Zeitungen u. Zeitschriften

Zeitungen u. Zeitschriften, literarische Erzeugnisse, welche an bestimmten Orten u. zu bestimmten Zeiten erscheinend, Nachrichten über Gegenstände bringen od. Fragen erörtern, welche gerade nur für die Zeit Interesse haben. Während das Wort Zeitschrift in seiner Bildung u. Bedeutung vollkommen klar u. erst in neuerer Zeit (im Anfang des 18. Jahrh.) aufgekommen ist, bedeutet das Wort Zeitung, welches, wie das entsprechende niederdeutsche Theiding od. Theidung u. das englische Tiding, eine Ableitung von dem niederdeutschen Tid od. Teid, englisch Tide, d.i. Zeit, ist, ursprünglich Begebenheit, Zeitereigniß. Da nun die im 16. Jahrh. veröffentlichten Flugblätter, welche über merkwürdige Ereignisse u. Begebenheiten Bericht erstatteten, in der Regel den Titel Zeitungen, Neue Zeitungen, d.i. Begebenheiten, neue Begebenheiten, führten, so wurde dieses Wort gegen Ende des 16. Jahrh. auch zum Gattungsnamen für periodische Blätter aller Art. Im modernen Sprachgebrauche unterscheidet man zwischen Zeitungen u. Zeitschriften sowohl in Bezug auf Form als auch auf Inhalt. Man versteht dann im besonderen unter Zeitungen (engl. Newspapers, franz. Gazettes) entweder solche Blätter, welche sich blos mit der Mittheilung u. Besprechung politischer Nachrichten u. Vorkommnisse beschäftigen, od. auch in einem weiteren Sinne alle diejenigen literarischen Erscheinungen, welche die möglichst schnelle Bekanntmachung nicht bloß der Ereignisse u. Begebenheiten im öffentlichen Leben der Nationen, sondern auch die neueren Erscheinungen, Entdeckungen u. Erfindungen im Gebiet der Wissenschaften, Literatur u. Kunst, wie des Handels u. der Industrie bezwecken. Daher gibt es neben den eigentlichen politischen Blättern auch Handelszeitungen, Gewerbzeitungen, Literaturzeitungen, Kunstzeitungen etc. Im Gegensatz hierzu faßt man in Deutschland unter dem Namen Zeitschriften od. Journale (franz. u. engl. Journal, ital. Giornale, eigentlich Tageblatt, daher in Frankreich u. Italien noch häufig ein Titel für Zeitungen) alle solche periodische Erscheinungen zusammen, welche mit ihrem Inhalt einerseits die Erörterung u. Besprechung wissenschaftlicher Gegenstände, andererseits die Belehrung u. Unterhaltung eines größeren Leserkreises bezwecken. Man unterscheidet allgemeine Zeitschriften, welche alle Gegenstände in ihr Bereich ziehen, die ein allgemeines Interesse besitzen; wissenschaftliche Journale od. Fachzeitschriften, welche nur für einzelne Zweige des Wissens od. einzelne mehr od. minder umfangreiche Gebiete des Wissens bestimmt sind; endlich kritische Journale, welche sich mit der Beurtheilung literarischer u. artistischer Erscheinungen befassen. Engländer u. Amerikaner bedienen sich in neuerer Zeit als Gesammtbezeichnung für die Zeitschriftenliteratur des Namens Periodicals; deutsche Bibliographen begreifen unter der Rubrik Periodische Schriften nicht blos die Zeitungen u. Zeitschriften, sondern auch die regelmäßig erscheinenden Publicationen der Akademien u. Gelehrten Gesellschaften (Societäts- od. Gesellschaftsschriften), die Jahrbücher, Kalender, Rechenschaftsberichte etc. Die Gesammtheit der periodischen Literatur einer Nation, nach ihren beiden Hauptrichtungen, der politischen wie der literarischen (mit Ausschluß der rein wissenschaftlichen), begreift man auch unter dem Namen Journalismus. Im Journalismus einer Nation spiegelt sich nicht nur der Entwickelungsgang der gesammten geistigen Cultur derselben wider, sondern er ist zugleich auch einer der wichtigsten Factoren desselben. Die Geschichte des Journalismus bildet daher einen, bisher jedoch noch nicht genügend berücksichtigten Theil der Geschichte der Nationalliteratur eines Volkes. Während die Zeitschriften gewöhnlich in größeren Zwischenräumen (meist über eine Woche) erscheinen u. Hefte von gewöhnlich mehr als einem Bogen, oft selbst ganze Bände bilden, bestehen die Zeitungen nur selten aus mehr als einem Bogen u. werden zum weit größten Theile in kürzeren Zwischenräumen (nur sehr selten über eine Woche) ausgegeben. Nach den Zeiträumen, innerhalb welcher Zeitungen u. Zeitschriften erscheinen, spricht man von Quartal- od. Vierteljahrschriften (wie z.B. die englischen Reviews), von Monatsschriften (z.B. wie viele englische u. amerikanische Magazines u. viele deutsche wissenschaftliche Journale), Wochenschriften u. Tageblättern. Einzelne Zeitschriften erscheinen nur zwei- od. dreimal jährlich (semestrell od. trimestrell); eine größere Anzahl zweimal monatlich od. vierzehntägig; sehr viele Zeitungen die Woche zwei-, drei-, vier-, fünf- od. sechs-, selbst siebenmal. Zeitungen, welche zu keiner bestimmten Zeit, sondern völlig ungezwungen erscheinen, kommen jetzt selten mehr vor, wohl aber erscheinen einige Zeitschriften in zwanglosen Heften. Eben so ist das Format höchst verschieden. Der Universal Recorder, welcher in Boston um 1840 erschien, war wohl das kolossalste Blatt, welches es je gab, es war 3 Ellen breit, 21 Elle hoch u. enthielt nächst den politischen Berichten u. einer Menge Anzeigen einen[899] ganzen, 3 Bände starken Roman von Walter Scott. Eben so haben die englischen Zeitungen (bes. der Atlas) zum Theil gigantischstes Folioformat, gehen aber zum Theil zum gewöhnlichen Folioformat herab; schon etwas kleiner sind die französischen, aber meist immer noch in sehr großem Folio, welchem manche deutsche Zeitungen, bes. rheinische, nachfolgen, viele andere deutsche Zeitungen erscheinen aber auch in Großquart, Wochenblätter in Quart od. Octav, Monats- od. Vierteljahrsschriften aber meist in Octav. Der Grund, warum englische u. französische Blätter so großes Format haben, ist der Wunsch so viel als möglich auf einem Blatt zu geben u. der auf jedem Blatt ruhende Zeitungsstempel (s. unten). Die Zeitungen werden entweder des Abends (vor der letzten Post) ausgegeben, andere des Morgens; erstere sind Abendblätter, die anderen Morgenblätter. Einzelne größere Zeitungen erscheinen täglich zweimal (Abend- u. Morgenausgabe). Fast jedes Zeitblatt hat seine Beilagen, welche entweder, bes. bei Zeitungen, regelmäßig zu jedem Stück od. zu gewissen Stücken, od. als außerordentliche Beilagen nach Belieben gegeben werden u. dann den zu sehr angewachsenen Stoff consumiren, auch wohl Ankündigungen u. Anzeigen aller Art enthalten. Bes. wichtige Neuigkeiten werden bei Zeitungen oft in Extrablättern, mit größerer Schrift gedruckt, gegeben.

Als die ersten Anfänge des Zeitungswesens werden gewöhnlich die Acta diurna od. Acta populi (vollständiger auch Acta diurna populi od. schlechtweg Acta, Acta publica genannt) betrachtet, welche die römische Tageschronik bildeten, obgleich man sie nicht für eine eigentliche römische Staatszeitung od. ein Intelligenzblatt in unserem Sinne halten darf. Das Institut wurde von Jul. Cäsar im Interesse der außerhalb Roms lebenden Römer begründet. Vorher bestanden zwar Privatblätter, welche sich die Provinzialstatthalter von ihren Freunden in Rom zusammenstellen u. senden ließen, doch waren dieselben weder etwas Regelmäßiges noch Öffentliches. Der Inhalt der öffentlichen Acta war sehr mannichfach; in der Kaiserzeit u. theilweise auch schon vorher berichteten sie über Vorgänge aus der kaiserlichen Familie, Geburten, Todesfälle, Leichenfeierlichkeiten, Ehrenbezeugungen; über Staatsangelegenheiten, soviel man davon in die Öffentlichkeit gelangen lassen wollte, namentlich kaiserliche Verordnungen, Senatsbeschlüsse u. Verhandlungen (theils vom Senat direct an die Redaction eingesandt, theils aufgenommen, wenn ein Senatsbeschluß öffentlich aufgestellt worden war), Handlungen der höhern Magistrate, Criminalprocesse u., wie es scheint, auch wichtige Privatprocesse; städtische Nachrichten aller Art (Bauten, Opfer, Reisen bekannter Männer), allerlei Curiositäten, namentlich aber auch an die Redaction eingesandte Familiennachrichten (Geburts-, Heiraths-, Ehescheidungs- u. Todesanzeigen). Über die Redaction u. die Redactoren herrscht Dunkel. In der Kaiserzeit scheinen die Acta unter Leitung des Praefectus aerarii besorgt worden zu sein. War die Schrift vollendet, so wurde sie auf einige Zeit an einem öffentlichen Platze aufgestellt, wo man sie lesen u. copiren konnte. Schreiber machten sich ein Geschäft daraus für Personen (Abonnenten) in Nähe u. Ferne Abschriften zu nehmen od. Auszüge nach dem Bedürfnisse der Committenten daraus zu verfertigen. Nach Ablauf der für die Aufstellung bestimmten Zeit kamen sie in das Staatsarchiv, wo sie von den Schriftstellern nach erhaltener Erlaubniß benutzt werden konnten. Als Constantinopel die Hauptstadt des Reiches geworden war, scheinen die Acta in Rom aufgehört zu haben, wenigstens kommen Erwähnungen derselben nicht mehr vor. Über die Zeitungen der Alten vgl. Schlosser in Bercht's Archiv für Geschichte u. Literatur (Frankf. 1830), Bd. 1. S. 80–106; Zell, Über die Z. der Alten, Freib. 1834, u. in dessen Ferienschriften (Neue Folge, 1. Bd., Freib. 1857); Le Clerc, Des journaux chez les Romains, Par. 1838; A. Schmidt, Staatszeitungswesen der Römer, in Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Jahrg. 1844, 4. Heft; Lieberkühn, De diurnis Romanorum actis, Weim. 1840; Reussen, De diurnis aliisque Romanorum actis, Gröning. 1857; Hübner, De senatus populique Romanorum actis, in Jahn's Jahrbuch für Philologie u. Pädagogik (Supplemente, 3. Bd. 5. Heft, Lpz. 1860).

Diese periodischen Veröffentlichungen der Römer fallen jedoch ebensowenig unter den Begriff des literarhistorischen Journalismus, wie die Staatszeitungen der Chinesen (welche schon in die Zeit vor Christo zurückreichen sollen), der Japaner u. Perser. Der Journalismus konnte erst mit dem dazu erwachten Bedürfniß im Gefolge der Reformation u. des eröffneten Weltverkehrs entstehen u. sich erst nach Ausbreitung der Buchdruckerkunst u. Einführung eines regelmäßigen Postverkehrs entwickeln. In demselben Maße als diese beiden Grundbedingungen zum Aufblühen des Zeitungswesens an Verbreitung u. Ausdehnung gewonnen haben, ist auch der Journalismus zur Entwickelung gelangt. Anfänglich wandte sich die journalistische Thätigkeit der civilisirten Völker Europas dem augenfälligsten Stoffe, den bedeutendsten Ereignissen des Staats- u. Völkerlebens zu u. berichtete über dieselben in den sogenannten Reclamationen des 16. u. 17. Jahrh., wie sie in Deutschland u. anderwärts erschienen. Dieselben waren die Vorgänger der sich allmälig bildenden periodischen Neuigkeitsblätter (Zeitungen), mit denen dann wiederum die durch andere Bedürfnisse gleichzeitig hervorgerufenen Intelligenz- u. Anzeigeblätter verschmolzen. Bes. seit den Zeiten der Französischen Revolution erwuchs die Zeitungspresse zu einer immer mächtiger wirkenden politischen u. socialen Macht, welche nicht nur über alle Vorkommnisse u. Gegenstände von irgend einem Interesse Aufklärung ertheilt u. Wünsche wie Anerbietungen aller Art in Circulation setzt, sondern auf die öffentliche Meinung, bes. in Zeiten der Erregung u. Bewegung, einen solchen Einfluß übt, daß man sie mit Recht the fourth estate in the realm (d.i. den vierten Stand im Reiche) genannt hat. Nicht bloß die verschiedenen politischen, socialen u. kirchlichen Parteien bekämpfen sich jetzt in ihren Organen, sondern auch die Regierungen suchen mit Hülfe ihrer officiellen u. officiösen Blätter ihren Tendenzen u. Meinungen Geltungen zu verschaffen, u. selbst Genossenschaften u. angesehene Persönlichkeiten suchen für wichtige Privatinteressen in eigenen Blättern Propaganda zu machen. Der literarische Journalismus zeigt seine ersten Anfänge in Frankreich u. verpflanzte sich von hier aus bald nach Deutschland u. den übrigen Ländern. Anfangs war derselbe nur der Ausdruck der kastenmäßig abgeschlossenen Gelehrsamkeit des[900] 17. Jahrh., seit Beginn des 18. Jahrh. zog er, nach dem Vorgange Englands, auch bald überhaupt die gebildeteren Kreise der Nation in sein Interesse, übte auf die weitere Entwickelung u. Ausbildung der literarischen Cultur einen wesentlichen Einfluß u. begann das Wissen aus der Schule in das Leben hinüberzuführen. Letzteres bes. wurde seit Beginn des zweiten Viertels des gegenwärtigen Jahrhunderts der ausgesprochene Zweck eines ganz neuen Zweiges der Zeitschriftenliteratur, der populärwissenschaftlichen Blätter, neben u. aus welchen sich während der letzten beiden Decennien, wiederum nach dem Vorgange Englands, eine ungemein reiche Literatur von Volksblättern mit u. ohne Illustrationen entwickelte, welche neben den populär-wissenschaftlichen Elementen auch politische u. sociale Interessen in ihr Bereich gezogen hat. Die Journalistik der jüngsten Zeit, namentlich die politische, hat einige ganz neue Erwerbszweige hervorgerufen, wie die Correspondenzbureaus, deren sich jetzt in allen größeren politischen Mittelpunkten Europas befinden, u. die Annoncenbureaus, deren Zahl in den bedeutendsten Handels- u. Industrieplätzen sich von Jahr zu Jahr rasch vermehrt.

Die ersten Spuren von Zeitungen finden sich fast gleichzeitig in Italien u. Deutschland. A) In Italien kommen periodische Berichte über wichtige Begebenheiten u. Ereignisse seit etwa 1563 zu Venedig vor. Als nämlich damals Venedig mit dem türkischen Sultan Soliman II. Krieg führte, so wurden für die, welche an dem Gange des Krieges Interesse nahmen, Blätter an bestimmten Orten ausgelegt, welche die neuesten Nachrichten über jenen Krieg enthielten. Sie waren blos geschrieben (daher Notizie scritte) u. erst später wurden sie gedruckt. Für die Lesung dieser Blätter zahlte man eine kleine Silbermünze, Gazzetta genannt, weshalb dann später in Italien eine jede Zeitung den Namen Gazzetta erhielt. Letzter ging auch in das Französische u. Englische (Gazette) u. Spanische (Gaçeta) über u. gelangte aus dem Französischen auch ins Polnische (Gazeta). Eine größere Reihe von Jahrgängen dieser Notizie scritte befinden sich in der Magliabecchi'schen Bibliothek zu Florenz, ein Stück (vom Jahre 1570) im Britischen Museum. Die argwöhnische Regierung von Venedig, welche der Verbreitung politischer Mittheilungen sehr abhold war, duldete lange Zeit hindurch nur geschriebene Z. Als jedoch später auch in mehren anderen Städten Italiens dergleichen erschienen, erwachte der Argwohn des Römischen Stuhls u. Papst Gregor XIII. (1572–85) erließ sogar eine Bulle gegen die Zeitungsschreiber, welche damals Menanti (d.h. Copisten) hießen u. welche er durch ein Wortspiel als Minantes (d.h. Drohende) bezeichnete. Bis auf die neuere Zeit herab ist die Entwickelung der italienischen Journalistik von den Regierungen wie von der Kirche mit gleich mißgünstigem Auge betrachtet worden. Eine Zeitungspresse konnte sich in Folge der strengen Censur, der hohen Zölle u. anderer Umstände gar nicht entwickeln. Die vorhandenen Zeitungen beschränkten sich auf die nothdürftigsten Nachrichten u. wurden ebendeshalb vom Publicum wenig beachtet. Bis 1847 waren der Diario di Roma, die Gazzetta di Firenze, die Gazzetta di Bologna, die Gazzetta Piemontese zu Turin, die Gazzetta di Genova, die Gazzetta di Lucca, die Gazzetta privilegiata di Venexia. u. die Gazzetta del Regno delle due Sicilie die beder Gefahr u. der Unruhe (1831) machte die Voce della verità zu Modena durch ihre übertriebenen absolutistisch-monarchischen Tendenzen großes Aufsehen. In Italien erschienen 1836 nicht weniger als 171 periodische Schriften, deren Zahl sich 1845 auf 205 vermehrt hatte, der bei weitem größte Theil war jedoch wissenschaftlichen u. literarischen Inhalts. Die ersten Versuche sich in politischen Dingen freier auszusprechen machten Mazzini seit 5. Juni 1828 mit dem Indicatore Genovese zu Genua u., nach dessen baldiger Unterdrückung, Guerrazzi mit dem Indicatore Livornese 1829 zu Livorno, welcher jedoch ebenfalls nur wenige Nummern erlebte. Die Vertreter einer freieren Geistesrichtung gründeten daher im Auslande italienische Blätter, welche heimlich nach Italien eingeführt, aber hier von den Behörden ängstlich verfolgt wurden. Berühmt wurde Mazzini's Giovine Italia, eine politische, moralische u. literarische Zeitschrift, von welcher 1832–1834 zu Marseille 6 zwanglose Hefte erschienen u. nach welcher Mazzini, Bini, Guerrazzi u. andere ihrer Gesinnungsgenossen unter dem Namen des Jungen Italien begriffen wurden. Gleichzeitig begann 1834 in Lugano der Tribuno, welcher namentlich für die Lombardei bestimmt war. In Paris erschien der Italiano von Mai bis October 1836 monatlich, dann auch in Frankreich der wöchentliche Precursore, giornale della rigenerazione italiana, seit October 1836 auf kurze Zeit. Während seit April 1841 zu Montevideo der Italiano herauskam, folgten sich nacheinander zu London der Apostolato popolare (Nov. 1840 bis Sept. 1843), der Pellegrino (Juni 1842 bis dahin 1843) u. der Educatore (Aug. 1843 bis dahin 1844). Von Aug. 1846 bis Ende 1847 gab Boni zu Lausanne (wohin sich um diese Zeit überhaupt die freiere italienische Presse geflüchtet hatte) das Blatt Cosilo penso heraus.

Mit dem Regierungsantritt des Papstes Pius IX. (1846) trat in den Verhältnissen der italienischen Journalliteratur ein vollständiger Umschwung ein. Die bestehenden Blätter nahmen nicht nur theilweise eine freiere Farbe an, sondern es wurde eine Unzahl begründet, welche theilweise mit Talent geschrieben u. nicht ungeschickt redigirt waren, aber durch Zersplitterung der Kräfte, durch Überfülle, endlich auch durch Ausschweifungen aller Art sich, mit wenigen Ausnahmen, sehr bald wieder zu Grunde richteten. Das Jahr 1849 mit seinen Reactionsbestrebungen machte den meisten ein Ende. Nur in Piemont, welches im Allgemeinen bei den 1848 angenommenen politischen Grundsätzen beharrte, erfuhr auch die periodische Literatur nur geringe Modificationen u. erhielt sich auf einer höheren Stufe, als in den übrigen italienischen Staaten. Mittelpunkt der Presse war hier Turin, wo im Jahre 1857 nicht weniger als 68 Blätter aller Art erschienen. Einige Jahre vorher (1852) zählte man in der Sardinischen Monarchie 45 rein politische Blätter (davon 4 in Französischer Sprache), u. zwar zu Turin 14, zu Genua 6, zu Nizza 4, in Chambery 3, je zwei in Vercelli, Asti, Alessandria u. Annecy, je eine in Cagliari, Aosta, Voghera, Cuneo, Casale, Aix-les-Bains, Albertville, Bonneville, St. Jean de Maurienne u. San Remo. Die wichtigsten Blätter aus der Zeit der Bewegung seit 1847 waren in Turin:[901] das Risorgimento, Organ der gemäßigt-liberalen Partei, gegründet u. redigirt von Balbo, Cavour, Franchi u. Santa-Rosa; die Patria, ein Blatt von clericalem Anstrich u. der italienischen Bewegung wenig geneigt; die Concordia in entschieden liberaler Richtung von Sineo u. Lor. Valerio redigirt; die Opinione, von Giac. Durando gegründet, gelangte unter Redaction von Bianchi-Giovini zu großer Popularität; die Gazzetta del Popolo, etwas später als die vorigen, unter den unteren Volksklassen sehe beliebt; der Messaggiere Torinese, von Ang. Brofferio geschrieben, vor 1848 ein Blatt literarischen Inhalts, wurde das Organ der radicalen Partei. In Genua wurde 1848 der Corriere mercantile Organ der demokratisch-constitutionellen Richtung, während die Lega italiana, von Ricci u. Pareto redigirt, die liberale Partei vertrat. Daneben schossen einige kleinere Mazzinische Blätter auf, welche jedoch von kurzer Dauer waren. Hierzu kamen 1850 L'Armonia u. La Campana (kirchlich reactionär). Andere kleinere Blätter waren 1850 noch L'Istruttore del Popolo, L'Avvenire, La Frusta (ein gouvernementales Witzblättchen) etc.; die Gazzetta Piemontese u. die Gazzetta di Genova waren die officiellen Zeitungen; Il Parlamente das Organ der gemäßigten Liberalen. Im Nov. 1852 wurde von der Geistlichkeit den Gläubigen das Lesen der Gazzetta del Popolo u. der Opinione u. anderer Blätter verboten. Parma u. Modena hatten seit 1850 nur noch officielle Blätter, wie die Gazzetta di Parma u. den gut unterrichteten Messaggiere Modenese. In Toscana traten 1847 zu Florenz La Patria (redigirt von Salvagnoli, Lambruschini u. Masari), ein ernstes Blatt, u. L'Alba, volksthümlich (redigirt von A. Vannucci u. La Farina) auf; in Pisa L'Italia, kirchlich freisinnig, von Montanelli u. M. Tabarini redigirt, u. Il Popolo, ebenfalls freisinnig, zu Siena. La Patria u. L'Italia hörten bereits 1848 wieder auf, u. an ihre Stelle trat Il Nazionale (radical), welcher im Herbst 1850 unterdrückt wurde. Die alten Blätter Il Commercio u. L'Avvenire (früher Il Ricoglitore) nahmen im März 1848 ebenfalls einen freisinnigen Charakter an. Die von Pedani herausgegebene Gazzetta di Firenze erhielt unter Guerrazzi den Namen Monitore Toscano, welchen sie auch 1849 beibehielt; der Corriere Livornese zeigte sich 1848 erzradical, ebenso die Rivista zu Florenz unter Redaction Cempini's; das Giornale militare urtheilte 1848 in politischer Hinsicht freisinnig. Der Filo cattolico war im März 1848 (redigirt von Silvestri) das einzige obscurantistische Blatt in Toscana. Billige Volksblätter waren Giornaletto per Popolani u. Il Popolano. Die genannten u. andere Blätter waren im Frühjahr 1849 fast alle wieder eingegangen. Außer dem Monitore Toscano hielten sich nur noch Lo Statuto (entstanden aus dem Conciliatore von 1848) u. Il Constitutionale (seit Ende 1848), beide gemäßigt liberal; ferner Il Lloyd Toscano zu Livorno u. die gemäßigte Riforma zu Lucca. Ein reactionäres Blatt ist L'Eco (seit 1850). Im Kirchenstaat war Ende 1846 das Diario di Roma das einzige politische Blatt; The Roman Advertiser, in englischer Sprache, unter Redaction von C. I. Hemans, wurde im October 1846 begonnen. Nach dem Regierungsantritte des Papstes Pius IX. erhielt die Presse bedeutendere Erleichterungen; der Contemporaneo, redigirt von Sterbini u. Masi, wurde bald das einflußreichste Organ der gemäßigten Liberalen. Dieser, sowie die gemäßigte Bilancia (1847 von Cattabeni, Mazio u. Orioli begründet) waren noch im März die bedeutendsten römischen Blätter. Außerdem erschienen im März 1848, alle liberal, zu Rom: Il Italico, La Speranza, Il Commercio, Pallade, Unione, Il Indicatore, Epoca, Capitolo, Sentinella de Tevere, wozu im Laufe des Jahres noch Il Laboro, Il Constituzionale, L'Emilia, Il Piceno u.a. kamen. In Bologna war Il Felsineo (gemäßigt liberal) von Ruf. Alle diese u. andere Blätter waren 1850 wieder verschwunden. Das einzige rein politische italienische Blatt in Rom ist seitdem bis auf die Gegenwart (Herbst 1864) das officielle Giornali di Roma (hervorgegangen aus dem Diario di Roma, welches 1847 den Titel Notizie del giorno, dann Gazzetta di Roma, während der Revolution Monitore Romano erhielt). Als Organ der Clericalpartei wurde Mitte 1850 der halbofficielle Osservatore Romano gegründet, welcher 1864 ebenfalls noch bestand. Im Königreich Neapel erschienen 1838 nur zwei politische Blätter, zu Neapel u. Palermo. Die Bewegungen des Jahres 1848 hatten einige andere hervorgerufen, welche jedoch ohne Bedeutung blieben u. bald wieder untergingen. Ende 1850 bestanden blos zwei größere politische Blätter, im Sinne der Regierung redigirt: Giornale delle due Sicilie (von Jan. 1848–50 Giornale constituzionale) u. Il Tempo; La Nazione war Anfang 1850 unterdrückt worden. In Palermo kam blos ein Regierungsblatt heraus. Sonst erschienen zu Anfang der fünfziger Jahre noch in Neapel Araldo, eine royalistische Militärzeitung; Omnibus, ein unbedeutendes politisches Blatt; Libertà e Verità, das Organ der Priester. Die Mazzinistische Partei hatte zwar schon im Mai 1848 zu Mailand als ihr Organ L'Italia del Popolo begründet, doch mußte dasselbe schon im August wieder eingehen, erschien aber seit 25. März 1849 auf kurze Zeit wieder in Rom. Nach Eintritt der Reaction war diese Partei wieder genöthigt ihre Blätter im Auslande erscheinen zu lassen, dieselben lebten jedoch nur kurze Zeit. In Italien selbst konnte sich unter mancherlei Bedrängnissen die Mazzinistische Presse nur zu Genua erhalten; hier verkündete vom 22. Mai 1851 bis 22. Febr. 1857 das Blatt L'Italia e Popolo die Wiedergeburt Italiens; dasselbe nahm seitdem den Titel L'Italia del Popolo an, hatte aber harte Verfolgungen zu erdulden u. ging im Juni 1858 ein. Doch schon im Sept. 1858 begann wiederum Pensiero e Azione, ein Blatt, welches bis Mai 1860 erschien.

Die gewaltige politische Umgestaltung, welche die Apenninenhalbinsel seit dem Frieden von Villafranca, 1859, erfuhr u. dieselbe mit Ausnahme des Römischen Gebiets u. Venetiens in Einen Staat, das Königreich Italien, umwandelte, hat natürlich auch seinen Einfluß auf die Presse ausgeübt u. im Journalismus, namentlich dem politischen, einen vollständigen Umschwung herbeigeführt. Da das piemontesische Preßgesetz über das ganze Königreich ausgedehnt wurde, sind auch die ehemaligen Staaten in der Mitte u. dem Süden der Halbinsel der Preßfreiheit theilhaftig, u. politische Blätter aller Farben, wenn auch oft nur von kurzem Bestande, od. von der Regierung zufolge ihrer politischen Tendenzen bald wieder unterdrückt, hervorgerufen worden.[902] Für das Jahr 1854 hatte die Regierung nicht weniger als 1,680,000 Francs Subventionen für ihre Blätter zu zahlen. Die bedeutendsten politischen Blätter des neuen Königreichs Italien sind: in Turin das amtliche Blatt der Regierung die Gazzetta ufficiale del Regno d'Italia; die Opinione u. Gazzetta di Torino, von denen namentlich die erstere seit einer Reihe von Jahren den eben am Ruder befindlichen Ministerien zum officiösen Organe dient; die erst in den letzten Jahren begründete Stampa, ebenfalls ministeriell; die vielverbreitete Gazzetta del Popolo, welche dem Cavourismus huldigt; Diritto, das Organ der am meisten fortgeschrittenen Partei; das Papstthum u. die Legimität werden vertreten von der schon erwähnten Armonia, dem Piemonte (seit 1855 aus Parlamento hervorgegangen) u. dem Campanile. Alle diese Blätter erscheinen täglich. Dasselbe gilt auch vom Espero, der Monarchia nazionale, La Legge u. der französischen L'Italie (1859 von der Fürstin Belgiojoso begründet). Der Fischietto ist der italienische Punch. In Mailand, wo in den fünfziger Jahren die Bilancia, die Epoca u. der Crepusculo die bedeutendsten politischen Blätter waren, ist die Perseveranza, redigirt von Pacifico Vallussi, eine Zeitung ersten Ranges; daneben sind noch die ministerielle Gazzeta di Milano (vor Juli 1859 das amtliche österreichische Blatt) u. Regno d'Italia, dessen Abendausgabe den Titel Il Campidoglio führt. Andere Tagesblätter sind Unità italiana, Lombardo, Alleanza, La Lombardia u. Il Pungolo. Die Politica, welche vorzugsweise gegen die Katholische Kirche u. den Papst eiferte, hörte Ende 1863 auf. In Genua erscheinen immer noch die unbedeutende amtliche Gazzetta de Genova u. der ministerielle Corriere mercantile, welcher als Handelsblatt von Wichtigkeit ist; liberal ist auch Il Movimento; der 1862 eingegangene Cattolico war clerikal. In Oberitalien erscheinen sonst noch größere politische Tagesblätter zu Alessandria (Spettatore), zu Brescia (Gazzetta di Brescia), Cremona, Cuneo, Novara, Pavia, Parma, Modena etc., meist mit dem Titel Gazzetta; das Hauptblatt der Florentiner Presse ist die Nazione, mit ministerieller Färbung. Die demokratische von Guerrazzi geleitete La nuova Europa u. der satirische Zenzero sind 1863 eingegangen. Autonomistische Tendenzen verfolgte 1863 Firenze, die Interessen der vertriebenen Dynastie verfocht bis 1862 Contemporaneo. Sonst erschienen 1864 noch in Florenz die Tageblätter Independente, Gazzetta del Popolo u. Monitore Toscano. In Livorno sind die beiden Handelsblätter L'Indicatore commerciale (täglich) u. Il Commercio Livornese zu nennen. Der Eco in Bologna ging 1863 in Folge von Verurtheilungen ein. Ebendaselbst erschienen 1864 noch eine Gazzetta, ein Monitore u. der Corriere d'Emilia; dagegen in Ancona der Corriere delle Marche u. in Ravenna L'Adriatia. Im Königreiche Beider Sicilien, wo früher außer den beiden amtlichen Zeitungen in Neapel u. Palermo kein politisches Blatt geduldet wurde, sind seit 1860 zahlreiche politische Blätter aufgeschossen, von denen viele dem sogenannten Piemontismus Opposition machen, theils als verkappte Organe der Bourbonen od. Muratisten, theils als Blätter des Mazzinismus, theils endlich als Fürsprecher der neapolitanischen Autonomie. Subventionen von der Regierung erhalten die Patria u. der Nazionale, daneben erschienen 1864 noch Il Nomade, Plebiscito, Pungolo u. Democrazia. Das autonomistische Blatt Napoli mußte Anfang 1863 aufhören, nahm aber im April 1863 den Namen Borsa an. Verschiedene Blätter sind neben der Gazzetta ufficiale u. dem Commercio in den letzten Jahren zu Palermo aufgetaucht; 1863 erschienen daselbst u.a. Aspromonte u. Unità politica, mit Anfang 1864 begann L'Appello. Sonst erschienen Gazzette auf Sicilien noch zu Messina u. Catania, sowie ein Commercio zu Siragosa. Auf der Insel Sardinien kamen 1864 zu Cagliari Lo Statuto officiale u. La Gazzetta populare, beide nur dreimal wöchentlich, heraus. Von geringerer Bedeutung ist die politische Zeitungspresse in den nicht zum Königreich Italien gehörigen Theilen der Halbinsel. So in dem Österreich verbliebenen Theile des Lombardisch-Venetianischen Königreichs, wo noch jetzt, wie früher, die Gazzetta di Venezia mit 6000 Abonnenten das wichtigste u. verbreitetste Blatt ist. Daneben sind auch die beiden Tagesblätter Giornale Veneto u. Giornale di Verona mit je 2000 Abonnenten zu erwähnen. Zu Rom sind in den letzten Jahren, außer den beiden oben erwähnten Tagesblättern, auch mehrfach kleinere Volksblätter radicaler Tendenz heimlich gedruckt worden, wie z.B. 1863 Roma o morte. Auf Malta endlich erscheinen zu Lavalette die Malta Times u. der Corriere mercantile. Außerhalb Italien erscheinen Zeitungen in Italienischer Sprache noch in einigen Kronländern Österreichs (1864 einschließlich Venetien 13 politische u. 28 nicht politische Blätter), wie namentlich im südlichen Tyrol, Görz u. Gradiska, dem Küstenlande, Istrien u. Dalmatien, ferner auf den Ionischen Inseln, in Griechenland u. den Seeplätzen der Levante, dann in London, Paris u. einigen größeren Handelsplätzen Amerikas. Vgl. Cironi, Die nationale Presse in Italien (deutsch von Ludmilla Assing, Lpz. 1863).

Von den italienischen Zeitschriften war eins der berühmten ältern das Giornale de' letterati, Rom 1668–81, meist Auszüge aus dem Journal des Savans enthaltend, dann ein gleichnamiges, Parma 1686, 7 Bde., das von Apostolo Zeno redigirte, durch Reichthum an literarhistorischen Mittheilungen ausgezeichnete, 1710–33 in 38 Thln. u. 40 Bdn. zu Venedig herausgegeben; Giornale de' letterati d'Italia, mit drei Supplementen 1722–26; als Fortsetzung erschienen: Osservatione letterarie, Modena 1737–40, 6 Bde., Giornale de' letterati, Florenz seit 1742, u. Nuovo Giornale de' letterati d'Italia, Modena seit 1774; ingleichen das Giornale de' letterati, Pisa 1771–96, von Fabroni gut redigirt, u. Nuovo Giornale de' letterati, seit 1802; in Mailand erscheint seit 1816 die Biblioteca Italiana, bis 1826 von Acerbi, später von Gironi, Carlini, Fumagalli u. Brugnatelli herausgegeben u. mit dem 100. Bande 1840 geschlossen; sie ist das beste Journal in Italien neben der von Vieusseux zu Florenz besorgten Antologia, welche außer Beurtheilungen auch noch Abhandlungen enthält; zu Florenz kommt auch seit 1740 die Novelle letterarie heraus, welche eine Zeit lang von Lami redigirt wurde; zu Rom die Effemeridi letterarie u. seit 1819 das Giornale arcadico, welches aber später einging. Das zu Neapel seit 1806 erscheinende Giornale encyclopedico gibt meist fremdes Gut.

[903] In dem Zeitschriftenwesen Italiens bewirkte die Bewegung von 1848 eine vollständige Umgestaltung; die meisten der bestehenden Zeitschriften gingen ein, ohne daß sie bis jetzt wieder ersetzt worden sind. In der Lombardei waren vor 1848 von Bedeutung das Giornale Euganeo in Padua, was viel Notiz von Deutschland nahm, die Revista Europea u. seit 1841 das Giornale dell' Istituto Lombardo in Mailand, der Gondoliere in Venedig, mehr belletristisch unterhaltend, die Annali delle scienze in Vicenza, streng wissenschaftlich etc.; an Unterhaltungsblättern erschienen in Mailand der Corriere delle dame, seit 1854 die Moda u. v. a., namentlich Fachjournale. Im Königreich Sardinien hatten ernstere periodische Blätter vor 1848 kein rechtes Gedeihen, unter ihnen gehörte die Revista Ligure in Genua zu den besten Zeitschriften. Seit 1848 hat sich hier, durch die größere Preßfreiheit begünstigt, auch auf dem Gebiete der nicht politischen Journalistik ein regeres Leben gezeigt; so erschienen: Il Cimento, seit 1852; La Revista contemporanea, ein politisch-wissenschaftlich-belletristisches Journal; La Revista Italiana, seit 1849 etc. In Rom ging Il Saggiatore 1848 ein, das alte Giornale arcadico überdauerte die Stürme der Zeit; außerdem mehre Kunst- u. archäologische Journale, wie das Giornale del Istituto archeologico. In Modena erschienen vor 1848 Giornale scientifico-letterario Modenese u. Revista di scienze, lettere ed arti; in Toscana bis 1833 die Antologia di Firenzi, Revista di Firenzi, das Archivio storico Ital., von Viesseux; in Neapel Il progresso delle scienze, lettere ed arte, seit 1833, noch besteht das Museo di scienze e letteratura; streng wissenschaftlich waren Avellino's Bulletino archeologico u. seit 1852 Minervini's Bulletino archeologico Neapolitano u.a.; Ruf hatten vor 1848 die Effeme-ridi scientifiche e letter. in Palermo u. Il Innominato in Messina.

B) In Frankreich wird der Ursprung der Z. auf den Mercure français (Par. 1605–45, 26 Bde.), eine Nachahmung des English Mercury, zurückgeführt, welcher seit 1605 erschien u. eine Fortsetzung von Palma Cayet's Chronologie septennaire ou Histoire de la paix entre les Rois de France et de l'Espagne de 1598 à 1604 (Par. 1605), welcher wieder die Chronologie novennaire ou Hist. de la guerre sous Henry IV. depuis 1589–1598 (Par. 1599, 3 Bde.) vorausgegangen war, bildete. Allein dieser Mercure war keine eigentliche Zeitung, sondern nur eine historische Compilation, wovon Bd. 1 vom Buchdrucker Jean Richer, Bd. 2–20 von Etienne Richer, Bd. 21–24 von Théoph. Renaudot, 25. u. 26. von Claude Malingre redigirt wurde. Renaudot wurde aber der Gründer des ersten politischen Wochenblattes in Frankreich. Er war Leibarzt des Königs, Director eines Leihhauses u. Inspector des ersten Intelligenzcomptoirs od. Bureau d'adresses; als Freund des Genealogen d'Hozier, welcher eine ausgebreitete Correspondenz mit dem In- u. Auslande führte, kam er in den Besitz der interessantesten politischen Neuigkeiten u. Briefe, welche er dann den Kranken am Krankenbette mittheilte od. vorlas. Der Beifall, welchen diese Art der Unterhaltung fand, brachte ihn auf den Gedanken diese Neuigkeiten in zusammenhängender Form drucken zu lassen u. so auch an die Gesunden abzusetzen. Diese politischen Mittheilungen erschienen seit 1631 zuerst wöchentlich in klein Quart in Nummern von acht Seiten unter dem Titel Bureau d'adresses; die einzelnen Nummern wurden Gazettes genannt. Nach seinem Tode wurde das Blatt, welches bald nach seinem Erscheinen großen Anklang gefunden hatte, von seinem Sohne Isaac Renaudot, Leibarzt des Dauphin, fortgesetzt, nach dessen Absterben (1679) es Eusèbe Renaudot (starb 1729) in seine Hände nahm. Durch die strenge Censur Ludwigs XIV. waren indessen die sogenannten Gazettes à la main od. handschriftlichen Zeitungen hervorgerufen worden. Dergleichen, Nouvelles à la main, wurden im Salon der Madame Doublet de Persan (starb 1771) zusammengestellt, welche später in den Mémoires de Bachaumont in Druck erschienen sind. Gleichzeitig entstanden, ebenfalls handschriftlich, die Lettres en vers à Mademoiselle de Longueville, welche der Dichter Jean Loret (st. 1665) wöchentlich in Umlauf setzte. Seit dem 4. Mai 1650 erschienen dieselben gedruckt, jeden Sonnabend eine Nummer, worauf er dieselben gesammelt in seiner Muze historique ou Recueil des lettres en vers contenant les nouvelles du temps (Par. 1656, 1. Bd., Fol.) herausgab. Diesem ersten Bande folgten bis März 1665 noch 2 Bände, zu denen als Fortsetzung Laurens' (Ch. Robinet's) Lettres en vers à Madame Henriette d'Angleterre, erst von Mai 1665 bis Juli 1670, dann von Juli 1670–78, hinzukamen. Das Journal ist für Stadtneuigkeiten, Anekdoten u. die Chronique scandaleuse des damaligen Paris wichtig. Zu diesen beiden Journalen trat noch der Mercure galant, ein politisch-literarisches Journal, welches 1672 I. Donneau de Visé (gest. 1710) begann (zusammen 6 Bde., Par. 1672 f.), dann aufhörte, aber seit 1699 wieder regelmäßig erschien, bis es 1717 den Namen Mercure de France annahm u. noch bis 1815 fortdauerte. In Französischer Sprache erschien auch zu s'Gravenhage in Holland seit 1686 der von Courtilz de Sandras (st. 1712) begonnene Mercure historique et politique. Die Gazette Renaudot's vermehrte ihre Seitenzahl unter Ludwig XIV. von 8 auf 12; von 1762 an erschien sie wöchentlich zweimal. Um diese Zeit nahmen auch die Avertissements (Ankündigungen von Büchern) ihren Anfang. 1765 fanden die Schwankungen u. Verhandlungen der Börse zuerst Erwähnung. Trotz vieler Nebenbuhler behauptete sich das Blatt auch unter Ludwig XV. u. XVI., erschien von 1792 an täglich, nahm in demselben Jahre den Titel Gazette nationale de France an. Mit dem Jahre 1792 begannen auch die Theateranzeigen. Vgl. Camusat, Hist. critique des journaux, Amsterd. 1734, 2 Bde. Die erste tägliche Zeitung Frankreichs war 1777 das Journal de Paris. Diese genannten Blätter waren, mit Ausnahme einiger unbedeutenden, bis zum Ausbruche der ersten Französischen Revolution die gesammte Tagespresse; alle Blätter, welche von bloßen Meinungsverschiedenheiten erzeugt wurden, fristeten nur ein kurzes Leben.

Die Revolution, durch welche Rede u. Handlung frei u. frech wurde, übte auf die französische Presse einen gewaltigen Einfluß. Das erste Jahr der Freiheit rief mehr als 150 Zeitungen hervor, welche ganz Frankreich überschwemmten u. jeder das Volk aufwiegelnden Leidenschaft fröhnten. Den Anfang[904] machte Mirabeau's Courrierde Provence. Diesem folgten, um nur die einflußreichsten Blätterzu nennen: Le point du jour von Barrière; Le patriote français von Brissot; Les revolutions de Paris von Proudhomme, Lonstalot u. Tournon; La chronique de Paris von Condorcet, Rabaut St. Etienne u. Ducos; Le journal des debats et decrets von Barrère u. Loucet; L'ami du peuple von Marat, welcher dessen Le publiciste Parisien fortsetzte; Les annales patriotiques et littéraires von Carra u. Mercier; Le tableau de Paris; Les revolutions de la France et de Brabant von Camille Desmoulins; L'orateur du peuple von Fréron; La bouche de fer von Abbé Fauchet; Le journal de la société de 1789 von Condorcet, Dupont de Nemours, Pastoret, André Chénier; La feuille de jour von Parisot; La chronique universelle von Condorcet u. Th. Payne; La chronique de mois von Clavière; Le bulletin des amis de la verité, girondistisch; La tribune des patriotes von Desmoulins u. Freron; Le defenseur de la constitution von Robespierre; Le journal de la Republique française von Marat; Le journal de l'opposition von Real; Le Republicain; Le Nouvelliste von Dupont de Nemours, Barrante, Morellet u. A.; Le journal de la Montagne, das officielle Organ des Jakobinerclubs, herausgegeben von Rousseau, Lavaux u. Thomas; Le vieux cordelier von Cam. Desmoulins; Le tribun du peuple von Baboeuf; La clef du cabinet des Souverains von Garat, Fontanes u. Pruchet; Le conservateur von Garat, Dannon u. Chenier; La decade philosophique, littér. et polit. von Sai, Guingéné, Andrieux, Amaury u. Duval; Le journal de la liberté de la presse von Baboeuf; das Mémorial histor., polit. et littér. von La Harpe, Vauxelles u. Fontanes. Die Parteirichtung dieser Blätter bekunden die Namen der Herausgeber. Royalistisch waren Les amis du Roi von Royon u. Montjoie; La Gazette de Paris von Rozoy; La feuille du jour von Parisot; Le journal à deux liards, Le journal royaliste, Le journal de Louis XVI. et de son peuple u.a. Constitutionelle Färbung nach Muster der englischen Zeitungen trugen Le Mercure de France von Mallet du Pan; Le journal politique von Sabatier; La gazette universelle von Ceriffler; Le journal des amis de la Constitution monarchique. Organe der gemäßigten Partei waren Le moderateur, Les nouvelles polit., L'historien, Le cercle. Außer diesen Zeitungen ernsterer Art erschienen noch eine große Anzahl unterhaltende u. satirische; die verbreitetsten derselben waren: L'écouter aux porter; Le furet parisien; L'Argus patriote; Le hoquet aristocratique; Pendez moi mais écoutez moi; Le Democrite français; Le journal des rieurs von Martainville; Les actes des apôtres von Peltier etc. Gewissermaßen hierher gehört auch Père Duchesne von Hebert. Im Jahre 1790 erschienen überhaupt ungefähr 140 Blätter. In den nächsten Jahren sank die Zahl der Z.: 1791 zählte man 95, 1792: 60, 1793: 50, 1794: 40, 1795: 35, 1796: 32; 1797 stieg sie wieder auf 95, sank aber 1798 auf 17 herab; 1799 zählte man wieder 26, 1800 aber nur 7. Die Gesammtzahl der neuen Zeitungen, welche 1789–1800 entstanden, wird auf 750 berechnet. Jede Partei, die republikanische, jakobinische u. königliche, hatte ihre Organe. Viele Blätter führten den Titel Journal; so Journal des Sansculottes, J. du Louis XVI., J. du pauvre Richard, J. du Diable etc.; eine ziemliche Anzahl anderer führte den Titel Ami od. L'Advocat; viele hatten höchst abenteuerliche u. pikante Titel. Mit Ausnahme sehr weniger erschienen sämmtliche Revolutionsblätter in Octav od. Duodez. Die meisten Blätter hatten nur ein ephemeres Dasein; andere erlagen den Beschlüssen des Gemeinderaths od. Directoriums. Am 18. Fructidor des Jahres V. wurden die Redacteure u. Drucker von 30 Journalen auf Befehl des Directoriums wegen Verschwörung wider die Republik in Laforce eingekerkert. Im Januar 1800 bestimmte ein Edict der Consularregierung die Zahl der politischen Blätter auf 13, nämlich: den Moniteur universel, Journal des débats, Journal de Paris, Gazette de France, Le bien informé, Le publiciste, L'ami des lois, Le clef du cabinet des Souverains, Le Citoyen français, Journal des hommeslibres, Journal du soir, Journal des defenseurs de la patrie, La Decade philosophique. Alle übrigen, mit Ausnahme der der Kunst, der Literatur u. dem Handel gewidmeten Journale, wurden unterdrückt. Vgl. Léonard Gallois, Hist. des journaux et des journalistes de la Révolution fançaise, Par. 1845, 2 Bde.; Deschiens, Bibliographie des journaux publiés pendant la Revolution, Par. 1829.

Unter dem Consulat u. Kaiserreiche war die Presse zahm, die Tagesblätter wurden auf das strengste überwacht u. waren kaum mehr als ein Widerhall des Moniteur, indessen Spalten häufig Aufsätze aus des Kaisers Feder selbst, od. wenigstens von ihm redigirt Aufnahme fanden. Theils die Gefährlichkeit einer selbständigen Besprechung öffentlicher Ereignisse, theils der sichtbare Mangel an erlaubtem Stoff zwangen die Herausgeber sich der Literatur u. dem Theater zuzuwenden. So entstand das Feuilleton, welches durch Mannichfaltigkeit des Inhalts für die Dürftigkeit der publicistischen Discussion Entschädigung bieten mußte. Den Anfang machte 1800 das Journal des Débats, welches seinen Titel in Journal de l'Empire veränderte u. durch das Feuilleton seine Abonnentenzahl auf 32,000 steigerte (s. unten). Unmittelbar nach Napoleon's Flucht von Elba 1815 entstand Le Constitutionel, Anfangs unter dem Titel L'Indépendent. Nach der Restauration erhielt die gefesselte Journalistik erst 1819 durch Aufhebung der Censur eine vorübergehende Erleichterung, wurde jedoch schon wieder am 30. März 1820 durch neue strenge Gesetze eingeengt u. hart verfolgt. Die zahlreichen Preßprocesse traten nach Villèle's Sturze wieder etwas in den Hintergrund, bis endlich durch das Erscheinen der berühmten Ordonanzen vom 25. Juli 1830, welche auf's Neue eine Beschränkung der Preßfreiheit bezweckten, der heftigste Widerstand hervorgerufen wurde, welcher, zum Theil wenigstens, den Sturz der Bourbons veranlaßte. Im Ganzen hatte die Presse bis zum Juli 1830 wenig mehr Freiheit in ihrer Bewegung als unter der Herrschaft Napoleons. Dennoch vermehrten sich die Journale, wie ihr Absatz; 1824 hatten die sechs Pariser Regierungsblätter (Le Journal de Paris, L'Etoile, La Gazette, Le Moniteur, Le Drapeau blanc, Le Pilote) zusammen 13,344, die der sechs Oppositionsblätter (Le Constitutionel, Le Journal des Débats, La Quotidienne, Le [905] Courrier français, Le Journal du commerce, L'Aristarque) 41,330 Abonnenten; 1825 hatte sich die Zahl der letzteren bereits auf 44,000 gesteigert, während die Zahl der ersteren auf 12,580 gefallen war. Die meisten in der Reihe der Opposition hatte der Constitutionel; ein neuer Zuwachs für die Opposition waren Le Globe, La Revue française, Le Temps u. Le National. Im Jahre 1826 erschienen in Paris allein 127 periodische Schriften, 1829 schon 307.

Mit der Julirevolution von 1830 wurde Paris auf's Neue von einer Zeitungsfluth überschwemmt, welche jedoch bald wieder in ihr Bettzurückkehrte. Obgleich durch die Charte die Freiheit der Presse u. der Rede garantirt war, so veranlaßte doch die lebhafte Opposition, in welche sich namentlich die republikanischen u. legitimistischen Blätter stellten, bald Maßregeln, welche die Freiheit der Presse mit Umgehung der Censur beschränkten. Dahin gehörten nächst der Stempeltaxe u. der schon 1831 eingeführten Caution bes. die Septembergesetze von 1834. Trotz der letzteren erschienen am 1. Jan. 1835 in Paris allein 347 Zeitungen u. Journale. Alle Parteien hatten in der Presse ihr Organ, selbst die Socialisten, welche vor der Julirevolution gar nicht vertreten waren, u. die Bonapartisten, welche wenigstens nicht öffentlich journalistisch ihre Tendenzen verfolgten. Die Regierung besaß, außer dem Moniteur, dem officiellen Blatte, Le Journal des Débats u. La Presse. Der Constitutionel huldigte erst der Julidynastie, trat aber dann zu der von Thiers geleiteten Opposition über. Das Journal du commerce, welches eine Zeitlang das Organ Mauguin's war, hat verschiedene Phasen durchlaufen, hielt aber immer die Mitte zwischen der dynastischen u. orleanistischen Opposition. Revolutionär-legitimistisch waren die Gazette de France mit 4400 (im Jahre 1844), u. La Nation mit 6000 Abonnenten; retrograd-legitimistisch wurde La Quotidienne (später Union monarchique, nach der Revolution von 1848 Union genannt) redigirt, während La France eine absolut legitimistische Farbe trug. Eben so legitimistisch waren L'Echo français u. Le Journal de villes et de campagnes, sowie die beißende Wochenschrift La Mode von Vicomte Walsh. Die Gazette de France, welche nach der Restauration vom Ministerium eine Subvention erhielt, ging 1827 ein, worauf die bisherige Etoile den Titel Gazette de France annahm. Gleich nach der Julirevolution vertrat sie die legitimistischen Principien, welche sich unter der Redaction des Abbé Genoude mit radicalen Elementen versetzten. Der von Montalembert geleitete Univers war zwar streng katholisch, aber der Julidynastie nicht feindlich. In lebhafter Opposition gegen die Regierung stand der Courrier français, welcher früher unter dem Einflusse Benjamin Constant's erschien, sich aber viele Preßprocesse zuzog. Organe der Tiersparti war außer L'Impartial u. La Rénommée bes. Le Temps, welcher zur Zeit der Restauration entstanden war u. zuerst von Leon Faucher, später von Jacq. Coste redigirt wurde, aber 1842 aufhörte. Le Siècle, das Organ Odilon Barrot's, verdankte seine große Verbreitung nur der Nüchternheit seiner Ansichten, welche ihn zum Vertreter der Epiciers machten, u. seinem Feuilleton. 1846 zählte er über 30,000 Abonnenten, die meisten, welche zu dieser Zeit irgend ein Pariser Blatt besaß. Radicale Grundsätze verfocht Le National, welcher zwar durch den Tod seines Gründers, Armand Carrel, 1844 viel verloren, aber durch die Entschiedenheit im Auftreten für seine Grundsätze sich selbst die Achtung seiner Gegner erhalten hatte. Wesentlichen Antheil an der Redaction nahm Armand Marrast. Sonst hielten es mit der radicalen Opposition L'Etat, Le Parlement, Le Corsaire u. Charivari, Le bon sens, begründet von Cauchois Lemaire, später geleitet von Louis Blanc; Le Reformateur u. La Tribune, beide von Raspail begründet; La Révolution, Le Mouvement u. La Revue de progrès erlagen allmälig den Verfolgungen von Seiten der Regierung. Dasselbe geschah auch mit Le Monde, einem Unternehmen von Lamennais, welcher schon vorher mit seinem L'Avenir, obgleich er George Sand u. Montalembert zu Mitarbeitern zählte, Unglück gehabt hatte. Eine eigenthümliche Stelle in der französischen Presse nahm La Démocratie pacifique ein, welche von Considérant geleitet, sich zur Vertreterin socialistischer Grundsätze gemacht hatte. Der Moniteur républicain u. Homme libre, beides Organe des Baboeuvismus, erschienen auf heimlichen Pressen. Für die Opposition, später die Conservativen sprachen La Paix, La Charte de 1830 u. der genannte Globe. Ohne politische Farbe erschienen L'Estafette u. Galignani's Messenger (letzter in englischer Sprache). Kirchliche Blätter waren L'Union catholique u. L'Univers religieux. Im Interesse des Bonapartismus wirkten: La Révolution de 1830; Le Commerce, welcher sich später mit dem Constitutionel vereinigte, u. Le Capitole, welcher unter russischem Einflusse stand. Die 26 Tagesblätter, welche Ende 1845 in Paris bestanden, zählten zusammen gegen 180,000 Abonnenten. Die meisten derselben nach Le Siècle besaßen La Presse u. Le Constitutionnel, jedes 20–25,000, nächst diesen Le Journal des Débats u. L'Epoque, jedes etwa 10–15,000. Eine Revolution in dem Pariser Journalwesen machte Emil de Girardin 1836 durch Begründung des Journals La Presse, indem er den Preis desselben von 80 Francs auf 40 herabsetzte u. so der sogenannten wohlfeilen Presse den Weg bahnte. Geschah dies zunächst auch nur in der Absicht, um durch ein wohlfeiles ministerielles Blatt dem Absatz der oppositionellen Blätter zu begegnen, so hatte das Unternehmen doch gerade den entgegengesetzten Erfolg, insofern von nun an auch die Oppositionsorgane ihren Preis ermäßigten. Die Reichhaltigkeit der Feuilletons verschaffte der Presse bald eine große Verbreitung. Ein zweites ministerielles Blatt, L'Epoque Granier's de Cassagnac, welches seit 1. Juli 1845 unter den Auspicien Guizots erschien, konnte sich trotz seiner 12,000 Abonnenten nicht erhalten. Unter den sogenannten kleineren Journalen, welche sich meist in der Sphäre des Witzes bewegen, sind bes. Le Corsaire u. Le Charivari bekannt geworden. Außer diesen Hauptblättern erscheinen in Paris noch zahllose andere Journale, welche gewöhnlich nach kurzem Bestehen wieder verschwinden. Blätter ganz eigenthümlicher Art waren, um nur Einiges anzuführen, in den Vierziger Jahren La Loge, speciell für die Pariser Portiers u. Portières bestimmt; Journal des amis de la réforme orthographique, ganz bes. aber Le Messager des mariages, das Organ der Heirathslustigen.

[906] Die Februarrevolution 1848 rief über 300 neue Blätter ins Dasein, welche mit wenigen Ausnahmen den extremen Parteien dienten; fast alle gingen nach Verlauf des Sturmes wieder ein (vgl. Les journaux rouges, publiés depuis le 24. Febr. 1848, Par. 1848). Zunächst vor der Bewegung war der National das Organ der gemäßigten Fraction der Republikaner; die Réforme (gegründet von Godefr. Cavaignac), das der revolutionären u. socialistischen Fraction, redigirt von F. Flocon. Von den neuen Erscheinungen dienten den demokratischen u. socialistischen Ideen: Le Père Duchênes, Le vieux cordelier, Le Journal de la canaille, Le Pilori, Le Lampion, L'Organisation du travail, La vrai république etc. Lamartine gab Le Conseiller du peuple, Gueronniere Le Bien publique (ging nach 6 Monaten wieder ein), Charles Hugo L'Evènement, Pierre Leroux La République, Ledru Rollin Le Vote universel heraus. Seiner Zeit das einflußreichste socialistische Blatt war Proudhons Répresentant du peuple, welcher später den Titel Le Peuple annahm u. 1850 als La Voix du peuple einging. La Tribune du peuple sollte die demokratisch-socialen Ideen mit dem Auslande vermitteln, bestand aber nur kurze Zeit. Für Frauen waren bestimmt: L'Opinion des femmes, La Voix des femmes, La Politique des femmes, La Mère Duchênes. Die Folgen des Juniaufstandes von 1848 brachten bereits eine bedeutende Verminderung der Blätter hervor, gegen Ende des Jahres erschienen in Paris noch 21 größere Blätter, darunter acht republikanische, nämlich Girardin's Presse; Le National, unter Redaction Leopold Duras'; Le Siècle, auf welchen Cavaignac Einfluß übte; L'Avénement du peuple unter Redaction Pelletan's; Le Pays unter Redaction A. de la Guéronnière's; La République von Pierre Leroux, La Révolution von Xavier Darricu u. Le Charivari, von Taxile Delord, Clement Caragnel u. Louis Houard redigirt, mit den Zeichnern Daumier u. Cham. Im Interesse der Orleans wirkten L'Ordre (seit März 1848 von Chambolle redigirt) u. Messager de l'Assemblée nationale, beide von Thiers beeinflußt, u. das, Journal des Débats. L'Assemblée nationale, von Lavalette begründet u. redigirt von Guizot u. Salvandy, begünstigte erst die Fusion, wurde aber dann rein reactionär u. sollte in russischem Solde stehen; in der Orientalischen Frage, 1854, nahm sie Partei gegen die Regierung; L'Univers, das Blatt Montalemberts u. der clericalen Partei, gehörte entschieden der Reaction an. Legitimistische Blätter waren La Gazette de France, unter dem Patronate des Marquis Larochejaquelin; L'Union Berryer's, als officielles Blatt benutzt; L'Opinion publique St. Priest's, welche namentlich zu Gunsten der Candidatur Changarnier's sprach, u. das Witzblatt Le Corsaire. Dem Bonapartismus huldigten außer dem Constitutionel noch Granier's de Cassagnac Le dix Décembre, später Le Pouvoir (ging im Jan. 1851 ein); La Patrie, La Liberté (im März 1848 von Alex. Dumas gegründet, wurde von der Familie Bonaparte angekauft) u. Le Moniteur Parisien; das Wochenblatt Le Napoleon (seit 1850 von Briffault herausgegeben), welches dazu bestimmt war, die eigensten Gedanken des Staatsoberhauptes wiederzugeben, dauerte nicht ganz ein Jahr. Le Crédit, von Cavaignac u. Duveyrier begründet, welcher sich stark dem Socialismus zuneigte, ging im Spätsommer 1850 ein; die demokratisch-socialistischen Blätter La Révolution démocratique et sociale, La Tribune des peuples, Le Temps u. La Réforme waren schon vorher den strengeren Preßmaßregeln, zu denen man in Folge der Mai- u. Junitage von 1848 u. des 13. Juni 1849 schritt, erlegen. Was diese Maßnahmen der Nationalversammlung von demokratischen Blättern noch übrig ließen, fand mit dem Staatsstreich vom 2. Dec. 1851 vollends seinen Untergang. In Folge davon gingen ein Le National, L'Opinion, L'Ordre, Le Moniteur de soir, L'Avénement, La République, La Révolution, Le Conseiller du peuple etc. Dagegen erschienen jetzt La Democratie Napoleonienne (ging bald wieder ein); von den aus Paris geflüchteten Legitimisten Le Bulletin français seit 1852 in Brüssel; von den geflüchteten Republikanern La Voix du proscrit, Organ Ledru Rollins in London. Durch das organische Decret vom 18. Febr. 1852 ist das verfassungsmäßige Recht der freien Presse zu einem rein illusorischen gemacht worden. Waren während des Jahres 1851 trotz der schon bestehenden Strenge immer noch 144 neue Zeitungen, von denen jedoch die meisten bald wieder eingingen, erschienen (19 täglich), so hatte das neue Preßgesetz Mitte 1852 bereits 120 Journalen, einem Dritttheil sämmtlicher in Frankreich erscheinenden, ein Ende gemacht. War die Zeitungspresse unter früheren Regimen auch gefesselt, so stand ihr doch immer noch der Schutz der Gerichte in Aussicht; der nun folgenden Verwaltungsweise war es vorbehalten die Presse ganz in das Belieben der abhängigen Verwaltungsbeamten zu bringen. Das Verwarnungssystem hat hier seinen Ursprung gefunden, Vermögen u. Eigenthum wurden damit in die Willkür eines einzigen Verwaltungsbeamten gestellt u. somit eine Art Vermögensconfiscation eingeführt. Indeß hat die französische Zeitungspresse trotz aller Hemmungen u. Hindernisse dennoch eine innerhalb der gezogenen Schranken gewisse Selbständigkeit zu bewahren gewußt. Eine andere Art der Beengung der Presse wird in Frankreich dadurch ausgeübt, daß man den mißliebigen Zeitungen den Straßenverkauf entzieht, durch welchen doch der eigentliche Vertrieb bewirkt wird. Nichtsdestoweniger wissen die also gemaßregelten Blätter ihren Bestand nicht nur zu fristen, sondern auch zu erhalten.

Die wichtigsten Organe der französischen Presse sind gegenwärtig (Ende 1864): a) Le Moniteur, das officielle Organ in Frankreich von jeher, dessen erste Nummer am 24. Nov. 1789 erschien. Der vollständige Titel lautete La Gazette nationale ou le Moniteur universel; der Begründer war Panckoucke der Ältere, der erste Hauptredacteur de Marcilly. Von höchstem Werthe für die Geschichte jener Zeit wurde der Moniteur dadurch, daß der Begründer das von Marat 12. Sept. 1789 begonnene Bulletin des séances des états généraux mit demselben vereinigte u. letzterem seit 2. Febr. 1790: die Redaction der legislativen Debatten übertrug. Die Concurrenz, welche vom April 1791 bis 10. Aug. 1792 der von Delessari begründete Logographe zu machen suchte, fiel mit dem Königthum. Bis Ende 1793 wurde die Redaction von Thuan-Grandville geführt, welcher auch eine Introduction [907] au Moniteur (1796) verfaßte, in welcher die Begebenheiten vom 5. Mai bis 31. Dec. 1789 (Nr. 1–131) enthalten sind. Letztere Introduction bildet zugleich auch den ersten Band des Wiederabdrucks des Moniteurs von 1789–1800. Seit dem 9. Thermidor des Jahres II (27. Juli 1794) führte Jourdan die Redaction bis zum Consulat, dann Sauvo bis 1840, dann A. Grün. Im Jahr 1811 vereinfachte die Zeitung ihren Titel in Le Moniteur universel. Auch unter der Restauration u. den Orleans blieb er officielles Organ. Gedruckt wurde er vom Anfang an bei Henri Agasse, dem Schwiegersohne Panckoucke's; 1798 wurde er Eigenthum Henri Agasse's u. seiner Gattin, im Jan. 1840 deren Erben, welche sich zu einer Gesellschaft constituirten; verantwortlicher Gerant wurde Ernest Panckoucke, der Enkel des Gründers. Auch während der Februarrevolution, der Republik u. dem neuen Kaiserreich ist der Moniteur das officielle Organ der Regierung geblieben. Im Jahr 1852 wurde sein Preis auf 40 Francs herabgesetzt. Vgl. Bidault, Notice histor. et bibliograph. sur la collection et les tables du Moniteur, Par. 1838. b) Le Journal des Débats, begründet von Louis Franç. Bertin (s.d.), welcher ein kleines Blatt in Octav, Le Journal des débats et decrets, welches seit 27. Aug. 1789 unter Leitung Barrère's u. Louvet's erschienen war, vom Buchdrucker Baudoin ankaufte u. den Titel desselben in Journal des Débats politiques et littéraires verwandelte. Die erste Nummer erschien am 21. Jan. 1800. Bei der Redaction wurde er von seinem Bruder Louis Franç. Bertin de Vaux (s.d.) u. And. unterstützt. Im Jahr 1805 mußte das Blatt den Titel Journal de l'Empire annehmen, doch kehrte es am 31. März 1814 zu dem früheren zurück. Besonderen Aufschwung nahm es seit 1800 durch sein Feuilleton. Seitdem behauptete es sich unter allen Regierungen als ein Blatt ersten Ranges. Unter der Kaiserzeit war es namentlich literarisch bedeutend. Im Anfang schrieben die Staël u. Chateaubriand viel für das Blatt, welches damals 32,000 Abonnenten gezählt haben soll. Napoleon war ihm nicht günstig u. setzte demselben daher 1805 in Fiévée, 1808 in Etienne einen Redacteur u. verdrängte endlich Bertin ganz von der Leitung. Seine politische Bedeutung gewann es mit der Restauration, es schloß sich derselben an u. hat seitdem auch fortwährend das gouvernementale Princip festgehalten. Unter den Redacteuren des politischen Theiles sind außer Bertin, bes. Villemain, Salvandy u. Saint-Marc Girardin, unter denen des literarischen Theils Chateaubriand u. Lamartine zu nennen. Seit 1830 vertheidigte das Blatt die persönliche Politik Ludwig Philipps, nachdem es bereits seit dem 8. Aug. 1829 den ministeriellen Interessen gegenübergetreten war, bis zum 24. Febr. 1848, worauf es nach einander sich für die Provisorische Regierung, dann für die Executivcommission, endlich für General Cavaignac aussprach; seit dem 10. Decbr. 1849 unterstützte es den Präsidenten u. seit Ende 1852 den Kaiser, ohne jedoch seine Neigung für den Orleanismus ganz zu verbergen. Nach dem Tode Louis Francis Bertin's führte dessen Sohn L. M. Armand Bertin (s.d.) die Redaction; dann dessen älterer Bruder Edouarde François Bertin (geb. 1797) bis auf die Gegenwart, wo man stärker ausgeprägte imperialistische Tendenzen in dieser Zeitung erkannt haben will. c) Le Constitutionnel begann am 1. Mai 1815 unter dem Titel L'Indépendant, chronique nationale, politique et littéraire unter der obersten Leitung Jay's, wurde aber bereits am 11. Aug. 1815 unterdrückt; es sicherte sich jedoch seine Existenz unter dem Titel L'Echo du soir ou l'Ami du Prince, welchen es am 26. Aug. in Le Courrier, journal polit. et littér., u. wieder am 29. Octbr. in Le Constitutionnel verwandelte. Am 16. Juli 1817 wurde er abermals unterdrückt, worauf er sich mit dem Journal du Commerce (im Besitze der Gebrüder Bailleul) vereinigte u. unter diesem Titel fast zwei Jahre lang herauskam. Am 2. Mai 1819 nahm es seinen alten Titel Constitutionnel wieder an. Bald behauptete es den ersten Rang unter den Vorkämpfern der Opposition u. steigerte die Zahl seiner Abonnenten auf 13–14,000, zur Zeit seiner höchsten Blüthe, 1832, auf 24–25,000. Seitdem verlor es, obgleich es im Allgemeinen seinen Grundsätzen treu blieb, viel an seiner Verbreitung. Nach Jay hatten Tissot, Evariste Dumoulin, Etienne, Thiers, Cauchois-Lemaire, Bert, Darmaing, P. A. Dufau, Ch. Rayband die oberste Leitung. Seit 1836, wo die Preise der Journale auf die Hälfte herabgingen, konnte sich das Blatt, obschon das officielle Organ Thiers geworden, nur mit Schwierigkeiten erhalten; 1843, wo es blos noch 2000 Abonnenten zählte, ging es durch Kauf an Véron über, welcher den Preis von 80 auf 40 Fr. herabsetzte u. die Zahl der Abnehmer wieder auf 30,000 brachte. Nach dem 24. Febr. 1848 sprach sich das Blatt gegen die Revolution aus, spielte aber verhältnißmäßig eine unbedeutende Rolle, bis Thiers mehr in den Vordergrund trat, worauf es wieder dessen Organ wurde. Als jedoch der Bruch zwischen Thiers u. dem Elisée stattfand, ging der Constitutionnel zu letzterem über. Seit dem Staatsstreiche vom 2. Dec. 1851 ist das Blatt in den Hintergrund getreten, obgleich es im Mai 1852 noch 29,000 Abonnenten hatte. Der Besitzer Véron verkaufte es im November 1852 an Mirès, u. seitdem ist das Blatt officiell. Die politische Direction besorgte 1864 Aug. Chevalier, Oberredacteur ist Paulin Limayrac; da er mit dem Ministerium in engster Beziehung steht, ist er als Quelle für die Stimmung in den officiellen Kreisen zu betrachten. d) Le Pays, welches 1849 gegründet wurde u. bis 1851 allen Parteien, mit Ausnahme der Rothen Republik, diente u. bis April 1851 eliseeisch war, wurde 1851 vom Finanzminister Fould u. im November 1852 von Mirès zugleich mit dem Constitutionnel gekauft; es kam unter Guéronnière's Redaction u. ist seitdem Regierungsblatt, mit etwa 10,000 Abnehmern. e) La Patrie, gegenwärtig das älteste der großen Abendblätter, wurde 1. Nov. 1841 von Pagès (de l'Ariège), dem frühern Oberredacteur des Temps, als ein Morgenblatt begründet u. sollte im Gegensatz sowohl zu den oppositionellen als conservativen Blättern unabhängig die nationale Politik vertreten, reuissirte aber nicht u. wurde Eigenthum des Buchdruckers Beulé. In ein Abendblatt verwandelt, hatte es unter der Redaction von Sydney Renouf keinen Erfolg, bis es 1844 in die Hände von Delamarre kam, welcher bereits ein Handelsblatt, den jetzt eingegangenen Commerce, besaß. Die Patrie, an welcher die namhaftesten Schriftsteller debutirten, nahm einen raschen Aufschwung, vertheidigte die Interessen der[908] Finanzwelt von Paris u. vertrat überhaupt die dem 24. Febr. 1848 nahm sich das Blatt der Republik an, unterstützte die Provisorische Regierung, hielt es mit jedem der auf einander folgenden Ministerien bis zum 31. Octbr. u. wurde mit diesem Tage napoleonisch. Seit Beginn des zweiten Kaiserreichs gouvernemental, wandte sich die Patrie seit 1863 jedoch der liberalen Bewegung zu. Die Redaction führt Delamarre selbst. f) La Presse; wurde 1. Juli 1836 von Emile de Girardin begründet, welcher auch Chefredacteur bis zum December 1856 blieb u. seit 2. Decbr. 1862 auch wieder die politische Leitung übernommen hat. Bereits 31. Decbr. 1836 hatte sie 10,000 Abonnenten u. verfolgte gegenüber der Regierung in den Parteien eine neutrale Richtung. Im Mai 1847 trat sie offen auf Seiten der dynastischen Opposition. Seit 25. Juni 1848 wurde sie durch Cavaignac auf 42 Tage suspendirt u. Girardin eine Zeit lang in die Conciergerie gesetzt. Mit 72,000 Abonnenten war die Presse 1848 das erste Blatt, welches sich zu Gunsten der Candidatur Ludwig Napoleons für die Präsidentschaft erklärte. Nach dem Staatsstreich vom 2. Decbr. 1851 hörte sie freiwillig auf zu erscheinen, kam aber bald darauf wieder unter der Oberleitung von Perodeaud heraus. Nach der Rückkehr Girardin's aus seinem Exil in Belgien übernahm er die Redaction 29. März 1852 wieder u. führte dieselbe, bis er im December 1856 seinen Antheil am Eigenthum des Blattes an Millaud verkaufte. Die Oberleitung wurde hierauf erst an Nefftzer übertragen, welcher 12. Novbr. 1857 Peyrat u. seit November 1862 Henry Rouy zum Nachfolger hatte, welcher Girardin veranlaßte die Leitung des politischen Theils zu übernehmen. Die Stärke der Auflage beträgt 22 bis 23,000. g) Le Siècle, von einer Actiengesellschaft 1836 begründet, ist seiner ursprünglichen Tendenz, der Vertheidigung der Principien der nationalen Souveränetät, der Freiheit u. Gleichheit, wie dieselben 1789 u. 1830 proclamirt wurden, stets gleich geblieben. Die Direction des Journals theilt sich seit 1851 in die der materiellen, der politischen u. der literarischen Angelegenheiten. Oberredacteure der politischen Abtheilung waren Guillemot, Chambolle, Louis Perrée u. Havin; die literarische Abtheilung leitete von Anfang an Louis Desnoyers. Die Auflage beträgt 55,000 Exemplare täglich. In neuerer Zeit vertritt der Siècle auch die Handelsfreheit; in Bezug auf die auswärtigen Fragen sprach er für die Kriege in der Krim u. Italien, für Polen u. für Dänemark.

Die unter b)–g) aufgeführten Blätter werden im gewöhnlichen Sprachgebrauch unter dem gemeinschaftlichen Namen der Sechs großen Pariser Journale zusammengefaßt. Andere bedeutendere Zeitungen von Paris sind: Le Temps, wurde 25. April 1861 von A. Nefftzer, dem frühern Redacteur der Presse, begründet u. seitdem auch geleitet. Er spricht, unabhängig von jeder Partei, einfach für Bewahrung der Freiheit u. die Bedingungen, welche Frankreich die Freiheit sichern. Insbesondere kämpft er für die Decentralisation u. für den Schulzwang. In Bezug auf die auswärtige Politik vertritt er das Nationalitätsprincip. Die auswärtigen Correspondenzen der Blätter galten für die besten der französischen Presse. Die Auflage beträgt 11,000 Exemplare. L'Opinion nationale erscheint seit 1. Sept. 1859 u. hatte Anfang 1864 bereits eine Auflage von 20–25,000 Exemplaren. Die Verwaltung besorgt Larrien, als Gerant unterzeichnet Fouray. Unter den Redacteuren des politischen Theils wirkt Sauvestre bes. für den religiösen u. moralischen Fortschritt u. bespricht die Fragen der Erziehung, Malespine behandelt die überseeischen Interessen Frankreichs, Ducning die industriellen u. finanziellen Interessen. Das Blatt vertritt mit Eifer das Nationalitätsprincip u. das allgemeine Stimmrecht in Fragen der auswärtigen Politik; in Bezug auf das Innere vertheidigt es nach allen Seiten die Politik des zweiten Kaiserreichs u. wirkt zu Gunsten der volkswirthschaftlichen Reformen u. für die Hebung der niedern Klassen. L'Union entstand 1847 aus Vereinigung der Quotidienne, der France u. des Echo Français u. führte zunächst den Titel Union monarchique. Unter der Republik mußte der Beisatz monarchique wegbleiben. Vom 2. Decbr. 1851 ab wurde das Blatt auf mehre Tage suspendirt. Redacteur war zu dieser Zeit Lubis. Die Union ist legitimistisch, vertheidigt die Freiheit der Kirche, die Rechte des Heiligen Stuhls u. die weltliche Macht des Papstes; Oberredacteur war 1864 Henry de Riancey; die Auflage betrug 9000. La France, 1862 von Langueronnière begründet, vertheidigt die Interessen des zweiten Kaiserreichs. Der 1833 zu Gunsten des Ultramontanismus begründete Univers führte zuerst den Titel L'Univers religieux u. konnte sich nur durch Subventionen von Seiten der Königin Marie Amalie u. der Prinzessin Adelaide erhalten; 1836 wandte sich das Blatt auch der Politik zu. Seit 1843 unter der Redaction Véron's nahm es einen großen Aufschwung u. gewann Einfluß. Das Blatt verfolgte seine Tendenzen bis zu seiner Unterdrückung 29. Jan. 1860. Doch erstand es schon einige Tage darauf wiederum unter dem Titel Le Monde, unter welchem es noch 1864 erschien. Von geringerem Einfluß sind außer diesen Z. noch La Nation, L'Estaffette u. Le Spectateur. Im November 1864 sollte Le bon sens, geleitet von Feydeau, beginnen. Ebenfalls sechsmal wöchentlich erscheinen die beiden Gerichtszeitungen Le Droit u. La Gazette des Tribunaux. Ein ziemlich verbreitetes Wochenblatt ist der Courrier du dimanche. Als Handelsblatt hat das Echo du Commerce, welches drei Mal wöchentlich erscheint, ferner der Economiste français, das Journal des Actionaires Ruf. Das Journal des Economistes, das Journal des Marchés haben Anspruch auf Beachtung, weil sie für die betreffenden Kreise von Bedeutung sind. In dieselbe Kategorie gehören auch das Echo agricole, welches den Petit-Courrier des Halles et Marchés zum Begleiter hat, u. das Journal de Nice in Nizza. Das verbreitetste Pariser Blatt ist jetzt das von Millaud gegründete Petit Journal, welches seine Abnehmer nach Hunderttausenden zählt; Neuigkeiten u. Scandalchronik liefern den Hauptstoff. Schon früher hatte sich in Paris das Institut der Lithographirten Correspondenz ausgebildet u. eine derselben, die früher von Lejovilet, von Bullier u. Havas redigirte, hatte bald den ersten Rang eingenommen; diese, wie sie jetzt heißt, Havassche Correspondenz hat in verschiedenen Hauptstädten eigene Correspondenten, welche ihr das Mittheilenswertheste zugänglich machen; diese [909] Notizen dienen wiederum dazu, die große Mehrzahl der Pariser u. der Departementszeitungen mit Stoff zu versehen. Die Regierung soll auf diese Correspondenz einen gewissen Einfluß üben, welchen sie dazu benutzt, verschiedene ihr zweckdienlich scheinende Nachrichten auf diesem Wege zu verbreiten, da namentlich die Departementalpresse gewohnt ist ihren Bedarf aus dieser Quelle zu beziehen. Die Havassche Correspondenz erscheint auch in Deutscher Sprache u. wird von verschiedenen deutschen Zeitungen auch regelmäßig benutzt. Außerdem erscheinen in Paris auch viele Blätter in anderen Sprachen, wie im Polnischen, Italienischen, Englischen u. Deutschen.

Eine wichtige, in Englischer Sprache zu Paris erscheinende Zeitung ist Galignani's Messenger , welcher seit 1814 besteht u. durch die Reichhaltigkeit seiner Nachrichten, durch seine parteilose Haltung u. die Abwesenheit selbständiger politischer Artikel sich unter allen Regimes erhalten hat. Seinen Hauptleserkreis hat er unter den Engländern, welche darin Auszüge aus den gelesensten Londoner Zeitungen finden. Die Versuche zu deutschen Blättern waren Anfangs von keinem günstigen Erfolge begleitet. Der Stern, welcher 1841 erschien, u. Vorwärts 1844 von Ruge begonnen, konnten sich beide nicht lange erhalten. Seit einigen Jahren erscheint die Pariser deutsche Zeitung sechsmal wöchentlich. Das seit einigen Jahren bestehende, von Debranz de Saldazenna, einem Österreicher, gegründete Mémorial diplomatique ist ein Organ österreichischer Interessen in Paris u. hat viel für die mexicanische Kaiserregierung gethan. Überhaupt waren 1863 in Paris 705 Zeitungen u. Zeitschriften, darunter jedoch nur 21 politische Blätter, erschienen. Von den übrigen entfielen auf Literatur 85, auf die Mode 68, auf Technik u. Industrie 66, auf Schöne Künste 65, auf Staatswissenschaft 43, auf Jurisprudenz 41, auf Mechanik, Bau- u. Ingenieurwesen 29. In ganz Frankreich kamen 318 politische u. Anzeigeblätter, sowie gegen 700 Blätter u. Journale nicht politischen Inhalts heraus. Im August 1857 erschienen in Paris nur 510 Blätter; es befanden sich darunter aber 40 politische.

Die Departementalpresse in Frankreich hat es nicht zu großer Bedeutung gebracht, schon weil nach dem alten Satze Paris Frankreich ist, u. alle Bemühungen, welche in der letzteren Zeit gemacht wurden die Departementspresse in politischer Beziehung zu heben, sind bis jetzt noch immer erfolglos geblieben u. die Zeitungen der Departements finden im Ganzen wenig Beachtung. Doch bestehen überall in den größeren Städten Zeitungen u. finden ihren Leserkreis, u. die Pariser Blätter sind im Allgemeinen weniger in der Provinz verbreitet, als die Londoner in den englischen. Gegenwärtig sind unter den politischen Blättern der Provinz von Einfluß La Gironde in Bourdeaux, Le Salat public u. Le Progrès in Lyon, Le Semaphore in Marseille u. Le Phare de la Loire in Nantes. Die meisten Zeitungen der Provinz erscheinen nur zwei- od. dreimal, nur wenige sechsmal wöchentlich. Unter letzeren sind noch zu erwähnen: La Gazette de Cambrai in Cambrat u. L'Echo du Nord (siebenmal wöchentlich) zu Lille im Departement Nord; L'Impartial in Boulogne u. Le Moniteur du Calais zu Calais im Departement Pas-de-Calais, Le Journal de la Marne in Chalons-sur-Marne u. Le Courrier de la Champagne zu Reims im Departement Marne, Le Moniteur de la Moselle in Metz, L'Alsacien u. Le Courrier du Bas Rhin in Strasburg, L'Union franccomtoise in Besançon, Le Novelliste, Courrier, Gazette du Midi u. L'Echo de la Méditerranée in Marseille, der Courrier du Gard in Nimes, L'aigle u. das Journal in Toulouse, das Journal du Peuple in Bourdeaux, der Courrier in Bayonne, der Courrier u. das Echo rochelais in Rochelle, das Journal de la Vienne in Poitiers, L'Union de l'Ouest u. L'Ami du Peuple in Angers, Le Phare de la Manche in Cherbourg, Le Moniteur du Calvados in Caen, Le Journal, Le Courrier u. L'Echo in Havre, der Novelliste u. das Journal in Rouen, L'Océan in Brest, L'Union Bretonne, L'Espérance du peuple u. Le Courrier in Nantes, L'Auxiliaire breton u. das Journal in Rennes, das Journal de la Corse in Ajaccio u. L'Observateur in Bastia. In Algerien erschien früher die Algérie, gegenwärtig als offizielles Blatt der Moniteur Algérien; eine tägliche Zeitung ist daselbst der Akhbar (d.i. Bote). In Blidah erscheint der Observateur, in Bona La Seybouse, in Constantine L'Africain, in Oran der Courrier u. das Echo, in Philippeville Zéramma. Blätter in französischer Sprache erscheinen außerdem in den meisten übrigen civilisirten Staaten, vor allem in Belgien u. der Schweiz, dann in Italien, Spanien, den Niederlanden, der Türkei, Rußland, Deutschland, Nord- u. Südamerika. Vgl. Hatin, Histoire du Journal en France, Par. 1846; Derselbe, Hist. politique et littéraire de la presse en France, Par. 1859–61, 8 Bde-; Mailard, Hist. anecdotique et critique de la presse parisienne, ebd. 1859; Verneuil, La quatrième page des journaux, ebd. 1838.

Alle Zweige des Wissens, der Industrie, der Technik u. namentlich der Mode finden in Frankreich in den Zeitschriften, deren eigentliches Vaterland hier zu suchen ist, eine ausreichende Vertretung. Auch die religiösen u. Gemeindeinteressen haben ihre Journale u. wenn sie auch nicht von der Bedeutung der deutschen u. englischen gleichartigen Zeitschriften sind, so leisten sie doch in ihrem Bereiche meist Beachtenswerthes u. sind namentlich darauf bedacht, eine entsprechende Unterhaltungslectüre zu liefern. Das älteste gelehrte Blatt ist das Journal des Savans. In Paris gab nämlich seit dem 5. Jan. 1665 der Parlamentsrath Denis de Sallo unter dem Namen Hedoueille u. unter Mitwirkung von de Bourvois, de Gomberville u. Chapelain, das Journal des Scavans wöchentlich in 4., heraus, doch wurde es wegen Äußerungen zu Gunsten der Gallicanischen Kirche u. gegen ein Decret der Inquisition, auf Verlangen des Papsts, schon nach einem Vierteljahr unterdrückt. Erst zu Anfang 1666 hub es, vom Abbé Gallois redigirt u. unter Censur gesetzt, von Neuem an, erschien aber bis 1675 sehr unregelmäßig, oft des Jahrs nur in 1–4 Nummern. 1675 erhielt es einen neuen Redacteur am Abbé de la Roque, u. statt daß es früher wöchentlich erscheinen sollte, wurde es von nun an nur aller 14 Tage ausgegeben. 1887 übernahm Cousin die Redaction. Seit 1702 war diese unter eine Gesellschaft vertheilt. Von den Jahrgängen 1707–9 hat jeder einen eigenen Supplementband. Zuletzt kam das Journal monatlich[910] heraus. Das letzte Heft erschien im Juli 1792; die ganze Suite bis dahin befaßt 111 Bde, denen noch Tables juqu'en 1750, vom Abbé de Claustre, 10 Bde., Par. 1753, 4., beizufügen sind. Eine Fortsetzung des Journal des Savans, von Baudin u. A., 72 Hefte, 1797, 4., ging aus Mangel an Theilnahme ein. Dagegen ward es seit Oct. 1816 durch Ludwig XVIII. wieder hergestellt; Sylv. de Sacy, Langlès, Raynouard, Raoul-Rochette, Dacier, Garcelin, Cuvier etc. waren seitdem Mitarbeiter u. machten es zu einer der vorzüglichsten Zeitschriften. Man hat auch mehre Wiederabdrücke der älteren Suite zu Amsterdam, Paris u. Leipzig. Jetzt erscheint wieder ein Journal des Savans als Monatsschrift zu Paris. Diesem Unternehmen entsprechend, erschienen auch an mehren Orten periodische Schriften, wie das Nouveau Journal des savans, das Journal littéraire, etc., welches letztere von 1713–22 u. dann von 1729–36, von Mehren herausgegeben, in 24 Bdn. zu Haag herauskam, u. aus neuerer Zeit das noch fortgehende Journal général de la litt. française, Strasb. seit 1798, u. Journal gén. de la litt. étrangère, ebd. seit 1801 erscheinend. Dem Alter nach folgt auf das Journal des Savans der wöchentlich erscheinende Mercure galant, wenigstens hieß dies von I. Doneau de Visé begründete Blatt bei seinem Entstehen 1672 so, wo es bes. zur Unterhaltung des Hofs u. der gebildeten Welt bestimmt war; von 1710–16 redigirte es du Fresny de Rivière. 1717 bekam das Blatt den Namen Mercure de France u. machte, z.B. unter Marmontels Leitung, viel Glück. Seit 1778–92 führte Panckoucke die Redaction, dann kam es als Tag- u. endlich als Wochenblatt heraus. 1813 hörte es auf. Unter dem Namen Minerve française 1818 wieder aufgelebt und von vorzüglichen Geistern, wie B. Constant, Tissot, Etienne, Jay, Jouy u. A., durch Mittheilungen unterstützt, fand das Blatt viel Beifall (es soll an 15,000 Exempl. abgesetzt u. jedem der 7 Eigenthümer 30–40,000 Fr. Revenue eingebracht haben); allein da es sich von seinem Standpunkte wendete u. politisch u. zwar ultraliberal wurde, hörte es, als die Censur wieder begann, 1820 abermals auf, erschien aber nach wenigen Jahren als Mercure du dixneuvième siècle wieder; seitdem ist es ausschließlich der Literatur gewidmet u. hat viele Schriftsteller von Bedeutung aus der alten u. neuen Schule, wie (außer denen, die schon an der Minerva arbeiteten) Bert, Berville, Leon, Thiassé, Montrol, Picard, Graf von Lanjuinais, Dulaure etc. als Redacteurs u. Mitarbeiter gehabt. Dennoch haben diese Kräfte nicht mehr als 500–600 Abonnenten herbeizuziehen vermocht, u. das Blatt macht jetzt wenig Epoche; es erscheint noch wöchentlich einmal. Es zählt bis jetzt gegen 1900 Bde. Die Mémoires de Trévoux, von 1701–80 von Jesuiten herausgegeben, enthielten neben den Kritiken auch kleinere Abhandlungen u. zeichneten sich bes. durch Eifer gegen Andersdenkende u. das Streben gegen alle anderen, sowohl in- als ausländische Journale aus. Dem vorigen Jahrh. gehörte auch noch an die 1754–76 herausgegebene Année littéraire, von Freron redigirt, das Journal étranger von 1754–62 u. das Journal encyclopédique von 1755–91, welche beiden letztern Blätter auch außer den Recensionen noch Abhandlungen lieferten. Viele Zeitschriften erschienen damals aus politischen Rücksichten wenigstens mit dem Druckorte à la Haye od. Amsterdam, obgleich sie in Paris redigirt u. gedruckt waren. In das jetzige Jahrh. herüber reichte die Décade philosophique, littéraire et politique, welche 1794 begann u., eine Zeitlang von Guinguené redigirt, unter dem späteren Titel Revue philosophique etc., 1807 aufhörte. Länger währte Millins Magazin encyclopédique, seit 1795, später erschien es als Annales encyclopédiques; ihre Vorzüge bestanden in den reichen Originalnachrichten aus allen Ländern. Als sie 1818 aufhörten, trat, den englischen Reviews folgend u. diesen beliebten Titel in Revue übersetzend, an seine Stelle die in monatlichen Heften erscheinende Revue encyclopédique, welche nächst dem Journal des Savans das vorzüglichste französische Journal war. An ihre Stelle trat die Revue française et étrangère ou Nouvelle Revue encyclopédique, herausgegeben von A. Julien, die jedoch nach einigen Jahren wieder einging. Die Nouvelle Revue encyclopédique, publiée par Firm Didot frères, welche in Monatsheften seit Mai 1846 erscheint. Die Revue bibliographique analytique von Aubenas u. Miller ist für französische Literatur gut, für ausländische gibt sie meist nur Übersetzungen aus Gersdorfs Repertorium. Der neueren Zeit gehören die Revue de Paris seit 1829 (seit 1846 aber mit dem Artiste vereinigt). Politische Bedeutung hat die Revue des deux Mondes, welche in Paris monatlich zweimal erscheint u. durch ihre übersichtlichen Berichte von Bedeutung ist; angesehene, in der Literatur u. dem Staatsleben gefeierte Männer, wie Ste. Beuve, Planche u. Ph. Chasles, haben früher diesem Blatte ihre Mitwirkung geschenkt. Die Revue contemporaine, welche gleichfalls zwei Mal wöchentlich in Paris erscheint, hat es zu einer Bedeutung nie bringen können. Die Revue Britannique erscheint monatlich einmal u. läßt durch ihren Titel auf ihren Inhalt schließen; ebenso die Revue Germanique auch den ihrigen. Die Revue retrospective sollte vergessene historische u. literarische Schriften der vergangenen Zeit wieder in das Gedächtniß der Gegenwart zurückführen. Die zahlreichen Journale, welche den Wissenschaften u. der Kunst, dem Theater u. der Musik, der Technik u. Industrie zugewendet sind, leisten eben in dem Bereiche, welchem sie sich zugewendet haben, durchaus Verdienstvolles, u. von den Modezeitungen ist es bekannt, daß sie tonangebend geworden sind.

C) In Spanien beschränkten sich die politischen Blätter anfänglich ebenfalls nur auf einzelne Nachrichten (Relaciones), welche von Zeit zu Zeit erschienen u. über einzelne bes. wichtige Ereignisse berichteten. Nicht selten wurden diese Berichte in Form von Romanzen gekleidet, welche von Blinden an den Straßenecken ausgerufen wurden u. deshalb Romances de ciegos hießen. Obgleich diese periodischen Mittheilungen im 17. Jahrh. eine regelmäßige Gestalt angenommen hatten, blieb die Presse doch bei der absolutistischen Regierung des Landes u. dem Drucke der Inquisition ohne alle Bedeutung. Noch zur Zeit der Französischen Revolution hatte Spanien als einziges politisches Blatt das Diario de Madrid, die Hofzeitung, wenn auch in der ersten Hälfte des 18. Jahrh. schon mancherlei Zeitschriften erschienen, welche vorzugsweise der Verbreitung nützlicher Kenntnisse u. wissenschaftlicher Ansichten gewidmet waren u. moralisirende[911] u. kritische Aufsätze brachten. Größere Bedeutung erhielt erst die spanische Journalistik u. insbesondere die politische seit dem Spanischen Befreiungskriege (seit 1808) u. während der folgenden politischen Revolutionen. Unter den liberalen Journalen jener Zeit zeichnen sich neben dem wichtigen Diario de las Cortes bes. das Semanario patriotico (Cadix 1808–11) u. die Aurora Mallorquina (Palma 1812–13) aus. Unter den Organen der Servilen ist der Procurador del Rey hervorzuheben. Nach der Restauration von 1814 flüchteten die Liberalen in das Ausland, wo sie für ihre Sache u.a. in dem seit 1815 zu London erscheinenden Español Constitucional kämpften. Die zur Herrschaft gelangten Absolutisten bedienten sich zwar auch des Journalismus, besaßen jedoch kein Organ von eigentlicher Bedeutung, höchstens ist die durch ihre Leidenschaftlichkeit berüchtigte Atalaya de la Mancha zu nennen. Während der kurzen Zeit, daß die liberale Partei wieder am Ruder war (1820–23), herrschte Preßfreiheit, wodurch die periodische Presse ungemein an Einfluß gewann. Hervorzuheben unter 64 Blättern politischer Tendenz, welche 1822 erschienen, sind bes. der Censor als Organ des Napoleonschen Liberalismus mit Hinneigung zu den französischen Doctrinärs, sowie der Zurriago u. Miñano's Cartas del pobrecito holgazan wegen ihres kecken u. volksthümlichen Humors. Als in Folge der Gegenrevolution von 1823 die Liberalen abermals das Land verlassen mußten, ließ sich die liberale politische Presse der Spanier bes. zu London u. Paris nieder. In London erschienen u.a. die auch wissenschaftlich bedeutenden Ocios de Españoles refugiados (1823–26), die Miscelanea hispano-americana, von Antonio Bello u. J. Del Rio herausgegeben (1824–28) u. der Correo literario y politico, in Paris die Miscelanea escogida americana (1826). 1824 wurden durch ein Decret Ferdinands VII. alle Zeitungen bis auf die Gaceta de Madrid, die Hofzeitung u. einige wenige andere in den Provinzen erscheinende, dem Handel, den Künsten u. Wissenschaften gewidmete Blätter unterdrückt. Zu nennen sind aus dieser Zeit etwa der Correo mercantil in Cadiz, der Mercurio, die unter Miñano's Leitung erscheinende Gazeta de Bayona (1825) u. die Estafeta (im Sinne des reformirenden Absolutismus) in S. Sebastian, welche letztere einige Zeit darauf mit der Gazeta de Bayona vereinigt wurde. Mit großer Freimüthigkeit geißelte die Gebrechen des Volks u. der Regierung M. José de Larra seit 1831 in El pobrescito hablador, welchem seit 1828 El duende Satirico vorangegangen war. Einen bedeutenderen Aufschwung nahm in Spanien jedoch erst der gesammte Journalismus mit der Änderung des Regierungssystems 1833 u. seit, nach dem Tode Ferdinands VII. wenigstens zeitweise, der periodischen Presse, bes. der schönwissenschaftlichen, Begünstigung zu Theil ward. So entstand, nachdem 1834 die Presse auf einige Zeit frei geworden war, eine große Anzahl von Zeitschriften; in Madrid erschienen allein 18 politische Blätter, darunter Diario de la administracion, El Cinife, El Siglo, El Ateneo, El Redactor, La Gaceta de Tribunales, El Ladron (Nachahmung des französischen Voleur) etc. Anfangs 1836 bestanden außer den 49 Amtsblättern (Boletines oficiales) für die einzelnen Provinzen des Landes gegen 30 andere, theils rein politischen, theils gemischten Inhalts u. etwa 16 Journale für Wissenschaft u. Kunst. Unter den Blättern, welche während der Dreißiger Jahre in Madrid erschienen, verdient besondere Hervorhebung die Revista española, welche 1831 als ein mehr politisches Blatt begann, seit 1837 unter dem Titel Rev. Europea sich ausschließlich mit der Literatur beschäftigte u. seit 1838 unter dem Titel Revista de Madrid neben der Literatur wiederum auch der Politik diente u. ein Organ der Moderados war. Reich an statistischem Material war der Corresponsal, während die officielle Gazeta de Madrid auch von jeher viele literarische Artikel brachte. Eigenthümlich der spanischen Journalistik sind die vielen satirischen, mit den schärfsten Waffen des Spotts kämpfenden Blätter, welcher sich sowohl die Regierungs-, als auch die Oppositionspartei bedienten, um auf das Volk zu wirken. So gehörten den Moderados Torobado, El Mundo, El Duende, El Nosotros; die Schärfe derselben wurde jedoch, bes. seit dem Pronunciamento vom September 1840, noch durch die Zügellosigkeit der Blätter der Exaltados weit übertroffen. Viele dieser Blätter gingen bald wieder ein, wurden aber eben so bald durch andere ersetzt. Im Ganzen u. Großen ist seitdem der spanische Journalismus, sowohl der politische wie literarische, in stetem Wachsthum begriffen gewesen. Auch gewannen die Journale mehr u. mehr an Einfluß auf die Nation, wenn es derselben auch bis auf die jüngste Zeit herab an einer tüchtigen intellectuellen u. sittlichen Grundlage fehlte. Die meisten Blätter sind reine Parteiorgane, welche mit jedem Ministerwechsel entstanden od. untergingen, indem die neuen Minister zu Reactionsmaßregeln gegen die jedesmalige Oppositionspresse schreiten mußten. 1841 zählte man allein in der Residenz 42 Blätter politischen u. literarischen Inhalts. Von den vier satirischen Journalen zeichneten sich der Fray Gerundio des geistvollen Modesto Lafuente u. der Gobierno representativo del bello sexo aus. Die höchste Subscribentenzahl (18,000) erreichte der Catolico, ein religiöses Blatt. Unter den Provinzialstädten wetteiferte namentlich Barcelona mit der Hauptstadt. Von den 48 Blättern, welche 1844 in Madrid erschienen, waren 19 tägliche; unter letztern gehörten Eco, Clamor publico u. Novelero den Exaltados. Den stärksten Absatz (7000) hatte jedoch der moderatistische Haraldo, welcher längere Zeit eins der einflußreichsten Blätter blieb, wenn er auch seit Gründung des Faro durch Mon u. Pidal seit 1844 auf 4000 sich vermindert sah. Der Espectador huldigte bes. Espartero. Der von Alvarez redigirte Castellano nahm 1846 den Namen El Neutral an, welchen er 1847 abermals in El popular änderte. Gegen Ende 1845 hatte der Exminister Salamanca den Universal begründet, der von Escosura redigirt wurde; seit 1847 war der Correo das Organ Salamancas. Im Jahre 1848 erschienen in Madrid 54, in Barcelona 35, Anfang 1850 in Madrid 65 periodische Blätter. Ende 1851 zählte man außer den officiellen u. bloßen Anzeigeblättern (Diarios de aviso, Avisadores etc.) 117 meist politische Zeitungen, von denen 80 auf Madrid, 12 auf Barcelona, 5 auf Sevilla, 5 auf Cadiz, 2 auf Valencia etc. kamen. Seit 1854 ist die spanische Presse im Wesentlichen frei, mit Ausnahme einiger Beschränkungen durch die Kirche, u. Ende des Jahres 1854 zählte man in[912] Madrid allein 30 politische Blätter aller Parteifarben, unter denen España u. Clamor publico den meisten Einfluß übten. Im Frühjahr 1857 waren Clamor publico, Novedades, Cortes, Iberia u. Peninsula die Hauptblätter der Liberalen; Regeneracion, Esperanza, La Fé die Organe der Absolutisten. Im Sommer 1859 vertheilten sich die politischen Blätter der Hauptstadt folgendermaßen unter die Parteien: progressistisch waren Novedades, Peninsula, Cortes, Clamor publico, Iberia; der liberalen Union gehörten Epoca, Cristerio, El norte Español; entschieden absolutistisch waren Esperanza, El Catolico, Regeneracion, Estrella; mehr od. minder ministeriell Parlamento, Occidente, España, Leon Español, Estado; unverhohlen demokratisch La Discusion; keiner Partei gehörten an (außer den Hojas autografas, d.i. der lithographischen Correspondenz): Haraldo, Asociacion, Cronica. In Französischer Sprache u. französischem Interesse erschien der Courrier de Madrid. Die größeren spanischen Blätter kosten am Erscheinungsorte gewöhnlich 90–150 Realen (7–112/3 Thlr.), in der Provinz die Hälfte bis zwei Drittel mehr. Nach officiellen Angaben erschienen Anfang 1862 in Spanien: officielle Blätter 115, politische Zeitungen 40 (wovon 20 in Madrid), literarische u. artistische 28, den materiellen Interessen gewidmete 37, den moralischen u. materiellen zugleich 27, zusammen einschließlich der Fachblätter 378. Unter den spanischen Provinzialblättern haben den größten Leserkreis in Barcelona der Diario u. Telegrafo, in Cadiz das Journal de Cadix u. El Comercio, in Sevilla La Andalusia, in Valencia El Diario, in Alicante El Comercio, in Murcia El Paz etc.

Spanien besaß bis auf die neuere Zeit eine zahlreiche Zeitschriftenliteratur, doch hatten die meisten derselben in Folge der häufigen politischen Systemwechsel nur eine kurze Dauer. Am einflußreichsten wurde die Revista española, s. oben S. 911; dort sind auch die von geflüchteten Spaniern in London u. Paris herausgegebenen Blätter genannt. Ferner El Correo nacional u. El Español, beide von Borrego geleitet; No me olvides von dem Dichter Don Jacinto Salas y Quiroza herausgegeben; Artista (1835–36), eine illustrirte Wochenschrift. Rein literarisch waren Carnerero's Cartas españoles (seit 1831) u. Gallardo's Criticon; Blätter für Unterhaltung, Moden, Theater etc. waren Entreacto, Espçranza, Mariposa, Panorama, Anacoreta etc. Ähnliche Blätter hatte fast jede größere Provinzialhauptstadt, so erschienen in Saragossa Eco de Aragon u. Aurora; in Cadiz El Tiempo u. die belletristische Wochenschrift Aureola; in Malaga der Guadalhorze, in Granada Alhambra etc. Dazu kamen die gehaltreichen Zeitschriften Semanario pintoresco, Revista de España y del estrangero u. Revista de España, de Indias y del estrangero; Antologia española (seit 1848), eine sehr umfassende Zeitschrift. Die eigentlichen Fachwissenschaften haben ebenfalls ihre Zeitschriften.

D) In Portugal hatte das Zeitungswesen ganz ähnliche Geschicke, wie in Spanien; bis zum Ausbruch der Revolution von 1820 war es ganz nichtig. Einen kurzen Aufschwung, doch ohne Bedeutung, nahm es hierauf bis 1823, worauf es während der Reactionsperiode bis 1884 ganz in seine frühere Bedeutungslosigkeit zurücksank. Zu neuem Leben erwachte die portugiesische Presse seit der Thronbesteigung der Maria da Gloria u. dem blieb sie ohne inneren Gehalt u. diente den Parteileidenschaften. Da die Preßfreiheit nach Belieben der Parteien willkürlich bald aufgehoben, bald wieder hergestellt wurde, nahm die Demoralisation der politischen Presse immer mehr überhand. Das officielle Organ blieb der Diario do governo, das bestredigirte Oppositionsblatt war der wiederholt aufgehobene Nacional. 1852 bestanden in Lissabon außer dem Diario do governo noch A Justica, A Lei, A Revolução de Setembro (redigirt von Sampayo), A Naçao (miguelistisch), O braz Tisana, Gazetta dos Tribunaes; in Oporto: O Nacional, O Ecco popular, O Portugal (miguelistisch), O Jornal do povo (cartistisch), O Periodico dos povres. Gegenwärtig (1864) haben in Portugal, wo sich die Tagesliteratur trotz der Preßfreiheit doch immer noch nicht zu einer moralischen Macht emporgeschwungen hat, nur vier politische Blätter eine wirkliche politische Bedeutung: der Diario de Lisbon, das Regierungsorgan; Revolução de Setembro, das Blatt der Fortschrittspartei; Opinião, das der alten septembristischen Partei, u. Nação, das der Miguelisten. Alle übrigen Blätter, welche sich politische nennen, sind bloße Localblätter. In Lissabon u. Oporto erscheinen Handelsblätter. Die Zahl der täglich in Lissabon circulirenden Nummern von Blättern aller Art beträgt 8–10,000.

Die Zeitschriftenliteratur war früher ganz bedeutungslos, in der neuern Zeit sind zwar verschiedene Zeitschriften aufgetaucht, allein sie konnten sich meist nur kurze Zeit erhalten. In den dreißiger Jahren war das Journal de Coimbra die einzige allgemein wissenschaftliche Zeitschrift. Um 1840 erschien das von der Gesellschaft zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse herausgegebene u. von Carvalho redigirte Panorama. Aus den vierziger Jahren sind noch zu nennen Journal da Sociedade dos amigos das lettras u. Memorial ultramarinn e maritimo. Aus derselben Zeit datirt auch der Ursprung der Revista universal Lisbonense, welche noch 1852 bestand. Um 1850 kamen noch Bibliophilo u. Semana heraus. Eine Revista militar erschien 1852 in Lissabon.

E) Großbritannien u. Irland: a) In England, dessen Zeitungswesen seit langer Zeit als mustergültig gegolten hat, datirt das Erscheinen zeitungsähnlicher Blätter aus dem Zeitalter Jakobs I. Man hat zwar einige Nummern eines English Mercury aus dem Jahre 1588, doch hat Watts die Unechtheit derselben nachgewiesen u. dargethan, daß sie um 1766 nachgemacht worden sind. Unter Jakob I. erschienen gelegentlich Berichte aus fremden Ländern in Form kleiner Quarthefte unter dem Titel News. Das älteste bekannte derselben ist News out of Holland, 1619 von N. Newbery herausgeg.; 1620, 1621 u. 1622 folgten Berichte aus anderen Ländern. Zu Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs (um 1622) bildeten sich diese gelegentlichen Publicationen zu einer regelmäßigen Wochenschrift, The News of the present Week; aus, welche von Nath. Butter herausgegeben wurde u. die älteste wöchentliche Zeitung Englands ist. Einige andere, wie der London weekly Courant, scheinen bald darauf entstanden zu sein. Zur Zeit des Ausbruchs der Bürgerkriege unter Karl I.[913] wurde eine ziemliche Anzahl von Zeitungen von den verschiedenen Parteien über das Land verbreitet, welche sich blos mit den Angelegenheiten des Inlandes beschäftigten. So News from Hull, News from the North, The last printed News from Chichester, desgl. von Windsor, Winchester, Chester etc.; ferner The Scots Dove in Opposition gegen The parliament Kite u. The secret Owl, Heraclitus ridens u. sein Gegner Democritus ridens, The weekly Discoverer u. sein Gegner The Discoverer stript naked; Mercurius Britannicus u. sein Gegner Mercurius Mastix faithfully lashing all scouts, Mercuries, Posts, Spies and others. Am häufigsten erscheint als Haupttitel solcher Blätter in dieser Zeit Mercurius. Die Koryphäen der damaligen Zeitungspresse waren March. Needham u. John Berkenhout. Erster gründete 1643 den Mercurius Britannicus, in welchem er für das Parlament Partei nahm, 1647 aber gab er im Interesse der königlichen Sache den Mercurius pragmaticus heraus; nach dem Siege der Volkspartei vertheidigte er im Mercurius politicus den Protector bis zu dessen Tode. Berkenhout's Mercurius aulicus war den Interessen des Hofes gewidmet. Im Jahre 1662 begann in London der Kingdom's Intelligencer, welcher über verschiedenartigere Gegenstände als seine Vorgänger berichtete; er gab eine Art von Nekrolog, Notizen über die Verhandlungen der Gerichtshöfe u. des Parlaments, auch bereits einzelne Ankündigungen. Roger l'Etrange begründete 1663 die erste eigentliche Zeitung für allgemeinere Interessen, den Public Intelligencer, in welchem er die Interessen der Krone vertheidigte; nach zwei Jahren ging derselbe wieder ein, als 4. Febr. 1665 die noch bestehende London Gazette (in ihren ersten Nummern wegen ihres Druckorts Oxford Gazette) zu erscheinen begann. Viele neue Blätter entstanden um diese Zeit, von 1661–88 erschienen deren 70, darunter L'Estrange's Observator seit Mai 1680, Jockeys Intelligencer, Observator reformed, Morphew's Country Gentleman's Courant etc. So klein das Blatt war, so reichte doch oft der zu bietende Stoff nicht aus dasselbe zu füllen, man verwandte den übrigbleibenden Raum zum Abdruck von Bibelstellen od. ließ ihn weiß, damit der Käufer seine eigenen Angelegenheiten darauf notiren könne. Einen höheren Aufschwung nahm das englische Zeitungswesen seit der Revolution von 1688; von 1688–92 erschienen allein 26 neue Zeitungen; jede Partei hatte ihr Organ, das der Regierung war The Orange Intelligencer. Da das Parlament auf seinem Rechte bestand die Veröffentlichung der Debatten zu untersagen, so dauerten neben den gedruckten auch noch vielfach geschriebene Zeitungen fort. Um die Concurrenz der letzteren zu beseitigen, entstanden einzelne Blätter, welche auf Schreibpapier gedruckt waren u. dasselbe halb od. theilweise weiß ließen, so Dawker's News-Letter u. The Flying Post, beide im letzten Decennium des 17. Jahrh.

Bis auf die Zeit der Königin Anna, unter deren Regierung das englische Zeitungswesen zur wahren Blüthe gedieh, erschienen die Zeitungen gewöhnlich nur ein- od. zweimal die Woche; das erste Blatt, welches täglich, mit Ausnahme des Sonntags, ausgegeben wurde, war der 1709 begonnene Daily Courant. In demselben Jahre gab es 17 andere, welche dreimal, u. eins, welches zweimal wöchentlich erschien, darunter: British Apollo, General Postscript, London Gazette, Postman, Evening Post u. City Intelligencer. Der steigende Einfluß der Zeitungen erhielt eine immer größere Wichtigkeit, so daß von jetzt an Staatsmänner u. berühmte Schriftsteller als Mitarbeiter u. Herausgeber auftraten. So entstanden um diese Zeit auch eine andere neue Art von periodischen Schriften, welche neben rein politischen Artikeln auch Lebensschilderungen, Abhandlungen, Betrachtungen, Kritiken u. dgl. enthielten. Dahin gehören die, in der Geschichte der Englischen Literatur Epoche machenden Publicationen Addison's u. Steele's: The Tatler (1709–11), welcher auch viele Ankündigungen enthielt; The Spectator (1711–13), von welchem Anfangs die Nummer, wie vom vorigen, 1 Penny, nach Beginn der Stempeltaxe aber (1. Aug. 1712) 2 Pence kostete; u. The Guardian (2. März bis Oct. 1713), nach dessen Aufhören der rein politische Englishman (wie der folgende Plebeian fast allein von Steele) u. diesem (23. Decbr. 1715) der Freeholder (fast blos von Addison) folgten. Das British Journal wurde von Thomas Gordon u. Trenhard veröffentlicht. In Folge des Stempelgesetzes von 1713 (s. unten S. 914) wurde die Zahl der Zeitungen Anfangs sehr vermindert, so daß man 1733 in London, außer mehren Wochenschriften, nur drei tägliche u. zehn zweimal wöchentlich erscheinende Zeitungen zählte. Außer dem von Lord Bolingbroke unterhaltenen Craftsman waren 1726 alle in London erscheinenden Zeitungen das Eigenthum von Buchdruckern. Die ersten Mittheilungen über Verhandlungen der Gerichtshöfe begannen 1746 mit Fielding's Covent-Garden Journal; die ersten Artikel über Theater finden sich 1761, obschon erst seit 1780 die Morning Post eigentliche Theaterkritiken gab. Die Parlamentsverhandlungen theilte zuerst Almon, der Herausgeber der London Evening Post, mit, u. da das Parlament während zweier Sitzungsperioden nichts dagegen einwendete, so wurde dies bald von anderen Zeitungen nachgeahmt. Doch hatten deren Herausgeber 1771 große Unannehmlichkeiten davon, u. erst das neue Unterhaus sah von diesem Streite ab u. ließ die Veröffentlichung seiner Sitzungen geschehen. Zwar bestehen die Verbote des Unterhauses noch heute, aber die Zeitungen erlangten auf diese Weise factisch die vollkommene Preßfreiheit. Unter den im Laufe des 18. Jahrh. begründeten Blättern sind noch bes. zu nennen: London Daily Post and General Advertiser, seit 1726, welcher 1752 den Titel Public Advertiser annahm u. in welchem die Briefe des Junius (s.d.) erschienen; der noch bestehende St. James's Chronicle entstand aus Vereinigung der St. James's Post u. St. James's Evening Post, beide 1715 begonnen; 1762 erschienen North Briton, herausgeg. von Wilkes, u. Englishman, welcher bes. um 1766 wegen der satirischen Artikel Burke's Aufsehen erregte. Die bedeutendsten der noch gegenwärtig erscheinenden Blätter entstanden bereits im 18. Jahrh.: der Public Ledger 1759, die Morning Post 1772, der Morning Herald 1. Novbr. 1780, die Times 1780 (s.d. a. unten); Morning Chronicle, seit 1769, hörte 1862 auf. Dieses lange Bestehen der englischen Blätter ist ein Beweis für die Einträglichkeit der Zeitungsunternehmungen.[914] Der Absatz der Blätter nahm rascher zu als ihre Zahl, der Umfang der einzelnen Zeitungen in noch höherem Grade als ihr Absatz. Sämmtliche Zeitungen Londons verkauften 1753: 7,411,757 Exemplare, 1760: 9,484,791, 1790: 14,035,739, 1791: 14,794,153, 1792: 15,001,760, 1800: 16,000,000, 1850: 65,741,271 Exemplare.

Die Verfolgungen der Presse, welche nach Anfang des Nordamerikanischen Unabhängigkeitskriegs wieder begonnen hatten, nahmen nach der Französischen Revolution einen sehr erbitterten Charakter an. Die Gesetze Castlereagh's von 1817 nöthigten die ganze Presse zum Stillschweigen. Von 1808 bis 1821 wurden von der englischen Regierung 101 Preßprocesse angestellt, welche die Verurtheilungen von 94 Zeitungsschreibern zur Folge hatten. Zwar hörten 1821 die Verfolgungen auf, doch kamen noch 1833 Verurtheilungen vor. Zu den Verfolgungen, welche früher die Presse trafen, gehörte auch die Stempelsteuer. Im Jahre 1713 passirte eine Bill das Parlament, welche einen Stempel von nur 1/2 Penny auf das Blatt von einem halben Bogen u. 1 Penny, wenn dasselbe größer wäre, legte, aber sogleich einen so nachtheiligen Einfluß, selbst auf die beliebtesten Blätter übte, daß mehre derselben ganz aufhörten, mehre sich mit anderen verschmolzen. Allmälig war der Stempel bis auf 4 Pence erhöht worden, so daß viele Versuche gemacht wurden denselben zu umgehen. Um 1831 wurden in London wöchentlich allein 150,000 nicht gestempelte Blätter meist radicaler Zeitungen, natürlich zu einem billigeren Preise als die gestempelten, verkauft. Die Regierung hatte deshalb einen harten Kampf zu bestehen, bis am 15. Septbr. 1836 durch Gesetze der Stempel auf 1 Penny herabgesetzt wurde, was eine bedeutende Vermehrung im Absatz der Zeitungen zur Folge hatte. Doch wurden immer noch Versuche gemacht selbst diesen herabgesetzten Stempel zu umgehen. So wurde 1843 eine Zeitung auf Kattun in Taschentuchformat gedruckt. Da die von einem Stempel befreiten Pennyblätter in London in zahlloser Menge erschienen, so wurde 1850 ein eigener Parlamentsausschuß zur Ermittelung dieses Umstandes niedergesetzt, welcher einen Bericht über das englische Zeitungswesen im Druck erscheinen ließ. 1855 endlich wurde der Zeitungsstempel aufgehoben, was ein immenses Anwachsen der Zeitungsliteratur zur Folge hatte u. den Preis derselben erniedrigte. Freilich waren viele der neuauftauchenden Blätter nur von kurzer Dauer. Auch die Aufhebung der Papiersteuer 1. Octbr. 1861 begünstigte die Vermehrung der Zeitungsliteratur. Im Jahre 1835 erschienen in Großbritannien u. Irland 382 Zeitungen u. Wochenblätter. Davon kamen in London selbst 60 heraus, u. zwar täglich des Morgens 6, des Abends 6; dreimal wöchentlich 5, zweimal wöchentlich 2, einmal wöchentlich 31. In der englischen Provinz erschienen 182 Blätter, sämmtlich nur einmal die Woche (nur der Liverpool Standard wird zweimal ausgegeben). In Irland kamen 76, in Schottland 50, in Wales 3, auf den britischen Inseln 13 heraus. Unter der ganzen Summe hatten 168 conservative, 202 liberale, 12 keine bestimmte Färbung; im Jahre 1848 in London 150, in den Provinzen 238, in Irland 117, in Schottland 97, zusammen 602 Zeitungen u. Journale (Periodicals). Blos an politischen Blättern erschienen 1849 547, davon kamen auf London 113, auf die englischen Grafschaften u. Wales 234, auf Schottland 85, auf Irland 161, auf die Inseln des Kanals u. Oceans 14 Blätter. Für das Jahr 1850 gab der oben erwähnte Parlamentsbericht die Zahl der in Großbritannien erscheinenden periodischen Blätter auf 623 an, von denen 133 auf London, 250 auf das übrige England, 17 auf Wales, 113 auf Schottland u. 110 auf Irland kamen. Am 1. Jan. 1865 erschienen im Vereinigten Königreich Großbritannien u. Irland 1271 Zeitungen u. Zeitschriften. Von diesen kamen 941 auf England, 41 auf Wales, 140 auf Schottland, 132 auf Irland, 14 auf die britischen Inseln; davon erschienen täglich 48 in England, 1 in Wales (Cardiff), 11 in Schottland (4 in Edinburg, 4 in Glasgow), 16 in Irland (6 in Dublin, 1 in Jersey). Magazine u. in weiteren Fristen erscheinende Zeitschriften zählte man 554, von denen 208 allein religiösen Inhalts waren.

Von den Londoner täglich erscheinenden Morgenzeitungen erscheint der Morning-Advertiser täglich seit dem 18. Febr. 1794 u. gilt als ein neutrales Blatt, da er weder Whig, noch Tory, noch radical ist; er kämpft indeß für den sinnigen Fortschritt, für Abschaffung der Todesstrafe, gegen die Besoldung der Geistlichkeit durch den Staat u. kann theilweise als ein Organ des Handels- u. Handwerkerstandes betrachtet werden; sein Verleger (Edictor) heißt Cowdroll. (Die Namen der Verleger werden hier angeführt, weil nach englischer Sitte der Name des Redacteurs in den Zeitungen nicht genannt u. in vielen Fällen auch nicht bekannt ist. Die Art u. Weise, wie das Publicum mit den Redactionen verhandelt, gestaltet sich somit anders, als dies in Deutschland der Fall ist, indem die Zuschriften stets an den Herausgeber gerichtet werden, wodurch eine gewisse Unparteilichkeit u. Unbefangenheit auf beiden Seiten herbeigeführt wird; die Hauptmitarbeiter an den größeren Zeitungen sind allerdings eingeweihteren Kreisen bekannt.) Der Morning-Herald, seit 1781, Organ der conservativen u. strengen Richtung in der Englischen Kirche; das Blatt zeichnet sich durch kaufmännische u. Börsenberichte aus, hat aber auch durch seine Literatur- u. Kunstberichte einen Namen; Verleger ist I. George Shapman. Morning-Post, seit 1781, whiggistisch u. doch dabei hochkirchlich. Es ist dies bei englischen Zeitungen kein Widerspruch, da sich in denselben Politik u. Religion nicht in feindlichem Sinne gegenüberstehen. Das Blatt hat als Organ Lord Palmerstons auch im Auslande einen Ruf erlangt; in England selbst gilt es als ein fashionables Blatt, indem es den Bewegungen in höheren Kreisen eingehende Aufmerksamkeit u. Theilnahme schenkt. Die Kritiken über wissenschaftliche Werke, Musik u. Gemälde zeichnen sich durch Klarheit u. Bedeutung aus; zahlreiche Correspondenten, namentlich in den britischen Colonien, haben zur Verbreitung des Blattes nicht unwesentlich beigetragen; Verleger ist H. Long. Morning-Star, seit 1856, Organ für den Freihandel u. die liberale Partei, kämpft für Ausdehnung des Stimmrechts, für die Intervention in Angelegenheiten des Auslandes, für die Selbstregierung der Colonien, gibt ausführliche Berichte des Parlaments während der Dauer der Session desselben u. ist auch mit guten auswärtigen Correspondenzen versehen; das Blatt ist wegen seiner Wohlfeilheit in den Familien verbreitet; Verleger H. A. Dymond. Commercial-Daily-List, seit 1832, eine strenge Handelszeitung;[915] Verleger W. Hopkraft. Daily-News, am 21. Jan. 1846 von der Manchester-Partei gegründet; die Farbe der Zeitung ist durchaus liberal, die Partei der Bewegung findet ihren vollen Ausdruck in dem Freihandel, Parlaments-, Finanz- u. Verwaltungsreformen werden fortwährend an das rechte Licht gestellt, u. das Blatt läßt auch den Kunst- u. wissenschaftlichen Nachrichten vollen Spielraum; Verleger W. Hales. Daily-Telegraph, seit dem 29. Juni 1855, ein auch den Handelsinteressen zugewandtes liberales Blatt; dasselbe hat sich in der neueren Zeit auch als Vertheidiger Palmerstons einen Namen gemacht; Verleger Joh. Ellis. Lloyd's-List, ist für Schiffsnachrichten u. als Schiffsliste weithin bekannt; es hängt mit dem berühmten Assecuranzbureau dieses Namens zusammen u. ist daher im Stande das Genaueste u. Zuverlässigste in diesem Zweige zu geben; Verleger A. Williams. Public Ledger, seit 1759, beschäftigt sich ausschließlich mit den Handelsinteressen; Verleger Chas Skipper. Shipping-Advertiser, seit 1845, gibt die Ankunft u. Abfahrt der Schiffe u. hat somit in den betreffenden Kreisen eine gewisse Bedeutung; Verleger Stamp. Willougby. Standard, von 1827–57 Abendblatt, seit dem Juli 1857 Morgenblatt, ein conservatives Organ, welches die Richtung des Grafen Derby u. D'Israeli's vertritt; hauptsächlich befaßt es sich mit Politik, so daß Kunst u. Wissenschaft mehr in den Hintergrund treten; Verleger W. G. Williams. Endlich das Hauptblatt, die Times, seit dem 1. Jan. 1788 von John Walter begonnen. Diese Zeitung hat sich allmälig zum Weltblatte emporgeschwungen u. wird in England allgemein als das leitende Blatt angesehen; es hat die weiteste Verbreitung u. sein Absatz kann auf 50–60,000 Exemplare täglich angeschlagen werden, so daß sein Leserkreis zu den allerbedeutendsten gehört. Als reines Anzeigeblatt nimmt es die erste Stelle ein u. diese Anzeigen bringen ungeheure Summen ein. Es hat große Bedeutung u. fühlbaren Einfluß, obschon es keine ausgesprochene Politik hat u. seine Richtung schnell wechselt; seine Wichtigkeit verdankt es dem Umstande, daß es, wo es darauf ankommt zu rechter Zeit u. an geeignetem Orte Opfer zu bringen, sowohl was das Inland als auch das Ausland betrifft, stets da ist; Verleger Francis Goodlake.

Von den Abendzeitungen wurde der Express 1846 gegründet; er ist ein Organ der Bewegungspartei u. gehört mit zu den Daily News. Viele Abendblätter führen nur einen anderen Titel für die zu ihm gehörigen Morgenblätter; so ist auch der Evening-Herald, seit 29. Juni 1857, ein Zwillingsbruder des conservativen Morning-Herald: der Evening-Standard ein Namensvetter des gleichartigen Morgenblattes, der Evening-Star, seit 1856, des gleichnamigen Morning-Star. Der Globe, 1803 gegründet, ist ein Hauptabendblatt der Whigs, vertheidigt den Freihandel u. die religiöse Freiheit u. nimmt unter den Abendblättern überhaupt eine bevorzugte Stelle ein; Verleger E. Eve. L'Internacional, erscheint zugleich französisch, besteht seit 1863 u. befaßt sich meist mit Nachrichten; er ist wohl ein Unternehmen der Französischen Regierung; Verleger ist H. Albert. Shipping and Mercantile Gazette, seit 4. Jan. 1836, gibt Schiffsnachrichten; Verleger W. Mitchel. Sun, seit dem 1. Octbr. 1792, liberal u. freihändlerisch, hat durch schnelle Mittheilung der Parlamentsnachrichten auch einen auswärtigen Ruf erlangt, da unter den Abendblättern die Parlamentsberichte am weitesten geführt werden; auch aus den britischen Provinzen hat er reichliche u. interessante Nachrichten.

Durch die Wochen- u. in längeren Fristen erscheinenden Zeitschriften hat die Wochenpresse großen Anklang u. damit auch eine bedeutende Verbreitung gewonnen; der Grund dafür liegt darin: der Preis der täglich erscheinenden englischen Zeitungen ist sehr hoch; dadurch daß die Zeitungen nicht, wie in Deutschland, ein festes Abonnement zulassen, sondern täglich in verschiedener Zeit u. in verschiedener Menge verbreitet werden, haben sie Tagespreise festgestellt u. die größeren Zeitungen in London kosten täglich pro Exemplar mit dem Bringerlohn 5 Sgr. od. 18 Kr. rhein., also jährlich 50–60 Thlr. Damit nun der Zeitungsleser auch in billiger Weise seine Wißbegierde befriedigen kann, so sucht namentlich die vielfach am Tage beschäftigte Bevölkerung ein Blatt, welches ihnen allwöchentlich einen Auszug der wichtigsten Nachrichten, die geeigneten Raisonnements gibt u. den Leser stets im Laufenden erhält. Diese Umstände sichern den vielen Wochenblättern ihren Bestand u. führen sie dem größeren Leserkreise zu. Solche Wochenschriften sind von vielen: Allens Indian Mail, seit Mai 1843, gibt nach Ankunft der Indischen Post ein eingehendes Resumé von indischen Nachrichten. Überhaupt erscheint eine ganze Reihe von Zeitungen, welche gleich nach Ankunft der betreffenden Colonial- u. auswärtigen, namentlich der amerikanischen u. chinesischen Posten das Neueste u. Wissenswertheste in diesem Bereiche mittheilen. Die Australia and New. Seeland-Gazette, seit 1850, welche sich bes. die Interessen der dortigen Colonien angelegen sein läßt; die Bracil u. River Plata, seit 1863, in vierzehntägigen Fristen erscheinend. Die Zahl der in London wöchentlich erscheinenden Penny- u. Halbpennyblätter ist außerordentlich groß. Im Jahre 1851 mochten deren wohl 150 herausgekommen sein, da gerade um diese Zeit durch die Industrieausstellung eine neue Fluth von wohlfeilen Blättern zur Unterhaltung des fremden u. einheimischen Publicums hervorgerufen worden war. Solche Blätter haben zum Theil nur ein sehr ephemeres Dasein; bei manchen sind nur 3 od. 4 Nummern erschienen, an deren Stelle, sobald sie den erwünschten Erfolg für den Unternehmer nicht gehabt, sofort wieder ein anderes Blatt mit neuem Titel od. verändertem Format ausgegeben wurde. Mehre dieser Blätter bestehen jedoch schon längere Zeit; sie sind die bessereren u. sittlicheren u. lassen sich unter verschiedene Klassen rubriciren: Belehrende u. unterhaltende Familienblätter: das verbreitetste derselben ist der Family Herald, seit 1843 bestehend, enthält Gedichte, Originalerzählungen, historische Skizzen u. Rathschläge für Haus, Familie u. Leben. Fast einen gleich großen Absatz hatte 1853 das London Journal. Andere Blätter dieser Gattung waren 1851: The Home, The Altar, The Throne and the Cottage, herausgegeben von Rich. Oastler; The Home Circle (mit einer fortlaufenden Geschichte von Europa); The Art News (eine Art illustrirtes Kunstblatt) u. m. a. In Monatsheften zu 1 Penny erscheinen The family Economist u. The Womans Friend. Von Blättern religiöser u. kirchlicher Tendenzen,[916] von denen die meisten der Anglikanischen Kirche angehören, erschienen 1851: The Lamp u. The Catholic Vindicator, welche das Interesse der Katholischen Kirche vertreten; Gegner der ersteren ist der anglikanische Anti-Popish Reviewer and Protestant Lamp; Organ der Atheisten ist der von Holgoak redigirte Reasoner; ähnliche Tendenzen verfolgt The People, their rights and liberties, their duties and their interests; Sonst erschienen noch 1851, zum größten Theil in Monatshesen: The Christian's Penny Magazine; The Christian Treasury; The Friendly Visitor; The Sunday School; The Christian Pioneer; Zion's Trumpet etc. Von den zahlreichen Pennyblättern der Mäßigkeitsvereine war das verbreitetste 1851 Teetotal Times; Organ des Centralmäßigkeitsvereins ist die Temperance Gazette) außerdem The Abstinence Standard and Moral Reformer, herausgegeben von P. W. Persitt; The National Temperance Chronicle; die monatlich erscheinenden Temperance Tract Journal (von welchem jedes Octavblatt einen besonderen Artikel umfaßt, der auch einzeln ausgegeben werden kann) u. The Temperance Magazine. Kinderjournale u. Unterrichtsblätter: Tomlin's Help to Self-Educators, für solche, welche den Mangel an Jugendunterricht durch Selbstbelehrung ergänzen wollen. Monatlich in vielen tausend Exemplaren unentgeltlich vertheilt (auch für 1/2 Penny verkauft) wird Band of Hope Review. Die Unterhaltungsblätter ohne eigentliche Tendenz bringen meist nur für den ungebildeten Leser Berechnetes. Zu den ältesten dieser Art gehört das London Journal; das sehr verbreitete Reynolds Miscellany of Romance, seit 1847, gibt viel Übersetzung moderner französischer Romane von E. Sue, Lamartine etc.; Geschichten aus dem modernen Leben geben Wilsons's Tales for the People; Abenteuer u. Schiffbrüche erzählt Perils of the Ocean. Eine Art Omnibusblatt ist Everybody; für Eisenbahn- u. Dampfbootspassagiere sind die Short Readings for Railway Travellers and Steamboat Passengers berechnet. The People's Medical Journal steht mit einem großen Theile seiner Leser durch einen Briefkasten in Verbindung, worin von nichts als Krankheiten u. Recepten die Rede ist. Fast alle Erscheinungen dieser Kategorie sind durch Holzschnitte illustrirt. Die Theaterblätter für 1 Penny wöchentlich bieten, wie das englische Theater selbst, keinerlei Befriedigung kritischer u. ästhetischer Anforderungen dar. Das älteste ist das Theatrical Journal (seit 1840), dann Play-Goer; The actors Gallery (mit Abbildungen von Schauspielern u. Sängern in ihren beliebtesten Rollen, Theateranekdoten etc.); die Stage Favourites enthalten Lebensbeschreibungen von Schauspielern u. bes. von Schauspielerinnen. Der Auswanderung gewidmet ist das von einer religiösen Gesellschaft herausgegebene Emigrant's Magazine, so wie der von mißvergnügten Arbeitern herausgegebene Emigrant's Advocate etc. Von den Pennyblättern der Chartisten u. Socialisten erschienen 1851: The Friend of the People (früher The Red Republican); The Potters Examiner and Miners Advocate; Robert Owen's Journal; The Christian Socialist etc. Die meisten Blätter lasciven Inhalts schöpfen ihren Stoff aus französischen Quellen; diese erscheinen meist bei den Winkelbuchhändlern in der Holywell Street. Am berüchtigsten darunter war 1851: Peeping Tom or the Mirror of the Ages; die schmutzigsten Angriffe auf Personen u. Familien, deren Namen nur schwach verhüllt sind, enthält Paul Pry, the Reformer of the Age; ferner Ambrose Hudson's Journal; Don Giovanni in London u.a. Außer diesen Wochenblättern gibt es noch eine große Anzahl von Monatsschriften, von denen jedes Heft nur 1 Penny od. noch darunter kostet. Viele darunter verfolgen kirchliche u. religiöse Zwecke, die Missionsblätter enthalten zum Theil schätzbare Missionsberichte. Eine kleinere Anzahl der Penny. Magazine gehört der Kinderliteratur an, wie: The Childrens Magazine; The Childrens Missionary Newspaper; The Child's Halfpenny Magazine, u.a.m. Daneben erscheinen Monatsschriften aller Art: für jüdische Gemeinden; 4 waren 1853 der Friedensagitation gewidmet, andere den in England lebenden Irländern (zum Theil in welscher Sprache). 1851 erschienen im Interesse der Phonographie 4 monatliche lithographirte Zeitschriften: The Star für Anfänger; The Phonographic Correspondent, für fortgeschrittene Schüler; The Phonographic Magazine, in einem leichteren Reporterstyle; The Reporter im schwersten Reporterstyl geschrieben. Im Januar 1849 begann A. I. Ellis auch eine wöchentlich erscheinende phonetisch gedruckte Zeitung.

Andere bis in die u. seit der neuesten Zeit bestehenden Zeitungen u. Zeitschriften sind in alphabetischer Ordnung: die Army and Navy-Gazette, seit dem 17. Jan. 1760, ein unabhängiges Blatt, welches sich namentlich die Vertheidigung aller Grade in dem Land- u. Seeheere angelegen sein läßt; Herausgeber ist W. H. Russel, welcher durch seine Berichte aus dem Krimkriege in der Times sich einen Namen erworben hat. Bells Life ist, obwohl es den Sports u. den Tories den größten Raum einräumt, dennoch von liberaler Richtung u. läßt es auch an eigenen leitenden Artikeln nicht fehlen; es wird deshalb auch viel von Anderen als Sportsmen gelesen; Verleger W. C. Clements. Bookseller, Monatsschrift, seit 1858, dem buchhändlerischen Verkehr u. Vertriebe gewidmet. Builder, seit 1824, den Architekten u. Civilingenieuren eine Quelle der Belehrung. Die Chemical News, seit 1857. Das Journal of Photography, seit 1854. Das Special-Journal, seit 1853. Für die kirchliche Zeitungsliteratur: Church Standard, Church Times, seit 1863; Churchmen, seit 1843, katholisches Organ; Constitution, seit 1853; Ecclesiastical-Gazette, Civil-Servite-Gazette, seit dem Jahre 1853 bestehend, hat es sich zur Aufgabe gemacht die Interessen der verschiedenen Civilbeamtenkategorien zu vertheidigen. Courrier de l'Europe, erscheint seit 1840 jeden Sonnabend u. ist ein Spiegelbild der französischen Partei, in welcher Beziehung er sich eine gewisse Unparteilichkeit bewahrt; eine Gazette pourrire ist beigegeben. Das Court Circular macht seit dem 26. April 1856 dem alten Court-Journal in der höheren Fashion Concurrenz; das letztere, welches seit 1829 besteht, wird indessen bevorzugt. Der Economist, seit 1843, hat durch seine statistischen u. kurzen Handelsnachrichten auch im Auslande einen Namen; seine Richtung ist liberal. Die Educational-Times, seit 1847, sind dem Erziehungs- u. Unterrichtswesen gewidmet. Der Engineer, seit 1856, für Ingenieure. Der [917] Englishman, seit 1862, hat gute Kunstkritiken. Evening-Mail, seit dem 2. März 1789, erscheint dreimal wöchentlich u. gibt theilweise Auszüge aus den Times. Der Examiner, seit 1808, ein whiggistisches Wochenblatt, dessen Leitartikel vielfach erwähnt werden. Freepress erscheint seit 1855 einmal monatlich u. dient dazu, den Sinn für Gesetzlichkeit zu befestigen. Freemasons-Magazine, seit 1859, ist den Interessen der Freimaurerei gewidmet; es erscheint unter Billigung der Großen Loge, ist jedoch nicht ausschließlich maurerischen Inhalts. Illustrated London-News, seit 1842, ist das Muster u. Vorbild für die großen illustrirten Zeitungen gewesen, welche in England einen großen Umfang gewonnen haben; dasselbe wendet auch den Sports eine rege Theilnahme zu. Der Index erscheint seit dem 1. Mai 1862 allwöchentlich u. hat sich die Aufgabe gestellt die Interessen des von der Amerikanischen Union losgelösten Sonderbunds zu vertheidigen. Die Insurance-Gazette u. der Report beschäftigen sich, erster seit 1856, letzter seit 1863, mit dem Versicherungswesen. Jewish-Chronicle, besteht seit 1845 u. ist eine Nachbildung der in Deutschland zuerst aufgetauchten Idee dem Judenthum eine Zeitung zu gründen; es bringt gute ethnographische Berichte. John Bull, seit 17. Decbr. 1820, steht durch seine literarischen Berichte in hohem Ansehen, sonst ist es ein Tory-Blatt. Lancet, seit 1823 eine bekannte medicinische Wochenzeitung. Lawtimes, seit dem 18. April 1843, eine Gerichtszeitung. Lloyd's Weekly London. News Paper, seit 1842, kämpft in populärem Ton für den Fortschritt u. die demokratischen Grundsätze. London Commercial-Report. seit 1842, ein hervorragendes kaufmännisches Blatt. London-Gazette, seit dem 7. November 1863, erscheint Dienstag u. Freitag u. ist das ausgesprochene amtliche Blatt der Regierung; in ihm erscheinen also die Erlasse, Bekanntmachungen u. sonstige amtliche Mittheilungen. London-News-Price-Current, seit 1812 den Handelsinteressen zugewendet. Magnet, seit 1837, ein sehr verbreitetes Blatt, welches vorzugsweise die Ackerbauinteressen vertritt. Mardran-Express, seit 1832, gleichfalls den Ackerbauinteressen dienend, in der Politik aber liberal-conservativ. Mechanic-Magazine, ist seit 1858 reorganisirt. Mining-Journal, seit 29. Aug. 1835; Gruben u. Eisenbahnen finden hier vorzugsweise Besprechung u. Erörterung, doch sind auch andere Gebiete des Wissens u. der Belehrung nicht ausgeschlossen. Money Market-Review, seit 1860, für Handels- u. Börsenangelegenheiten. Naval and Military-Gazette, seit 1833, ist für die Colonial- u. ostindischen Dienstsachen von Bedeutung. News, seit 1858, ein Organ für Bank-, Handels- u. Versicherungsangelegenheiten. Newsman, seit 1863, hat gute Leitartikel, namentlich in Betreff socialer Verhältnisse. Observer, seit 1782, eine whiggistische Sonntagszeitung, deren Artikel vielfach citirt werden. Overland-Mail, seit 1838, für indische Verhältnisse. Die seit 1843 bestehende Poor-law-Unions-Gazette gibt namentlich allen Verlassenen Nachricht über den Verbleib der Ihrigen, so weit diese Nachricht zu beschaffen ist. Press, seit 7. Mai 1843, ein conservatives Organ D'Israeli's. Public Opinion, birgt einen reichen literarischen Schatz u. widmet außerdem der britischen Colonial- u. der festländischen Presse eine besondere Aufmerksamkeit. Der Punch, seit 17. Juli 1841, ein Witzblatt, früher von Mayhew, dann von Marc Lemon redigirt, welches im Gewande der Satire sociale Reformen anstrebt u. von streng liberaler Farbe ist; es hat vielen anderen Witzblättern zum Vorbilde gedient, sich durch seine Zeichnungen weithin einen Namen gemacht u. für rücksichtslose Aufdeckung von Schäden u. Gebrechen eine gute Wirksamkeit entfaltet; in Deutschland wurde es öfter von Regierungsverboten betroffen. Queen, seit 1861, ein Organ für Frauen. Racing-Kalender, welcher seit 1773 dem Turf u. Sport eine eingebende Aufmerksamkeit schenkt u. eines der ältesten Blätter dieser Richtung ist. Railway-Times, beschäftigt sich mit Eisenbahnangelegenheiten. Reader, welcher sich in der kurzen Zeit seines Bestehens zu einem hervorragenden wissenschaftlichen Organ auf geschwungen hat. Der Recorder, seit 1828, ein Sonntagsblatt. Reynolds Weekly-News-Paper, erscheint seit Mai 1850 allsonntäglich, von starkdemokratischer Richtung. Daily Sailors Home-Journal, seit 1853, kämpft für die moralische u. gesellschaftliche Besserung der Matrosen u. Seeleute. Spectator, seit 1828, ein whiggistisches Wochenblatt, welches sich aber auch gern mit wissenschaftlichen Speculationen befaßt. Sporting-life u. Sporting Gazette, für Angelegenheiten des Sport. Sunday-Times, ein seit 1822 bestehendes liberal-conservatives Wochenblatt, ist auch wegen seiner dramatischen u. dramaturgischen Besprechungen von Bedeutung. Tablet, seit 1840, ein ultramontan-katholisches Blatt. United Service-Gazette, seit 9. Febr. 1833, vertritt die Interessen der Flotte u. des Landheeres. Weekly-Dispatch, seit 1801, ein liberales Blatt, welches namentlich in Handwerkerkreisen große Verbreitung gefunden hat. Weekly-Times, seit 1847, gibt gute politische Excepte.

In London erscheinen auch mehre Zeitungen in fremden Sprachen. Die erste deutsche Zeitung in London war die Deutsche Presse, welche 1846 begann u. 1847 vom Herzog Karl von Braunschweig angekauft wurde, aber nicht lange bestand. Nach 1848 wurden mehre andere Versuche gemacht, welche aber alle ohne Bestand waren, so: die Neue Rheinische Zeitung, der Kosmos von Haugh, der Telegraph von H. Berthold (1852), die deutsche Originalcorrespondenz von Pokorny. Bei Gelegenheit der Ausstellung von 1851 erschien eine deutsche Ausgabe der London Illustrated News, Anfangs von Pokorny redigirt. Alle deutschen Zeitungen in London waren nur Mittel der niedrigsten Zwecke in den Händen ungeschickter u. unwissender Leute gewesen, bis Gottfried Kinkel 1857 die große deutsche Zeitung Hermann (wöchentlich) begründete; sie kämpft für ein freies u. einiges Deutschland, sucht falsche Ansichten über Deutschthum u. deutsche Verhältnisse zu berichtigen u. dem deutschen Namen im Auslande Ehre zu machen; das Blatt ist von den deutschen Regierungen mehrfach verfolgt u. verboten worden. In Französischer Sprache begann Ledru-Rollin mit seinen Freunden 1850 in London Le Proscrit, gewissermaßen das Amtsblatt der gesammten europäischen Republik. Seit 1853 erschien auch in London der Courrier de l'Europe als Wochenblatt. Londoner Anzeiger, seit Januar 1864, ein deutsches Blatt für die Deutschen in London, erscheint an jedem Freitag. Der Kolokol[918] (die Glocke), ein von Alexander Herzen herausgegebenes russisches Blatt, huldigt den republikanischen u. demokratischen Doctrinen; es ist seit 1865 nach Genf verlegt worden. Die von Max Schlesinger gegründete Lithographirte englische Correspondenz, welche in London täglich, mit Ausnahme des Sonntags, erscheint u. für die Mehrzahl der deutschen Zeitungen einen Auszug aus den Londoner Blättern gibt, hat auch in Deutschland große Verbreitung u. vielseitige Benutzung gefunden. Vgl. Savage, An Account of the London daily Newspapers, Lond. 1811; Knight Hunt, The fourth Estade, ebd. 1851; Mitchell, The Newspapers Press directory, ebd. 1851. Ein Catalogue of London Periodicals erscheint seit 1841 alljährlich.

Diese sind die hauptsächlichsten Londoner Zeitungen u. Zeitschriften. Die Provinzialblätter haben sich nie zu einer besonderen Höhe emporgeschwungen, was bei der Menge u. Reichhaltigkeit der Londoner Zeitungen u. der Schnelligkeit, mit welcher sie die Nachrichten verbreiten, erklärlich ist. Durch die verbesserten Post- u. Eisenbahneinrichtungen, welche das Versenden der Zeitungen so ungemein erleichtern, sind die Provinzzeitungen noch mehr in Rückstand gekommen. Die meisten der Provinzialzeitungen erscheinen wöchentlich nur ein-, blos die Zeitungen der größten Städte wöchentlich zweimal. Das älteste Provinzialblatt in England ist der Stamford Mercury, welcher 1695 begann. Diesem folgte Norwich Postman, seit 1706, Norwich Courant or Weekly Packet, seit 1714; in York der York Mercury, seit 1720 der York Courant; ebenfalls 1720 begann Leeds Mercury u. bald darauf Gloucester Journal; Manchester Gazette begann 1730, Oxford Journal 1740, Preston Journal 1745, Billinge's Liverpool Advertiser 1765. Viele dieser Provinzialzeitungen sind ebenso umfänglich, so ist z.B. der Leeds Mercury ebenso groß wie die Times u. verkaufte 1838 wöchentlich 9000, der Liverpool Mercury 6400 Nummern. In Manchester erschienen 1850 allein drei Blätter: Guardian (in 9000), der Examiner and Times (in 5500), der Courier (in 4700 Exemplaren). Das Liverpool Journal hatte 1850 noch mehr Abnehmer als der Guardian.

Die erste Zeitschrift in Walischer Sprache erschien um 1770 unter dem Titel Eurgrawn Cymraeg (d.i. der Welschen Schatz), herausgeg. von P. Williams in Caermarthen u. Evan Thomas. 1828 zählte man 8,1831 bereits 14 Zeitschriften. Unter den in neuerer Zeit erscheinenden sind die einflußreichsten Seren Gomer (der Stern von Gomer), früher eine Zeitung, seit 1818 eine literarisch-kirchliche Monatsschrift, welche eine vollständige Übersicht über die literarischen Erscheinungen in Wales enthält; Y Gwladgarwr (Der Patriot), erschien von 1833–41 in Chester u. Liverpool, war rein literarisch; Cylchgrawn, das welsche Pfennig-Magazin, 1834–35, unter Leitung von I. Blackwell; Y Drysorfa (d.i. Der Schatz), seit 1831 von I. Parry, ist wie auch Yr Amseran (d.i. Der Instructor), seit 1836 in Llanidloes, herausgeg. von H. Gwalchmai, u. Y Diwygiwr (Der Reformer), seit 1836 in Llanelly erscheinend, wesentlich religiöser Tendenz. Von den übrigen Blättern sind noch Yr Haul (Die Sonne) u. Y Gwyliedydd (Der Wächter) zu erwähnen. 1855 war in Wales der genannte Yr Amseran mit 237,700 Nummern das verbreitetste Blatt in Walischer Sprache. Sonst sind noch zu nennen: Monmouthshire Merlin, der North Wales Chronicle in Bangor, die South Wales Times in Merthyr-Tidvil, der Herald Cymreig in Caernar von etc., sämmtlich Wochenblätter.

b) In Schottland datirt die Zeitungspresse von den Zeiten der Bürgerkriege im 17. Jahrh. Eine Abtheilung von Cromwells Truppen veranlaßte 1653 den Buchdrucker Christ. Higgins in Leith zum Nachdrucke des Londoner Mercurius politicus; im November 1654 siedelte er nach Edinburg über, wo der Nachdruck bis 11. April 1660 fortgesetzt wurde. Vom 31. Decbr. 1660 bis 28. März 1661 erschien in Edinburg The Mercurius Caledonius in wöchentlichen Nummern; demselben folgte The Kingsdoms Intelligencer. Seit 1669 wurde eine Edinburgh Gazette veröffentlicht, welche sich 1705 im Edinburgh Courant fortsetzte; der noch bestehende Caledonian Mercury kam zuerst im April 1720 heraus. Außerhalb Edinburg erhielt 1715 Glasgow im Glasgow Courant sein erstes Blatt. Das Aberdeen Journal erscheint seit 1746; in anderen Städten begann The Dumfries Journal 1750, The Kelso Mail 1797, der Dundee Courier 1800, der Dundee Advertiser 1801, welchem der Dundee Chronicle folgte; ferner der Ayr Advertiser u. der Greenock Advertiser 1802, das Inverness Journal 1807, der Perth Advertiser 1808, der Montrose, Arbroath and Brechin Review 1811, um 1813 Fife Herald, 1833 das Fifeshire Journal, 820 das Stirling Journal, welches sich später mit dem Stirling Advertiser vereinigte. Fast alle schottischen Blätter erscheinen wöchentlich ein-, nur wenige zweimal. Die bedeutendsten schottischen Zeitungen (mit der Zahl der 1855 verkauften Nummern) sind: in Edinburg der North British Advertiser (808,000), der Scotsmann (359,000), wozu noch als Tagesblätter der Caledonian Mercury u. der Daily Express kommen; u. in Glasgow: die Saturday Post (727,000), North British Mail (565,000) u. Herald (541,000); diese größeren Blätter sind gut redigirt u. üben einen nicht geringen politischen Einfluß, namentlich in Betreff schottischer Angelegenheiten.

Aus derselben Zeit, wie in Schottland, datirt die Herausgabe von Zeitungen auch c) in Irland. Um 1641 erschien Warranted Tidings from Ireland; von da bis zu Anfang des 18. Jahrh. ist über das irische Zeitungswesen nichts bekannt. Um 1700 begann in Dublin Pue's Occurrences, welches über 50 Jahre bestand. Diesem folgte 1728 in Dublin Falkener's Journal, in Waterford 1729 The Waterford Flying Post u. 1766 das Waterford Journal u. Ramsay's Waterford Chronicle. Der noch bestehende Waterford Mirror erscheint seit 1801, der Limmerick Chronicle seit 1766. Das älteste noch bestehende Blatt Irlands ist Belfast News Letter (zuerst 1737). Die Dubliner Evening Post kommt bereits über 80 Jahr heraus. Die verbreitetsten irischen Blätter (mit der Zahl der 1855 verkauften Nummern) sind: in Dublin: Telegraph (959,000), Daily Express (748,500), Saunders News Letter (756,000), Freeman's Journal (480,000); in Belfast: Northern Whig (962,000), Daily Mercury (210,000) nebst den Tageblättern Morning News u. News Letter; in Cork: Constitution[919] (208,000 Nummern) u. das Tageblatt Southern Reporter; in Waterford das Tageblatt Mail and Daily Express.

In Großbritannien zerfallen die Zeitschriften, soweit sie nicht blos für die größeren Massen berechnet sind (s. oben), in zwei Hauptklassen: in allgemeine kritisch-literarische u. in hochwissenschaftliche Journale. Eigentlich belletristische Journale, wie sie in Frankreich, Deutschland u. anderwärts vorkommen, gibt es in England nicht; alle Zeitschriften sind mehr od. weniger gelehrten od. kritisirenden Inhalts. Die erstere Klasse wird bes. von den Magazines u. Reviews gebildet, deren eigentliche Heimath England ist; hier sind diese Zeitschriften auch im Allgemeinen viel wichtiger als die ähnlichen deutschen Journale; die bedeutendsten u. einflußreichsten Schriftsteller arbeiten für dieselben u. erhalten für ihre Beiträge oft ungewöhnlich hohe Honorare. Die Magazines erscheinen meist monatlich (Monthly's), die Reviews vierteljährlich (Quarterly's). Es erschienen Ende 1852 etwa 70 Monthly's u. 40 Quarterly's. wozu noch gegen 30 Vereinsjournale kamen. Fast alle erscheinen in London; die wenigen, welche zu Edinburg od. Dublin herauskommen, haben auch ihre Expeditionen in London. Obgleich Anfangs bloße Recensionsinstitute, sind doch die Reviews zu selbständigen Sammlungen kleiner Bücher geworden, welche nicht selten tiefer in einen Gegenstand eindringen als die zu Grunde gelegten Schriften. Die geachtetsten u. bedeutendsten sind Edinburgh Review, Quarterly Review u. West Minster Review. Edinburgh Review, in Bezug auf ihre politischen Ansichten u. Bestrebungen Whig u. liberal, wurde 1842 vom nachmaligen Lord Jeffrey gegründet, nach dessen Tod übernahm sein Schwiegersohn Empson die Leitung, u. als dieser (1851) gestorben war, trat Lord Monteagle interimistisch die Redaction an. Anfang 1853 war Cornewall Lewis an die Spitze getreten, wodurch den Whigs auch fernerhin das Organ gesichert wurde. Quarterly Review, Tory u. ultraconservativ, wurde durch den Buchhändler John Murray gegründet; die erste Nummer erschien 1. Febr. 1809 unter Redaction Wilh. Gifford's (gest. Dec. 1826), 1825–53 redigirte sie John Gibson Lockhard. West Minster Review ist das Organ der Radicalen; sie erschien im Jan. 1824 zum ersten Mal, Southern redigirte den literarischen, Bowring den politischen Theil; später übernahm Letzter die Redaction allein. 1835 gründete Sir Will. Molyworth die London Rev., welche sich nach einigen Heften mit der West Minster Rev. als London and West Minster Rev. vereinigte. Die Vereinigung dauerte 7 Jahre; die oberste Leitung während dieser Zeit hatte John Stuart Mill, während die Abtheilung für allgemeine Literatur unter Redaction John Robertson's stand. 1840 erhielt sie wieder den Titel West Minster Rev. u. ging in die Hände Mr. Hickson's über. Saturday-Review, seit 1855, eine vorzüglich gute Revue. Das älteste der Magazines ist The Gentleman's Magazine, seit 1731, welches in Sachen der Alterthumskunde eine Art Autorität bildet; Monthly Mag., New Monthly Mag. (seit einigen Jahren von Ainsworth herausgegeben) u. Bentley's Miscellany enthalten belletristische u. kritische Aufsätze in Verbindung mit Romanen u. Erzählungen u. politischen Aperçus; mit mehr od. minder bedeutenden Modificationen tragen einen ähnlichen Charakter auch Sharp's London Mag., Colburn's United service Mag., Tait's Edinburgh Mag. u. das Dubliner University Mag. Höher stehen Blackwood's Mag., in seinen Tendenzen torystisch, in seinen Kritiken gewichtig u. mit deutscher Literatur bekannt u. dieselbe einer scharfen Beurtheilung unterwerfend, u. Fraser's Mag. (seit 1831), welches in seinen politischen Ansichten Whig, doch ohne Parteilichkeit, Alles in das Bereich der Besprechung zieht, Geschichte u. Dramaturgie, Poesie u. Satire, Politik u. theologische Zänkereien. Das Theater vertritt The Dramatic Mag.; die Interessen der Unterhaltung u. Geselligkeit Sporting Mag., Sporting Rev., The Sportsman, The World ot Fashion. Beachtung verdient auch Chapman's Weekly Mag.

F) So lange Belgien unter österreichischer Herrschaft stand, hatten die Zeitungen, obgleich sie fast alle in Französischer Sprache erschienen, durchaus den Charakter der damaligen deutschen Zeitungen. Die älteste belgische Zeitung erschien 1610 zu Antwerpen in Blämischer Sprache; die zweite begann 1651 zu Brüssel u. zwar in Französischer Sprache. Später waren am bekanntesten die Gazette de Bruxelles u. die Gazette de Lièges. Zur Zeit der französischen Herrschaft war die belgische Presse blos eine Nachahmung der französischen. Wichtiger wurde sie, als die Opposition der belgischen Provinzen gegen die holländische Regierung begann. Von den 26 politischen Zeitschriften, welche 1830 in den gesammten Niederlanden erschienen, dienten die meisten der belgischen liberal-katholischen Partei als Organe, während die holländischen meist ministerielle Farbe trugen. Der Regierung standen unter andern gegenüber: Vrai libéral zu Brüssel, Courrier de la Meuse zu Lüttich, u. Courrier des Pays-Bas, welcher unter Potter's Redaction stand; für die Regierung wirkten Le National u. Courrier universel. Nach der Revolution wurde als officielles Organ der Moniteur Belge begründet. Die meisten der übrigen größeren Z. tragen eine mehr od. minder liberale Farbe. Die politische Presse zu Brüssel hat durch eines ihrer Organe einen bedeutenden Namen erlangt. Die Independence Belge hat einen Universalcharakter u. kann, obgleich sie in Brüssel erscheint, dennoch zu den großen Pariser Blättern gerechnet werden, namentlich da auch die französische Polizei eine sehr genaue Controle über dieselbe führt. Die Independence ist freisinnig u. macht namentlich gegen die Übergriffe des Clerus Front; sie hat durch diese ihre Haltung, wie durch die Fülle ihrer Nachrichten u. die Ausführlichkeit ihrer Telegramme, sich einen großen Leserkreis nicht nur in Deutschland, sondern auch in Rußland gesichert. Ein anderes Brüsseler Blatt, Le Nord, ist ein anerkanntes Organ der russischen Regierung u. ausdrücklich dazu gegründet worden für Rußland Propaganda zu machen. Ursprünglich hatte man die Idee dieses Blatt in Berlin zu gründen, dort fand es aber Widerstand an dem damaligen Polizeidirector v. Hinckeldey, darnach wurde Brüssel als ein neutraler Boden um so lieber gewählt, als in der belgischen Hauptstadt die Presse der größtmöglichen Freiheit genießt; es erschien seit 1. Juli 1855 unter Redaction des Belgiers Vict. Caspelmans, nachher wurde es von Georg u. Nicol. Poggenpohl u. seit 1864 von Mühlbacher u. Franceschi[920] redigirt. Das Blatt bringt über Rußland sehr erschöpfende Notizen. Ein ultramontanes Blatt ist das Journal de Bruxelles, welches sich in der neueren Zeit durch Polemiken aller Art bekannter gemacht hat. Ebenso nimmt auch das Echo du Parlament als ein Blatt des liberalen Ministeriums eine hervorragende Stelle in der Journalistik ein. Die freie Bewegung, deren sich die Presse in Belgien erfreut, hat es auch möglich gemacht, daß gleich nach dem Napoleonischen Staatsstreiche sich die französischen Flüchtlinge dorthin begaben, um das Widerstandswerk, welches sie in Frankreich angefangen hatten, dort mit verstärkten Kräften fortzusetzen; aber diplomatische Einmischungen aller Art erschwerten ihnen den Aufenthalt, u. um die Gastfreundschaft nicht zu mißbrauchen, gaben sie endlich ihre Thätigkeit auf. Mancherlei Zeitungen, welche zu Anfang der fünfziger Jahre noch in Belgien erschienen u. dem neuen Regime in Frankreich Schwierigkeiten bereiteten, sind daher wieder verschwunden. Bald nach der Revolution (1830), welche Belgien zu einem selbständigen Königreich machte, trat auch das flamändische Element in seine Rechte, u. während die Französische Sprache zur Amtssprache gemacht wurde (die Regierung hat als amtliche Zeitung den Moniteur Belge), machte das eben gedachte Element sich vollends geltend. Es bildeten sich viele u. mannichfache Zeitungen, welche in Vlämischer Sprache für das Volk u. die größere Masse der Bevölkerung thätig waren.

Die Provinzzeitungen haben eine größere Selbständigkeit zu bewahren gewußt, als die Departementszeitungen Frankreichs, was seinen Grund darin hat, daß diese alten u. angesehenen Städte mit der Zeit mehr als einen historischen Glanz erwarben; Industrie u. Kunstfleiß blühten dort in hohem Grade; die Bevölkerung ist sehr dicht, u. es ist daher der Zeitungspresse, zumal dieselbe durch Hemmungen nicht beengt wird, ein großer Spielraum gewährt. Alle bedeutenderen Städte haben somit ihre Zeitungen, so erscheinen zu Tournay Courrier de l'Escaut, zu Luxemburg Courrier de Louxembourg, zu Maastricht Courrier de la Meuse, zu Antwerpen Journal d'Anvers, Journal du commerce d'Anvers u. Précurseur, Trompette maritime; zu Charleroi Journal de Charleroi; zu Lüttich Journal de Liège u. Nouvelles du jour. In Blämischer Sprache: zu Antwerpen Het Handelsblad u. Provinciael Antwerpsch Nieuwsblad, Postryder van Antwerpen u. Antwerpenaer; zu Gent De Broedermin, De Gazette van Gent, Den Gentschen Mercurius, Den Vaderlander u. Den Vlaming, Artevelde u. die Sonntagsblätter De Ackerbouw u. De Zondagbode; zu Löwen außer dem Annonceblad u. Het Lovensch Nieuws das Wochenblatt Den Belg; zu Aelst außer dem Aenkondigingsblad die Sonntagsblätter Het Verbond van Aelst, Den Aelstenaer u. De Denderbode; zu Oudenaerde De Gazette van Oudenaerde u. Het Zondagblad van Oudenaerde; zu Dendermonde die Sonntagsblätter De Onpartydige u. Gazet van Dendermonde; zu Diest De Demerbode u. De Weergalm van Diest; zu Dixmuyden Het Boterkuipje, Ankündigungs- u. Unterhaltungsblatt; De Boterkooper van Dixmude für Annoncen u. dgl., u. Weekblad van Dixmude; zu Eecloo das Sonntagsblatt De Eecloonaer; zu Geeraerdsbergen die Sonntagsblätter Gazette van Geeraerdsbergen u. De Geeraerdsbergenaer; zu Gheel De Pachter; zu Lier ein Advertentieblad; zu Mecheln De Dylbode u. Algemeen Aenkondiginsblad; zu Lokeren die Gazette van Lokeren; zu Nieupoort De Bode der Stad en Haven van Nieupoort; zu Rousselaere De Landbouwer; zu Sint-Nicolaes Gazette van't Landvan Waes; zu Sint-Truiden Eendragt der provincie Limburg; zu Thielt De Thieltenaer; zu Thienen Thiens Nieuwsen Aenkondigingsblad; zu Thourhout das Thourhoutsche Blad; zu Tongern De Limburger; zu Turnhout De Kempenaer u. das Algemeen Nieuwsblad; zu Veurne die Gaz. van Veurne, Veurnambacht (landwirthschaftlich) u. das Advertentieblad der Stad Veurne; zu Waeregem Gaz. van Waereghem. Vgl. Warzée, Essai hist. et critique des journaux belges, Gent 1844 f.

In Belgien erscheint eine Reihe historisch-literarischer Zeitschriften wissenschaftlicher Gattung; dahin gehören, außer den Fachschriften, bes. die historisch-literarischen Messager des sciences historiques, des arts et de la bibliographie de Belgique, herausgegeben von St.-Genois, Serrure u. A. zu Gent; Journal hist. et liter. de Liège (seit 1834), Bibliothèque hist., philos. et littér. (Lütt. 1845 f.), Bulletin der Commission historique zu Brüssel, Annales de la Société archéologique de Namur, Annales de l' Academie d'archéologie zu Antwerpen, Annales de la Société d'émulation pour l'étude d'hist. et d'antiq. de Flandre. Von den vlämischen Zeitschriften sind zu nennen Blommaerts Nederduitsche Letteröfeningen (Gent 1834), Snellaert's Kunst-en Letterblad (Gent 1840–43), Willems' Belgisch Museum (Gent 1836–46), Bydragen voor letteren, kunsten et wetenschappen (Gent 1836–39); De Broederhand, herausgegeben von Wolf u. Vleeschauwer (1847); De Middelaer (1840–42); Nederduitsch Magazijn (Brüssel 1835–37), De Noordstar 1842–1843); De vlaemsche Stem (Brüssel 1846); Den Volksfriend (Brügge); De vlaemsche Rederijker, herausgegeben von Kerkehoven (Antw. 1844–1851); Wodana, herausgegeben von Wolf (Gent 1843–51).

G) In Holland (Königreich der Niederlande) gewährt zwar gegenwärtig die Constitution der Presse eine nur durch die gewöhnlichen Strafgesetze beschränkte Freiheit, allein dieselbe wird für die Tagesliteratur durch das Stempelgesetz vom 3. Oct. 1843 fast illusorisch gemacht. Dasselbe hat die in- u. ausländischen Zeitungen nicht blos einer, nach der Größe des Formats berechneten so hohen Stempelgebühr unterworfen, daß dieselbe bei inländischen Blättern oft über 50, bei einzelnen ausländischen bei 80, ja über 100 Procent des Abonnementpreises beträgt; sondern der Fiscus erhebt auch noch von jeder Anzeige einen festen Betrag von 35 Cents. Diese Beschränkungen sind um so drückender, da in Holland viel Zeitungen gelesen werden u. die Anzeigen in den Tagesblättern sehr zahlreich sind. Die Regierung selbst hat die Hand zur Beseitigung dieser, der intellectuellen Entwickelung u. dem Verkehr der Nation hinderlichen Beschränkungen geboten, indem sie den Generalstaaten 1865 eine Vorlage zur Abschaffung des Zeitungsstempels hat zugehen lassen, welche bereits in der Zweiten Kammer eine günstige Aufnahme gefunden[921] hat. Die holländischen Zeitungen waren von jeher von Bedeutung, weil Holland wegen seiner Lage bes. die überseeischen Neuigkeiten aus erster Hand geben konnte, u. weil die republikanische Verfassung der Presse Spielraum verstattete. In älteren Zeiten nahmen die holländischen Zeitungen theils für die oranische Partei, theils für die Patrioten Theil, indessen hing der größere Theil an erster. Früher erschienen in den Niederlanden alle Zeitungen in Holländischer Sprache u. wurden ziemlich allgemein Couranten genannt; fast in jeder bedeutenden Stadt (Amsterdam, Arnheim, Breda, Haag, Haarlem, Herzogenbusch, Leuwarden, Middelburg, Nymwegen, Rotterdam [zwei], Utrecht, Zwoll etc.) erscheint noch jetzt ein Courant u. führt meist den Namen der Stadt; sie geben jedoch meist nur 2–3 Stücke die Woche u. sind nicht von politischem Interesse, sondern enthalten mehr Intelligenz- u. Handelsnachrichten, welche in solcher Masse gegeben werden, daß zuweilen selbst die Ränder in die Quere damit bedruckt werden. Erst später kamen in Holland auch Blätter in Französischer Sprache auf, welche bes. in Leyden u. Haag erschienen. Am meisten bekannt ist jetzt das Amsterdamer Algemeen Handelsblad, welches auch tüchtige politische Artikel bringt. Das amtliche Blatt der Regierung im Haag ist der Staats-Courant. Das französisch geschriebene Journal de la Haye dient gleichfalls als ein Organ der Regierung. Die Opposition hatte auch dort stets unermüdlich gekämpft, u. zur Zeit des Ministeriums Thorbecke war ein reges Leben in der Presse. Früher galt die Gazette de Leyde, ein Eigenthum der Familie Luzac, für das beste Blatt, mit der Zeit aber ist es von anderen verdrängt worden, die jetzt eine bedeutendere Stelle einnehmen. In den Funfziger Jahren erschienen folgende bedeutendere u. mercantile Blätter in den Niederlanden: zu Amsterdam das erwähnte Algemeen Handelsblad mit Extrablad, Amsterdamsche Courant, Koophandel and Zeewart Tijdingen; Tijd, geillustreerde Courant; Tijd, Nieuwe Nordhollan dsch Courant u. Zee-Post; im Haag der Allgemeene Haagsche Courant sechsmal, das Dagblad van Gravenhage dreimal wöchentlich, das Staatsblad, der Staatscourant mit Beiblatt sechsmal, der Volksbode einmal; De Grondwel sechsmal; ebenso in Französischer Sprache Le Publiciste u. L'Echo universel u. der satirische Asmodée einmal die Woche; zu Arnheim der Arnhemsche Courant; zu Leyden der Leydsche Courant; zu Utrecht der Utrechtsche Provinzialen Stads-Courant u. der Nederlander; zu Breda der Bredaer Courant; zu Herzogenbusch der Nordbrabander Cour., zu Zwoll das Dagblad van Oberyssel; ferner der Haarlemsche Courant; der Kamper Cour., der Leeuwarder Cour., der Nieuwe Rotterdamsche Cour. u. der Rotterdamsche Cour., der Schiedamer Cour der Thielsche Niewsbode u. das Thielsche Weekblad etc.

In Holland gab es viele u. treffliche Zeitschriften, allein meist waren Ausländer ihre Herausgeber, bes. Franzosen, welche, obschon in Paris od. Frankreich lebend, doch wegen der Verfolgungen, welche sie dort zu leiden hatten, ihre Zeitschriften zu Amsterdam od. Haag herausgaben, wie denn letzteres oft zum Deckmantel für in Frankreich, ja oft in Paris gedruckte Schriften dienen mußte. Unter diesen Journalen zeichneten sich vor anderen durch vollständige u. geordnete Auszüge, scharfsinnige Kritik, anziehenden Styl aus: Bayles Nouvelles de la république des lettres, seit 1684, welche 1687 von Anderen fortgesetzt wurden; Basnages Histoire des ouvrages des savans, 1687–1709; Leclerc's Bibliothèque universelle, 1686–93, 23 Thle.; Bibliothèque choisie, 1703–1713, 27 Thle.; Bibliothèque ancienne et moderne, 1714–27, 28 Thle.; daneben das Journal littéraire von 1713–37, die Bibliothèque raisonnée von 1728–51, die Bibliothèque nouvelle von 1738–44; Lenfants, Beausoires u. A. Bibliothèque germanique, Amsterd. 1720–41; Nouvelle bibliothèque ou Histoire litt. d'Allemagne, ebd. 1746–59. Von inländischen Zeitschriften hält der seit 1692 begonnene Boekzaal van Europe (der unter mehren Titeln bis auf die neueste Zeit dauerte u. jetzt Boekzaal der Geleerde Wereld heißt) streng an dem kirchlichen Lehrbegriff; am meisten in Holland geschätzt war sonst der seit 1788 in Haarlem wöchentlich erscheinende Algemeene Konst- en Letterbode, (später ein nur mittelmäßiges Blatt), auch die Vaterlandsche Bibliothek seit 1790, der Recensent u.a. genießen allgemeine Achtung. Die 1710 begonnene Republijk der Geleerden wurde 1748 geschlossen. Wittenbachs treffliche Bibliotheca critica war eine philologische Zeitschrift, aber währte nicht lange (1777–1808). Den jetzigen kritischen Zeitschriften Hollands mangelt Selbständigkeit, Tüchtiges jedoch leistet die von Fr. Müller in Amsterdam 1844 gegründete gelehrte Zeitschrift De Referent. Die neuen literarischen Erscheinungen bringen: Lijst van nieuw uitgekomen Boeken, monatlich in Amsterdam, u. Nieuws Blad voor den Boekhandel, wöchentlich im Haag. In die Politik streiften hinüber der ältere Hollandsche Mercurius, Haarlem 1650–90, 41 Thle. in 9–10 Bdn., die Fortsetzung: De Europische Mercurius, erschien Amsterd. 1690–94, 66 Bde. Die zahlreichen der Literatur, Kunst u. Wissenschaft gewidmeten Zeitschriften erscheinen nicht nur in der Hauptstadt des Landes, sondern auch in verschiedenen Städten der Provinz; unter ihnen sind, außer den noch von früher bestehenden, in neuester Zeit zu bemerken das im Haag sechs Mal wöchentlich erscheinende Grondwet u. De Vaterlandsche Letteröfeningen. Eine gehaltreiche Zeitschrift ist auch De vrie Fries zu Gröningen (1842 f.).

H) Deutschland zeigt die älteste Spur von Zeitungsliteratur. Im Anfange beschränkte sich dieselbe mehr auf eine Art brieflicher Mittheilungen, einen schriftlichen Gedankenaustausch; es folgten, als sich der Verkehr mehr hob u. die Ereignisse größere Dimensionen annahmen, fliegende Blätter u. Druckschriften von kleinerem Umfang; dieselben waren meist mit Vignetten u. anderen Verzierungen versehen u. trugen meist den Titel Die Newe Zeitung gern an der Spitze. So findet man schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts derartige Zeitungsberichte, doch läßt sich das erste regelmäßige Zeitungsexemplar blos bis auf die Zeit von 1457–60 zurückführen. Diese Flugblätter-Literatur fand namentlich ihre Nahrung durch die Entdeckung Amerikas, die Türken- u. andere Kriege, später den Dreißigjährigen Krieg, sowie durch die sich in Frankreich überstürzenden Begebenheiten, die Zustände in Italien, die[922] Kriege in Spanien u. England, die Hinrichtung der Königin Maria Stuart, den Aufstand der Niederlande, die Züge Karls XII. u. dgl. Eine eigene Art Zeitungsliteratur bildete sich für die Naturbegebenheiten u. für den in vollem Gange befindlichen Aberglauben. Das Publicum, überhaupt stets geneigt dem Übernatürlichen u. Übersinnlichen seine Aufmerksamkeit zu schenken, war bes. in damaliger Zeit für die Mittheilungen aller Arten von Hexenprocessen u. Spukgeschichten empfänglich u. das, was man jetzt Reclamen, empfehlende Anzeigen, nennt, fand schon damals unter allerlei Vorwänden von Wunderkuren u. Goldmacherei, astrologischer u. cabalistischer Spielereien seine Stelle. Die Almanache u. Kalender, welcher seit dem Ende des 15. Jahrh. mit dem Eintritt des Jahres erschienen, brachten auch politische Mittheilungen u. damit eine gewisse Periodicität in die Zeitungsliteratur. Eine neue Concurrenz erzeugten die sogenannten Postreiter-Zeitungen, welche meist in Knittelversen die Begebenheiten des letztvergangenen Jahres mit Einschluß des bisher in den Localberichten niedergelegten Stoffes enthielten; der älteste bekannte Postreiter datirt aus dem Jahre 1500, er erschien in Quartformat u. ohne Angabe des Druckorts. Damals dienten diese Blätter zum Tummelplatz theologischer Streitigkeiten u. arteten in satirisch-politische Pamphlete aus. Um dieselbe Zeit entstanden auch die ersten eigentlichen periodischen Berichte dieser Art, indem der entlassene Geistliche Konrad Lautersbach (starb 1597 in Frankfurt) mit dem Buchhändler Paul Brachfeld zu Frankfurt (Pseudonym Jacobus Francus) im Jahre 1590 die Redaction des Semestralis begann, welche nach seinem Tode Sebastian Brünner u. seit 1599 Theodor Maurer fortsetzten u. halbjährlich zuerst lateinisch u. deutsch von einer Messe zur andern herausgaben. Schon vorher hatte ein periodisches Sammelwerk begonnen, welches jedoch weniger Zeitung als eine selbständige Verarbeitung von Zeitungsnachrichten war. Neben diesen periodischen Werken, welche insgesammt in Frankfurt a. M. erschienen, entstand dort die erste wirkliche deutsche Zeitung in modernem Sinne. Der Buchhändler Egenolf Emmel begann nämlich im Jahre 1615 auf eigene Kosten die Herausgabe einer Wochenzeitung, des noch heute bestehenden Frankfurter Journals, u. dieses kann demnach mit Recht als die erste deutsche Zeitung angesehen werden. Die Concurrenz bemächtigte sich nun sehr bald dieses Gebietes, u. der damalige Reichspostverwalter Johann v. d. Birghden gründete ein Jahr später die Frankfurter Post-Zeitung, früher Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung genannt, welche den Postreiter noch heut als Vignette an ihrer Spitze hat. Nicht regelmäßig, doch in numerirten Blättern, erschien seit 1612 das Aviso, Relatio od. Zeitung, was sich begab od. zugetragen hat in Deutsch- u. Welschland, Spanien u. Frankreich, in Ost- u. Westindien etc. Nächst Frankfurt scheint Fulda seine erste Zeitung mit dem Postreiter erhalten zu haben; 1619 hatte Hildesheim u. 1630 Herford eine Zeitung unter dem Titel Relatio. Seitdem erschienen nun auch in vielen Städten regelmäßige politische Zeitschriften; doch bemächtigten sich die Landesfürsten bald der Zeitungsliteratur, indem sie das Erscheinen derselben von Privilegien abhängig machten. Dieser ersten Beengung der Zeitungspresse, welche noch dazu als ein Vorrecht gelten sollte, folgte die zweite durch die Censur des Staates. Im 17. Jahrh. finden sich aber nichtsdestoweniger schon Zeitungen in Nürnberg, Köln, Augsburg, Regensburg, Hanau, Hamburg, Bremen, Gotha, Coburg, Altenburg, Erfurt, Wittenberg, Schnepfenthal, Eisenberg, Camburg, Kahla, Leipzig, Halle, Magdeburg, Stettin, Königsberg, Cleve, Wesel etc. Im 18. Jahrh. nahm das Zeitungswesen einen größeren Aufschwung, schon in der ersten Hälfte desselben gab es angesehene Zeitungen in Berlin, u. eine Zeitung, welche lange Zeit namentlich in Norddeutschland die erste u. angesehenste Stelle eingenommen hatte, der jetzige Hamburger Correspondent, datirt aus dem Jahre 1714; derselbe war eigentlich schon 1712 als Holsteinische Zeitungs-Correspondenz begonnen u. bildete die Grundlage der 1731 angefangenen Staats- u. gelehrten Zeitung, des Unparteiischen Correspondenten, welcher aber damals nicht Hamburger, sondern Holsteinscher Correspondent genannt wurde. Gefeierte Dichter u. Denker arbeiteten mit regem Eifer an den Zeitungen, so Christian Schubart u. Gotthold Ephraim Lessing. Friedrich der Große sprach gleich bei seiner Thronbesteigung im Juli 1740 zuerst in Deutschland das bedeutsame Wort aus: Gazetten dürfen, wenn sie interessant sein sollen, nicht genirt werden. Dieser Grundsatz gab einem Berliner Zeitungsunternehmen, der noch heute bestehenden Haude u. Spenerschen Zeitung, ihr Entstehen, u. wenn der König sich auch später veranlaßt sah die Freiheit allerdings wieder zu entziehen, also die Censur wieder üben zu lassen, so waltete diese doch in einem verhältnißmäßig sehr milden Maße u. nur die Kriegsnachrichten wurden einer schärferen Controle unterworfen Gleiche Ansicht mit Friedrich II. hatte auch Kaiser Joseph II., u. der Einfluß dieser beiden Monarchen hat für die Zeitungspresse viel Gutes geschaffen, wenngleich es ihnen nicht gelang bei dem Bestehen vieler selbständiger Staaten in Deutschland Ersprießliches für die Censurverhältnisse zu erwirken. Allmälig verkümmerte das Zeitungswesen in Deutschland, u. nur wenige bevorzugte Blätter, welche sich eine gewisse Selbständigkeit bewahrten, fanden Verbreitung, so namentlich der Hamburger Correspondent durch pikante Mittheilungen, vorzüglich in den diplomatischen Kreisen, durch überseeische Nachrichten etc. Das preußische Censurgesetz von 1788 u. die nun folgende Französische Revolution gaben der Zeitungspresse einen neuen Stoß, welcher so fühlbar wirkte, daß selbst für offenkundige Nachrichten die größte Discretion beobachtet werden mußte; z.B. durfte der Tod eines Fürsten, so lange es irgend anging, nicht veröffentlicht werden, Berichte über Staatshandlungen, selbst der unschädlichsten Art, waren verpönt. Was indessen nicht in die Zeitungspresse kommen konnte, flüchtete sich in die Flugschriftenliteratur, u. Schriften, wie die Schwarzen Bücher u. Feuerbrände, deckten Schäden u. Mängel aller Art auf. Freilich wurde die Censur nun auch um so strenger. Als Napoleon in Deutschland gebot, gebrauchte er die Presse der Rheinbundsstaaten u. der eroberten Länder ganz zu seinen Zwecken; die französischen Gouverneure u. Aufseher der Zeitungen schickten denselben zu, was ihnen beliebte, u. die Länder mußten oft grobe Schmähungen auf ihre bisherigen Landesfürsten od. Kriegsobersten lesen. Die Censur blieb auch nach dem Ende der Fremdherrschaft in Deutschland, u. die Karlsbader Beschlüsse, 1819, machten der Preßfreiheit vollends[923] ein Ende. Die Zeitungen waren, der großen Mehrzahl nach, wieder auf das Genre trockner Anzeigen- u. Intelligenzblätter herabgedrückt. Bes. wurde die Censur in Österreich unter Metternich u. in Preußen unter dem Fürsten Wittgenstein streng geübt, mit scharfen Maßregeln u. strengen Strafen auch gegen die Zeitungspresse vorgeschritten. Die Bewegung, welche der Julirevolution, 1830, in Belgien, Polen u. auch in Deutschland folgte, hatte nur einen vorübergehenden Einfluß auf die Erleichterung der Presse, nur einzelne Regierungen, wie Baden u. Königreich Sachsen, gönnten dort der Zeitungspresse einen freieren Spielraum u. bestellten vorzugsweise intelligente Männer zu Zeitungscensoren. Unter Friedrich Wilhelm IV. von Preußen wurde durch die Circularverfügung vom 24. Dec. 1841 der Presse eine freiere Bewegung verstattet u. das Beispiel, welches von Preußen gegeben war, blieb nicht ohne Folgen im übrigen Deutschland. In Preußen selbst erhoben sich viele Zeitungen u. eine der ersten, welche von der neugewährten Freiheit Gebrauch machte, war die Königsberger Hartung'sche Zeitung. Auch in Berlin, in Köln u. anderen Städten erw. achte ein neues Leben; im Süden Deutschlands schafften sich schon radicalere Bestrebungen in der Zeitungspresse Raum. Die Mannheimer Abendzeitung war damals ein viel u. gern gelesenes Blatt, u. die Sächsischen Vaterlandsblätter hatten sich außerhalb Sachsens einen großen Leserkreis erworben. Indeß eine freiere Regung u. Sprache, als die damaligen Regierungen sie ertragen konnten, hatten bald erneuete Beschränkungen im Gefolge u. durch die Cabinetsordre vom 4. Febr. 1843 wurde in Preußen dem Minister des Innern, welcher auch Chef des gesammten Polizeiwesens war, die Befugniß eingeräumt neue Zeitungen u. Zeitschriften zu concessioniren u. die Redacteure inländischer privilegirter Zeitungen zu bestätigen, er durfte ferner die Abonnements- u. Eingangserlaubniß für politische, in Deutscher od. fremder Sprache außerhalb der Deutschen Bundesstaaten, sowie in Polnischer Sprache außerhalb des Preußischen Staates erscheinenden Zeitungen ertheilen u. entziehen; auch stand ihm nach Einholung der königlichen Genehmigung der Erlaß von Eingangs- u. Debitsverboten gegen diejenigen politischen Zeitungen zu, welche außerhalb des Preußischen Königreichs, aber innerhalb der Deutschen Bundesstaaten erschienen. Unabhängig von der Censurverwaltung wurde ein Ober Censurgericht eingesetzt, welches unter der Oberaussicht des Justizministers stand. Diese Bestimmungen für das Zeitungswesen blieben bis zur Bewegung von 1848 in Geltung.

a) In Österreich, wo bis 1848 die Censur in ihrer größten Ausdehnung u. ganzen Strenge galt, bildeten den Hauptinhalt der Zeitungsblätter die Theaterkritiken u. gleichgültige politische Gegenstände. Der Österreichische Beobachter, seit 1809 war das einzige Organ, welches im Auftrage der Staatskanzlei hier u. da politische Mittheilungen brachte u. auch gute auswärtige Nachrichten hatte, während nach Außen hin sich das österreichische Cabinet gern für seine Mittheilungen der Augsburger Allgemeinen Zeitung bediente. Die Amtliche Wiener Zeitung, seit 1700, war eben nur ein amtliches Blatt, u. was sonst noch daneben erschien, ohne Bedeutung u. im Auslande wenig gekannt. Als die Preßfreiheit im März 1848 erschienen war, konnte sich die Zeitungspresse nicht schnell von ihrem Falle erheben, u. die Folge war, daß die Flugblätterliteratur größere Theilnahme erweckte u. auch in reichem Maße gewann. Eines der verbreitetsten u. einflußreichsten Blätter war damals die Constitution, von Häfner begründet u. redigirt, dann von Gritzner u. Hauck; das Blatt nahm mit October 1848 sein Ende; ebenso konnte sich das Panier des Fortschritts von Wildner u. Purian nicht behaupten. Ebenfalls noch im März wurde von Mahler, unter Mitwirkung Isidor Heller's u. Tuvora's, Der Freimüthige nebst einer Beilage, Die Bauernzeitung, gegründet, ein eifriges Oppositionsblatt, welches auch auf dem Lande Verbreitung fand, Den Jesuitismus der revolutionären Epoche in Österreich repräsentirte die ebenfalls noch im März begonnene Constitutionelle Donau-Zeitung des Regierungsraths Hock, welcher nach dem 26. Mai unter dem Titel Constitutionelle Wiener Zeitung eine liberale Richtung gegeben wurde, wogegen Hock mit Veith eine Kirchenzeitung begründete, welcher bald auch die Kirchenzeitung von Sebastian Brunner u. Gärtner folgte. Der Österreichische Beobachter wurde am 1. April 1848 durch Schwarzer in die liberale Allgemeine österreichische Zeitung verwandelt, u. als Schwarzer Minister geworden war, wurde das Blatt unter seinem Einfluß von Otto Hübner redigirt. Der Jude Herm. Jellinek (s.d. 2) begann mit dem Sprechsaal für österreichische Politik eine radicale periodische Schrift. Während des Aprils 1848 hatte sich die Zahl der Wochenschriften, Flugblätter u. Zeitungen auffallend vermehrt, viele unter ihnen hatten die sonderbarsten Titel, doch führten sie alle nur ein ephemeres Dasein. Nach den Ereignissen, welche die Flucht des Kaisers, im Mai 1848, zur Folge hatten, vermehrte sich die Zahl der Zeitschriften bedeutend. Die Revolution hatte sich in die Blätter zurückgezogen; am meisten Einfluß übte bis October hin S. Engländer's Reform, welche der Vertretung socialer Fragen gewidmet war, sowie dessen Wiener Charivari, ein Caricaturblatt. I. Becher gründete den Radicalen, an welchem Jellinek Antheil hatte. Die Verhandlungen des Reichstags brachte Löwe's Reichstagsblatt. W. Ehrlich gründete eine Nationalzeitung. Entschieden republikanisch war der Studentencourier, herausgegeben von den Studenten Buchheim u. Falke. Ferner traten eine Studentenzeitung u. eine Universitätszeitung hervor; großes Glück machte Friedmann mit seinem Volksblatt Geradeaus. Mit der Verhängung des Belagerungszustandes u. dem Eintreten der Reaction hatte die Bewegung der Presse ein Ende, u. zu Anfang des Jahres 1850 waren von den vielen Zeitungen nur wenige übrig geblieben. Die scharfe Preßordnung hatte enge Schranken gezogen. In neuester Zeit hat sich die Zeitungspresse wieder gehoben; die wichtigeren Zeitungen, welche in den österreichischen Kronländern erscheinen, sind: zunächst die Wiener Zeitungen: die Amtliche Wiener Zeitung, welche seit dem Jahre 1700 erscheint u. gegenwärtig Leopold Schweizer zum Redacteur hat; neuerdings hat diese Zeitung auch ein eigenes Abendblatt unter dem Titel Wiener Abendpost erscheinen lassen, allwöchentlich gibt sie ein Beiblatt für Kunst u. Literatur. Die verbreitetste Wiener Zeitung ist die Presse, deren Eigenthümer August Zang, deren Redacteur Mitter ist; ihren Aufschwung verdankt[924] sie jedoch den Mitarbeitern Etienne u. Friedländer, welche Letztere seit Kurzem die Neue freie Presse herausgeben, ein Blatt, welches dem älteren Unternehmen in jeder Beziehung Concurrenz gemacht hat. Die Presse, welche auch ein belletristisches Beiblatt, den Feierabend, liefert, empfing häufig Mittheilungen aus dem auswärtigen Amte u. die Neue freie Presse ist gleichfalls gut unterrichtet. Jedenfalls ist die Letztere bemüht durch ein reichhaltiges Feuilleton, durch ausgiebige Mittheilungen u. eine regsame telegraphische Correspondenz sich interessant zu machen. Das Feuilleton der älteren Presse verdient übrigens auch Anerkennung u. hat namentlich in Deutschland u. im weiteren Auslande gute Mitarbeiter. Ferner der Botschafter, welcher gleichfalls öftere diplomatische Mittheilungen enthält u. als officiös gelten kann. Die die Stelle einer lithographirten Correspondenz einnehmende Generalcorrespondenz ist gleichfalls officiös. Die Debatte, das Fremdenblatt, welches namentlich gute Localmittheilungen bringt, die Gemeindezeitung, die Kirchenzeitung, welche durch ihr rücksichtsloses Auftreten sich viele Widersacher zugezogen hat; die Morgenpost, die Neue Zeit, die Österreichische constitutionelle Zeitung, die Ost deutsche Post, welche Kuranda begründete; die Reform, die Verfassung, das Vaterland, welches ursprünglich von dem Berliner Literaten Keipp begründet wurde u. für Wien das ist, was die Neue Preußische Zeitung für Berlin. Der Wanderer gehört noch zu den älteren Wiener Zeitungen; die Zukunft ist jüngeren Datums. Im Ganzen genommen ist die österreichische Presse jetzt ziemlich vorsichtig, muß auch, wenn sie inländische Gegenstände behandelt, viel Rücksicht nehmen, während sie bei Besprechung ausländischer Verhältnisse viel freier ist. Die österreichische Provinzialpresse ist allenthalben vertreten.

In Prag, wo das czechische Element sehr stark ist, haben sich die deutschen Zeitungen, wie in Böhmen überhaupt, nicht sehr verbreiten können. Die Prager Zeitung ist zunächst ein amtliches Blatt; die Bohemia, die Politik, der Tagesbote aus Böhmen sind auch weiter verbreitete Blätter u. geben ein ziemlich gutes Material. Das Prager Abendblatt ist gleichfalls zu nennen. Die größeren Provinzialstädte Böhmens, wie auch Mährens u. der übrigen deutschen Kronländer haben fast alle ihre Wochenblätter; in Budweis erscheint Der Anzeiger aus dem südlichen Böhmen. In Steiermark ist die Gratzer Zeitung am bedeutendsten; Unterhaltungsblatt ist die zu Gratz erscheinende Iris. In Mähren sind die Brünner Zeitung u. die Olmützer Neue Zeitung am verbreitetsten; von nichtpolitischen Blättern sind der Wochen-Courier zu Brünn, die Olmützer Eilpost zu Olmütz, das Sonntagsblatt zu Iglau, u. das Wochenblatt zu Znaym zu erwähnen. In Österreichisch-Schlesien bestehen die Troppauer Zeitung u. die nichtpolitischen Schlesischen Sonntagsblätter. Unter den deutschen Blättern Galiziens ist die Lemberger Zeitung am bedeutendsten. In Ungarn u. den Nebenländern ist die deutsche Presse durch die Presburger Zeitung zu Presburg, die Pesther Post, die Pesther Zeitung u. den Pesther Lloyd (seit 1854 von der Lloydgesellschaft zu Pesth begründet u. von K. Weißkircher redigirt), sämmtlich in Pesth herauskommend, u. die Temeswarer Zeitung vertreten. Dazu kommen an verbreiteteren nichtpolitischen Blättern der Bauernfreund in Presburg, die Unterhaltungsblätter u. der Temeswarer Anzeiger, der Arader Anzeiger etc. In Agram erscheint als amtliche Zeitung für Kroatien u. Slavonien die Agramer Zeitung; die Südslawische Zeitung ebendaselbst, hat Ende 1853 aufgehört. Letzteres gilt auch von dem nichtpolitischen Grenzboten, welcher zu Semlin erschien. Die wichtigste Zeitung Siebenbürgens ist der schon längere Zeit bestehende Siebenbürgische Bote mit dem belletristischen Beiblatt Transsylvania in Hermanstadt; nächst diesem die Kronstädter Zeitung mit dem Beiblatt Der Satellit. In Tyrol ist die Presse theils deutsch, theils italienisch. In Innsbruck erschienen 1854 an politischen Zeitungen Der Bote von Tyrol, Die Schützenzeitung, Das Tyroler Volksblatt u. die Katholischen Blätter aus Tyrol; in Bregenz u. in Botzen kamen nichtpolitische Wochenblätter heraus.

Die czechische Literatur hat bereits einen gewissen Umfang gewonnen. So erscheinen in Prag der Hlas, ferner der Narod u. Narodni Listy (die National-Zeitung), ferner der Posell z Prahy u. Swobodo. Brünn hat bereits drei solcher böhmischer Zeitungen. In Polnischer Sprache erscheinen innerhalb des österreichischen Kaiserstaats eine Zeitschrift in Wien (Duch-czasu), ferner in Krakau (der Czas), eine auch in weiteren Kreisen bekannte Zeitung; alle vierzehn Tage erscheint dort auch eine Zeitschrift. Lemberg hat vier polnische Zeitungen, darunter die Gazetta Narodowa; Teschen eine, welche jedoch nur einmal wöchentlich erscheint. Eine serbische Zeitung erscheint in Neusatz zweimal in der Woche, zwei kroatische in Agram täglich, eine illyrische in Zara zweimal wöchentlich; slowenische erscheinen gegenwärtig nicht, dagegen eine ruthenische in Lemberg u. eine in Wien. In Italienischer Sprache erscheint in Wien zweimal wöchentlich der Tavorit; sonst erscheinen vier italienische Zeitschriften in Triest, darunter der verbreitete Osservatore Triestino u. Il Tempo. Trient hat zwei italienische Zeitungen, Gazetta del Tirolo italiano u. L'Ape, Mantua deren drei, Verona eine, Venedig eine, Roveredo, Udine gleichfalls eine Zeitung, Zara deren zwei. Ungarische Zeitungen sind in Pesth allein acht, worunter der Pesti Naplo u. der Pesti Hernöck am bekanntesten sind; Ofen hat den Sürgöny; Szegedin, Clausenburg, Raab, Gran, Erlau u. Arad haben gleichfalls ihre magyarischen Zeitungen. In Romanischer Sprache erscheinen Zeitschriften in Pesth, Kronstadt u. Hermannstadt; griechische kommen zwei in Triest heraus, beide einmal wöchentlich, Der Tag (Ήμέρα) u. Κλειώ; eine slowakische Zeitschrift erscheint in Ofen, drei hebräische in Lemberg, worunter Hamwasser die bekanntere ist.

Nichtstrengpolitische Zeitungen, welche in Wien in Deutscher Sprache erscheinen, sind die. Austria, eine Wochenschrift für Volkswirthschaft u. Statistik, der Wiener Bahnhof, eine Zeitung für Handelsinteressen, Kunst u. geselliges Leben; Blätter für Theater, Musik u. Kunst; Breier's Roman- u. Zeitungscabinet, Centralorgan für die Bibliographie des Kaiserthums Österreich, Central-Sammlungsblatt für Bau u. Bauwerke; Demokrit; Evangelischer Sonntagsbote; Figaro; Gerichtshalle u. Gerichtszeitung; Jagdzeitung; Illustrirte Eisenbahnzeitung; Illustrirtes Haus- u. Familienbuch; Illustrirte Jugendzeitung; Illustrirte Novellenzeitung;[925] der Industrielle u. der Jockey; der Kamerad, eine Militärzeitung, welche zweimal in der Woche gleich der Wiener Militärzeitung erscheint; der Land- u. Forstwirth ist ein gutes Fachblatt. Die Allgemeine Wiener medicinische Zeitschrift u. die Medicinische Wochenschrift; die Mittheilungen des Niederösterreichischen Gewerbevereins, welche in Monatsheften erscheinen, haben einen guten Ruf. Die Neue Wiener Theaterzeitung, die Recensionen über bildende Kunst; die Revue in Krieg u. Frieden u. die Romanzeitung von Scheibe. Dem Sport u. Turf dient die Saison als erste österreichische Zeitung für Pferdeliebhaber u. Jagd; der Sport gehört gleichfalls hierher. Die Allgemeine österreichische Schulzeitung; die Unterrichtszeitung für Österreich, welche alle zehn Tage erscheint; die Volksschule u. der Volksspiegel sind pädagogische Zeitschriften. Auch der Mode, dem Theater, der Belletristik überhaupt, desgleichen den Börsennachrichten, der Stenographie, den verschiedenen gewerblichen Interessen sind Zeitschriften gewidmet. Die nicht politische Literatur ist auch in den Slawischen Sprachen ansehnlich vertreten. So erscheinen in Böhmischer Sprache allein 26 Zeitschriften, in Polnischer 8, in Serbischer 5, in Slowenischer 6, in Kroatischer 9, in Slowakischer 9. Die italienische Zeitungsliteratur ist reicher u. es mögen hier gegen 40 Zeitschriften herauskommen; in Ungarischer Sprache über 50, in Ruthenischer 3, in Hebräischer 4, in Romanischer 3. Auch die illustrirte Zeitungsliteratur, welche jetzt allenthalben eine große Rolle spielt, ist vertreten.

b) In Preußen war, wie schon oben S. 922 f. erwähnt, das Verhältniß der Presse ein sehr wechselvolles, jedoch überwog die Beschränkung derselben u. die Censur machte sich im Verlauf der Zeiten fühlbar. Auch das Preßgesetz vom 12. Mai 1851, welches Concessionseinholung u. Cautionserlegung für das Erscheinen einer Zeitung u. Postdebitentziehung für mißliebige Zeitungen vorschrieb, traf die Zeitungspresse u. das bald darauf erschienene Zeitungsstempelsteuergesetz, welches die Zeitungen nach ihrem Maße besteuerte, erschwerte ihre Verbreitung. Bis 1848 bestanden in Berlin drei große Zeitungen. Die älteste derselben ist die sogenannte Vossische, eigentlich Königlich privilegirte Berlinische Zeitung; sie wurde im Jahre 1722 durch ein Privilegium Friedrich Wilhelms I. ins Leben gerufen u. trug, wie noch jetzt, als Vignette das größere preußische Wappen. Sie hat ihren Namen durch die Vossischen Erben erlangt, welche ihre Besitzer waren; sie ist von den größeren Zeitungen in Berlin die verbreitetste; gegenwärtig figurirt Eugen E. Müller als ihr Namensrédacteur, der eigentliche Chefredacteur ist Otto Lindner. Die Theaterkritik ist in den Händen des Professors Gubitz. Die zweite der Berlinischen Zeitungen ist die Haude u. Spenersche Zeitung, deren eigentlicher Name Berlinische Nachrichten von Staats- u. gelehrten Sachen ist; der Buchhändler Haude erhielt die Erlaubniß für diese Zeitung von Friedrich II. gleich nach dessen Thronbesteigung, u. bereits am 30. Juni 1740 erschien die erste Nummer. Anfangs gab der König selbst, namentlich aus dem Schlesischen Kriege, der Zeitung Mittheilungen, u. sein Cabinetsminister, Graf Hertzberg, hatte der Zeitung stets seine Gunst bewahrt. Karl Spener (s.d. 3), welcher in den siebenziger Jahren sich bereits eingehend mit der Zeitung beschäftigte, strebte bes. dahin, deren Spalten der wissenschaftlichen u. Kunstrichtung zu öffnen, da die Politik doch nur eine untergeordnete Rolle spielen durfte. Im Jahre 1826 verkaufte Spener die Zeitungsconcession an S. H. Spiker, welcher am 1. Jan. 1827 die Redaction antrat. Der Umstand, daß diese Zeitung in der Polnischen Revolution 1831 Partei für Rußland u. 1833 im Kampf der Christinos u. Karlisten in Spanien Partei für Letztere nahm, entzog ihr nach u. nach viele ihre Leser, als sie aber mit dem Jahre 1840 ein großes Format annahm, gewann sie die Theilnahme des Publicums von Neuem u. war, als die Zeit der freieren Bewegung zu Anfang des Jahres 1842 eintrat, ein gern gelesenes Blatt. Nach dem Tode Spikers im Mai 1858 trat Alexis Schmidt als Chefredacteur an die Spitze des Blattes, welches heut noch im Besitze der Spikerschen Erben ist. Die Allgemeine Preußische Staatszeitung, 1819 gegründet u. von Stägemann redigirt, diente als Organ des Ministeriums, erhielt John (den nachmaligen Censor) u. Hofrath Cottel zu Redacteuren u. hatte sich, durch wesentliche Begünstigungen, namentlich während des Russisch. Türkischen Krieges der Jahre 1828–29, zumal sie Abends erschien u. schnell mit den Posten versandt wurde, einen sehr bedeutenden Leserkreis gewonnen, welcher zur Zeit der Julirevolution (1830) noch zunahm. Die Mittheilungen der Regierung u. aus den Bureaux der Behörden erfolgten nur durch diese Zeitung, desgleichen brachte sie alle amtlichen Nachrichten zuerst. Im Jahre 1843 nahm sie den Titel Allgemeine Preußische Zeitung an, welchen sie später in den: Königlich Preußischer Staatsanzeiger verwandelte. Sie bringt jetzt hauptsächlich amtliche Nachrichten u. Bekanntmachungen. In neuerer Zeit hat sie die von dem Statistischen Bureau (Engel) herausgegebenen Mittheilungen als Beiblatt. Letzteres erscheint in unbestimmten Fristen. Die Berliner Zeitungshalle wurde 1846 von G. Julius gegründet mit Unterstützung des Staatsinstituts der Seehandlung, welches die nöthigen Gelder für die Zeitung hergab. Das Publicum gewöhnte sich nur schwer an das neue Blatt, u. weil es, als die Revolution von 1848 hereinbrach, eine ganz radicale Richtung einschlug, so stieß es die Besitzenden wieder ab. Die Zeitung hatte nur eine kurze Dauer u. verschwand sehr bald wieder. Als erste bleibende Frucht der Bewegung des Jahres 1848 ist die Nationalzeitung zu nennen, sie trat als Unternehmen einer Actiengesellschaft hervor, erschien Ende März 1848 u. hatte zuerst Rutenberg u. Zabel zu Redacteuren; der Erstere schied sehr bald aus, der Letztere führt die Redaction heute noch. Es ist das Blatt der liberalen Bourgeoisie, u. seitdem dasselbe auch Abends erscheint u. den Handelsnachrichten einen ausgedehnten Platz gewährt, in kaufmännischen Kreisen weit verbreitet. Die nächste größere Zeitung aus dem Jahre 1848 ist die Neue Preußische Zeitung od. die Kreuzzeitung (weil sie das eiserne Kreuz mit dem Motto: Mit Gott für König u. Vaterland an der Spitze hat). Das Blatt wurde am 1. Juli 1848 ausgesprochenermaßen als ein Blatt der Reaction gegründet u. fand bes. insofern Beachtung, als es die Stimmung in den damals herrschenden Kreisen, der feudalen u. Militärpartei wieder gab. Dabei nahm dasselbe in religiöser Beziehung den kirchlich orthodoxen Standpunkt ein[926] u. wußte sich auch außerhalb seiner Partei einen Leserkreis zu verschaffen. Der ungenannte Redacteur war früher der Assessor Wagener, nachher Beutner. Der Präsident von Gerlach lieferte die Rundschau. Dieselbe Richtung, wie die Kreuzzeitung, verfolgt die Berliner Revue, ein Wochenblatt, welches ebenfalls von Wagener gegründet wurde u. dessen jetziger Namensredacteur von Nörner ist, u. das Allgemeine Volksblatt, ein Tageblatt, Namensredacteur ist der Buchdrucker Hickethier. Ein anderes, schon vor 1848 vorhandenes, seitdem aber zu einer vollständigeren täglich erscheinenden Zeitung ausgedehntes Blatt ist der regierungsfreundliche Publizist. Derselbe ist seit seinem Bestehen im Besitze u. der Redaction Thiele's; früher u. namentlich seit 1846 diente es als Gerichtszeitung, dehnte sich aber allmälig aus u. wurde ein Tageblatt. Die Volkszeitung, früher als Urwähler u. Urwählerzeitung bekannt, war wegen seiner demokratischen Haltung Verfolgungen ausgesetzt u. konnte sich 1853 nur durch einen Wechsel des Verlages (früher Th. Heymann, dann Fr. Duncker) wie des Namens u. des Namensredacteurs einen Bestand sichern. Die Politik wurde in populärer Form u. Fassung vorgetragen; außerdem fehlte es nicht an belehrenden Aufsätzen, namentlich aus dem Gebiete der Naturwissenschaft. In neuerer Zeit soll der vormals große Leserkreis sich ansehnlich vermindert haben, wovon der Grund seine Haltung in der Arbeiterfrage mit sein soll. Ein den Strebungen der Volkszeitung verwandtes Organ ist die Berliner Reform, welche neuen Datums ist; Eduard Meyen redigirte dieselbe; sie ist das Organ der Linken der deutschen Fortschrittspartei u. hat jetzt Guido Weiß zum Redacteur. Von den täglich in Berlin erscheinenden Blättern ist ferner zu nennen die Berliner Börsenzeitung, welche, obwohl zunächst dem Interesse des Handels zugewandt, doch auch alle andern Interessen vertretend als politisches, u. zwar als ein Blatt der Fortschrittspartei gelten kann. Eigenthümer u. Redacteur ist Hermann Killisch. Die Bank- u. Handelszeitung, welche sich auf kurze politische Übersichten beschränkt; Redacteur ist Treuherz, der Verleger Theodor Heymann. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung, ein Organ des Bismarckschen Ministeriums; Redacteur ist August Braß. Seit Anfang 1865 besteht die Staatsbürgerzeitung, welche ebenfalls das Ministerium vertritt.

Zu den nicht täglich erscheinenden Zeitungen gehört zunächst die Gerichtszeitung, welche in ihrem ersten Theil sich mit Gerichtsverhandlungen, dann aber mit Stadtgeschichten u. einer politischen Rundschau beschäftigt; sie erscheint dreimal wöchentlich u. ist nicht zu verwechseln mit der Deutschen Gerichtszeitung, dem Organ des Juristentages, welche eine streng wissenschaftliche Richtung verfolgt u. von Hirsemenzel redigirt wird. Ein Concurrenzblatt der Berliner Gerichtszeitung sollte die gleichfalls dreimal wöchentlich erscheinende Tribüne sein, welche jedoch später, da sie durch Confiscationen u. Preßprocesse gelähmt wurde, in das Fach der sogenannten Witzblätter einschlug u. durch Illustrationen sich einen Leserkreis schaffte; das Blatt gibt außer den Mittheilungen u. öffentlichen Gerichtssitzungen auch politische Nachrichten. Einmal wöchentlich, des Montags, erscheinen: die Berliner Montagszeitung unter Redaction Ad. Glasbrenners, welcher die Politik mit dem Humor verbindet; ferner die Montagspost von E. Kossak, welche namentlich durch ihre Wochenschau bekannt ist.

Die Zahl der in Berlin erscheinenden Tages-, Wochen- u. Monatsblätter ist eine ansehnliche; hervorzuheben sind zunächst die Preußischen Jahrbücher im Verlage von Reimer unter der Redaction von Heim; sie sind ein Organ der altliberalen Partei. Bereits 1849 wurde unter Auspicien David Hansemanns im Wege der Actienzeichnungen die Constitutionelle Zeitung gegründet, welche Weil eine Zeit lang redigirte; sie schloß aber nach kaum zwei Jahren ihr Dasein. Als in Preußen das Ministerium Auerswald-Schwerin-Patow seinem Ende nahte, gründete die Partei, welcher diese Männer angehörten, mit dem 1. Januar 1862 in Berlin die Berliner Allgemeine Zeitung, redigirt von Julian Schmidt, aber auch ihm gelang es nicht die Zeitung zu erhalten, auch sie verschwand nach zweijähriger Dauer wieder vom Schauplatz. Den Preußischen Jahrbüchern, welche sich durch eine würdevolle Haltung u. tüchtige Aufsätze behaupten, entgegengesetzt sind die Jahrbücher für Gesellschaft u. Staatswissenschaften, welche als ein Succursale der Neuen Preußischen Zeitung zu betrachten sind u. von I. C. Glaser redigirt werden. In neuerer Zeit haben sich die von Jacobsen mit herausgegebenen Industrieblätter schon um deshalb Verdienste erworben, weil sie dem Reclamenunwesen in Wissenschaft u. Kunst entgegentreten u. außerdem mannigfache Belehrung gewähren. Neben den politischen Zeitungen u. Zeitschriften ist noch der Lithographirten Correspondenzen zu gedenken, welche als Privatmittheilungen für Zeitungen dienen. Außer den während der Kammersession erscheinenden Correspondenzen kommen für gewöhnlich die Zeidlersche u. die Sternsche Correspondenz fast alltäglich heraus; die erstere wird in dem Bureau der conservativen Partei angefertigt; die andere enthält verschiedene politische u. andere Nachrichten, hatte auch in früherer Zeit diplomatische Mittheilungen. Die Existenz dieser Blätter wurde vielfach angefochten, was in den preußischen Preßzuständen seinen Grund hatte, u. es ist bisher nur durch gerichtliche Entscheidung möglich geworden sie von der Erlegung von Caution zu befreien. Ein in u. außerhalb Europa verbreitetes Blatt ist der Kladderadatsch, eine Schöpfung des Jahres 1848; dies Witzblatt hat sich unter allen Fährlichkeiten zu erhalten u. stets zu verbreiten gewußt. Es kann füglich zu den politischen Blättern gerechnet werden, hat Ernst Dohm zum Redacteur, Rudolph Löwenstein u. David Kalisch zu Mitarbeitern, während Scholz die Zeichnungen liefert; Verleger ist Albert Hofmann. Alle Blätter, welche es versucht haben neben u. nach dem Kladderadatsch zu wirken, konnten ihr Dasein nicht fristen, so Die ewige Lampe, Der Kickeriki, Der Juchheirassah, Der kleine Reactionär, Sturmblatt Düppel etc. Mit besserem Erfolg hat sich in jüngster Zeit der von Hopf redigirte Helmerding Bahn gemacht; ursprünglich ein Theaterblatt, ist er allmälig in die Fußtapfen des Kladderadatsch getreten u. hat sich einen ansehnlichen Leserkreis erworben. Das in dem von Deckerschen Verlage täglich erscheinende Berliner Fremden- u. Anzeigenblatt gibt neben städtischen Ereignissen auch einzelne Hof- u. politische Nachrichten.

[927] Außer diesen Blättern erscheinen in Berlin eine Menge amtlicher, von den verschiedenen Ministerien herausgegebene Zeitschriften; in bestimmter Folge erscheint namentlich wöchentlich einmal das Justizministerialblatt; die von den anderen obersten Verwaltungsbehörden ausgehenden Zeitschriften haben keine bestimmten Erscheinungstermine, nur das von Stiehl herausgegebene Centralblatt der Unterrichtsverwaltung erscheint in Heften monatlich einmal. Anderweitige Zeitschriften in Berlin sind: die Annalen der Landwirthschaft, unter der Mitwirkung des Landesökonomiecollegiums; der Landwirthschaftliche, der Bergwerks- u. Industrieanzeiger, der Berliner Beobachter u. die Deutsche Gemeindezeitung, welche nicht blos dem städtischen Interesse Berlins, sondern Deutschlands zugewendet sind; der Beobachter hat Maron u. die Gemeindezeitung Stolp zu Redacteuren. Die Deutsche illustrirte Gewerbezeitung, die Deutsche Versicherungszeitung, die Preußische Handelszeitung, die Industriezeitung, welche als illustrirtes Organ der gesammten Gewerbeinteressen Deutschlands auftritt; das Journal für Leihbibliothekare, Buchhandlungen u. Antiquare; das Magazin für Literatur des Auslandes, seit dem Jahre 1832 unter der Redaction von I. Lehmann; ursprünglich als Beiblatt der Preußischen Staatszeitung, trat es 1843 selbständig auf; es ging im Jahre 1855 in Leipziger Verlag über, kehrte aber nach acht Jahren in den Berliner Verlag zurück. Die Photographischen Mittheilungen, ein Organ des Berliner Photographischen Vereins. Der Sporn, welcher sich mit Pferdedressur u. sonstigen Sportangelegenheiten beschäftigt. Diese vorgenannten Zeitschriften unterliegen dem Zeitungsstempel; demselben nicht unterworfen, also rein belletristische od. Fachzeitungen, sind die Allgemeine Frauenzeitung, die Allgemeine medicinische Centralzeitung, der Ansiedler im Westen; das Arbeitskörbchen; das Archiv für Offiziere der Preußischen Artillerie- u. Ingenieurcorps; Archiv für pathologische Anatomie, Physiologie u. klinische Medicin, von welchem jährlich zwei Bände erscheinen; Archiv für Preußisches Strafrecht, alle zwei Monate ein Band, vom Obertribunalsrath Goldammer; Archiv für Rechtsfälle, vom Kammergerichtsrath Striethorst, jährlich vier Bände; Archiv für rechtswissenschaftliche Abhandlungen, von Schering, drei Hefte jährlich; Archiv für Stenographie, monatlich ein Heft; Archiv für wissenschaftliche Kunde von Rußland, monatlich ein Heft; Bazar, eine große Modezeitung, monatlich viermal; Beobachter an der Spree, wöchentlich einmal; Berliner Blätter für Schule u. Erziehung, von Bonnell Thilo u. Fürbringer; Berliner illustrirte Blätter, alle 32 Tage einmal; Berliner klinische Wochenschrift; mehre dem Theater gewidmete Blätter; Centralblatt für die medicinischen Wissenschaften; eine Menge christlichen Zwecken geweihte Zeitschriften unter den verschiedensten Titeln; das sogenannte Deutsche Familienblatt Daheim, welches die Stelle der in Preußen verbotenen Gartenlaube vertreten sollte, seit 1864, redigirt von R. Koenig in Leipzig; die Deutsche Romanzeitung, welche seit 1864 monatlich viermal erscheint u. verschiedene Romane liefert. Die Kunstzeitschrift Dioskuren, welche Max Schaßler ins Leben gerufen hat; die Evangelische Kirchenzeitung von Hengstenberg, seit 1827, welche den streng kirchlichen lutherischen Lehrbegriff vertritt Mehre, den Titel Evangelische Zeitschrift führende Blätter verfolgen theils streng christliche, theils Missionszwecke, welche letzteren auch Der Friedensbote für Israel im Auge hat. Der Gedanke ist das Organ der Philosophischen Gesellschaft, wird von Michelet redigirt u. erscheint in Vierteljahrsheften. Der Hausfreund ist ein illustrirtes Familienblatt; hierher gehört auch der Illustrirte Hausschatz u. das Illustrirte Panorama. Die Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik, welche einst von Hegel gegründet u. von dessen Schülern u. Anhängern fortgesetzt wurden, existiren nicht mehr. Der evangelische Gustav-Adolf-Verein hat einen Märkischen Boten, die Berliner katholische Kirchengemeinde ein Märkisches Kirchenblatt. Die Militär-Literatur-Zeitung; das Militär-Wochenblatt, wie die militärischen Blätter sind Vertreter der kriegswissenschaftlichen Literatur; das Militär-Wochenblatt bringt auch die amtlichen Ernennungen aus der Kriegsverwaltung u. ist um deshalb in den militärischen Kreisen nicht nur Preußens, sondern auch des übrigen Deutschlands verbreitet. Der Naturarzt; die Neue Berliner Schachzeitung; die Neue Musikzeitung; die Neuesten Nachrichten aus dem Morgenlande; die Notizen für praktische Ärzte; die Pariser Modelle für Anfertigung der Damen- u. Kindergarderobe; die Berliner Journale für deutsche Originalnovellen; die Pfennigblätter; die Pharmaceutischen Blätter für Deutschland; die Preußische Anwaltszeitung, Wochenschrift für Rechtspflege u. die Interessen des Anwaltsstandes; das Preußische Criminal-Polizeiblatt; das Preußische Handelsarchiv, welches interessante Mittheilungen aus dem Bereiche des Handelsministeriums bringt; das Schulblatt für die Provinz Brandenburg; das Sonntagsblatt für Jedermann aus dem Volke, welches, von Ruppius gegründet, gleichsam ein Beiblatt zur Volkszeitung bildet; die Stunden der Muße; Victoria, eine illustrirte Muster- u. Modezeitung; die Vierteljahrsschrift für Gerichts- u. öffentliches Verfahren; die Vierteljahrsschrift für Volkswirthschaft u. Culturgeschichte; der Volksgarten, welchen der Verleger der Gartenlaube in Berlin gründete: die Wachstube, illustrirtes Soldatenblatt; der Willkommen, illustrirtes Wochenblatt für Unterhaltung, Wissenschaft, Natur u. Kunst; das Wochenblatt der Johanniterordensballey Brandenburg; die Wochenschrift für Gärtnerei u. Pflanzenkunde; die Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft; die Zeitschrift des deutsch- österreichischen Telegraphenvereins; die Zeitschrift des Statistischen Bureaus; die des Vereins deutscher Ingenieure etc.

In der Provinz Brandenburg haben sich außer in Berlin größere Zeitungen nie aufgethan; selbst die Berlin benachbarten Städte Potsdam, Frankfurt a. O. u. andere haben es zu einem ständigen täglich herauskommenden Zeitungsunternehmen nie bringen können; indessen erscheinen in der Provinz Brandenburg, namentlich in neuer Zeit, mitunter Zeitungen, welche, wenn sie auch nicht täglich herauskommen, doch ein gutes u. brauchbares Material liefern, so Der Fortschritt in Guben, eine Zeitschrift in Kotbus u.a. Frankfurt a. d. O. hat ein patriotisches Wochenblatt, welches schon lange besteht u. dreimal in der Woche erscheint; außerdem kommt dort noch eine Zeitung, Der Publicist, gleichfalls dreimal wöchentlich heraus. In der Provinz Preußen, steht in erster Reihe die Königsberger Hartungsche Zeitung als älteste der Provinz,[928] welche ihren Ursprung einem landesherrlichen Privilegium schon aus dem Jahre 1640 verdankt u. früher das preußische Wappen als Vignette führte, sie hat sich durch eine freisinnige Richtung stets ausgezeichnet u. auch unter den wechselnden Preßgesetzen u. Maßregeln ihre Selbständigkeit zu bewahren gewußt. Als Concurrenzblatt wurde die Ostpreußische Zeitung herzustellen versucht, doch ist es dieser nicht gelungen über die zur Regierung haltende Partei hinaus Boden zu gewinnen. Andere in Königsberg erscheinende Zeitungen, wie Der Verfassungsfreund von Dumas, sind durch die zahllosen Preßprocesse bekannt geworden. In Gumbinnen erscheint die freisinnige Preußisch-lithauische Zeitung, welche vom 1. April 1865 auch gleichzeitig in Königsberg herausgegeben wird. Der Bürger- u. Bauernfreund in Gumbinnen ist ein Volksblatt u. weit verbreitet. In Danzig erscheint das Danziger Dampfboot als die ziemlich älteste Zeitung, da es schon vormärzlich, wenn auch nicht in dem Umfange wie jetzt, herauskam u. zeitweilig einmal Rino Quehl zum Redacteur hatte. In der neueren Zeit hat die Danziger Zeitung sich auf dem Gebiete der Politik u. der Nationalökonomie behauptet. Den Conservativen gehört die Westpreußische Zeitung an, welche, dieselbe Inschrift wie die Berliner Neue Preußische Zeitung führend, Wantrup zu ihrem Urheber hat. Die übrigen in der Provinz Preußen erscheinenden Zeitungen sind außer dem Neuen Elbinger Anzeiger u. dem Elbinger Anzeiger weniger bedeutend u. es ist nur noch der in Graudenz erscheinende Gesellige zu nennen. In dem zu Ostpreußen gehörigen Litthauen ist die Litthauische Sprache auf dem Lande verbreitet, u. so findet sich eine politische Zeitung in Heydekrug unter dem Titel: Lietuwininkû Paslas u. in Königsberg die nichtpolitische Zeitschrift Keleiwis. In der Provinz Posen erscheint schon lange in Deutscher Sprache die Posener Zeitung; sie hat in neuerer Zeit durch die Ostdeutsche Zeitung eine Concurrenz erhalten, wodurch größere Regsamkeit als bisher in das ältere Institut gebracht worden ist. Das letztere Blatt steht auf dem Standpunkt der deutschen Fortschrittspartei. In Bromberg erscheinen gleichfalls zwei Zeitungen, die Bromberger u. die von der Reaction herausgegebene Patriotische Zeitung. In Polnischer Sprache u. den polnischen Interessen dienend erscheinen in der Provinz Posen: der Dziennik Poznanski in Posen, die Gazeta Wilkiego Xiestwa Poznanskiego, ebenfalls in Posen. In Culm (Westpreußen) Nadwislanin u. Przyjaciel Ludu (Volksfreund). Von nicht streng politischen Blättern sind zu nennen: Pruski przycaciel ludu (in Königsberg), Szkolka Niedzielna in Kosten, Tygodnik katolicki in Grätz, Ziemianin in Posen. Die Provinz Sachsen erfreut sich einer ziemlich reichhaltigen Zeitungsliteratur; Magdeburg zählt allein drei Zeitungen: zuerst die Magdeburgische Zeitung, welche in der Westfälischen Zeit entstand, sie ist das verbreitetste Blatt in der Provinz u. namentlich in den benachbarten Anhaltischen Ländern; die Reaction ist dort durch den Magdeburger Correspondenten vertreten. Seitdem 1. Jan. 1865 erscheint auch der Magdeburger Correspondent, von Hoppe ins Leben gerufen; der Correspondent nimmt den Standpunkt der deutschen Fortschrittspartei ein. Außerdem sind von den Zeitungen dieser Provinz zu nennen: die Hallesche Zeitung u. das Volksblatt für Stadt u. Land, von Nathusius in Neinstedt redigirt. Die Provinz Schlesien ist gleichfalls reich an Zeitungen; von den fünf Zeitungen Breslaus gehören drei der Fortschrittspartei an. Die älteste, aus dem Jahre 1740 stammende Zeitung ist die Schlesische Zeitung, im Besitze der Kornschen Buchhandlung; sie wurde durch ein Privilegium Friedrichs des Großen nach der Eroberung des Landes gegründet u. hat heute noch die größte Verbreitung in der Provinz. Die Breslauer Zeitung, welche Carl Schall gründete, wird jetzt von Stein redigirt. Die Provinzialzeitung für Schlesien ist ein Blatt der Conservativen. Das Schlesische Morgenblatt u. die Morgenzeitung sind Fortschrittsblätter. Die Oderzeitung überlebte 1848 nur einige Jahre. Die innerhalb der Provinz sonst noch erscheinenden Zeitungen sind insgesammt localer Natur, so die Zeitungen von Glogau, Görlitz u.a. Auch die Katholische Kirche hat ihre verschiedenen Organe. In Wendischer Sprache erscheinen: Bramborski szerski Zasznik einmal wöchentlich in Kottbus u. der Missionski Possot monatlich in Hoyerswerda. In der Provinz Pommern herrscht jetzt ein sehr reges Zeitungsleben; Stettin allein hat vier Zeitungen, zuerst die Ostseezeitung, früher die Börsennachrichten der Ostsee genannt, sie liefert ein reiches Material durch auswärtige Correspondenzen, namentlich aus Polen, ferner durch Handels- u. Schiffsnachrichten. Neueren Datums sind die Neue Stettiner Zeitung, die Pommersche Zeitung u. die Oderzeitung, alle drei stehen auf dem Standpunkt der Fortschrittspartei. Außerdem haben Köslin, Stralsund, Greifswald Zeitungen u. selbst die kleineren Städte sind nicht ohne Zeitungsunternehmen. In der Provinz Westfalen sind der Westfälische Mercur, welcher der clericalen Richtung, u. die Westfälische Zeitung, welche der liberalen Richtung folgt, an erster Stelle zu nennen; es fehlt außerdem dort nicht an andern Zeitungen, u. auch die Katholische Kirche hat eine große Reihe von Organen, welche in neuerer Zeit sich bekannt gemacht haben. Die Rheinprovinz hat viele große Zeitungen; an der Spitze steht die Kölnische Zeitung, welche in dem letzten Jahrzehnt zu allgemeiner Verbreitung gekommen ist. Sie vertritt den Ausdruck der Gesinnungen der rheinischen Bourgeoisie; Hauptredacteur ist Heinrich Kruse. Die Reichhaltigkeit ihrer Nachrichten ist anerkannt u. man kann behaupten, daß keine deutsche Zeitung so viel für Telegramme aufwendet, als sie. Ihr Feuilleton ist eins der reichhaltigsten u. bedeutendsten u. in ihm wurden viele Romane von Levin Schücking, Berthold Auerbach, Paul Heyse, Fanny Lewald u. A. zuerst in die Literatur eingeführt. Die in Köln erscheinenden Kölnischen Blätter sind ein Organ der Clericalen. Die Rheinische Zeitung, welche früher in Köln erschien u. in der vormärzlichen Zeit unterdrückt wurde, hat jetzt eine Namensschwester gefunden, welche in Düsseldorf erscheint, doch auch einen Stapelplatz in Köln hat. Sie ist aus der Niederrheinischen Volkszeitung hervorgegangen u. ein sehr entschiedenes Fortschrittsblatt. In Düsseldorf erscheint außerdem noch die Düsseldorfer Zeitung, welche der liberalen Richtung huldigt. Zu nennen sind noch die Aachener, die Elberfelder, die Coblenzer, die Triersche Zeitung, welche letztere sich die Behandlung der socialen Fragen noch immer angelegen sein läßt; außerdem[929] hat jede größere Stadt ihre Zeitung, u. selbst in kleineren Städten fehlt es daran nicht. In den bis 1850 souveränen, seit diesem Jahre preußisch gewordenen Hohenzollerschen Landen, hatte sich die Presse der freisinnigen Richtung angeschlossen; es ist nun das Preußische Preßgesetz auch hier in Anwendung u. das Land hat auch ein Amtsblatt nach Muster der anderen Regierungsbezirke.

In der preußischen Zeitungsliteratur ist noch der Kreisblätter zu gedenken. Das Ministerium Bismarck hat nämlich diese Blätter, welche bis dahin nur den Erlassen der Kreis- u. Ortsbehörden dienten u. allerlei gleichgültige Dinge mittheilten, mit politischen Nachrichten versehen lassen u. außerdem zur Benutzung für dieselben eine Wochenzeitschrift gegründet, welche unter dem Namen Provinzialcorrespondenz im Ministerium des Innern redigirt wird u. in den Kreisblättern theils wörtlich zum Abdruck gelangt, theils denselben beigelegt wird. Dieser ministeriellen Provinzialcorrespondenz stellt die Opposition die Wochenschrift, Die Verfassung, gegenüber; die letztere erscheint in Berlin im Franz Dunckerschen Verlage. Seit einiger Zeit werden auch die Regierungsamtsblätter von dem Ministerium des Innern zu politischen Artikeln benutzt.

c) In Baiern war vor dem März 1848 die einzige bedeutende Zeitung die in Augsburg erscheinende Allgemeine Zeitung, welche jedoch eben nur eine baierische Stadt als Verlagsort hatte u. daher nicht füglich als baierische Zeitung gerechnet werden konnte, wenngleich sie der dortigen Censur unterworfen war, indeß hatte dieselbe auch für diese exceptionelle Zeitung Ausnahmebedingungen. Daneben erschien als Regierungsorgan die Neue Münchener Zeitung. Die kleineren Blätter blieben auf Ortsneuigkeiten u. den Abdruck der größeren Zeitungen beschränkt. Noch im Spätherbst 1839 erschien eine Verordnung, welche alle nichtbaierischen Blätter bei ihrem Eintritt in das Land einer strengen Polizeiaufsicht unterwarf; alle protestantischen od. aus protestantischen Ländern kommenden Zeitschriften unterlagen einer scharfen Censur, u. die Verbreitung der dieser Tendenz wegen mißliebigen Blätter wurde durch Portozuschlag erschwert. Die kleineren Blätter warfen sich 1848 fast alle der Demokratie in die Arme, bis das Preßgesetz von 1850 auch diesen Strebungen ein Ziel setzte. Neue Blätter rief das Jahr 1848 verhältnißmäßig weniger als in anderen deutschen Staaten hervor; die meisten derselben entstanden in der Pfalz, welche sich von jeher trotz aller Hemmungen eine freiere Bewegung bewahrt hatte, u. außerdem noch in Franken. Die Zahl der Zeitungen ist auch jetzt noch nicht bedeutend. An der Spitze der baierischen Zeitungen ist die täglich erscheinende Allgemeine Zeitung, ein Besitzthum der Familie von Cotta, zu nennen; 1798 begründet, hieß sie erst Neueste Weltkunde, da sie aber bald unterdrückt wurde, so nahm sie den Titel Allgemeine Zeitung an; der erste Redacteur war Huber, seit 1806 Stegmann, seit 1837 Kolb, welcher schon seit zehn Jahren bei der Redaction beschäftigt gewesen war, u. dann mit ihm Altenhöfer u. Orges, von diesen schied Orges Anfang 1865 aus u. Kolb st. im März 1865, worauf Altenhöfer die Redaction allein fortführte. Sie kam zuerst in Tübingen, dann in Stuttgart, seit 1803 in Ulm u. seit 1805 in Augsburg heraus. Für Deutschland vertritt sie das Großdeutschthum, das Recht der Einzelstaaten gegen Vergewaltungen der Großmächte u. den besonnenen Fortschritt; der österreichischen Regierung diente sie früher u. auch jetzt noch als Organ, ohne daß sie jedoch in Abhängigkeit von derselben steht. Ihre Bedeutung u. ihren Ruf verdankt sie mit den täglichen, an wissenschaftlichem Inhalt reichen Beilagen, in denen über alle wichtigen Erscheinungen auf dem Gebiete des Lebens, der Wissenschaft, der Kunst u. der Literatur Bericht erstattet u. Biographien bedeutender Männer gegeben werden; neben diesen regelmäßigen gibt sie zuweilen auch außerordentliche Beilagen. Die Baierische Zeitung, früher Neue Münchener Zeitung, ist das Blatt des Ministeriums u. kann als Hauptlocalblatt des Landes gelten. Bekannter sind die in München erscheinenden Fliegenden Blätter, welche mit ihrem Eisele u. Beisele einen gewissen Typus für den Süden Deutschlands ganz in derselben Weise, wie der Berliner Kladderadatsch mit seinem Müller u. Schulze für den Norden Deutschlands hergestellt haben. Weniger bekannt ist das Münchener Witzblatt Der Punch. In München erscheinen noch von politischen Zeitungen: der Münchener Bote für Stadt u. Land; der Neue Baierische Courier; die Neuesten Nachrichten; der Volksbote für Bürger u. Landmann; der Baierische Landbote; die Isarzeitung ging 1864 ein. Die größeren Städte Baierns haben insgesammt Zeitungen, so Augsburg neben der Allgemeinen die Neuesten Nachrichten, die Postzeitung, die Abendzeitung; Bamberg die Bamberger Zeitung; Aschaffenburg die Aschaffenburger Zeitung; Würzburg den Würzburger Anzeiger, die Neue Würzburger Zeitung; Regensburg die Regensburger Zeitung. In Nürnberg erscheint als eine der ältesten deutschen Zeitungen der Nürnberger Courier; bekannter nach Außen ist der Correspondent von u. für Deutschland, welcher als ein großdeutsches Organ erster Klasse gilt; der Nürnberger Anzeiger. In der Pfalz herrschte schon früher ein regeres Leben, welches sich auch jetzt noch zum Theil in der Pfälzischen Volkszeitung, welche zu Kaiserslautern erscheint, der Pfälzer Zeitung von Speyer u. im Pfälzer Courier von Ludwigshafen erhalten hat. Unter den nicht ausschließlich Politik treibenden Blättern hatten sonst großen Ruf die in München herauskommenden Historisch-politischen Blätter, welche, ein Eigenthum der Familie Görres, früher von zwei preußischen zum Katholicismus übergetretenen Gelehrten, Philipps u. Jarcke, redigirt wurden u. die ihnen gegebene streng katholische Richtung noch immer fest halten. Der Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit in Nürnberg hat ein mehr wissenschaftliches Interesse. Das Ausland, ein Tageblatt für Kunde des geistigen u. sittlichen Lebens der Völker, welches 1828 gegründet, zuerst in München herauskam, seit 1830 nach Augsburg versetzt wurde, erscheint wöchentlich einmal u. hat nach Außen hin eine größere Verbreitung. Der Münchener Heimgarten erscheint auch einmal wöchentlich u. dient mehr der Unterhaltung. Das Münchener Kunst- u. Gewerbeblatt erscheint in Monatsheften. Einem sehr speciellen Zweck dient die in München seit 1865 von Buhl, Pettenkofer u. A. herausgegebene Zeitschrift für Biologie. Die Tageblätter, welche außerdem noch in verschiedenen größeren od. kleineren Städten herauskommen, haben ein rein locales Interesse.

d) In Württemberg gab es in der zweiten[930] Hälfte des vorigen Jahrhunderts zwei größere Zeitungen: die Stuttgarter Zeitung, bei Cotta herausgegeben, ein ganz conservatives Blatt, ging nach der Julirevolution, 1830, ein; der Schwäbische Mercur, 1785 unter Elbens Redaction, erhielt sich damals, indem er einen Mittelweg zwischen den sich bekämpfenden Parteien einschlug, war vor den Märztagen des Jahres 1848 das gelesenste Blatt u. noch gegenwärtig hat er, trotz mannigfacher Concurrenz, seinen Leserkreis zu behaupten gewußt. Die Süddeutsche politische Zeitung, ein Blatt des Juste Milieu, erschien nur vom October bis December 1847. Der Beobachter war vor der Revolution das Organ der Liberalen, nach derselben das des Ministeriums Römer, gegenüber der Ulmer Chronik, dem Blatte der Hofpartei. Die Württembergische Censur war, so lange sie bestand, größtentheils eine verhältnißmäßig sehr milde, u. so konnten sich die politischen Blätter mehr verbreiten u. festsetzen, als in den Nachbarländern. Manche Blätter, welche die Revolution zu Tage gefördert hatte, gingen nach der Beschwichtigung des Sturmes auch hier wieder ein; jetzt finden sich noch neben dem Schwäbischen Mercur der Württembergische Staatsanzeiger als Organ der Regierung, u. von früheren Blättern der. Beobachter, ferner die Bürgerzeitung, das Deutsche Volksblatt, das neue Tageblatt u. die Schwäbische Zeitung, sämmtlich in Stuttgart; in Heilbronn die Neckarzeitung; in Ulm die Schnellpost. Die sonst noch in den verschiedenen Städten erscheinenden Zeitungen sind mehr auf die Orte selbst beschränkt. Von den nicht ausschließlich politischen Zeitungen sind zu nennen zunächst die Illustrirte Zeitung Über Land u. Meer, welche Hackländer ins Leben gerufen hat; Das Buch der Welt, das Deutsche Magazin für Garten- u. Blumenkunde, das Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- u. Alterthumsvereine, welches in Monatsheften in Stuttgart herauskommt; Freya, illustrirte Blätter für die gebildete Welt, gleichfalls in Monatsheften dort erscheinend; die Stuttgarter Hausblätter, monatlich in zwei Heften; das Stuttgarter Literaturblatt, zweimal wöchentlich; das Stuttgarter Morgenblatt, einmal wöchentlich, bes. nach Außen hin bekannt; die Tübinger theologische Quartalsschrift; die Deutsche Vierteljahrsschrift in Stuttgart; die Zeitschrift für gesammte Staatswissenschaft in Tübingen, welche jährlich in vier Heften erscheint, endlich die Tübinger Zeitschrift für Kirchenrecht, welche alle Vierteljahre einmal erscheint. Als Organ eines Specialberufs ist die in neuerer Zeit entstandene Deutsche Feuerwehrzeitung zu nennen, welche eine Folge der deutschen Feuerwehrtage ist.

e) Im Königreich Hannover, welches sich, so lange es einen Vicekönig hatte, immer einer milden Censur erfreute, aber wesentlich nur die Hildesheimer allgemeine Zeitung gehabt hatte, wurde nach dem Regierungsantritt des Königs Ernst August u. seines Cabinetsministers Scheele bald ein straffes Regiment eingeführt; das Jahr 1848 übte auch hier seine belebende Wirkung, in Göttingen entstanden alsbald einige demokratische Blätter, so die Freien Blätter aus Göttingen, redigirt von Bock, April bis September 1848; das Göttinger Bürgerblatt, redigirt von Elsässer, Juli bis December 1848 u.a.m. In Celle erschien die Reform, 15. Mai bis Ende 1848; in Laar die Ostfriesischen Zeitschwingen, redigirt von Migael, 1. Mai bis Ende 1848. Noch zu Ende des Jahres 1849 bestand in Göttingen die Volkshalle, u. verschiedene ähnliche Blätter kamen anderwärts heraus. Der Bundesbeschluß vom 6. Juli 1854 übte auch hier auf dem Gebiete der Presse seine Wirkung aus. Das Regierungsblatt ist die Neue Hannoversche Zeitung, welche unter den verschiedenen Verwaltungen diese ihre Stellung bewahrt hat u. in auswärtigen Correspondenzen meistentheils eine reactionäre Färbung trägt. Als feudales Organ erscheint in der Hauptstadt des Landes neuerdings die Deutsche Nordseezeitung. Das im Auslande bekannteste Hannoversche Blatt ist die Zeitung für Norddeutschland, deren Redacteur, Ehrenreich Eichholz, ihr eine liberale Richtung zu bewahren gewußt hat; ihre deutsche Politik ist die großdeutsche. In Hannover selbst erscheinen noch: die Landeszeitung, die Tagespost, der Courier, das Tageblatt, die Neuen Hannoverischen Anzeigen, welche zum Theil jedoch eine locale Färbung haben. Die Städte Göttingen, Hildesheim u. Emden haben ihre Zeitungen, letztere die Ostfriesische Zeitung. Von den nichtpolitischen Blättern sind bemerkenswerth das Allgemeine Deutsche Schulblatt für Norddeutschland, welches zweimal im Monat herauskommt, u. die Göttinger gelehrten Anzeigen (s. unten S. 936).

f) Unter den politischen Blättern des Herzogthums Braunschweig steht die Deutsche Reichszeitung obenan, sie ist ein entschieden liberales Blatt; außerdem gibt es mehre Localblätter, die Braunschweiger Anzeigen halten sich auch in den Grenzen der Localinteressen. Nicht streng politischen Inhalts sind die in Braunschweig erscheinenden Illustrirten deutschen Monatshefte, welche guten novellistischen u. Romanstoff bringen, u. Unsere Tage, eine culturgeschichtliche Revue in zwanglosen Heften, seit 1859.

g) Im Königreich Sachsen besteht die Leipziger Zeitung seit 1660, Anfangs unter dem Titel: Erster Jahrgang der täglich einlaufenden Kriegs- u. Welthändel od. zusammengetragene unparteiische Nouvellen, coligirt von Timotheo Ritschen Not. P. C. in Leipzig; sie gab früher nur vier Nummern wöchentlich, später sechs Nummern (ein Bogen in Quart, mit regelmäßiger Beilage). Diese Zeitung hob sich bald wegen der Schnelligkeit, womit sie ihre Nachrichten gab, u. durch ihre Reichhaltigkeit. Sie hatte sonst das Vorrecht, daß sie allein politische Nachrichten über das Ausland berichten durfte, während dies andern Zeitungen in Sachsen nur mit Genehmigung der Redaction der Leipziger gestattet war. Deshalb war sie auch bis 1830 die einzige in Sachsen bestehende politische Zeitung, während alle anderen, welche politische Nachrichten enthielten, den Charakter der Wochen- od. Volksblätter trugen. Jetziger Redacteur ist Wilke. Sie hatte bis 1851 ein Beiblatt, Die Fama, welches jetzt in ein zweimal wöchentlich erscheinendes wissenschaftliches Beiblatt verwandelt worden ist. Vor 1848 war sie das ausschließliche Organ der Regierung, seit Anfang 1854 trat als solches das Dresdener Journal an ihre Stelle, welches unter der Redaction Hartmanns steht. Im Jahre 1837 wurde von F. A. Brockhaus in Leipzig die Leipziger Allgemeine Zeitung gegründet, welche der Augsburger Allgemeinen Zeitung Concurrenz machen sollte; sie war ein Organ des Constitutionalismus u. hatte verschiedene[931] Redacteure. Unter der Leitung von Gustav Julius wurde sie 1842 radical u. darauf hin in Preußen verboten. Um hier wieder zugelassen zu werden, erhielt sie den Titel Deutsche Allgemeine Zeitung, unter welchem Namen sie heute noch erscheint; derzeitiger Redacteur ist seit October 1863 K. Biedermann; sie gilt als ein sächsisches Oppositionsblatt; als solches auch die Sächsische Constitutionelle Zeitung, redigirt von Siegel. Die 1841 gegründeten entschieden liberalen Sächsischen Vaterlandsblätter wurden 1845 verboten, tauchten nach der Märzrevolution von 1848 wieder auf, gingen aber nachher wieder ein. Die Revolution rief eine Unzahl neuer Blätter u. Blättchen ins Leben, von denen die bei Weitem größte Menge in Leipzig erschien; so die Leipziger Arbeiterzeitung, Mai 1848; Deutsche Blätter; Deutsche Unionszeitung, 1. Juli bis 31. Dec. 1848; Leipziger Landbote, redigirt von Binder, 1. April bis 19. Mai 1849; Oppositionsblätter, Organ der radicalen Partei, redigirt von Jeckel u. Windwart; Europäische Parlamentschronik, von welcher 120 Nummern herauskamen; Die Reform von Arnold Ruge u. Oppenheim, 1. April bis 14. November 1848; Die Socialreform; der Republicanismus, redigirt von Streit, Berthold u. Ölcker; der Volksfreund; Deutsche Volkszeitung, Organ des Dienstmädchenvereins, redigirt von Johann de Marle, das Leipziger Reibeisen, die von Morgenstern redigirten Vereinigten Volksblätter für Sachsen u. Thüringen etc., welche im Jahre 1850 in Folge der neuen Preßordnung aufhörten. Dasselbe Schicksal hatte auch die Neue Leipziger Zeitung von Dietzmann u. die Vaterlandsblätter. In Dresden erschienen in Folge der Revolution die Sächsische Landtagszeitung, das Dresdener Morgenblatt, die Volksblätter, redigirt von Röckel. Auch in anderen sächsischen Städten fehlte es nicht an reger Bewegung in der Zeitungspresse, u. selbst kleinere Städte standen dem Streben der beiden größeren nicht nach. Andere sächsische Zeitungen sind: die Dresdener Nachrichten, mit einem mehr localen Charakter. Von den in Leipzig erscheinenden Zeitungen ist zu nennen: die Abendpost; die Mitteldeutsche Volkszeitung, redigirt von R. Rößler; der Telegraph u. das Leipziger Tageblatt, welches letztere sich in der Stadt einer großen Verbreitung erfreut. Die übrigen in den sächsischen Städten erscheinenden Zeitungen verfolgen größtentheils eine freisinnige Richtung. Zu den nicht streng politischen Zeitungen gehören die im Brockhausschen Verlage herauskommenden Blätter für literarische Unterhaltung (s. unten), jetzt redigirt von R. Gottschall, welche durch ihre Kritiken u. Besprechungen wissenschaftlicher Erscheinungen sich einen Namen erworben haben; die Allgemeine deutsche Lehrerzeitung; die Allgemeine Zeitung des Judenthums, welche, im Jahre 1837 von Ludwig Philippson in Magdeburg, jetzt in Bonn, gegründet, zum ersten Male die Bestrebungen des Judenthums in die politische Zeitungsliteratur einführte (sie wurde das Vorbild für die vielfachen Zeitungen des Judenthums nicht nur in Deutschland, z.B. Der Israelit in Mainz; Jeschurun in Frankfurt a. M. vom 1. Jan. bis 1. Oct. 1857; das Wochenblatt für jüdisch-religiöse u. Gemeindeinteressen in Berlin; der zu Lyck in Ostpreußen erscheinende Hamaggid, herausgegeben von Silbermann u.a.; sondern auch in England, Frankreich u. Italien). In Leipzig erscheinen noch: der Correspondent, Wochenblatt für deutsche Buchdrucker u. Schriftgießer; die Deutsche Arbeiterzeitung; der Dorfbarbier, ein satirisch-humoristisches Blatt, herausgegeben von Fr. Hofmann; Die Europa; Die Glocke; die Illustrirte Zeitung von Weber, das erste größere deutsche Unternehmen dieser Art; das Illustrirte Familienjournal; das Illustrirte Wochenblatt; die Allgemeine Bibliographenzeitung; die Allgemeine Strafrechtszeitung; die Allgemeine Theaterchronik, eines der ältesten Theaterblätter Deutschlands; das Archiv für wissenschaftliche Medicin; das Archiv für deutsches Wechselrecht; die meisten von ihnen geben Kunde von der Art u. Weise, wie man politische Gegenstände auch wissenschaftlich behandeln kann; die Botanische Zeitung; Aus der Natur; Aus der Heimath; die Deutsche illustrirte Gewerbezeitung; die Deutsche Turnzeitung; das Deutsche Museum, Zeitschrift für Literatur, Kunst u. öffentliches Leben; die Gartenlaube, herausgegeben von E. Keil, welche sich einer ungewöhnlichen Verbreitung erfreut; die Leipziger Grenzboten, früher von Kuranda, dann von Freitag u. Julian Schmidt redigirt; die Leipziger Innung der Zukunft, welche jährlich zehnmal erscheint u. auf dem socialen Gebiete die Ansichten Schulze-Delitzsch's vertritt; ferner die Neuen Jahrbücher für die Philologie u. Pädagogik, von denen jährlich 12 Hefte erscheinen; die Zeitschrift für Volkserziehung; der Jugendbazar; die Novellenzeitung; das Polytechnische Centralblatt; die Nordische Revue, eine internationale Zeitschrift für Literatur, Kunst u. öffentliches Leben, welche in Monatsheften erscheint u. die russischen Zustände in einem milderen Lichte erscheinen lassen soll; Redacteur ist Wilh. Wolffson; die Schachzeitung, redigirt von M. Lange; das unter dem Titel Unsere Zeit zum Conversationslexikon erscheinende Jahrbuch, alle Monat ein Heft, jetzt redigirt von R. Gottschall; die Zeitschrift für deutsche Landwirthe; die Zeitschrift für exacte Philosophie; die Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen, das Organ des Vereins, u.a. In Bautzen erscheinen in Wendischer Sprache: Katholski Posoł Luzican u. Serbske novini.

h) Das Großherzogthum u. die Herzogthümer Sachsen hatten keine periodische Presse von weiter gehender Bedeutung; in früheren Zeiten gelangten nur der Reichsanzeiger der Deutschen zu Gotha u. noch gegenwärtig die Dorfzeitung in Hildburghausen über die Landesgrenzen hinaus. Im Großherzogthum Sachsen-Weimar erscheinen von eigentlich politischen Zeitungen nur die Weimarische Zeitung u. Deutschland in Weimar, die Blätter von der Saale in Jena. Die Weimarische Zeitung ist die Regierungszeitung u. hat sich in neuerer Zeit nach dem österreichisch-preußischen Kriege gegen Dänemark durch diplomatische Mittheilungen einen Namen gemacht. Bis September 1863 von Biedermann redigirt, hat sie jetzt Paul von Bojanowski zum Redacteur Deutschland bringt öfter auch interessante politische Artikel. Außerdem wären noch die Allgemeine akademische Zeitung von Jena u. die dortige Minerva zu nennen, die letztere, begründet von Archenholz in Hamburg 1792 u. seit 1812 von Bran in Jena fortgesetzt, gibt zwei Bände jährlich heraus. Durch die Bewegung von 1848 hervorgerufen, aber nach einiger Zeit wieder eingegangen,[932] war im Weimarischen Frorieps Gemeindeblatt u. Volksorgan der Demokratie, redigirt von Schmidt; das Volksblatt, redigirt von Deinhardt, u. einige andere; 1853 begann der Anzeiger für Politik u. Geschäftsverkehr; mit Politik beschäftigte sich auch das Sonntagsblatt zu Eisenach; in Jena begannen am 19. Juli Rothe u. Lafaurie den Thüringer Volkstribun, welcher am 9. Dec. 1848 aufhörte, aber vom 5. Mai bis 17. Juli 1849 wieder erschien. Auch die Deutschen Blätter aus Thüringen, redigirt von Frommann, überdauerten nicht die Zeit der Bewegung. In Neustadt a. d. Orla erschien bis 1853 die Thüring'sche Eisenbahn. Im Herzogthum Sachsen-Koburg-Gotha rief das Jahr 1848 ein Koburger Tageblatt, eine Stadt- u. Landzeitung für Koburg u. eine Neue Deutsche Dorfzeitung hervor, welche aber sämmtlich wieder eingegangen sind; gegenwärtig erscheint in Koburg als officiöses Organ die Koburg'sche Zeitung, welche namentlich unter der nunmehr beendeten Redaction von Rudolf Genee vor 1864 Artikel brachte, welche öfter in Deutschland Aufsehen erregten. Das Koburger Tageblatt erscheint auch heute noch. In Gotha die Gotha'sche Zeitung u. die Deutsche Schützen- u. Wehrzeitung. Die Wochenschrift des Nationalvereins von Streit u. Walesrode's Fortschritt, welcher von Berlin nach Koburg übersiedelte, sind die eine jetzt nach Frankfurt über-, der andere eingegangen; der Fortschritt war in Berlin zur Zeit der sogenannten neuen Ära erschienen u. mit der Ausbildung des Ministeriums Bismark von dort geflüchtet. In Meiningen erschien 1849 ein Volksblatt; dann außer dem Regierungs- u. Intelligenzblatt ein Tageblatt. In Hildburghausen wurde außer der erwähnten Dorfzeitung noch der Generalanzeiger für Thüringen herausgegeben, welcher jedoch 1844 nach Gera verlegt wurde; die Dorfzeitung hatte vor 1848, unter Nonne, ein sehr großes Publikum. In Altenburg, wo 1818 f. Ferd. Hempel (Spiritus Asper) die sehr humoristischen Osterländischen Blätter u. 1830–34 Huth u. A. die Altenburger Blätter, zur Belehrung u. Unterhaltung, herausgegeben hatten, rief die Bewegung von 1848 mehre Blätter hervor, wie die Altenburger Zustände, welche später unter dem Titel Der Osterländer fortgesetzt wurden; die Allgemeine Wäsche, redigirt von Rösler u. Schache, April bis Juni 1849; Altenburger Blätter, redigirt von Gersdorf u. Schneider; das Altenburger Volksblatt von Erbe, Dölitzsch u. A., April 1848 bis Ende 1853; u.a. In Ronneburg erschien der Volksfreund, Juli 1848 bis Dec. 1851. Jetzt kommt in Altenburg seit 1847 die Zeitung für Stadt u. Land, seit 1859 unter dem Titel Altenburger Zeitung für Stadt u. Land, früher von Gersdorf, jetzt von Hase redigirt; seit 1865 in Meuselwitz der Bote von der Schnauder, redigirt von Wagner, heraus.

i) In den Fürstenthümern Reuß war die seit Ende des vorigen Jahrh. bestehende Geraer Zeitung das einzige politische Blatt, das Jahr 1848 fügte jedoch mehre neue hinzu, darunter Die freie Presse in Gera, welche aber wieder einging; der Unterhaltungssaal für das freie deutsche Volk; die Deutsche Eisenbahn u. der Österländer; letztere drei, sowie die Geraische Zeitung, wurden von Adolf Hofmeister in Gera redigirt.

k) Auch in den Schwarzburgischen Fürstenthümern rief die Bewegung von 1848 außer dem bald wieder eingegangen Volksfreund einige andere Blätter, wie Fröbels Deutsche Bürgerzeitung, die Constitutionellen Blätter aus Schwarzburg hervor.

l) Im Herzogthum Anhalt zeitigte das Jahr 1848, welches namentlich für Dessau einen großen Umschwung hervorbrachte, auch dort eine Menge von radicalen Zeitschriften, denen conservative gegenübertraten. So begründete 1848 Köppe die Anhaltische Zeitung; in Köthen erschienen unter der Redaction von Behr Die Lichtputze u. die Fliegenden Blätter, beide radical; sie wurden bald von einem größeren volksthümlichen Organ, der Anhaltischen Volkszeitung von Behr u. Sander, abgelöst; diesem gegenüber bestanden zwei conservative Blätter: das Volksblatt in Köthen von Isensee u. der Volksfreund in Dessau. Blätter von unbestimmter Richtung waren Till Eulenspiegel in Köthen u. der Fortschritt in Dessau, beide von Neuburger in Dessau redigirt; das letztere Blatt wurde Hauptorgan der dem Ministerium Plötz gegenüberstehenden Opposition. Sonst bestanden in Köthen nur auf kurze Zeit Die Verfassung u. der Wahrheitsbote. Seit 1854 ist die Presse wieder ohne größere Bedeutung.

m) In dem Großherzogthum Baden wurde vor dem März 1848 die Censur meist sehr milde geübt u. die dort erscheinende Zeitung erfreute sich auch in weiteren Kreisen einer größeren Verbreitung. Die Karlsruher Zeitung war, wie auch jetzt noch, den Regierungsinteressen zugewendet, desgleichen das Manheimer Morgenblatt u. der erst Anfangs 1847 in Constanz entstandene Tagesherold; nicht conservativ war die Freiburger Zeitung, radical die dort erscheinende Süddeutsche Zeitung. Von den Oppositionsblättern huldigten seit Anfang des Jahres 1847 das bis dahin von G. Struve geleitete Manheimer Journal dem sogenannten Juste milieu in der Politik, während die Oberrheinische Zeitung in Freiburg einem strengeren Liberalismus das Wort redete. Weiter darüber hinaus ging die Manheimer Abendzeitung, welche eine radicalere Färbung hatte u. im Juli 1849 den Titel Badischer Merkur annahm. Die Constanzer Seeblätter, welche am 11. Juli 1849 eingingen, huldigten derselben Tendenz. Radicale Bestrebungen sowohl auf politischem als socialem Gebiete verfolgten Struve's Deutscher Zuschauer u. Matthis' Rundschau. Diese beiden Blätter hatten einen wesentlichen Einfluß auf die Märzrevolution u. deren nächste Folgen in Baden geübt. Nach dem März 1848 hatte die Bewegungspartei außer den in größeren Städten erscheinenden Blättern fast sämmtliche kleine Organe gewonnen, was sich nachher noch bei der Bewegung im Jahre 1849 deutlich zeigte. Eine Menge seitdem wieder eingegangene Zeitungen bezeichnete die Revolutionsepoche u. erst das Einschreiten der Preußen machte vielen derartigen Zeitschriften ein Ende. Der Constitutionalismus wurde durch die im Juli 1847 unter Gervinus' Redaction in Heidelberg erscheinende Deutsche Zeitung vertreten; diese, die Professorenzeitung genannt, siedelte im October nach Frankfurt über, wo sie ein Jahr darauf einging. Die hereinbrechende Reaction setzte auch hier Grenzen. In der neueren Zeit, mit dem Eintritt des freisinnigen Ministeriums, wurde der Presse wieder mehr Spielraum zugetheilt, u. so erscheinen[933] denn gegenwärtig in Baden 41 streng politische Zeitungen u. 32 Zeitschriften nicht politischen Inhalts. Von ihnen sind, außer der schon gedachten Karlsruher Zeitung, zu bemerken: die Badische Landeszeitung, das Organ der freigesinnten Volkspartei; der Badische Beobachter in Karlsruhe; die Badische Presse; das Deutsche Wochenblatt; der Manheimer Anzeiger in Manheim; in Freiburg: die Breisgauer Zeitung, die Freiburger Zeitung u. der Oberrheinsche Courier. In Heidelberg: der Landbote u. das Heidelberger Journal, welches letztere zugleich auch amtliches Verkündigungsblatt für drei Kreise ist. In Constanz erscheint die Constanzer Zeitung; auch Baden, Bretten, Bruchsal, Durlach, Pforzheim u. Rastatt haben politische Zeitungen. Von nicht streng politischen Zeitungen u. wissenschaftlichen wie religiösen Zeitschriften erschienen z.B.: die Annalen der badischen Geschichte in Manheim; das Anzeigenblatt für die Erzdiöcese Freiburg in Freiburg; die Badische Schulzeitung in Heidelberg; das Badische Centralblatt für Staats- u. Gemeindeinteressen ebendaselbst; das Evangelische Kirchen- u. Volksblatt in Karlsruhe; das Freiburger katholische Kirchenblatt in Freiburg; der Heidelberger Anzeiger u. die Heidelberger Jahrbücher; das Pharmaceutische Wochenblatt in Heidelberg; das Süddeutsche evangelisch-protestantische Wochenblatt ebendaselbst; die Wochenschrift für Rechtspflege u. Verwaltung in Baden zu Manheim u. die Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins in Karlsruhe.

n) Von den beiden Hessenlanden erschien in dem Großherzogthum Hessen, wo schon vor der Märzrevolution, bes. in Rheinhessen, die Presse ein regeres Leben zeigte, in der Mainzer Zeitung gleich im April 1848 unter Bamberger's Redaction ein entschieden demokratisches Blatt; demselben setzten die Ultramontanen das Mainzer Journal entgegen. Organ der Constitutionellen war die bald eingegangene Rheinische Zeitung. Die gemäßigt Freisinnige wurde in Ober-Hessen durch die von Carrier u. Voigt redigirte Freie hessische Zeitung verdrängt; dieselbe ging jedoch schnell ein u. an ihre Stelle trat bis 1850 Der jüngste Tag, von August Becker in Gießen redigirt. In Offenbach erschienen auf kurze Zeit radicale Zeitschriften. Gegenwärtig erscheinen von Hauptzeitungen: die Darmstädter Zeitung als Organ der Regierung; die Hessische Landeszeitung u. das Hessische Volksblatt, beide in Darmstadt. In Mainz erscheinen das Abendblatt, der Anzeiger, das Journal u. die Zeitung; die letzteren vier sind theils im ultramontanen, theils im großdeutschen Sinne redigirt; das Rheinhessische Volksblatt in Mainz, welches dreimal wöchentlich herauskommt. Von nicht streng politischen Zeitungen sind hervorzuheben: das Darmstädter Kirchenblatt, das Mainzer katholische Volksblatt, die Darmstädter Kirchenzeitung, die Darmstädter Militär- u. die Darmstädter Allgemeine Schulzeitung. Die anderen Zeitungen kommen über die Ortschaften, in welchen sie erscheinen, nicht hinaus. In Kurhessen wurde die Presse vor der Märzrevolution mit scharfen Augen beobachtet; auswärtige Zeitungen traf bei der geringsten Unvorsichtigkeit in Besprechung kurhessischer Zustände sofort ein Verbot. Von den verschiedenen 1848 aufgetauchten Blättern der constitutionellen Richtung konnte sich nur die von Ötker gegründete Neue Hessische Zeitung erhalten, welche, nachdem sie am 1. Juli 1848 sich mit dem Volksfreund vereinigt hatte, zu einer eigentlich politischen Zeitung wurde. Am 1. Juli 1850 vereinigte sich das Blatt mit der Allgemeinen Kasselschen Zeitung, hörte aber in Folge der Bundesexecution, im December 1850, wieder auf. Unter den demokratischen Blättern hatte sich bis dahin nur Die Hornisse erhalten. Der von Vilmar im März 1848 gegründete Hessische Volksfreund war Anfangs in liberalem Sinne redigirt, wurde aber nachher ein Verfechter des Hassenpflugschen Systems. Ein Haupttummelplatz für die Zeitungspresse war das politisch belebte Hanau, aber das Hassenpflug'sche Regiment u. die strenge Ausführung des Bundesbeschlusses vom 6. Juli 1854 machten der freieren Bewegung in der Presse ein schnelles Ende. Gegenwärtig erscheint in Kassel neben der Kasseler, Zeitung, dem Organ der Regierung, das von Ötker gegründete u. in seinem Sinne u. Geiste fortgeführte Oppositionsblatt, die Hessische Morgenzeitung u. die Kasseler Tagespost; das Kasseler gewerbliche Tageblatt u. die Hanauer Zeitung; an verschiedenen Anzeige- u. Nachrichtsblättern fehlt es auch nicht.

o) Von Bedeutung ist die Presse in Frankfurt a. M., zumal sie für einen großen Theil von Süddeutschland maßgebend ist. Unter den politischen Zeitungen Frankfurts steht die schon früher erwähnte älteste deutsche Zeitung, das Frankfurter Journal (s. oben S. 922) mit dem Beiblatt Didaskalia in erster Reihe; das Blatt ist das verbreitetste, ist kleindeutsch u. vertritt preußische Interessen, während die andere älteste deutsche Zeitung, die Frankfurter Postzeitung (bis März 1865 unter der Redaction Ed. Sattlers) großdeutsche u. österreichische Interessen verficht. Die seit 1856 bestehende Neue Frankfurter Zeitung hat sich schnell einen großen Leserkreis gewonnen. In Französischer Sprache erscheint dort L'Europe, welche wie früher das Journal de Francfort viele u. mannichfache diplomatische Mittheilungen, namentlich aus russischen Kreisen, gebracht hat; L'Europe hat ein größeres Format angenommen u. soll jetzt auch viel von der Französischen Regierung benutzt werden; sie hat französische u. deutsche Redacteure. Neueren Ursprungs ist die von Röckel herausgegebene Reform, welche dreimal wöchentlich erscheint u. den social-demokratischen Standpunkt einnimmt, u. der Volksfreund für das mittlere Deutschland. Einen mustergiltigen Vorgang für spätere Handels- u. Börsenzeitungen bildet der Actionär, welchen Hermann Scheerer begründete. Noch nennen wir den Arbeitgeber; die Laterne, ein Witzblatt; das Wochenblatt des deutschen Reformvereins; die Freien religiösen Blätter für Deutschland, welche monatlich dreimal erscheinen. Das Jahr 1848 hatte, zumal als die deutsche Nationalversammlung tagte, eine Menge Zeitungen hervorgerufen, welche sich jedoch auf die Dauer nicht halten konnten; so die Deutsche Reichstagszeitung u. das Reichsgesetzblatt, in welchem letzteren die provisorische Centralgewalt ihre Gesetze u. Anordnungen verkündigte; die Stenographischen Berichte der Deutschen Nationalversammlung unter der Redaction von Fr. Wigard. Der Taunus-Wanderer, welcher 1852 entstanden war, ging 1853 wieder ein u. die Presse hatte von 1854- 1858 mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen, welche sie jedoch meist glücklich überwand.

[934] p) In dem Herzogthum Nassau erschien vor der Märzrevolution kein einziges politisches Blatt; in Folge derselben tauchten mehre auf, wie z.B. das Deutsche Nassauische Wochenblatt; die Taunusblätter; die Freie Zeitung u. einige andere; die meisten derselben sind wieder eingegangen. Gegen Ausschreitungen der Zeitungspresse, nicht nur der einheimischen ist die Regierung sehr empfindlich, sondern auch in Betreff der fremden, u. noch zu Ende 1864 hat beispielsweise die nassauische Behörde das Polizeipräsidium in Köln requirirt die Kölnische Zeitung zu verwarnen. Zu Anfang 1865 erschienen in Wiesbaden die Mittelrheinische u. die Nassauische Landeszeitung, von denen die eine zeitweilig suspendirt war. Außer Localblättern sind noch das Deutsche katholische Sonntagsblatt u. der Lahnbote in Ems zu nennen.

q) In Oldenburg ist die Presse nicht bedeutend u. erst ein Halbjahrhundert alt. Die Nachbar-, namentlich die Bremische Presse dient daher als ein Auskunftsmittel. Die Oldenburgische Zeitung kam bis 1845 auf Staatskosten heraus, wurde dann aber Privatzeitung. Die Bewegung des Jahres 1848 trat hier auch nicht gewaltig ein u. verlief sich daher auch schneller als anderwärts. Die Schöpfungen dieser Revolutionszeit hielten sich nicht lange. Die Preßapathie ist übrigens um so bemerkenswerther, als die Regierung der Presse keine lästigen Beschränkungen auferlegt. Als nach Beendigung des von Preußen u. Österreich im Jahre 1864 gegen Dänemark geführten Krieges auf die Elbherzogthümer oldenburgische Erbansprüche erhoben wurden, mußte die Verfechtung derselben in auswärtigen Blättern geschehen. Inzwischen scheint man neuerdings im Lande selbst nachhelfen zu wollen. So ist im März 1865 in Oldenburg eine Zeitung, Die Biene, hervorgetreten. Auch in Brake u. Jever sind neue Zeitschriften entstanden, ebenso von nichtpolitischen Zeitschriften ein Oldenburgsches Schulblatt.

r) In Bremen erfreute sich die Presse auch in der Zeit vor 1848 mannigfacher Begünstigung, u. namentlich der Senator Smidt war den Preßbeschränkungen abgeneigt. In früherer Zeit übte die Bremer Zeitung einen großen Einfluß namentlich im Bremenschen Gebiete. Im Jahre 1845 wurde sie umgestaltet u. erhielt Alfred Wohlbrück zum Redacteur, welcher auch 1865 noch der Weserzeitung angehört, mit welcher sich die Bremer Zeitung verschmolz. Die Weserzeitung ist jetzt das Hauptblatt, welches nicht nur am Erscheinungsorte (Bremen), sondern auch in weiteren Kreisen u. namentlich im Oldenburg'schen viele Theilnahme zu erzielen gewußt hat. Verleger ist der Buchhändler Schünemann; an der Redaction betheiligt sind Wohlbrück, Mohr u. seit 1864 auch Alexander Meyer. Das Feuilleton ist reichhaltig, ebenso der Correspondenzstoff, welchen die Zeitung namentlich aus Deutschland u. Amerika liefert. Von Bedeutung ist ferner das Bremer Handelsblatt u. die Auswanderungszeitung. Noch sind zu nennen: der Courier an der Weser, die Bremer Morgenpost, die Bremer Nachrichten, der Bürgerfreund, das Sonntagsblatt mit Monatsbeilage, welches aber die Politik weniger hervortreten läßt. Ein früher von Dulon herausgegebenes socialistisches Blatt, Die Tageschronik, hatte keinen Fortgang, ebenso das von demselben herausgegebene Sonntagsblatt Der Wecker. Verschiedene andere von 1848 bis 1850 erschienene Blätter sind gleichfalls wieder verschwunden, so: Die Reform, Beobachter, Volksfreund, ein pietistisches Blatt Blicke in die Zukunft nach der Schrift. Ebenso wenig konnten sich rein belletristische Blätter halten.

s) In Hamburg hatte sich das Zeitungswesen schon im vorigen Jahrhundert zu einer gewissen Bedeutung erhoben. Hamburgs Einfluß reichte auch hier sehr weit, namentlich der, welchen der Hamburgische unparteiische Correspondent von Staats- u. gelehrten Sachen ausübte. Von der früheren Verbreitung dieser in ihrer jetzigen Verfassung 1731 gegründeten Zeitung ist schon oben (S. 922) die Rede gewesen. Die Verbreitung erstreckte sich aber nicht blos auf Nord- u. Mitteldeutschland, sondern auch auf Amerika, Australien u. andere überseeische Gebietstheile, wo Deutsche eine zweite Heimath gefunden hatten. In der Zeit von 1820 ab empfing die Zeitung namentlich aus Preußen officiöse Mittheilungen, wurde auch von anderen Staaten mannigfach benutzt. Nach der Revolution von 1848 ließ sie sich jedoch von anderen Blättern verschiedentlich überflügeln, so daß seitdem die Zahl ihrer Abnehmer gesunken ist. Der Hamburger Senat hat den Correspondenten auch zum Amtsblatt erklärt, ohne daß diese Neuerung einen besonderen Aufschwung herbeigeführt hätte. Ihr Redacteur ist seit 30 Jahren Runkel. Die Grundschen Erben, die langjährigen Verleger der Zeitung, sollen diese im März 1865 einer Actiengesellschaft abgetreten haben. Die verbreitetste Zeitung Hamburgs führt den Titel Hamburger Nachrichten. Das Blatt besteht seit 1792, war aber bis 1848 ein Localblatt, ein Organ für städtische Angelegenheiten u. der Tummelplatz aller Parteien. Nach 1848 hob es sich zu einer wirklichen Zeitung, welche durch die Reichhaltigkeit ihrer Mittheilungen, Feuilletons u. Telegramme jetzt eine geachtete Stelle unter den deutschen Zeitungen einnimmt. Herausgeber sind Hermanns Erben, Redacteur ist Hartmeyer. Den preußischen u. den Nachrichten aus den Elbherzogthümern wird eine besondere Beachtung zugewandt, ohne daß deshalb andere Länder u. Welttheile vernachlässigt würden. Über mecklenburgsche Zustände erfährt man vieles aus dieser Zeitung. Ein sehr bedeutendes Blatt ist die Börsenhalle, Hamburgische Abendzeitung für Handel, Schifffahrt u. Politik; sie empfängt aus Wien u. Berlin gleichzeitig officiöse Correspondenzen u. hat auch aus Rußland viele Nachrichten. Sie erscheint in einem Hauptblatte u. einer Beilage, welche auch besonders abgegeben wird. Das Format ist mit eines der größten unter den Zeitungen Deutschlands. Als Redacteure, Verleger, Drucker sind Gerhard v. Hosstrup u. Sohn genannt; einer der Hauptredacteure war 1864 Meinhold. Ein anderes in Hamburg weit verbreitetes Blatt sind die Jahreszeiten, welche schon vor 1848 einen großen Leserkreis hatten u. der demokratischen Richtung folgen; derselben Richtung gehört auch die Reform (unter Richters Leitung), der entgegengesetzten die Hamburger Zeitung, eine neuere Schöpfung, an. Noch sind zu nennen: die Eisenbahnzeitung (in Bergedorf), das Neue Hamburg, die Nessel u. die Wespen (beides auch Witzblätter, aber mit ausgesprochenen politischen Strebungen, welche sich namentlich in dem Schleswigholsteinschen Erbfolgestreite kundgegeben haben); ferner das Staatsarchiv, welches von Klauhold[935] u. Agidi in Monatsheften herausgegeben wird u. eine Fundgrube für diplomatische Actenstücke ist. Zu Anfang März 1865 wurden die Protokolle des 1863 in Frankfurt a. M. gehaltenen Fürstentags zum ersten Male in diesem Archive veröffentlicht. Von nicht streng politischen Blättern sind zu nennen: die Deutsche Jugendzeitung, die bald fünfzigjährigen Lesefrüchte vom Felde der neuesten Literatur, Omnibus (mit Illustrationen). Mit dem 1. April 1865 ist noch eine Hamburg-Altonaer Illustrirte Zeitung neu hinzugetreten. Von den nach dem März 1848 entstandenen Zeitschriften sind viele bald wieder eingegangen, so die Morgenzeitung, welche vorwiegend politischen Inhalts war. Im Vergleiche zu anderen Staaten war die durch die Revolution auf die Zeitungspresse hervorgebrachte Wirkung nicht eben erschütternd. Der von W. Marr geleitete Mephistopheles ging 1852 ein, u. sein Nachfolger Asmodi führte gleichfalls nur ein kurzes Dasein. Auf dem Hamburger Gebiete erscheinen gleichfalls Localblätter.

t) Lübeck besaß vor 1848 keine eigene größere politische Zeitung; mehre kleinere Blätter verdankten der Revolution ihr Dasein. Von den jetzt bestehenden Zeitungen ist in erster Reihe die Lübecker Zeitung zu nennen, welche sich auch über das nächste Gebiet hinaus eine gewisse Geltung verschafft hat; ferner die Lübeckschen Anzeigen, die Lübeckschen Blätter u. der Volksbote.

u) In den Elbherzogthümern (Holstein, Schleswig u. Lauenburg) hat die Zeitungspresse seit dem Jahre 1864, zu der Zeit, wo der Krieg der deutschen Großmächte gegen Dänemark ausbrach, eine große Wandelung erfahren, indem sich von da ab Stimmen für die Rechte des Augustenburgers, des Oldenburgers, od. für den Anschluß der Herzogthümer an Preußen geltend gemacht haben. Bis 1848 war die Presse der Herzogthümer fast rein local, obwohl sich einzelne Organe eine Wichtigkeit zu verschaffen wußten, wie das seit 1829 von Theodor Olshausen redigirte Kieler Correspondenzblatt, welches der demokratischen Richtung huldigte. Einen bedeutenden Aufschwung nahm die Presse nach der Erhebung des Jahres 1848, u. es trat dann, wie schon früher die Neuen Kieler Blätter unter Redaction von Lorenzen, so das Schleswig. Holsteinsche Wochenblatt von N. Falk für die vaterländischen Interessen wieder in die Schranken. Die Märzrevolution von 1848 rief bes. in Altona mehre ephemere demokratische Blätter hervor, z.B. den Tagwächter von Prinz, später die Schleswig-Holsteinschen Bürgerblätter u. den Grobian von Katzenberger. In Heide erschienen Pauly's Dithmarsche Blätter, in Rendsburg die demokratischen Zeitungen: Das Volk, redigirt von Harro Harring, u. Schleswig-Holstein, von Baumeister. In Schleswig, Husum, Eckernförde, Glückstadt u. einigen anderen Städten erschienen von 1848–1850 nur Intelligenz- u. Wochenblätter. Mit der Wiederbefestigung der dänischen Macht verloren sich manche Blätter u. die Stimmführer zogen sich zurück. Von den jetzt nach geschlossenem Wiener Frieden (30. Oct. 1864) wirkenden Zeitungen ist zunächst zu nennen der Altonaer Wecker, welchen Friedrich Dörr als verantwortlich zeichnet. Das Blatt hat in neuerer Zeit verschiedene Wandelungen erfahren u. gibt gegenwärtig eine gute Zusammenstellung von Nachrichten u. amtliche Mittheilungen. Ferner erscheint in Altona die Schleswig-Holsteinsche Zeitung unter Redaction M. May's; sie verficht die Augustenburgschen Interessen u. kämpft für die unverkümmerte Selbständigkeit des Landes unter seinem legitimen Herzog Friedrich. In Flensburg ist das Hauptblatt die Norddeutsche Zeitung, welche von Römer redigirt wird, den preußischen Forderungen das Wort redet u. sich die sogenannten nationalen Interessen angelegen sein läßt. In Schleswig verfolgen die Schleswiger Nachrichten, redigirt von Johannsen, dieselben Zwecke. In Flensburg erscheint auch noch die Flensburger Zeitung, welche sich in Gesinnung u. Haltung von der Norddeutschen unterscheidet. Ferner erscheinen: das Rendsburger Wochenblatt, die Kieler Zeitung, das Kieler Wochenblatt, die Itzehoer Nachrichten, der Wandsbecker Bote, die Angler Zeitung in Oppeln. Von wissenschaftlichen Zeitschriften haben die Altonaer Astronomischen Nachrichten einen Ruf.

Auch w) in Mecklenburg hatte das Jahr 1848 eine weitverbreitete u. viel gelesene demokratische Presse hervorgerufen. Dahin gehörten: Blätter für freies Volksthum, redigirt von Sanders, vom 2. Juli 1848 bis März 1849; der Mecklenburger Bürgerfreund, redigirt von Polenz u.a.m. Auch die Neue Schweriner politische Zeitung u. die Neue Schweriner Zeitung fallen in diese Zeit. Das Preßgesetz von 1850 u. noch andere Verordnungen haben der Presse Schweigen, bes. über heimische Zustände u. Angelegenheiten, auferlegt. An Unterdrückungen heimischer u. Verboten außermecklenburgischer Zeitungen fehlte es auch nicht. Die Rostocker Zeitung (1710 gegründet), war früher demokratisch u. hat verhältnißmäßig den größten Leserkreis; ihr zunächst steht die in Schwerin erscheinende, früher constitutionelle Mecklenburger Zeitung. Der Norddeutsche Correspondent, gleichfalls in Schwerin herauskommend, ist das Blatt der Regierung. Das einmal wöchentlich in Ludwigslust erscheinende Schulblatt möge als Vertreter der nicht mit Politik sich beschäftigenden Presse genannt werden.

Was die Zeitschriften Deutschlands anlangt, so sind die wesentlichen der jetzt noch erscheinenden bereits oben unter den einzelnen Ländern, wo sie erscheinen, angeführt; hier gilt es noch einen Rückblick auf die älteren zu werfen, wobei, mit Übergehung der den einzelnen Fachwissenschaften angehörigen, sich auf die allgemeinen Literaturblätter u. encyklopädische Zeitschriften beschränkt werden soll. Deutschland ist das reichste Land an Zeitschriften, bes. an gelehrten. Die allgemeinen Literaturzeitungen u. ähnliche Blätter von beurtheilender u. referirender Tendenz (gelehrte Zeitungen) begannen mit der Übersetzung der Jahrgänge 1665–70 des Journal des Savans durch Fr. Nitzsch ins Lateinische. Das erste Originalnationalwerk waren aber die 1682 zu Leipzig von O. Mencke unternomenen u. von dessen Sohn I. B. u. Enkel F. O. Mencke, zuletzt von 1754–1776 von Bel fortgesetzten, weit verbreiteten, lateinisch geschriebenen Acta eruditorum, seit 1732 unter dem Namen Nova acta eruditorum, beide mit reichhaltigen Supplementen; sie waren früher mehr referirend u. kurze Auszüge gebend, als recensirend u. enthielten nebenbei auch Abhandlungen. F. B. Carpzov, Th. Ittig, Leibnitz, V. L. v. Seckendorf, Cellarius, Schurzfleisch, Thomasius, Saggitarius, Wagenseil, P. Leyser, H. von Bünau u. Andere lieferten Beiträge zu ihnen. Sie bestanden bis 1776, doch erschien der letzte Jahrgang erst 1782. Mit den Supplementen[936] u. Registerbänden zählen sie 117 Bde., 4., Nova litteraria in suppl. Actor. erud., von I. G. Krause, 6 Bde., waren in Lpz. 1718–1723 erschienen. In Deutscher Sprache u. dialogischer Form erschienen zu gleichem Zwecke die Montagsgespräche von Chr. Thomasius, Halle u. Lpz. 1688–90, u. W. E. Tentzels Monatliche Unterredungen etc. von allerhand Büchern, Lpz. 1689–98, das erste deutsche Journal nach dem Beispiel der periodischen Schriften der Franzosen, worin die neuen literarischen Producte mit großer Freimüthigkeit beurtheilt wurden u. wovon desselben Curieuse Bibliothek, ebd. 1794–96, 3 Bde., die Fortsetzung war. Neben ihnen erschienen die Novellen aus der gelehrten u. curiösen Welt, Frankf. u. Gotha 1692, u. die Nova litteraria maris baltici et septentrionalis, erst zu Lübeck 1698–1703, dann Hamb. 1704–7 u. zuletzt Lpz. 1708 von A. D. L. u. I. v. Mellen u. C. H. Stark. Mit dem 18. Jahrh. begannen die Monatlichen Auszüge aus neu herausgegebenen Büchern von I. G. Ekkard, zuerst Hannover 1700–1702, dann Hamb. 1703–1709; Leßmanns u. Strasbergs Nova litteraria Germaniae aliorumque Europae regnorum, Hamb. 1703–9, u. Grundlings Auserlesene Anmerkungen über allerhand wichtige Materien u. Schriften, Halle 1704–1708. An letztere schloß sich Gundlings, Schmaus's u. And. Neue Bibliothek etc., Frankf. u. Lpz. 1709–21, an. Woltereck, I. G. Krause n. Chr. Schöttgen gaben Lpz. 1708–1710 Ausführlichen Bericht von allerhand neuen Büchern; I. G. Krause u. I. G. Walch den Neuen Büchersaal der gelehrten Welt, ebd. 1710–17, Pezold u. Andere die gelehrte Fama, ebd. 1712–18, Rabener u. später Jöcher 1712–56 die Deutschen Acta eruditorum heraus, welche Blätter seit 1740 den Titel: Zuverlässige Nachrichten von dem gegenwärtigen Zustand, Veränderungen u. Wachsthum der Wissenschaft annahmen. Am längsten von deutsch geschriebenen Journalen hielt sich die Leipziger Neue Zeitung von gelehrten Sachen, 1715–97, welche neben Andern auch Chr. Dan. Beck redigirte; in ihr findet man bis 1740 alle in- u. ausländischen Journale auszugsweise. Neben derselben bestanden noch, erfreuten sich aber nur einer kurzen Dauer, I. Ch. Franks u. And. Vermischte Bibliothek, Halle 1708–1710; Abgesonderte Bibliothek, ebd. 1718–19; Gebauers Historie der Gelehrsamkeit unserer Zeiten, ebd. 1721–26; die in Nürnberg herausgekommenen Nova litteraria circuli Franconici, 1720, die Fränkischen Acta eruditorum, 1727–1732, die Nützlichen u. auserlesenen Arbeiten, 1733–36. In Niedersachsen erschienen Hamanns Hamburgische Auszüge aus neuen Büchern, 1728, Leisners Niedersächsische Nachrichten von gelehrten neuen Sachen, 1731–36; als Holzbecher 1732 dieses Blatt übernahm, gab Kohl die Hamburger Berichte von neuen gelehrten Sachen bis 1757 heraus, woran sich Ziegras Hamburger Nachrichten aus dem Reich der Gelehrsamkeit bis 1770 schlossen. Noch früher erschienen Hockers Frankfurter gelehrte Zeitung, 1736–70, auf welche Dainets Frankfurter gelehrte Anzeigen bis 1786 folgten; Merk, Goethe u. Schlosser waren Mitarbeiter an derselben. In Berlin entstanden auch die Briefe die neueste Literatur betreffend, Berl. 1759–65, 24 Thle., u. hauptsächlich von Lessing, Mendelsohn, Abbt, Nicolai u. Andern geleitet, die Allgemeine deutsche Bibliothek, ebd. 1766–96, 118 Bde., u. als deren Fortsetzung die Neue allgemeine deutsche Bibliothek, ebd. 1792–1806, 107 Bde., wohl das berühmteste kritische Institut damaliger Zeit, worin weniger referirend als recensirend verfahren wurde, u. zwar mit der größten Schonunglosigkeit, oft Bitterkeit, doch aber unparteiisch u. wegen des Angriffs auf alte, verjährte Vorurtheile zu einer neuen Periode in der Culturgeschichte Deutschlands führend. Die gegen die Allgemeine deutsche Bibliothek gerichtete u. 1768 von Klotz in Halle herausgegebene Zeitschrift konnte keinen Einfluß gewinnen. Über Nicolai's Partei stehend gab Herder 1769 die Kritischen Wälder heraus, Wieland im Deutschen Mercur, 1773–89, u. im Neuen Deutschen Mercur, 1790–1805, brachte den durch die seitherigen Bemühungen der Kritik bekämpften französischen Geschmack wieder zurück, ohne denselben jedoch unbedingt in die deutsche Literatur wiedereinführen zu wollen, u. bewirkte, daß die deutsche Kritik einen vielseitigeren Charakter annahm u. in der Beurtheilung sich eines feineren Anstandes befleißigte. Andere Recensirinstitute jener Zeit waren die Gothaische gelehrte Zeitung 1774–1804, die Nürnberger gelehrten Anzeigen 1790–98 etc. Vorzüglich waren es aber damals die Universitäten Deutschlands, von denen, wie später, kritische Journale angelegt u. unterhalten wurden, u. fast jede Universität hatte ein solches. Dergleichen allgemeine literarische Journale waren zu Erfurt Gelehrte Nachrichten, 1761–68, u. unter ähnlichen Namen bis 1803, worin in der späteren Zeit die Namen der Recensenten genannt wurden, dann die Erfurter gelehrte Zeitung 1781–1796; zu Erlangen Compendium historiae litterar. novissimae, 1799–1810, schon früher unter anderen Titeln seit 1746 herausgegeben, aber ohne bes. Aufsehen zu machen, u. die Erlanger Anmerkungen u. Nachrichten seit 1746 u. die Erlanger gelehrte Zeitung 1790–1797. Damals erschien auch in Göttingen, wo schon Kahle 1737–44 einen Abriß von dem neuesten Zustande der Gelehrsamkeit herausgab, mit der Gründung der Universität 1739 ein gelehrtes Blatt: Göttinger Zeitung von gelehrten Sachen, welche nach Annahme von verschiedenen Namen endlich unter dem Göttinger gelehrten Anzeigen bis auf unsere Zeit bestehen u. unter Hallers, Heynes, Eichhorns etc. Redaction großen Ruf erhielten, jetzt aber nur geringen Absatz finden. Zu Greifswald erschienen Dähnerts Pommersche Nachrichten von gelehrten Sachen, 1743–47; Möllers Kritische (später Neue, Neueste kritische) Nachrichten, 1748–1805; zu Halle die Gelehrte Zeitung, 1766–92, welcher schon Gundlings Auserlesene Anmerkungen u. Neue Bibliothek, so wie andere ähnliche Schriften vorausgegangen waren; zu Helmstädt kamen Schirachs Ephemerides litterariae, 1770–75, von da bis 1781 Henkes Commentarii de rebus novis litterariis u. bis 1778 Bruns Annales litterarii heraus u. Helmstädtische Literarische Zeitung 1791 u. 1792. Auch in Jena begann Fabricius 1726 Monatliche Nachrichten von gelehrten Leuten u. Schriften herauszugeben, denen die Jenaische gelehrte Zeitung, dann die Jenaische Zeitung von gelehrten Sachen u. seit 1782 die Jenaische Zeitung unmittelbar folgten; zu Kiel die Gelehrte Zeitung, 1771–76, darauf bis 1783 das Literaturjournal, dann die Gelehrte Zeitung mit einiger Unterbrechung bis 1797; zu Königsberg in Preußen die Königsberger[937] gelehrte Zeitung, 1764–69; die zu Leipzig erschienenen allgemeinen literarischen Journale sind oben angegeben worden, von Marburg sind Estors Marburgische Beiträge zur Gelehrsamkeit, so wie andere seit 1749 zu erwähnen; zu Prag die Gelehrten Nachrichten, 1771–73; zu Rostock Etwas von gelehrten Rostockischen Sachen seit 1737, darauf 1752–63 Gelehrte Nachrichten; 1762–73 Neue Berichte von gelehrten Sachen u. dann Erneuerte Berichte von gelehrten Sachen; zu Salzburg erschienen, von Hühner redigirt, die Gelehrten-Zeitung 1788–1822 etc.; zu Tübingen Berichte von gelehrten Sachen, 1752–57, später Tübinger gelehrte Anzeigen bis 1797; zu Würzburg die Gelehrten Anzeigen, 1786–1803. Bes. aber bildeten sich mit der Zeit drei bedeutende Literaturinstitute aus, zuerst die Allgemeine Literaturzeitung, zu Jena 1785 von Bertuch begründet u. von Schütz u. Hufeland redigirt; als Schütz 1804 wieder nach Halle ging, verlegte er die Redaction dahin u. redigirte sie mit Ersch gemeinschaftlich seit 1804, zuweilen literarisch-historische Übersichten einzelner wissenschaftlicher Fächer liefernd, u. unter der gemeinschaftlichen Redaction von 9 Halleschen Professoren bestand sie bis 1848, wo sie einging. Aber in Jena begründete Eichstädt statt derselben die Jenaische allgemeine Literaturzeitung bis 1842; seit 1843 erschien die Jenaische Literaturzeitung unter der Redaction von Hand, in Leipzig bei Brockhaus, ging aber 1848 ebenfalls ein. 1800 entstand die Leipziger Literaturzeitung, hörte aber 1834 wegen Mangel an Theilnahme u. wegfallender Staatsunterstützung auf. Als Becks Repertorium, 1820 zu Leipzig begründet, welches sich nur auf kürzere Inhaltsanzeigen beschränkte, aufhörte, begann 1834 zu Leipzig das von Gersdorf geleitete Repertorium der gesammten Deutschen Literatur, welches eine Übersicht aller in deutscher Zunge jährlich erscheinender Bücher zu geben strebte, aber 1843 mit dem 34. Bde. geschlossen wurde. An dessen Stelle trat das Leipziger Repertorium der deutschen u. ausländischen Literatur seit 1844. Weniger umfassend, aber gut u. streng prüfend, sind die Heidelberger Jahrbücher der Literatur, unter Mitwirkung der vier Facultäten zu Heidelberg herausgegeben; sie erscheinen seit 1808 in Monatsheften. Die Wiener Literaturzeitung, 1813 von Sartori begonnen, später von Hülsemann redigirt, ging schon 1816 wieder unter; an ihre Stelle traten 1818 Wiener Jahrbücher der Literatur, welche sich, ungeachtet ihrer Gründlichkeit, nicht weit verbreitet haben u. zu ihrem Bestehen der kaiserlichen Unterstützung bedürfen, sie erscheinen in monatlichen Heften. Ähnlich verhält es sich mit den Gelehrten Anzeigen der königl. baierischen Akademie der Wissenschaften zu München, welche wöchentlich dreimal erscheinen. Auch die Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik erschienen bei Cotta seit 1827 u. wurden von Berlin aus, wo sie später erschienen, von einem Verein Gelehrter redigirt; sie waren ein Unternehmen auf Actien u. gingen 1847 ein. Dagegen erschien zweimal die Woche zu Berlin eine Literarische Zeitung, 1834 von Büchner begründet u. dann bis 1849 von Brandes fortgeführt, wo sie aufhörte. Das Literarische Wochenblatt in Berlin hat mehr politische Tendenz u. ist streng conservativ, eben so der von Huber 1845 bis 1848 herausgegebene Janus. Die Quartalschrift Hermes, welche seit 1819 bei F. A. Brockhaus zu Leipzig herausgegeben wurde u. sich nur auf die wichtigsten Erscheinungen in der Literatur beschränkte, ist 1831 wieder eingegangen. Da durch jene, meist nur für gelehrte Zwecke geschriebene Zeitschriften auch bei dem nicht gelehrten, aber gebildeten Theile der Nation das Interesse an literarischer Kritik geweckt wurde, so bildeten sich auch für diese Zwecke theils selbständige Zeitschriften, wie Kotzebue's Literarisches Wochenblatt, welches einst großen Absatz hatte, aber nach Kotzebues Tode unter Müllners Leitung sehr herabkam, bis es Brockhaus in Leipzig 1820 an sich brachte (wogegen Müllner nun 1823 u. 1824 die Hekate herausgab), der ihm einen ernsteren Charakter gab; es erschien seitdem unter dem Titel: Literarisches Conversationsblatt, später, seit Juni 1826, wegen eines Verbots in Preußen als Blätter für literarische Conversation u. jetzt als Blätter für literarische Unterhaltung. An die Seite stellte sich ihm 1827 das Berliner Conversationsblatt, welches jedoch bald auch unterhaltende Aufsätze mit aufnahm u. in der früheren Form wieder erloschen ist, auch wurden Blätter ähnlichen Inhalts als Beilagen zu mehren Unterhaltungszeitschriften, wie zum Morgenblatt, zur Abendzeitung u.a. gegeben. Alle diese letztgenannten Zeitschriften zogen wohl auch andere Gegenstände, namentlich Politik, in ihr Bereich, indem sie einzelne Gegenstände des Staats- u. öffentlichen Lebens besprachen; noch mehr thaten dies aber die Hallischen Jahrbücher, seit 1838 von Ruge u. Echtermeyer in Halle herausgegeben, aber von O. Wigand in Leipzig verlegt. Aber mehre Äußerungen, so wie die ganze Tendenz fanden Anstoß bei der preußischen Regierung, u. sie durften seit 1841 nicht mehr in Halle redigirt werden. Daher siedelten sie nach Dresden über, wo Ruge allein sie als Deutsche Jahrbücher noch 11 Jahr fortführte. Allein auch in Sachsen stießen sie, bes. auf preuß. Requisition, auf neue Schwierigkeiten u. mußten endlich mit Beginnen des 6. Jahrgangs 1843 auch hier aufhören. Der Versuch, sie unter anderer Form, als O. Wigands Vierteljahrsschrift, 1844 zu erneuen, mißlang, indem diese 1845 ebenfalls aufhören mußte. An ihre Stelle traten auf kurze Zeit die Epigonen. Antiquitäten behandelte N. Naumanns Serapeum, Zeitschrift für Bibliotheken, Wissenschaft, Handschriftenkunde u. ältere Literatur, in Leipzig bei O. Weigel seit Juli 1840 herauskommend. Die Allgemeine Monatsschrift für Literatur, von Roß u. Schwetschke 1850 begonnen u. seit Juli 1851 von Droysen, Harms, Nitzsch u. A. als Allgemeine Monatsschrift für Wissenschaft u. Literatur fortgeführt, konnte sich nur bis Ende 1854 erhalten. Seit 1850 erscheint in Leipzig das Literarische Centralblatt, redigirt von Zarncke, welches die neuesten Erscheinungen der vaterländischen Literatur mit Beurtheilung anzeigt.

An die literarischen Blätter schließen sich die encyclopädischen Zeitschriften an, ja einige, wie die Acta eruditorum, streifen in ihr Gebite hinüber. Das erste derartige Unternehmen war das Welt- u. Staatstheater, eine Zeitschrift politischen u. allgemein literarischen Inhalts, die in 12 Heften, Erfurt bei Nonne 1736–1740, von Abbildungen begleitet, erschien. Von da an erhielt es den Titel: Verbessertes Welt- u. Staatstheater, dann von 1751 an: Neu eröffneter Schauplatz aller vorfallenden Staats-, Kriegs- u. Friedensbegebenheiten, wie auch den: Neueste Geschichte der Kirchen, der Gelehrsamkeit u. der Natur[938] nebst anderen Merkwürdigkeiten aus allen Theilen der Wissenschaften, in den achtziger Jahren aber den: Unterhaltendes Schauspiel nach den neuesten Begebenheiten des Staats, der Kirche, der galanten Welt u. des Naturreichs. 1801 erhielt sie den Titel: Neueste Weltbühne, u. erlosch mit 1809. 1815 begann eine neue Folge als: Neue Weltbühne, welche bis 1824 dauerte. Obgleich nur Compilation, ist dies Journal doch als fortlaufende Übersicht von 73 Jahren zu beachten. Rein encyclopädische Zeitschriften sind aber eigentlich ein Erzeugniß unserer Zeit mit ihrer encyclopädischen Tendenz, indessen vermochte noch keine das encyclopädische Streben in seinem ganzen Umfange durchzuführen, sondern bei allen herrschte die eine od. die andere Wissenschaft vor; so beim Hesperus, welcher, von André redigirt, erst zu Brünn 1809–11, dann zu Prag 1812–21, endlich zu Stuttgart bis zu Andrés Tode u. später, von Fr. Notter redigirt, 1821–32 erschien. Anfangs die Naturwissenschaften, bis, unter der letzten Redaction, die Politik Hauptgegenstand wurde; so bei der von Oken seit 1818 herausgegebenen Isis die Naturgeschichte, bes. die Zoologie u. Zootomie, so bei der Weltkunde von Malten Politik u. Geschichte. Auch A. Diezmanns Welt u. Zeit od. Blätter aus der Gegenwart, seit 1831, welche Anfangs ein Beiblatt zur Leipziger allgemeinen Modezeitung bildeten, später unabhängig ausgegeben wurden; auch die Hamburger wöchentlichen gemeinnützigen Nachrichten in 6 Blättern die Woche u. Ad. Schmiedls Österreichische Wissenschaft u. Kunst etc. in 3 Blättern, so wie die von Cotta in Stuttgart herausgegebene Vierteljahrsschrift, obgleich diese vorzugsweise die praktische Staatswirthschaft behandeln, u. früher Marbachs Jahreszeiten, welche mehr Philosophie, Theologie u. Ästhetik umfassen, sind dergleichen.

I) Die Schweiz hat im Verhältnisse zu ihrer Bevölkerung von allen Ländern Europas die massenhafteste periodische Literatur, was hauptsächlich in der freien Verfassung der Republik ihren Grund hat. Preßfreiheit, wie Vereins- u. Versammlungsrecht sind hier den Bürgern gewährleistet, u. es wird von jener Freiheit auch ein umfassender Gebrauch gemacht. Da alle Parteien u. Parteifractionen ihre Organe haben, durch welche sie auf ihre Genossen zu wirken suchen, so ist der Ton der Blätter verschieden, mitunter maßvoll u. besonnen, mitunter derb u. leidenschaftlich. Vorwiegend beschäftigt sich die Mehrzahl der Zeitungen mit den inneren, beziehentlich Cantonalangelegenheiten, doch wenden manche auch dem Auslande größere Beachtung u. Theilnahme zu In dem Canton Graubündten erscheinen auch Zeitungen in Romanischer Sprache. Weit über 200 Blätter erscheinen in der Schweiz; zu den auch im Auslande bekannteren u. gelesenen gehören: in Bern: der Bund, die Eidgenössische Zeitung, die Berner Zeitung, vereint mit der Schweizer Zeitung, die Schweizer illustrirte Wochenzeitung, das Schweizerische Unterhaltungsblatt; von nichtpolitischen: die Bernischen Blätter für Landwirthschaft, das Schweizerische Bundesblatt. In Zürich: die Neue Züricher Zeitung; das Tageblatt, die Freitagszeitung u. der Weiße Adler, welcher die Interessen der polnischen Emigration vertritt; die Eisenbahn- u. Handelszeitung. Dann: Aarauer Tageblatt, Aargauer Zeitung, Appenzeller Zeitung, Echo vom Jura in Solothurn, Glarner Zeitung Ostschweizerisches Wochenblatt in Rorschach, St. Gallen-Zeitung, Schaffhausener Tageblatt, Schweizer Bote in Aarau, Schweizer Schützenzeitung, Schweizerischer Handelscourier in Biel, welcher interessante politische Mittheilungen bringt, Schwyzer Zeitung, Tagblatt der Stadt St. Gallen (der östlichen Schweiz), Tagblatt, Bündner in Chur, Thurgauer Zeitung in Frauenfeld, Zuger Zeitung, Neue in Zug. Von nichtpolitischen: Allgemeine Schweizer Handelszeitung u. Postheiri in Solothurn, Allgemeine Schweizer Militärzeitung u. Monatsblatt von Beuggen in Basel, Evangelisches Wochenblatt in Zürich. In Französischer Sprache erscheinen unter anderen in Neuchâtel: Courrier de Neuchâtel, Union liberale; in Genf: Journal de Genève, Nation Suisse, u. von nichtpolitischen: Archive des sciences naturelles u. Bibliotheque universelle; in Lausanne: Gazette de Lausanne, Novelliste Vaudois; von nichtpolitischen: Journal pédagogique, Lectures pour les enfants. Der Canton Tessin hat italienische Zeitungen; die romanischen Zeitungen sind: Il Grischun u. Foegl d'Engiadina. Auch die verschiedenen religiösen Interessen finden eine ausreichende Vertretung.

K) In Schweden erschienen die ersten Zeitungen zu Anfang des 17. Jahrh., als der Eifer für Wissenschaft rege zu werden begann. Auch hier handelte es sich zunächst nur um Ereignisse, welche sich außerhalb des Reichs zugetragen hatten. Das erste derartige Flugblatt handelt von dem, was sich in Stralsund zugetragen, u. erschien 1507 in Stockholm. Mit dem Jahre 1606 erschienen in einem anderen Blatte Nachrichten aus Lübeck, Danzig, Rußland, Polen u. von der Belagerung Narwas. Eine erste regelmäßige, diese in unbestimmten Fristen herausgekommenen Flugblätter verdrängende Zeitung war die Ordinarie Post-Tidende (1643 bis 1680), u. es wurde also auch hier, wie in Deutschland, die Post mit der Zeitung in Verbindung gebracht. Dieser Zeitung folgte der Schwedische Merkur (bis 1683), die in Lateinischer Sprache geschriebenen Relationes curiosae (bis 1701), Svenska Postillon u.a.m. Die vorgenannten hatten alle die Hauptstadt des Landes, Stockholm, zum Erscheinungsorte u. suchten sich namentlich zur Zeit der Kriege Gustav Adolfs u. Karls XII. interessant zu machen. In den ersten Decennien des 18. Jahrh. vergrößerte sich die Zahl der Zeitschriften u. Zeitungen bedeutend; bereits erschienen auch Journale für einzelne Fächer u. Richtungen; so begann 1733 eine Handelszeitung, der Kaufmännische Merkur. Die ersten Zeitungen in Französischer Sprache waren Gazette française de Stockholm (1742) u. Mercure de Suède (1772). Obgleich sich Stockholms Posten; welche 1778 von Kellgren u. Lenngren gegründet wurde, neben ihrem belletristischen Inhalt auch schon an die Besprechung u. Beurtheilung politischer Neuigkeiten des Auslandes wagte, so blieb doch die Tagespresse ohne alle sichtbare Macht, bis der Kampf der Klassiker u. Romantiker auf dem Felde der Literatur (s. Schwedische Literatur S. 572 f.) die Bewegung der Geister auch auf das politische Gebiet hinüberführte. Vorherrschend politisch u. der Besprechung der inneren Angelegenheiten des Staats gewidmet waren außer dem Eilboten u. Anmärkaren, bes. der Argus, 1820 von Johanßen gegründet, u. Borgaren (der Bürger), welchen 1829 Hjerta, der erste bedeutende Vertreter der schwedischen[939] Presse, begann. Einen neuen Aufschwung nahm die schwedische Journalistik nach der Julirevolution von 1830. Während 1801 25, 1821 48, 1829 62 Zeitungen in Schweden erschienen waren, zählte man deren 1831 bereits 80 u. 1841 112. In den späteren Zeiten hat sich eine merkliche Vermehrung nicht wahrnehmen lassen. Seit 1830 hat die schwedische Journalistik einen vorherrschend politischen Charakter angenommen, u. da die Regierung in der neuen Zeit die Presse ungestört u. unbelästigt läßt, daß Preßprocesse gar nicht vorkommen, so nimmt die Zeitungspresse einen immer größeren Aufschwung. Seit einigen Jahren hat sich eine, eine Union der Skandinavischen Staaten befürwortende Richtung geltend gemacht, u. die eigentliche Regierungsopposition ist in der Presse wenigstens nicht mehr so laut wie ehedem, wo die fremden Einflüsse noch zu bekämpfen waren. Vor 1848 war die einflußreichste Zeitung das oppositionelle Aftonblad, welches 1830 von Hjerta begonnen wurde. Er verkaufte die Zeitung Anfangs 1852 u. sie kam unter die Redaction Bergstedt's. Ebenfalls sehr verbreitet ist Dagligt Allahanda, 1833 gegründet, führte seit 1852 den Titel Svenska Tidningen, ward von dem Obersten Hazelii redigirt u. vertrat die Reformpartei. Jetzt ist wieder ein Nya Dagligt Allahanda erstanden, welches jedoch dem Aftonblad noch keine erhebliche Concurrenz gemacht hat. Ein politisch-liberales Oppositionsblatt war Freya, welches seit 1836 erschien. Localblatt für Stockholm ist Stockholms Dagblad, seit 1824 erscheinend. Die officielle Zeitung ist seit 1834 Sveriges Stats-Tidning, welche später ihren Titel in Post-och Inrikes Tidningar verwandelt hat. Ministerielle Blätter waren vor 1848: Svenska Minerva, seit 1830, redigirt von Askelöf, u. Svenska Biet, seit 1839 als Fortsetzung des 1838 gegründeten Lottsedeln erscheinend u. an der Spitze der conservativen Blätter stehend, aber um Mitte der vierziger Jahre eingegangen. Eingegangen sind noch andere Blätter u. solche, welche die europäische Bewegung von 1848 hervorrief, wie Reformen, Folkets Röstet u. Odin, welche Nachahmungen u. Übersetzungen der heftigsten Artikel der französischen socialistischen u. communistischen Blätter brachten. Von Interesse sind noch Fädernesland u. der Väcktaren in Stockholm u. von nichtpolitischen Friskytten, Illusterad Tidning, Svensk Bibliographi u. die Zeitschrift der Kriegswissenschaftsakademie. Außer diesen wichtigeren, in Stockholm erscheinenden Blättern kommen noch fast in jeder Stadt Tage- od. Wochenblätter heraus, die jedoch nur ein provinziales od. locales Interesse bieten. Nennenswerth ist Göteborgs Handels- och Sjöfarts Tidning, seit 1832; das Wasablatt in Wasa u. Snäll Posten in Malmö.

Die erste Zeitung in Finnischer Sprache war Suomenkieliset Tietosanomat, welche Lizelius 1777 begann, die aber zu Ende des Jahres schon wieder einging. Diesem Blatte folgte Turon Wiikko-sanomat von Becker 1820 zu Åbo begonnen, welcher bis 1827 dauerte u. 1831 wieder auflebte. Denselben Zweck, den finnischen Landmann über seinen beschränkten Standpunkt zu erheben, verfolgte auch (Oulun Wiikko-sanomia, welcher seit 1829 zu Uleåborg, u. zwar seit 1852 unter Redaction Lönnrot's, erschien. Unterdessen war in Wiborg 1833 Sanan Saattajn Wipurista entstanden, welcher die hier seit 1823 erschienene deutsche Zeitschrift Wiborgs, Mancherlei zum Nutzen u. Vergnügen, verdrängte. Lönnrot begann die Zeitschrift Mehiläinen, welche 1836–37 zu Uleåborg erschien u. 1839–40 zu Helsingfors fortgesetzt wurde. Im Laufe der Zeit kamen hinzu: Suomalainen zu Helsingfors, welches 1846 aufhörte; Kanawa zu Wiborg u. Maamiehen Ystäwä zu Kuopio, welche beide noch 1848 bestanden. In letzterem Jahre erschienen zu Helsingfors wieder Suometar u. Suomi. Außer diesen erschienen in Finland in schwedischer Sprache: Åbo Tidningar u. Åbo Underättelser, die Almänna Tidning Finlands, Dagblad, Tidningar, Papers Lykton, in Helsingfors, Björnebörgs Tidning in Björneborg.

L) In Norwegen, wo sich seit 1833 zwei Parteien bekämpften, die der Beamten u. der Intelligenz, die andere für die Bauern u. deren Interessen, u. seit dem Storthing von 1845 die letztere die Oberhand gewann, war das Organ der erstern bis zum 1. April 1847 Den Constitutionelle, welcher an diesem Tage mit Den Norske Rigstidende (seit 1815) verschmolz, während das Organ der Volkspartei, das 1819 begonnene Morgenblad, 1852 einging. Außer den genannten erscheint seit 1848 zu Christiania noch Christiania Posten, sowie Christiania Intelligentssedler, das älteste Blatt Norwegens, 1763 begründet, u. Christiania Adresse-Tidende seit 1842. Neuerdings hat auch eine Illustrirte Zeitung begonnen. Zu Bergen wurde 1765 die Bergens Adressecontoirs Efterretninger begonnen; dazu kamen 1840 die Bergens Stiftstidende u. 1848 Bergenske Blade. Zu Drontheim begann 1767 T'rondhjems borgerlige Realskoles priv. Adressecontoirs-Efterretninger; seit 1848 erscheint daselbst Den Frimodige, früher begann Trojems Stiftstidende. Außerdem gibt es zahlreiche Provinzialblätter. Früher, wo der Antagonismus zwischen Schweden u. Norwegen größer war, sprach sich derselbe auch deutlicher in der Presse aus, in neuerer Zeit ist jene Eifersuchtelei mehr u. mehr geschwunden.

M) In Dänemark war von einer Zeitungspresse mit Charakter vor 1830 kaum die Rede. Das Zeitungsprivilegium hatten bis dahin nur zwei Blätter in Kopenhagen, welche außer den wenigen officiellen Artikeln nur Auszüge aus ausländischen Zeitungen lieferten; die vielen Stifts- u. Localblätter blieben ganz bedeutungslos. Als jedoch seit 1830, bes. seit Errichtung der Provinzialstände 1834, ein regeres öffentliches Interesse im dänischen Volke erwachte, zeigte sich auch eine erhöhte Thätigkeit der Presse. Im Verhältniß zu seiner Größe u. Volksmenge besitzt Dänemark eine große Anzahl von Tage- u. Wochenblättern, doch ist die dänische Presse fast nur eine politische. Im Jahre 1848 trat zuerst die Eiderdänische Partei hervor, u. es entspann sich nun ein Kampf auch in der Presse, der mit dem Wiener Frieden vom 30. Oct. 1864, durch welchen Dänemark die Elbherzogthümer verlor, kaum beendet ist. Die älteste der bestehenden Zeitungen ist die Berlingsche Zeitung, welche zuerst 1749, u. zwar in Deutscher Sprache, erschien u. von jeher, mit Ausnahme des Jahres 1848–49, ein halbministerielles Organ war. Jetzt heißt sie Berlingske polit iske og Avertissements Tidende u. erscheint Morgens u. Abends. Erst um 1831 erhielt sie eine Opposition[940] in Fädrelandet; dies war erst ein ästhetisches Journal, wurde dann, der Politik sich widmend, Führer der Opposition im Allgemeinen, zuletzt Organ des Jungen Dänemarks u. des Skandinavismus. Unter die Redacteure des Blattes, welches im Jahre 1848 seine Glanzperiode hatte, zählte Monrad u. Lehmann. Zu dieser Zeit entstand Kjöbenhavns Posten, ebenfalls ein Oppositionsblatt, welches zwar gegen die 30er Jahre etwas an Verbreitung abgenommen hat, aber doch immer ein Organ von Bedeutung geblieben ist. Flyveposten wurde um 1842 als kleines Unterhaltungsblatt begründet, welches aber bald große Verbreitung gewann u. dann die Politik in sein Bereich zog, jedoch immer auf die herrschende Stimmung Rücksicht nahm. Organ der nationaldänischen Partei war von 1849 die in Hadersleben erscheinende Zeitung Dannevirke, welche, wie die genannten u. Dagbladet, täglich herauskommt. Von den in Kopenhagen erscheinenden politischen Zeitungen sind noch zu nennen: Dags Telegrafen, Danmark, Folkeblad, Folkets Avis, Hjemme og ude, Morgenposten, Sandheds Fakklen u. Tiden. Unter den Provinzialblättern, welche meist nur Auszüge aus Kopenhagener Blättern geben, ist Fyens Stifts privileg. Adresse och politisk Avis, welches um 1770 begründet wurde u. zu Odense erscheint, bes. zu erwähnen; ferner Aalborg Stiftstidende in Aalborg, Aarhuus Stifts Tidende in Aarhuus, Nordslesvigks Tidende in Hadersleben. Von nichtpolitischen dänischen Zeitungen, welche in Kopenhagen erscheinen, sind hervorzuheben: Dansk Kirketidende (evangelisch), Departements Tidende, Folkets Nisse, Hjemmet, Illustreret Tidende, Katholsk Kirketidende, Sondagsposten u. Wochenschrift für den Landmann.

N) Das erste Blatt, welches in Rußland die Form einer Zeitung erhielt, war die Moskauer Zeitung, 1703 unter Peter d. Gr.; ihr folgten die Petersburger Zeitung u. die Petersburger Nachrichten; die erste dieser Zeitungen erschien bis 1711 noch mit altslawonischer Schrift, alle anfangs unregelmäßig u. erst seit 1728 zweimal in der Woche, ihr Hauptinhalt waren kaiserliche Ukase, Verordnungen u. Beförderungen in Civil u. Militär, erst später brachten sie in einem Beiblatt Referate von gelehrten Sachen u. einzelne Mittheilungen von ausländischen Ereignissen; Politik u. russische Zustände zu besprechen dazu war die Presse nicht da. Unter Katharina II., welche doch mit Voltaire u. den französischen Encyklopädisten verkehrte, war, bei dem damaligen Bildungsstande der russischen Nation u. dem absolutistischen Regierungssystem, von der Presse auch noch keine Rede; noch weniger unter ihrem Nachfolger, Paul I. Der liberalisirende Kaiser Alexander I. that auch nichts für die Presse. Unter Nikolaus I. durften die Zeitungen nur trockene Nachrichten bringen, über russische Zustände kein Wort enthalten u., wenn sie selbst ganz gleichgültige auswärtige Nachrichten brachten, diese nur unter Angabe der Quelle, welcher sie entnommen waren, mittheilen. Dabei war eine große Anzahl deutscher, französischer u. englischer Blätter verboten, u. selbst die zugelassenen Zeitungen unterlagen noch der allerschärfsten Censur, welche alle ihr nicht gefallenden Stellen mit Schwärze überziehen u. so unleslich machen ließ. Der jetztregierende russische Kaiser Alexander II. befreite auch die Presse von den drückendsten Fesseln u. gestattete namentlich den politischen Zeitungen, daß sie das Ansehen derselben auch wirklich erhalten durften. Die Censur wurde sehr gemildert u. die Zeitungen brachten mit einem Male selbständige Leitartikel über innere u. äußere Zustände, besprachen die auswärtigen Verhältnisse mit Freimuth u. sorgten für eigene Correspondenzen aus den großen europäischen Städten u. für Übermittelung von Telegrammen, welche, obwohl sie noch einer besonderen Censur durch den Minister der auswärtigen Angelegenheiten unterlagen, zur Hebung u. Verbreitung beitrugen. Mit dem Ausbruche der Studentenunruhen in St. Petersburg wurden die Zügel der Censur strenger angezogen, u. der Polnische Aufstand des Jahres 1863 führte wiederum Beschränkungen herbei, welche die Petersburger Zeitungen jedoch in höherem Grade als die Moskauer traf. Die deutsche Petersburgsche Zeitung kommt seit 1727 regelmäßig heraus u. wurde viele Jahre von der Akademie der Wissenschaften direct herausgegeben. Zu ihren Redacteuren gehörte früher Gretsch, später C. F. Meyer; literarische u. wissenschaftliche Aufsätze füllten die Beilagen. Die russische Zeitung Sanct Petersburgjika Wjedomosti heißt auch die Akademiezeitung, weil sie von der Akademie herausgegeben wurde, sie erscheint seit 1830 täglich, gehört der constitutionellen Partei an u. wird jetzt von A. Krajewsky herausgegeben. Das Journal de St. Petersbourg ist für diplomatische Mittheilungen u. officiöse Widerlegungen vorzugsweise bestimmt u. nimmt bes. Partei gegen England. Außer dieser in Französischer Sprache erscheinenden Zeitung erscheint in derselben noch das Journal d'Odessa. In Russischer Sprache kommen jetzt folgende auch weiter verbreitete Zeitungen heraus; in Petersburg: der Russische Invalide (Russkij Invalid), entstanden 1813 als kleines Wochenblatt, als welches es bereits veröffentlichte Militärrelationen brachte; jetzt ein großes politisches Journal, redigirt 1855–61 von Peter Lebedew, ist gegenwärtig in Privathänden u. nur in dem das Militärwesen betreffenden Theile Organ des Kriegsministeriums; Redacteur ist Romanowsky; die Nordische Biene, seit 1825 von Gretsch u. Bulgarin, dann von Letzterem allein herausgegeben, seit 1860 von Paul Ussow redigirt; in ihr finden die socialen Zeiterfordernisse ihren Widerhall; die Nordische Post, das Organ des Ministeriums des Innern, war anfangs 1804–1809 unter dem Titel St. Petersburger Journal eine Monatsschrift, erschien aber dann bis 1820 als Zeitung unter dem Titel Nordische Post; später wurde sie wieder in eine Monatsschrift, Journal des Ministeriums des Innern verwandelt, neben welchem seit 1862 die Nordische Post wieder als besondere Zeitung unter der Redaction Iwan Gontscharows herauskommt. Weniger verbreitet sind: der Ökonomische Moniteur, Der Sohn des Vaterlandes (Syn Oteschestwa), Die Stimme, Volksreichthum, Weest. In Moskau: die Moskauische Zeitung, die älteste russische Zeitung u. die alte Rivalin der Petersburger Nachrichten, sie wird jetzt von Katkow herausgegeben u. öffnet ihre Spalten allen Parteien u. Richtungen, das Russische Wort (Russkoje Slowo). Von Provinzialblättern ist bes. zu erwähnen: der Odessaer Bote, ein Blatt der Mitte zwischen Absolutismus u. der Demokratie mit genauen Nachrichten u.[941] gründlichen Kritiken; ferner in Wilna: Wielenski Wiestnik; in Tiflis: Kawkas (Kaukasus). Seit 1865 erscheint in Moskau eine deutsche Zeitung. Zu den periodischen Blättern von dem Genre der westländischen Magazine u. Revuen, welche den verschiedenen politischen Richtungen folgen, gehören: in Petersburg der Zeitgenosse, mit radical-demokratischer, ja selbst socialistischer Tendenz, ist mit 10,000 Abonnenten das verbreitetste Blatt; Unsere Zeit, die Gegnerin des Zeitgenossen, redigirt in regierungsfreundlichem Sinne u. gestimmt für den Bonapartistischen Polizeistaat, ist in neuester Zeit eingegangen; die Vaterländischen Memoiren suchen durch populäre Aufsätze aus dem Gebiete der Literatur, Kunst, Moral u. Naturwissenschaften Bildung unter dem Volke zu verbreiten; in Moskau Der Russische Bote (Russki Westnik), redigirt von Katkow, ist der Repräsentant der constitutionellen Ideen; Der Tag (Den) ist das Organ des Panslavismus. Von nichtpolitischen Zeitschriften sind zu nennen: das Artillerie-Journal, die Börsenzeitung, Epoche, Funke, Geist des Christen, Geistige Unterhaltung, Industrie-Journal für Industrie u. Handel, Journal für Bergwesen, Journal des Domänenministeriums, Journal des Justizministeriums, Journal des Ministeriums der Volksaufklärung, Journal für Pferdezucht u. Jagd, Journal für Kinder, Lesebibliothek, Maritimer Sammler, Militär-Sammler, Militär-Prikasen (Erlasse), Pilger (Hra Nnik), Polizei-Zeitung, Senatszeitung mit Ukasen, Sonntagsmuße, Um die Welt, Vaterländische Notizen. Die vorgenannten Blätter kommen in Russischer Sprache insgesammt zu St. Petersburg heraus. Moskau hat Russische Unterhaltung (Russkaja Besseda), die rechtgläubige Umschau, Medicinische Zeitung; Kronstadt: der Kronstädter Bote, Marinezeitung. Seit 1864 erscheint in Petersburg eine von Bogdanost redigirte, durch Umdruck vervielfältigte Russische Correspondenz, welche gleichzeitig in Deutscher, Französischer u. Englischer Sprache versandt wird u. auf officiösen Ursprung schließen läßt; sie gibt Auszüge aus heimischen Zeitungen u. Zeitschriften. Noch ist zu bemerken, daß in Petersburg eine geheime Presse existirt, deren Hauptorgan der Welikorus ist, welches Blatt aber nicht regelmäßig, sondern nur dann erscheint, wenn eine außerordentliche Demonstration von der Actionspartei für nöthig erachtet wird. Ein sehr einflußreiches Blatt ist endlich die in London von Alex. Herzen herausgegebene Glocke (Kolokol), s. oben S. 917 f.

O) Die periodische Presse in Polen zerfällt, wie die Heimath der Polen selbst, in vier dem Charakter u. der Form nach verschiedene Zweige: die Presse im Russischen Polen, auf welche Rußland Einfluß übt; die im Preußischen u. Österreichischen Polen; endlich die der Flüchtlinge u. Ausgewanderten in London, Paris, Brüssel u. Zürich. Von den in der Provinz Posen u. Westpreußen, wie in Galizien erscheinenden, polnischen Zeitungen war schon bei Preußen u. Österreich die Rede (s. S. 924 u. 928). Die Preßgesetze der beiden Reiche sind auch hierfür maßgebend. Allerdings werden sie wohl einer genaueren Aufsicht unterworfen, doch kann sich die preußisch-polnische Presse nicht mehr u. nicht weniger als die preußisch-deutsche beklagen. Als das Verwarnungssystem in Preußen vorübergehend galt, wurde sogar der in Culm erscheinende Nadwislanin vier- od. fünfmal verwarnt, ehe man ihm sein Dasein nehmen wollte, obschon nach jenem Gesetz zwei Verwarnungen dazu hingereicht hätten. Auch im Österreichischen hatte die polnische Presse in ruhigen Zeiten nicht zu leiden. Im Russischen Polen war sie die erste Zeit nach der Besitznahme durch Alexander I. in verhältnißmäßig günstigen Verhältnissen. Unter der Statthalterschaft des Großfürsten Constantin litt sie schon mehr, u. in der kurzen Revolutionszeit von 1830–31 war sie frei u. fessellos. Damals erschien auch in Warschau eine deutsche Zeitung. Als Nikolaus I., nach der Niederwerfung dieses Aufstandes, sein Organisches Statut erließ, war von einer eigentlichen Preßbewegung nicht mehr die Rede, nur amtliche u. sonst unschuldige Blätter durften verbreitet werden. Mit dem Regierungsantritte Alexanders II. (März 1855) trat auch hier ein milderes Preßregime ein, welches jedoch mit Besiegung des letzten Aufstandes (1864) wieder verschärft worden ist. Während des ebengedachten Aufstandes erschienen im Lande trotz der russischen Polizei, Flug u. Zeitungsblätter der sogenannten Nationalregierung, welche letztere neben der russischen einherging. Am 1. Januar 1865 erschienen in Warschau 7 politische Zeitungen, darunter der ganz amtliche Dziennik Warszawski, die Gazeta Polska, Gazeta Handlowa u. Kurier Warszawski; in Lodz der Anzeiger (Ogtoszenia). Nichtpolitische Zeitungen kommen in Warschau 15 heraus, sie sind aber insgesammt von keiner Bedeutung. Deutsche Zeitungen dürfen 54 eingeführt, das heißt durch die Post bezogen werden. Bedeutender u. inhaltreicher sind die von der Emigration herausgegebenen polnischen Zeitungen. Die in London erscheinende Glos wolny (freie Stimme) ist schon bei Erwähnung der Londoner Zeitungen hervorgehoben; in Zürich erscheint Ojczyzna (das Vaterland), in Brüssel Die Verbannung u. in Paris mit dem 1. April 1865 eine Polnische Revue. Sie sind sämmtlich in Polnischer Sprache geschrieben.

P), Von den ungarischen Zeitungen war schon bei Österreich die Rede. Die ungarische Presse wurde im März 1848 frei u. damit interessant, büßte aber unter dem Kossutschen Regiment von ihrer Freiheit, wenn auch nicht äußerlich, manches ein. Viele der damals erschienenen Zeitungen sind seitdem wieder eingegangen.

Q) Die Geschichte der periodischen Presse in Griechenland beginnt mit der wissenschaftlichen Zeitschrift Λóγιος Έρμής, 1811 in Wien von Anthimos Gazi gegründet u. bis 1821 fortgeführt; kürzere Zeit erschien der ebenfalls 1811 in Wien herausgegebene Φιλολογικὸς τηλεγράφος. Diesem folgten die Καλλιόπη in Wien von 1819 bis 1821 u. Μέλισσα in Paris 1819–21, letztere von Spyridon Kondos u. Agathophron herausgegeben. Seit 1821 erschien in Griechenland selbst die Έλληνική σάλπιγξ, so wie die Γενική εφημερίς τῆς Ελλάδος (1825- 28), beide von Theoklitos Pharmakidis herausgegeben; den oppositionellen Ἀπόλλων redigirte Polyzoides seit 1831 in Hydra. Dieses u. andere politische Blätter gingen 1833 ein, als Griechenland ein selbständiges Königreich geworden war u. den baierischen Prinzen Otto zum König erhalten hatte u. zunächst eine Caution von den Herausgebern politischer Blätter geleistet werden mußte, welche gesetzlich 5000 Drachmen beträgt u. von welcher nur Journale u. technologische Blätter befreit werden.[942] Bereits 1834 entstanden wieder mehre politische Blätter; 1844 zählte man in Griechenland schon wieder 20 periodische Blätter, von denen sieben sich mit Politik beschäftigten. Die meisten derselben erschienen in Athen. Zur Zeit der Verfassungsberathungen war die Ἀϑηνά das Organ der nationalen Partei; ihr gegenüber dienten die Ἐλπίς der englischen, der Αἰών der russischen Partei. Organe der Regierung waren der französisch u. griechisch erscheinende Courrier Grec Έλληνικὸς ταχυδρόμος) u. die Ἐφημερὶς τῆς Κυβερνήσεως. Im Interesse Frankreichs wirkte bis 1840 der Volksfreund, welchem 1843 der französische u. griechische Observateur Grec folgte. Sonst erschienen noch mehre kleine literarische Wochenblätter. Im Oct. 1844 begann in Französischer Sprache Le Moniteur Grec; der Σωτήρ kam griechisch u. französisch (Le Sauveur) heraus. Außerdem erschienen Wochenblätter in Nauplia, Patras u. Syra. Mehre der genannten Blätter gingen nach längerer od. kürzerer Dauer wieder ein. Die russisch-türkischen Wirren wirkten belebend auf die neugriechische Presse u. riefen u.a. das französische politisch-literarische Blatt Le miroir Grec (seit März 1852), die in Griechischer u. Französischer Sprache von Timos u. Chalikiopulos herausgegebene Zeitung Τὸ Πανελλήνιον (seit Oct. 1853) u. den seit 7. Sept. 1853 alle 14 Tage erscheinenden Spectateur de l'Orient, im russischen Interesse von M. Renieri in Athen redigirt, hervor. Seit Mitte 1853 erschien in Athen Έφ ημερὶς τοῦ ὑπουργείου τῶν ἐσωτερικῶν, fortlaufende Erklärungen der vom Ministerium des Innern erlassenen Gesetze u. Verordnungen enthaltend. Auch begannen 1853 in Korfu Φοῖνιξ u. in Zante Άνθοδέσμη. Andere neugriechische Blätter politischer Art erschienen schon früher in Constantinopel (z.B. Μέλισσα) u. Smyrna. Die Umwälzung, welche Otto vom Throne stieß u. Georgios I. aus dem Hause Glücksburg zum Könige der Hellenen machte, hatte auf die Presse nur einen geringen Einfluß. Von den gegenwärtig in Athen erscheinenden Zeitungen sind zu nennen: Ἀϑηνᾶ, Ἐλπίς, Ἐφημερὶς τῆς Κυβερνήσεως, Οἰκονομία, 'Εϑνόφιλος, Φιλοπατρία ἑλληνική, Φῶς, Παλιγγενεσία, u. in Französischer Sprache: La Grèce. In Lamia erscheint Φάρος τῆς Οϑρυος.

R) Die Serben hatten eine bedeutende politische Literatur. Belgrad allein hat vier politische Zeitungen: Srbske Novine, Svetovid, Vidovdan, Journal Dunawsky Lebed. Auch eine Militärzeitschrift, Woin, kommt dort in Monatsheften heraus.

S) Die Rumänen sind in der Entwickelung ihrer Presse gleichfalls nicht zurückgeblieben. In Bukarest erscheinen 4, in Jassy 2 bekanntere Zeitungen, nämlich: Ruciumulu, Independita romana, Monitorulu, Nationalulu ( in Bukarest), Gazetta di Moldavia, Monatirul oficiale (in Jassy). Außerdem erscheinen in Bukarest noch pädagogische, naturwissenschaftliche, geographische etc. Zeitschriften.

T) Die erste Zeitung in der Türkei war ein Blatt in Französischer Sprache, welches Verninhac, außerordentlicher Gesandter der Französischen Republik bei Selim III., 1795 in Pera drucken ließ. Um 1811 erschienen ebendaselbst im Palais de France die Bulletins der großen Armee. Aber der Begründer des eigentlichen Journalismus wurde Alex. Blacque, welcher 4825 in Smyrna den französischen Spectateur de l'Orient begann. Sein Blatt nahm bald den Titel Courrier de Smyrne an u. übte 1825–28 großen Einfluß während des Griechischen Aufstandes. Blacque gründete auch 1831 in Constantinopel Le Moniteur Ottoman, das officielle Journal der Pforte, welches seit dem 14. Mai 1832 auch als Takwhime wakaje in türkischer Reproduction erschien u. nach Blacque's Tode (1836) von Franceschi (gest. 1841) u. einem Ägyptier redigirt wurde. Den Courrier de Smyrne übernahm bei Blacque's Abreise nach Constantinopel Bousquet-Deschamps, welcher den Titel in Journal de Smyrne abänderte. Daneben begründeten 1838 Bargigli L'Echo de l'Orient, welches später an Couturies überging, u. Edwards L'Impartial de Smyrne. Letzteres erschien noch 1853 in Smyrna, während die beiden anderen Smyrnaer Blätter nach Constantinopel kamen, wo sie seit 1846 in das Journal de Constantinople u. L'Echo de l'Orient verschmolzen. Doch in Smyrna entstanden alsbald neue Blätter, so Ἀμαλϑέα u. das Journal von Smyrna, beide neugriechisch; der hebräische Chakhar-Misrah (die Aurora des Orients). In Constantinopel erschienen der alte Tevzuhat, ein altes Amtsblatt, oft in einzelnen Streifen erscheinend, bald geschrieben, bald lithographirt u. bei jeder Behörde ausgegeben, um die Beamteten mit den neuesten Ernennungen bekannt zu machen; Takwhime wakaji, türkisch u. armenisch, das officielle Blatt; früher monatlich, jetzt wöchentlich, enthält Hofneuigkeiten, Ernennungen u. Beförderungen, Verordnungen u. Bekanntmachungen, politische Nachrichten nach amtlicher Auffassung etc.; Redacteure sind Lutfi Effendi u. Mehemed Scherif Effendi; Dscheridei havadis, türkisch, gegründet 1843 von N. Churchill, nach dessen Tode 1846 von seinem Sohne fortgeführt; erscheint wöchentlich u. gibt außerdem täglich ein Nachrichtsblatt, es ist für die Türken das politische Orakel; Terdschuman Aseval (Erklärer der Ereignisse), herausgegeben von Aghiah Effendi u. Refik Bey, wöchentlich dreimal, bes. wegen seiner Literaturartikel sehr beliebt; Tasviri-Evkian (Spiegel der Gedanken), geleitet von Schirassi Effendi, kommt wöchentlich zweimal heraus u. ist politischen, wissenschaftlichen u. literarischen Inhalts; Medschmuai-Fonun, ein wissenschaftliches Blatt, welches bes. die philosophischen, geologischen, ethnologischen Ansichten des Koran im Licht des gegenwärtigen Standes der Wissenschaften betrachtet; Medschmuai-Hawades (Sammlung von Neuigkeiten), in türkischer Sprache mit armenischen Lettern, das Organ der Gemeinde der katholischen Armenier, herausgegeben von Vartan Pascha, bringt bes. Auszüge aus den andern türkischen Zeitungen; Jewail, arabisch, herausgegeben von Eavis ul Schidiab; Le Courrier de Constantinople; wöchentlich; Le Commerce de Constantinople; dreimal monatlich; La Gazette médicale, wissenschaftliche Monatsschrift; L'Omnibus, italienisch, zweimal wöchentlich; L'Indicatore bisantino, italienisches Handelsblatt, zweimal wöchentlich; L'Album bisantino, wöchentlich; La Giu risprudenza bisantina, juristische Monatsschrift; Ο τηλεγράφος τοῦ.Βοσπόρου, wöchentlich; Novina bulgarska, bulgarisch, zweimal wöchentlich. Sonst erschienen im Osmanischen Reich noch Zeitungen in Belgrad, Alexandria, Beyrut etc. In[943] Armenischer Sprache erschienen 1850 die Wochenschrift Haïasdan (d.i. Armenia) unter Redaction von Oganes Tschamurtschian in Constantinopel; Archalius araratlan (d.i. araratische Morgenröthe), politisch-literarische u. commercielle Zeitung, seit 1839 in Smyrna unter Redaction von Hukas Palpasarianz; Basmawen (der Erzähler), monatlich seit 1843 von den Mechitaristen in Venedig herausgegeben; Askaser (der Patriot), seit 1845, redigirt vom Mesrop Tagiatanz; Europa, seit 1847 unter Vermittlung der Mechitaristen; Der Wißbegierige, zu Singapore in Ostindien, u. Banaser (der Literator) in Madras, beide lithographirt; Ararat in Tiflis, redigirt von G. Patkanow. Eine wissenschaftliche u. literarische Zeitschrift in Georgischer Sprache wurde 1850 unter Redaction des Fürsten Eristow begonnen. In der Türkei treten große Veränderungen in der Presse nicht ein, da die Zeitungen in festen Händen u. auf das Bedürfniß genau berechnet sind. Der Türke selbst macht sich nicht viel aus Zeitungen, obgleich er namentlich in neuerer Zeit dem Zeitungslesen mehr Theilnahme u. Beachtung zugewendet hat. Die Mehrzahl der Blätter dient den vielen im Lande lebenden Fremden u. dem Auslande zur Orientirung.

U) In Afrika erscheinen Zeitungen besonders nur in den europäischen Colonien. Am meisten zählt das Capland, doch sind dieselben bis auf etwa zwei, worunter die Cape Town Mail, ohne Bedeutung. In Natalia kommt Isitunywa Sennyanga, eine Zeitung in Kaffernsprache, heraus. Mehre französische u. arabische Blätter bestehen, wie schon erwähnt, in Algier, s. oben S. 909. In Ägypten haben Zeitungen mit den weiter greifenden Reformen im Geiste europäischer Cultur größeren Umfang erhalten. Außer einigen französischen Zeitungen, zur Zeit der Occupation dieses Landes durch die Franzosen von diesen begonnen, von denen bes. die von Desgenettes, Costaz u. Marcel herausgegebene u. später eine zu Alexandrien erscheinende von Bedeutung war, erscheinen seit dem 20. Nov. 1628 auf Befehl des Vicekönigs Wakaï misrijje (d.i. ägyptische Begebenheiten) türkisch u. arabisch, zu Kairo, welche wöchentlich zwei- bis dreimal in Folio ausgegeben werden u. außer politischen Nachrichten, welche meist aus französischen Blättern entlehnt sind, auch örtliche Anzeigen, militärische Tagesbefehle u. andere amtliche Bekanntmachungen enthalten. Zu Tripolis in der Berberei gaben Franzosen seit Ende Juli 1827 eine politische u. literarische Monatsschrift: l'Investigateur Africain, heraus.

V) In Asien haben nur die unter europäischer Herrschaft stehenden Länder eine eigentliche Zeitungs- u. Zeitschriftenliteratur, theils in einheimischen, theils in europäischen Sprachen aufzuweisen. a) Zu Teheran in Persien erscheint eine sogen. Hofzeitung in Persischer Sprache, ähnlich dem Tevzuhat in Constantinopel (s. oben S. 942). Bes. entwickelt hat sich die periodische Presse b) in Ostindien. Hier erscheinen ganz in der Art der englischen Blätter eine ziemliche Anzahl Blätter in Englischer Sprache. Wohl die älteste Zeitung ist die Calcutta Gazette, welche 1784 begann. Andere gehaltreiche Blätter sind in Calcutta Calcutta Englishman (monatlich), Calcutta Star (in unbestimmten Fristen); ferner Friend of India, begründet 1835; The Calcutta Asiatic Observer; Bengal Herald; Bengal Recorder; Bengal Catholic Expositor, seit 1839; Calcutta Christian Advocate, Calcutta legal Observer, East-India political Register, The weekly Intelligencer etc. Viele solcher Blätter werden von Missionären herausgegeben, zum Theil, um durch dieselben die Einheimischen mit den christlichen Ideen u. europäischer Cultur u. Wissenschaft bekannt zu machen. In Bombay erscheinen u.a.: The Bombay Courier, Bombay Times, Overland Bombay Times, Indian News, Times of India etc.; in Madras Madras Spectator, Madras Gazette, Madras Athenaeum u.a. Unter den binnenländischen Zeitungen in Englischer Sprache dürften hervorzuheben sein: Delhi Gazette in Delhi, The Murshedahad News in Berhampore, Currachee Advertiser in Sindh, Colombo Times auf Ceylon etc. Herzu kommen Singapore Chronicle u. Singapore Free Press in Singapore, Malacca Observer in Malacca, Maulmain Chronicle u.a. Blätter in Hinterindien. Nicht minder bedeutend ist die Zahl der in einheimischen Sprachen erscheinenden Blätter. Theils sind dieselben wirkliche politische Zeitungen, nach Art u. Vorbild der europäischen, theils von Europäern, Missionaren od. gebildeten Einheimischen herausgegebene belehrende Blätter, welche bestimmte Tendenzen z.B. religiöser Art, verfolgen. So erscheinen Zeitungen u. Zeitschriften in der Hindustanisprache in Agra, Delhi, Meerut, Lahore, Bareily, Benares, Simla u. Indore. Die erste Zeitschrift in Bengalischer Sprache war der Sumátschár Durpun (Spiegel des Neuen), welcher von dem Missionsinstitute in Serampore für Neuigkeiten aller Art gegründet wurde u. unter Redaction Marshman's seit 1819 erschien. Seit 1822 erschienen auch mehre von Eingeborenen gegründete u. redigirte Blätter. Der um 1840 begründete Tattwabodhinipatrika (d.i. Vorsprecher der geistigen Kenntniß), bengalisch u. englisch, war das Organ der Anhänger Ramohun-Roy's, welche die Indische Religion zu vergeistigen suchen. Derselben Richtung gehörte das um 1844 gegründete Wochenblatt: Sarbbarasarandschini (der Empfindungsvolle) an. Seitdem sind noch mehre andere hinzugetreten. 1846 begann in Calcutta The Indian Sun, eine politische Zeitung in fünf Sprachen (englisch, persisch, hinduisch, bengalisch u. hindostanisch), redigirt von Maulawi Nasser Eddin. Auch in anderen indischen Sprachen erscheinen Zeitungen, wie z.B. in Tamulischer Sprache Rádjatáni, Kalvi Kalandjijam u.a. c) Im Niederländischen Indien ist die periodische politische Presse durch den Javaasche Courant in Batavia vertreten; wöchentliche Ankündigungsblätter erscheinen in Samarang u. Surabaya. Auf den Philippinen erscheint u.a. in Manila die Gaceta de Manilla. d) In China begann das Canton Register 1828 u. wurde von Morrison redigirt. Das Chinese Repository, 1833 von amerikanischen Missionären gegründet, beruht zum Theil selbst auf wissenschaftlicher Grundlage. Die rivalisirenden großen Kaufherren in Canton u. Honkong lassen ihre Interessen durch eigene Zeitungen vertreten, wie The Hongkong Register, The Friend of China u. The China Mail (herausgegeben von Shortrede, in amerikanischem Sinne); The North China Herald in Shanghai. Zeitschriften wissenschaftlichen Inhalts sind die Transactions of the China Branch of the Royal Asiatic Society (Hongk.[944] 1848 ff.) u. die von Medhurst herausgegebene Chinese Miscellany of China (Shanghai, 1849 etc.). Ein Journal in Chinesischer Sprache, von amerikanischen Missionaren in Ningpo herausgegeben, ist blos für Chinesen berechnet u. befolgt vorzüglich Missionszwecke. Das portugiesische Boletin do Governo in Macao ist unbedeutend. In Hongkong erscheint seit 1853 unter Aufsicht der Morrison-Erziehungsgesellschaft Hia or kuan tschin (d.i. Perlenschnur aus der Ferne u. aus der Nähe), eine Monatsschrift in Chinesischer Sprache. Eine Hofzeitung in Chinesischer Sprache, King pao, erscheint regelmäßig täglich in Peking; sie enthält nur das, was der Kaiser selbst eingeschickt hat, od. vorher demselben vorgelegt worden ist; was die mit der Besorgung Beauftragten hinzufügen, dafür müssen sie mit Leib u. Leben haften. Man findet darin Memoriale an den Kaiser, Bittschriften u. Antworten darauf, neue Verordnungen u. Gnadenbezeugungen, überhaupt ist sie eine Sammlung aller öffentlichen Angelegenheiten u. Vorfälle. Jährlich füllt sie an 300 Bde. In der Provinz erhält man diese Zeitungen nicht auf officiellem Wege, sondern nur durch Gelegenheit, dagegen die in der Hauptstadt, welche darauf abonniren, täglich. Kein Privatmann darf in dieselben etwas inseriren lassen, dagegen dürfen die in ihr enthaltenen Nachrichten nachgedruckt u. öffentlich verkauft werden.

W) Die erste Zeitung Nordamerikas erschien 1704; sie führte den Titel The Boston News Letter. Die ersten 18 Jahre gehörte sie dem Postmeister Campbell, hernach Green, u. wurde von diesem u. seinen Nachfolgern fortgesetzt, bis die englischen Truppen 1776 Boston räumten. In den letzten Jahren war sie Organ der Tories u. das einzige Blatt, welches während der Belagerung in Boston herauskam. Campbell's Nachfolger im Postamte gab vom 21. Dec. 1721 an die Boston Gazette heraus; ihr Drucker war I. Franklin, dann Koreland, welcher Letztere, als er den Druck des Blattes verlor, auf eigene Kosten das Journal of New England herausgab, welches nach 15 Jahren mit der Gazette vereinigt wurde. Letzteres führte nun den Titel Boston Gazette and weekly Journal bis 1852, wo Koreland einen eigenen Weekly Advertiser begann, welcher aber schon nach zwei Jahren in Folge der Stempelacte wieder einging. Mittlerweile hatte I. Franklin den 17. Aug. 1721 die dritte Bostoner Zeitung, New England Courant, angefangen, welche sechs Jahre bestand. Das Beste dazu lieferte Franklins Bruder, Benj. Franklin. Vier Jahre nach dem Eingehen dieses Blattes begann das Weekly Rehearsal, herausgegeben von Jer. Gridley, welches nach einem Jahre an Fleet überging, der demselben nachher den Titel Boston Evening Post gab u. es 13 Jahre lang, bis an seinen Tod, fortsetzte. Außerdem gab es vor 1750 in Boston noch zwei andere Zeitungen The weekly Postillion (1734 bis 1754) u. The independent Advertiser (1748–50). In sämmtlichen Colonien erschienen 1750 nur 20 Blätter, u. zwar außer den genannten 7 in Boston, noch ein Amerikan weekly Mercury (seit 22. Dec. 1719) in Philadelphia. New York Gazette, seit den 16. Oct. 1728, u. noch drei andere Blätter in New York; die Pensylvanian Gazette, welche Franklin 1729 kaufte u. 30 Jahre redigirte, sowie noch zwei andere, worunter eine deutsche, in Philadelphia; die Gazette von Annapolis, seit 1728, von Charleston seit 1731, von Rhode Island seit 1732, die Virginia Gazette seit 1736, u. eine zweite in Charleston seit 1734. Die ersten Zeitungen erschienen auf einem halben Bogen, bald in Folio, bald in Quart; erst seit 1718 erschien von den Newsletter alle 14 Tage ein voller Bogen; die Zahl der Abnehmer betrug noch nicht 300. Das Wachsthum der periodischen Literatur in den Vereinigten Staaten seit 1750 ist groß. Im Jahre 1775 zählte man bereits 35 bestehende Zeitungen. Bald nach der Revolution wurden in Philadelphia u. New York die Wochenblätter zu Tagesblättern; in Boston geschah dies erst 1813. Im Jahr 1800 zählte man in den Vereinigten Staaten 150, 1810 bereits 359, 1828 einschließlich der Zeitschriften 851, 1834 1250 Zeitungen, 140 Zeitschriften (davon in Boston allein 43 Zeitungen u. 47 andere periodische Schriften), am 1. Juni 1850 2800 Zeitungen u. Zeitschriften, davon waren 2454 vollständig in Umlauf gesetzt, 234 circulirten ausnahmsweise, 72 waren für Californien u. die Territorien bestimmt; auf die Staaten Neuenglands kamen 424; 876 erschienen in den mittleren Staaten, 716 in den südlichen, 784 in den westlichen Staaten. Die Zeitungen werden in Nordamerika täglich (mit Ausnahme des Sonntags) früh von Knaben (Newsboys) ausgetragen; dieselben gehen damit durch die Straßen u. rufen den Inhalt aus. Die Zeitungen werden blätterweis verkauft, die Austräger zahlen der Officin den Preis gegen den Rabatt von 100 Procent. Die Zeitungspresse der Vereinigten Staaten übertrifft an Umfang u. Einfluß bereits die Englische. Die Zeitungen sind hier bis in die niedrigsten Schichten der Bevölkerung hinab u. bis in die entlegensten menschlichen Wohnplätze gleich verbreitet; eine Stadt von 2000 Ew. hat in Amerika oft zwei u. drei, ja selbst mehr tägliche Zeitungen. Die Befreiung von jeder Abgabe, die Billigkeit des Preises u. das rege politische Interesse machen das Bestehen einer so großen Menge Blätter möglich. Doch kann man im Allgemeinen der amerikanischen Presse noch keinen achtungswerthen Charakter beilegen; die Parteiwuth schont nicht nur keine Persönlichkeit, sondern bedient sich auch häufig genug der Lüge u. Verläumdung; Styl u. Darstellung entbehren selbst bei den größeren Blättern aller Politur. Alle politische u. kirchliche Parteien besitzen in allen Staaten u. in allen größeren Plätzen ihre Vertreter in der Presse. Die meisten u. einflußreichsten Blätter erscheinen in Englischer Sprache. Die zahlreichsten Organe besitzen darnach die Deutschen; sonst erscheinen noch wälische, französische, italienische, spanische, polnische u. ungarische Blätter in Nordamerika. Seit der Lostrennung der südlichen Staaten kamen in Richmond verschiedene Zeitungen heraus, welche jedoch im März 1865 sehr geschmolzen waren u. nach der Bezwingung der Südstaaten, Anfangs April, entweder vollends aufhörten od., wie der Whig, alsbald den Siegern wieder den Hof machten. Der Bürgerkrieg hat überhaupt auf die Preßverhältnisse ungünstig gewirkt. Das älteste der deutschen Blätter in Amerika ist der Deutsche Adler in Reading, herausgegeben von I. Ritter. In New York hat die (von einem österreichischen Flüchtlinge Ottendorf redigirte) Staatszeitung sich in Europa Beachtung erworben. Die Zahl der Zeitungen, welche in Mexico erscheint, ist beträchtlich. Seitdem[945] Mexico ein Kaiserreich geworden, haben sich hier mannigfache Veränderungen angebahnt. In Panama erscheinen in Englischer Sprache Panama Star (seit 1850) u. Panama Herald (seit 1851). Zu Merida in Yucatan erschienen politische u. belletristische Blätter.

X) Unter den Blättern der Staaten von Centralamerika herrscht eine große, durch die politischen Verhältnisse bedingte Wandelung. Die Kämpfe, deren Schauplatz die südamerikanischen Republiken sind, üben auch einen Einfluß auf die Presse.

Die politische Presse Y) Brasiliens hat zu ihrem Mittelpunkt u. fast ausschließlichen Sitz Rio Janeiro. Die Blätter dieser Stadt zerfallen in zwei gesonderte Kategorien: in Tagesblätter, welche Handelsnachrichten geben, u. die halbwöchentlichen od. wöchentlichen Journale, welche ausschließlich politisch od. speciell wissenschaftlich u. literarisch sind. Alle größeren Provinzialstädte haben ihre eigenen Blätter.

Z) Nach Australien u. Polynesien wurde die Zeitungsliteratur durch die Engländer verpflanzt u. erfreute sich hier eines raschen Gedeihens. In Neusüdwales erschienen 1841 bereits 29 Blätter, welche sich seitdem noch ansehnlich vermehrt haben. Perth in Westaustralien erhielt 1839 seine erste Zeitung. In Südaustralien fehlt es auch nicht an deutschen Blättern. Das Goldfieber mußte natürlich auch die Presse berühren. Auf Vandiemensland erschienen 1835 bereits zehn Zeitungen u. Journale in Hobarttown u. zwei in Launceston. Die erste nichtpolitische Zeitschrift in Neusüdwales begannen 1833 in Sidney Chotsky u. Ralph Mansfield; 1835 erschien bereits in Hobarttown Van Diemens Land Magazine, so wie The Tasmanian and Austral Asiatic Review. Von wissenschaftlichem Werth sind die Papers and Proceedings of the Roy. Soc. of Van Diemens Land (Hobarttown 1849 etc.). In Neuseeland wurden gleich nach Anlage der ersten Colonien (1839) zwei Zeitungen begründet, welche sich schnell auf sechs vermehrt hatten. In Honolulu auf den Sandwichsinseln erscheint seit etwa 1843 Polynesian; daneben bestand 1851 noch The Friend; der monatliche Hawaian Spectator konnte sich nur einige Jahre erhalten. Als amtliches Blatt bestand auf Tahiti L'Océanie française.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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