Schütz

Schütz, 1) Kaspar, aus Eisleben, war Professor der Dichtkunst in Königsberg, später Secretär der Stadt Danzig u.st. dort 1594; er schr.: Historia rerum prussicarum (von 1190–1525), Zerbst 1592 mit der Fortsetzung von Dav. Chyträus, Lpz. 1599, Fol., u.ö.; auch von G. Lengnich, Danz 1769, Fol. 2) (Sagittarius), Heinrich, geb. am 5. Oct. 1585 in Köstritz bei Gera, wurde seit 1591 in Weißenfels erzogen, wo sein Vater Bürgermeister geworden war; kam wegen seines schönen Gesanges 1599 an den Hof zu Kassel, wo Landgraf Moritz ihn mit seinen Pagen unterrichten ließ; 1607 ging er nach Marburg, um die Rechte zu studiren, bildete 1609–12 in Venedig sein musikalisches Talent unter Johann Gabrieli aus u. lebte seit 1612 als Rechtsgelehrter in Kassel; 1615 wurde er als Director der kurfürstlichen Hofkapelle nach Dresden berufen, hielt sich seit 1621 wieder in Italien auf u. besuchte Dresden nur ab u. zu, übernahm 1634 u. 1642 interimistisch die Direction in Kopenhagen u. 1638 in Braunschweig u.a. O., kehrte 1645 nach Dresden zurück u. beschäftigte sich, zuletzt taub geworden, mehr mit der Bibel, als mit der Musik u.st. am 6. Nov. 1672. Wichtiger als in der aus Italien stammenden Oper, welche er in Deutschland einführte, deren er aber nur eine, Daphne, componirte (s.u. Oper S. 305), u. in dem Chorale, deren er sehr viele setzte (von denen aber nur wenige, z.B. Herzliebster Jesu was hast du verbrochen, u. Nun lobt mein Seel' den Herrn, in den Gemeindegesang gedrungen sind), wurde S. für das Oratorium, worin er selbst den Italienern voraneilte (Geschichte der Auferstehung Christi, 1623). Außerdem schrieb er Symphoniae sacrae, geistliche Concerte, Musicalia ad chorum, Psalmen (1628), das Vaterunser, viele Motetten u. vierstimmige Gesänge, die musikalischen Exsequien, Dialogus sentimentalis, den Vorläufer der Streichquartettmusik. 3) Johann Jakob, geb. 7. Sept. 1640 in Frankfurt a. M., war daselbst Rath u. Rechtsconsulent mehrer Reichsstände u. vertrauter Freund Speners, dessen Collegia pietatis er auch seit 1670 mit zuerst besuchte, zuletzt schloß er sich an den Chiliasten Petrsen[482] u. trat aus der Kirchengemeinschaft u.st. 22. Mai 1690; er ist Verfasser des Liedes Sey Ebr u. Lob dem höchsten Gut, u. gab heraus: Christliches Gedenkbüchlein, 1673; Christliche Lebensregeln, 1977. 4) Philipp Balthasar Sinold, genannt von S., geb. 1657 auf dem Schlosse Königsberg bei Gießen, diente eine Zeitlang unter der reitenden Garde des Großherzogs von Florenz, wurde 1704 Rath u. Posmeister des Grafen Reuß zu Köstritz, auch Lehendirector der sämmtlichen Reußischen Lande, 1795 Hofmeister der verwittweten Herzogin von Sachsen-Merseburg zu Forst in der Niederlausitz, 1711 Regierungsrath des Herzogs Karl von Württemberg zu Bernstadt in Schlesien, 1718 hohenlohepfedelbachischer Präsident, 1727 gräflich solmscher geheimer Rath zu Laubach u.st. dort 1742; er schrieb zum Theil unter den Namen Amadeus Kreuzberg, Ludwig Ernst von Feramond u. Irenics Ehrenkorn: Europäische Fama, Lpz. 1291 u. s. I., von Andern fortgesetzt als: Neue europäische Fama, ebd. 1735 ff.; Neueste europäische Fama, Gotha 1760 ff.; Die schlesische Kirchenhistorie, Lpz. 1715, 2 Thle.; anonym das oft gedruckte von Hübner, Jäger, Mannert u.a. umgearbeitete Staats-, Zeitungs- u. Conversationslexikon; übersetzte H. Grotius Liber de jure belli et pacis, den Telemach, u.a.m. 5) Christian Gottfried, geb. 19. Mai 1747 zu Duderstädt im Mansfeldischen, studirte in Halle, wurde 1758 Lehrer der Mathematik an der Ritterakademie in Brandenburg, 1769 Inspector des theologischen Seminars in Halle, 1776 Professor daselbst, 1779 Professor der Poesie u. Beredtsamkeit in Jena, wo er 1785 die Allgemeine Literaturzeitung begründete, ging 1804 wieder als Professor der Literaturgeschichte u. Beredtsamkeit nach Halle, wo er mit Ersch die Literaturzeitung fortsetzte u. 7. Mai 1832 starb. Er gab heraus: Aristophanis Nubes, Halle 1770, 2. Aufl. edd. 1805; Buripidis Phoenissae. ebd. 1772; Xenophontis Memorabilia, ebd. 1780, 2. Aufl. 1822; Äschylus, ebd. 1782–94, 3. Aufl. 1809–22, 5 Bde.; Ciceronis Rhetorica, Jena 1804, 2 Bde.; Cic. epistolae, Halle 1809–12, 6 Bde.; Cic. opera, Lpz. 1814–21, 20 Bde.; Aristophanes, ebd. 1821; Chrestomathia graeca, Halle 1772, 3 Bde.; u. schr.: Grundsätze der Logik, Lemgo 1773; Einleitung in die speculative Philosophie, ebd. 1775; Lehrbuch zur Bildung des Verstandes u. Geschmacks, Halle 1776–78, 2 Bde.; Nenes Elementarwerk für die niedern Klassen lateinischer Schulen u. Gymnasien, Halle 1780, 13 Bde.; Über Lessings Genie u. Schriften, edd. 1782; Auszug, aus Hoogeveen's Doctrina particularum graec., Lpz. 1782, 2. A. 1806; Methodenbuch für angehende Lehrer, ebd. 1783; Doctrina particularum lat. linguae, Dessau 1784; Katechismus des Rechts, der Pflicht u. der Lebensklugheit für Bürger- u. Landschulen, ebd. 1805. Seine Opuscula philologica erschienen Halle 1830. Darstellung seines Lebens, von seinem Sohne, Halle 1824, 2 Bde. 6) Friedrich Wilhelm von S., geb. 1758 in Erdmannsdorf bei Chemnitz, lebte längere. Zeit in Altona, wurde 1792 Legationssecretär bei der französischen Gesandschaft in Hamburg, zog sich später auf sein Gut Hoyersbüttel zurück, privatisirte dann als sächsischer Hofrath zu Zerbst u.st. dort 1821; er schr.: Briefwechsel über das, Leipziger Theater, Halle 1789; Arthur von England (Trauerspiel), Altona 1801; Gallerie jetzt lebender französischer Helden, Lpz., 1807; Wörterbuch der Stadt-, Land- u. Hauswirthschaft, edb. 1810–17, 8 Bde.; C. M. Wielands Todtenseier. Altona 1813; C. I. Sintenis Leben u. Wirken, Zerbst 1820; u. übersetzte E. Dodwells Reise durch Griechenland, ebd. 1822, u.a.m. 7) Wilhelm von S., geb. 1776 in Berlin, preußischer Landrath u. Director der Ritterschaft zu Zickingen in der Neumark, legte diese Stelle nieder u. privatisirte seitdem in Dresden; er war Dichter der Romantischen Schule u. schr.: Lakrimas (Schauspiel), Berl. 18021 die Trauerspiele u. Dramen: Niobe, ebd. 1807; Der Graf u. die Gräfin von Gleichen, ebd. 1807; Der Graf von Schwarzenberg, ebd. 1819; Karl der Kühne, Lpz. 1821; Beiträge zur intellectuellen u. substantiellen Morphologie, ebd. 1821–23, 3 Hefte.; Rußland u. Deutschland, ebd. 1819; Deutschlands Preßgesetz, Landsh. 1821; Über Kirchen- u. Staatsrecht in der preußischen Rheinprovinz, Würzb. 1841. 8) Friedr. Karl Julius, Sohn von S. 5), geb. 1779 in Halle; wurde 1801 Privatdocent in Jena u. 1804 Professor der Philosopie in Halle; er lernte 1811 die Schauspielerin Henriette Händel (s.d. 2) kennen, heirathete sie, ging mit ihr nach Berlin u. begleitete sie, indem er nun auch die Bühne betrat, auf ihren Kunstreisen. 1818 als Professor der Philosophie wieder in Halle angestellt, legte er 1839 seine Stelle nieder, ging nach Hamburg, ließ sich von seiner Gattin scheiden, lebte dann eine Zeitlang in Leipzig, dann wieder in Halle u.st. 4. Sept. 1844 in Leipzig; er schr.: Geschichte der Republik Frankreich, Jena 1802, 2. Aufl. edd. 1808; Shakespeares Hamlet für das deutsche Theater bearbeitet, Lpz. 1806; Handbuch zur Geschichte Napoleons I. u. seines Zeitalters, ebd. 1810; Entwurf einer Darstellung der Geschichte der Französischen Revolution, Halle 1820; Leben u. Charakter der Elisabeth Charlotte, Herzogin von Orleans, Lpz. 1820; Goethe u. Pustkuchen, Halle 1822; Kritik der neuesten Ausgabe von Goethes Werken, Hamb. 1828; Paganinis Leben, Ilmenau 1830; Rasierspiegel, Braunschw. 1830; Lebensbeschreibung seines Vaters, s. S. 5); u. gab heraus: Epigrammatische Anthologie, Helle 1806–7, 3 Bde.; Blumenlese aus dem Stammbuch der deutschen mimischen Künstlerin Henriette Händel-Schütz, Lpz 1815; Goethes Philosophie, Hamb. 1825–27; Stimme Friedrichs des Großen aus seinen Werken, Braunschw. 1828, 5. Bde.; Anthologie aus Müllners Schriften, nebst dessen Leben, Meiß. 1830, 4 Bde.; Zacharias Werners Biographie u. Charakteristik etc., Grimma 1848; 9) Sophie, geb. 1807 in Emden, betrat, nachdem sie mit einer wandernden Gesellschaft an verschiedenen Orten gespielt hatte, die Braunschweiger Bühne u. blieb 25 Jahre hindurch der Liebling des Publicums, ausgezeichnet als Fenella in der Stummen von Portici, Marie in der Rose von Avignon, Fürstin in Elise von Valberg, Louie in Robespierre, Jüdin in Deborah u. anderen Rollen; 1836 verheirathete sie sich mit dem Hofschauspieler Schütz in Braun schweig u.st. daselbst 8. Aug. 1850. 10) s. Schütze.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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