Schwulst [1]

Schwulst, der, 1) (lat. Ampulla, engl. Bombast, franz. Phebus), Fehler in der Schreibart, welcher darin besteht, daß man ihr bei dem Mangel an wahrer Größe eine scheinbare zu geben sucht. Der S. kann sich zeigen entweder im Ausdruck, wenn man von ganz gewöhnlichen Dingen u. Menschen mit prächtigen Worten, wortreichen Phrasen, rhetorischen Figuren etc. spricht, hauptsächlich da, wo man es gar nicht erwartet hätte u. wo es in die Gattung der Rede gar nicht paßt; od. in den beigemischten Gedanken, wenn man den Hauptbegriffen prahlende Beiwörter zulegt, welche jene zu ihrer Hervorhebung gar nicht bedürfen, od. wenn man gemeinen Gedanken eine höhere Bedeutung geben will, deren sie nicht fähig sind. Außerdem gibt es aber auch mystischen u. speculativen S., welcher in dem Gebrauch dunkler Worte besteht, welche den Schein haben, als bedeuten sie etwas Erhabenes u. Großes u. bes. Tiefsinniges. Den S. in der Musik findet man da, wo der Gefühlsausdruck gesucht u. überspannt u. die Kraft u. Erhabenheit nur scheinbar ist. Bei den Alten findet sich der S. erst in dem Verfall der Griechischen u. Römischen Literatur, wo man den Mangel an wahren Gefühlen u. erhabenen Gedanken, hauptsächlich durch den Einfluß orientalischen Geschmacks, durch Worte u. Redensarten zu ersetzen suchte; in der Deutschen Literatur zeichnet sich durch S. bes. die Hofmannswaldau-Lohensteinsche Periode aus; uz. Art des Stolzes, wo man mit Worten u. Gebehrden sich mehrer u. größerer Vorzüge rühmt, als man wirklich besitzt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Schwulst — [ʃvʊlst], der; [e]s: etwas, was in der Gestaltung, Ausdrucksweise o. Ä. überladen, bombastisch wirkt: ich mag den Schwulst mancher Barockkirchen nicht; auf diesen ganzen Schwulst könnte man verzichten. Zus.: Redeschwulst. * * * Schwụlst 〈m. 1u;… …   Universal-Lexikon

  • Schwulst — Schwulst: Mhd. swulst »Schwiele, Geschwulst« gehört zu dem unter 1↑ schwellen behandelten Verb. Es ist im Nhd. durch die ältere Bildung ↑ Geschwulst aus seiner eigentlichen Bedeutung verdrängt worden. Der übertragene Sinn »Aufgeblasenheit«… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schwulst — Schwulst,der:1.〈überladeneFülledesAusdrucks,überladenerStil〉Schwülstigkeit·Bombast+Geschwollenheit–2.⇨Geschwulst SchwulstSchwülstigkeit,Bombast,Überladenheit …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Schwulst, der (die) — Der und die Schwulst, im ersten Falle im Genitiv des es, plur. inus. von dem Zeitworte schwellen. 1. Eigentlich, im weiblichen Geschlechte die Schwulst, wo es so wohl den Zustand bezeichnet, da der Leib oder ein Theil desselben schwillet, d.i.… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Canitz [1] — Canitz, Friedr. Rud. Ludw. Freiherr von, Berliner, geb. 1654, gest. 1699, deutscher Dichter, zwar ohne besonderen Schwung. aber durch seine Natürlichkeit u. reine Sprache von wohlthätiger Gegenwirkung gegen den poet. Schwulst. Seine »Nebenstunden …   Herders Conversations-Lexikon

  • Geschwollenheit — Geschwollenheit,die:1.⇨Überheblichkeit–2.⇨Schwulst(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Bombast — Bombast,der:⇨Schwulst(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Schwülstigkeit — Schwülstigkeit,die:⇨Schwulst(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Euphuismus — Schwulst (von mhd. swulst zu swëllen „Anschwellung“) war ursprünglich der Ausdruck für eine Schwellung oder für das Geschwollene. Das Adjektiv schwulstig, dem das heutige schwülstig entspricht, wurde im Frühneuhochdeutschen schon von Luther in… …   Deutsch Wikipedia

  • Geschwulst — 1. Auswuchs, Fehlbildung, Gewächs, Wucherung; (Med.): Exkreszenz, Knoten, Tumor. 2. Anschwellung, Beule, Schwellung, Verdickung, Wulst; (ugs.): Horn; (österr. ugs.): Dippel, Tippel; (schles.): Knutsche. * * *… …   Das Wörterbuch der Synonyme

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