva) im S., Artibonito im W., St. Jacques (Yaque, Grand Yaqui, Yagues) im N., Yuna (Youna) im O. Im Süden der Insel der Salzsee Henriquillo, 5 Meilen lang, 1 Meile breit, merkwürdig durch periodische Ebbe u. Fluth u. durch partielles Anschwellen; Klima tropisch, in den Ebenen u. an den Küsten sehr heiß, doch hier durch die Seewinde gemäßigt, auf den Gebirgen kühler, zuweilen sogar kalt; im Allgemeinen gesünder als auf den übrigen Antillen, aber den Eingebornen mehr zusagend als den Europäern; Jahreszeiten gibt es nur zwei: die Regenzeit (Mai bis October im W., S. u. im Innern; November bis April im N. u. O.) u. die trockne; Gewitter häufig, heftig, aber von kurzer Dauer; im August u. Sept. zerstörende Orkane; auch Erdbeben sind nicht selten; Boden u. Vegetation außerordentlich fruchtbar u. üppig; Producte: edle Metalle (doch nur sehr wenig ausgebeutet), Edelsteine, Salz, Kaffee, Tabak u.a. tropische Colonialwaaren, Farbe- u. Edelhölzer (bes. Mahagoni); 790,000 Ew. (Mulatten, Weiße u. Neger, fast sämmtlich katholisch, träg u. sinnlich). Die Insel zerfällt in das Neger-Kaiserreich Hayti od. Haïti (s.d.) u. in die Republik S. D. Vgl. Malonet, Beschreibung der Insel S. D., Weim. 1808; Malenfent, Des colonies et particul. de celle de St. D., Par. 1814; Mackenzie, Notes en Haïti, 1830; Hanna, Notes of a visit to some parts of Haïti, Lond. 1835; Brown, The history and present condition of St. D., Philadelphia 1837; Caudler, Brief notices of Haïti, Lond. 1842; Saint-Remy, Pétion et Haïti, Par. 1858. 3) (Dominica), Republik daselbst (seit 1844), den größeren (östlichen) aber minderbevölkerten Theil der Insel umfassend; 810 QM.; 230,000 Ew. (ziemlich zu gleichen Theilen Mulatten u. Weiße, nur sehr wenige Neger); an der Spitze der Regierung steht ein auf 4 Jahr gewählter Präsident. (seit 1857 Bonaventura Baez); 4 Ministerien: Äußeres u. Inneres, Handel u. Finanzen, Krieg, Justiz u. Cultus; Religion: die Römisch-Katholische unter einem Erzbischof in der Stadt S. Domingo; bewaffnete Macht: 20,000 Mann; Flotte: 2 Corvetten, 1 Brigantine, 4 Schooner; Flagge: weißes Kreuz, begrenzt mit 4 abwechselnden Feldern von blau u. roth; Wappen: aufrecht stehendes Kreuz, gegen dessen Fuß die offene Bibel gestützt ist, umgeben von Waffen, dazwischen das Emblem der Freiheit u. die Worte: Dios, Patria y Libertad; Sprache fast durchgehends die Spanische; der Handel hat sich seit der Trennung der Republik bedeutend gehoben; die Verhältnisse sind bei weitem besser geordnet, als in dem Kaiserreich Hayti; Hauptstadt: San Domingo; die übrigen bedeutenderen Städte: Neyba, Savanna-la Mar, La Vega, Santiago, Cotuyo, Banica, Seybo. Münzen, Maße u. Gewichte: man rechnet nach Gourdes (Piaster, Dollars) zu 100 Cents od. zu 4 Gourdins à 2 Escalins à 6 Sous à 21/2 Cents; 1 Doblon = 16 Gourdes. Ursprünglich war die Gourde dem spanischen Piaster vollkommen gleich, neuerdings sind aber die Ausprägungen von so verschiedenem Gehalt, daß sich ein Normalwerth nicht fest stellen läßt. Wirklich geprägte Münzen sind in Silber: Gourdes, 1/2 Gourdes (50 Cents), Gourdins (25 Cents), Escalins (121/2 Cents), 3 Sousstücke (61/4 Cents), die für den inneren Verkehr gebraucht werden; für das Ausland rechnet man nach Dollars spanischer Währung u. theilt sie in 100 Cents; Wechselcourse werden fast nur auf London u. Paris notirt; Längenmaß: Pied (Fuß) à 12 Pouces à 12 Lignes; 1 Pied = 0,324 Metre = 1,034 preußische Fuß; Feldmaß: der Carreau von 10,000 Pas carrées = 3,194 englische Acres = 5,062 preußische Morgen; 10 Carreaux = 1 Caballeria; Getreidemaß: der Boisseau von 16 Litrons = 13,099 Litres = 0,368 Wichester Bushel = 0,236 preußische Scheffel; Flüssigkeitsmaß: das alte englische Gallon zu 4 Quarts à 2 Pints = 3,785 Litres = 3,305 preußische Quart; Handelsgewicht: theils die Livre des alten Pariser Poids de marc von 2 Marcs à 8 Oncs à 3 Gros, à 3 Deniers à 24 Grains = 489,595 Grammes = 1,046 preußische Pfund; theils das englische Gewicht:[237] 1 Hundredweight (Cwt.) von 112 Pfund – 50,802 Kilogrammes = 108,619 preußische Pfund; 4) Hauptstadt der Republik, ehemals (unter spanischer Herrschaft) Hauptstadt der ganzen Insel, liegt an der Südküste, an der Mündung des schiffbaren Ozama; gut u. regelmäßig gebaut; Sitz der Regierung u. eines katholischen Erzbischofs; gothische Kathedrale (die erste christliche Kirche auf der westlichen Hemisphäre; in ihr wurde der Leichnam Christoph Colombo's aufbewahrt, aber 1796 von seinen Nachkommen nach Habaña gebracht), Universität, Hospital, Arsenal, Fort, lebhafter Handel; 15,000 Ew. D. wurde 1494 von Barth. Colombo gegründet, 1586 von den Engländern erobert u. fast gänzlich zerstört, 1793 von den Franzosen eingenommen; 5) Vorgebirge im mexicanischen Staate Alt- od. Niedercalifornien (Stiller Ocean); 6) (S. D. Escuintla), Stadt in der Provinz Escuintla der centralamerikanischen Republik Guatemala; 7) (S. D. Soriano), Stadt in der südamerikanischen Republik Uruguay (Banda-Oriental od. Montevideo), an der Mündung des Rio de la Plata.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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