Obst


Obst

Obst, die Früchte der Obstbäume u. Obststräucher. Man unterscheidet: Kernobst (Äpfel, Birnen u. Quitten), welches kleine, bei der Reise mit einer schwärzlichen od. bräunlichen Haut umgebene Samen hat u. die in einem ganz von Fleisch überzogenen engen Gehäuse eingeschlossen liegen, dessen Wände mit durchsichtigen, hornartigen Schalen bekleidet sind; Steinobst (Pflaumen, Kirschen, Mispeln), dessen Same von einem harten, steinartigen Gehäuse eingeschlossen ist, um welches sich das saftige, eßbare Fleisch befindet; Schalenobst (die verschiedenen Nußarten), enthält unter einer harten Schale den mit einer zähen, ungenießbaren Haut überzogenen Kern eingeschlossen. Beerenobst (Johannis-, Stachel-, Erd-, Berberis-, Wein-, Maul-, Hollunderbeeren), dessen Kerne ohne Bedeckung in eßbarem Fleische liegen, bei welchen der benutzbare Theil in dem den Kern umgebenden Safte besteht. Tafelobst, welches nicht nur schöne Formen u. Farbe, sondern auch feinen Geschmack hat; Wirthschaftsobst, welches reichlich trägt u. sich vorzugsweise zum Kochen u. Dörren eignet. Sommer-, Herbst- u. Winterobst, je nachdem es im Sommer, Herbst od. zu Anfang des Winters reist, doch ist die Eintheilung des Obstes nach seiner Reifezeit nie ganz sicher, da dieselbe verschieden ist nach Witterung, Klima, Alter des Baumes, Boden, Lage u. Behandlung. Garten- od. durch Cultur Veredeltes Obst, welches in Gärten, Alleen, Plantagen etc. bes. angezogen, versetzt, veredelt, gepflegt wird u. deshalb größer u. von besserem Geschmack ist, als Wildes Obst, welches in Feldern, Waldungen, auf Rainen etc. ohne alle Behandlung wächst, weshalb die Baumfrüchte klein u. von herbem Geschmack sind. Das Abnehmen des Obstes geschieht auf verschiedene Art. Die beste Art bleibt immer das Abpflücken mit der Hand u. bei zarten Früchten mit den Handschuhen, bei hohen Bäumen auf einer Leiter, wo es dann, ohne Schaden zu leiden, in einen Korb od. Sack gelegt wird. Sind die Äste zu schwach od. unerreichbar, so bedient man sich der Bockleitern od. eines Hakens zum Herüberziehen der Äste. Eine künstlichere Weise ist das Abnehmen mittelst des Obstbrechers (Obsthamens), s.u. Apfelbrecher. Leichter ist das Abnehmen durch Schütteln der Bäume, wo das reife Obst sich von selbst ablöst, doch bekommt es hier durch das Fallen weiche u. anbrüchige Stellen, welche es bald zur Fäulniß bringen; wenigstens muß man unter die Bäume ein dickes Strohbett machen. Noch eine andere Art ist das Abschlagen mit Stangen, bes. bei Nüssen u. Kastanien. Bevor das Obst stielreif ist, darf es nicht abgenommen werden, auch dürfen die kurzen, leicht abgehenden Zweige, woran sich die besten Augen für das nächste Jahr befinden, nicht mit abgebrochen werden. Beim Abnehmen des Obstes müssen alle abgefallenen u. abgeschüttelten Stücke bes. gesammelt u. dürfen nicht zu dem gepflückten geschüttet werden, um Ansteckung u. Faulen zu vermeiden. Alles abgenommene O., bes. das Winterobst, wenn es vom Baume kommt, dünstet aus u. fängt an zu schwitzen. Es muß daher, so lange die Ausdünstung dauert, an einem lustigen, frostfreien Orte nicht zu dick auf einander liegen u. öfter umgewendet werden. Später kommt das haltbare, unverletzte[193] O. zur Aufbewahrung in das Winterquartier. Die Aufbewahrung geschieht theils bei abgeschlossener Luft in Erdgruben, Mulen od. Fässern, theils bei Zutritt der Luft in Kellern, Gewölben, Kammern; in ersteren wird es auf Horden od. Stellagen, in letzteren auf ein reines Strohlager gelegt u. mit Stroh bedeckt. Der Aufbewahrungsort muß trocken, lustig, frostfrei sein. An der Farbe u. an einem leichten Druck mit dem Daumen in die Schale des Obstes kann man bald erkennen, ob die Früchte zum Genuß reif sind od. nicht. Obstarten, welche mit einem süßen Safte zugleich reichlichen Pflanzenschleim enthalten, sind nährend, wie das Kern-, Stein-, Beerenobst; die Früchte, deren Kerne blos Genußmittel darbieten, wie die Nußarten u. Mandeln, sind zwar, da ihr wesentlicher Bestandtheil ein mildes Öl ist, auch sehr nahrhaft, können aber nicht zur Sättigung genossen werden, ohne die Verdauung zu stören, dienen auch nicht zugleich zur Stillung des Durstes u. zur Erquickung. Im Allgemeinen ist frisches O. gesund; Kinder vertragen in der Regel einen reichlicheren Genuß, wogegen in reiferem Alter, wenn der Magen mehr an kräftige Speisen gewöhnt ist u. stärkerer. Reize zu gehöriger Verdauung bedarf, O. in reichlichem Maße, od. auch zu ungewohnter Zeit genossen, Verdauungsbeschwerden macht u. den Leib aufbläht. Eine allgemeine Regel für den heilsamen Genuß von O. ist, daß dasselbe reif sei u. als saftige Frucht seine herbe Säure verloren habe. Weit verdaulicher werden die meisten Obstarten durch Kochen u. Trocknen, bes. die Birnen, Äpfel u. Pflaumen, wo sie dann auch eine leichte Krankenkost abgeben. Das Einmachen in Zucker u. das Einlegen in Essig, mit Zusätzen von Gewürzen, macht das O. zu langer Aufbewahrung geschickt. Viele Obstsorten dienen zu Bereitung von Wein, Obstwein od. Cider, zu welchem der Obstmost, der frisch ausgepreßte Saft von süßem O., den Übergang macht. Die schlechtern Obstsorten, so wie unreifes O., werden wohl auch zur Bereitung von Essig, Obstessig, u. das mit Hefen in Gährung versetzte geringhaltige O. zu Obstbranntwein benutzt. Ferner dient das O. zur Stärkebereitung (Obststärke), zur Ölbereitung (Obstkernöl), zur Mußbereitung (Obstmuß), zur Saftbereitung (Obstsaft), zur Zuckerbereitung (Obstzucker) u. als Viehfutter. Der Handel mit frischem Obst ist größtenheils nur ein Gegenstand für Obsthöcker u. für den inländischen Bederf; doch werden harte Äpfelsorten auch weit versendet. Bedeutender ist der Handel mit getrocknetem Obst. In Deutschland liefern die Main- u. Rheingegenden, Böhmen, Tyrol, auch das Mittelsaalthal viel Obst. Ungarn führt viel Obst aus; aus Italien u. Frankreich kommen die feinsten Sorten.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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