Scipio [2]

Scipio, eine berühmte römische Patricierfamilie, zur Cornelia gens gehörend; der Name dieser Familie schrieb sich von einem Cornelius her, welcher, seinen blinden Vater führend, diesem als Stab (Scipio) u. Stütze gedient hatte. 1) Publius Cornelius S., zeichnete sich 396 v. Chr. bei der Eroberung von Veji aus; kämpfte 395 glücklich als Tribunus militum c. consulari potest. gegen die Falisker; folgte 392 dem Furius Camillus als Interrex u. wurde 389 noch einmal Trib. mil. c. consul. potest. 2) Publius Cornelius S., Sohn des Vorigen, war 366 v. Chr. Aedilis curulis, als diese Würde zu Gunsten der Patricier gegründet wurde. 3) Publ. Corn. S., Bruder des Vor., war 350 v. Chr. unter dem Dictator Furius Camillus Magister equitum. 4) Lucius Corn. S., besänftigte, bei der Weigerung des Dictators T. Manlius die Consulwahl nach der Licinia Sextia lex vorzunehmen, als Interrex die aufgeregten Plebejer dadurch, daß er C. Marcius Rutilus, einen Plebejer, zum Consul wählte; 350 wurde er selbst Consul, übergab aber Krankheit halber das Commando gegen die Gallier seinem Collegen M. Popilius Länas. 5) Lucius Cornelius S. Barbatus, Enkel des Vor., war 298 v. Chr. Consul, dann Censor u. Ädilis; er eroberte Taurasia, Cisauna, Samnium u. unterwarf Lucanien; sein Grabmal ist das älteste Sepulcralmonument, welches man einer bestimmten Zeit anweisen kann, s.u. Scipionen. 6) Cnejus Corn. S. Asina (letzteren Namen soll er erhalten haben, weil er auf einer Eselin das Geld für ein erkauftes Grundstück od. die Mitgift seiner Tochter auf den Markt bringen ließ, um sie den Freiern zu zeigen), 260 v. Chr. Consul, beaufsichtigte den Bau der ersten Kriegsflotte im ersten Punischen Kriege u. ging dann mit 17 Schiffen nach Messina, um die übrige Flotte zu verproviantiren; als er aber nach den Liparen steuerte, wurde er von den Carthagern gefangen u. nach Carthago abgeführt. 256 durch Regulus befreit u. 254 wieder zum Consul gewählt, nahm er den Carthagern mehre Plätze in Sicilien ab. 7) Publ. Corn. S. Asina, Sohn des Vor., Consul 221 v. Chr., kämpfte glücklich gegen die istrischen Seeräuber, wurde aber durch den Einfall Hannibals in Italien so erschreckt, daß er zur Aufgabe Italiens u. zur alleinigen Vertheidigung Roms rieth; mit ihm starb die eine Linie des S. Barbatus aus; die andere blühte fort; des S. Barbatus zweiter Sohn war: 8) Lucius Cornel. S., er war 259 v. Chr. Consul, nahm den Carthagern Corsica u. Sardinien weg u. feierte dem bei der Eroberung von Olbia gebliebenen carthagischen Feldherrn Hanno ein prächtiges Leichenbegängniß; er erhielt einen Triumph u. wurde 258 Censor. Er weihte dem Gott des Sturmes einen Tempel u. hinterließ zwei Söhne Cnejus u. Publius (s. den Folg. u. unten 16). 9) Cnejus Corn. S. Calvus, Sohn des Vor., war 222 v. Chr. Consul u. unterstützte seinen Collegen Cl. Marcellus im Kriege gegen die Cisalpinischen Gallier, wo er Acerrä eroberte u. nahm 218 mit seinem Bruder Publius (s. unten 16) in Spanien alle Städte an der Küste von den Pyrenäen bis an den Iberus. Den Hanno besiegte er bei Scissum u. nahm ihn selbst gefangen; dann eroberte er Tarracon u. schlug 217 den Hasdrubal, Hannibals Bruder, an der Mündung des Iberus, wodurch Hasdrubal abgehalten wurde sogleich nach Italien zu gehn, um seinen Bruder zu unterstützen; die Balearischen Inseln u. viele Völkerschaften Spaniens unterwarfen sich ihm. Durch sein Vorrücken bis an die Castulonischen Pässe nöthigte er den Hasdrubal sich nach Lusitanien zurückzuziehen. Aber bald fielen die Celtiberer wieder von ihm ab, u. so geschwächt u. nachdem auch sein Bruder Publius geblieben war, mußte er sich zurückziehen u. setzte sich auf einem Hügel fest, doch konnte dieser wegen seiner Kahlheit nicht befestigt werden, die Feinde schlugen die Römer u. S. selbst blieb (wahrscheinlich im Jahre 211). Von Spanien aus hatte er den Senat gebeten ihm einen Nachfolger zu schicken, weil seine Anwesenheit in Rom wegen der Verheirathung seiner Tochter nöthig sei; aber der Senat versagte ihm den Urlaub, wählte dagegen der Tochter selbst einen Gatten u. gab ihr eine glänzende Aussteuer. 10) Publius Corn. S. Nasica, Sohn des Vor., wurde schon 204 v. Chr., noch nicht 25 Jahre alt, vom ganzen Senat für den besten römischen Bürger erklärt u. als solcher befehligt die Idaea mater, deren Dienst damals aus dem Orient in Rom eingeführt wurde, zu empfangen u. mit den römischen Matronen in die Stadt zu bringen. 200 wurde er mit C. Terentius Varro u. T. Quintius Flamininus Triumvir, um unter die Soldaten, welche im zweiten Punischen Kriege gedient hatten, das Venusinische Gebiet zu vertheilen. 195 wurde er Prätor u. ging in das Transiberische Spanien, wo mehr als 50 Städte zu ihm abfielen u. wo er 193 die Lusitanier besiegte. 191 erhielt er das Consulat; er ging nach dem Cisalpinischen Gallien, besiegte daselbst die Bojer u. eroberte einen Theil ihres Landes, wofür ihm ein Triumph zuerkannt wurde. Später war er in der Sache der beiden Scipionen thätig (s. 17 u. 20) u. hinderte nebst Tib. Gracchus deren entehrende Gefangennehmung. 11) Publius Corn. S. Nasica Corculun, Sohn des Vorigen u. Schwiegersohn des ältern S. Africanus; als Censor 159 v. Chr. führte er in Rom die Wasseruhren statt der Sonnenuhren ein u. erbaute den Säulengang auf dem Capitolium; er diente unter Ämilius Paulus in Macedonien u. besiegte 155 als Consul die Dalmatier, wofür ihm ein Triumph zuerkannt wurde. Bei dem Aufstand der Macedonier unter Andriskos zwang er die Macedonier von den griechischen Grenzen zurückzugehen. Im dritten Punischen Krieg sprach er gegen Cato für Carthagos Erhaltung, weil eine solche Nebenbuhlerin für Roms sittlichen Halt nöthig wäre. Außerdem war er ein guter Rechtsgelehrter u. Redner. 12) Publ. Corn. S. Nasica Serapio (so wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Opferthierhändler genannt), ging 149 v. Chr. als Gesandter wegen Auslieferung der Waffen nach Carthago, wurde 138 Consul u. dann in seiner Abwesenheit (was früher noch bei keinem geschehen war) zum Pontifex maximus gewählt. In den Gracchischen Unruhen eiferte er sehr gegen die Neuerungs- u. Äckervertheilungsvorschläge, zog mit vielen römischen Bürgern auf das Capitol, wohin sich die Anhänger des Gracchus geflüchtet hatten, u. schlug dort 300 Gegner. Das Volk mißbilligte die That, weshalb er unter dem Schein einer Gesandtschaft nach Asien ging, wo er bald darauf, 133, in Pergamum starb. 13) Publ. Corn. S. Nasica, Sohn des Vor., 111 v. Chr. Consul, starb als Consul; sein Enkel war: 14) Quintus Cäcilius Metelluß Pius S., s. Metellus 17).[699] Zu dieser Linie gehört auch noch 15) Publ. Corn. S., welcher der Urenkel des Nasica von seinem ersten Sohne u. der Neffe des L. Licinius Crassus war, er hatte die Poppäa geheirathet u. bewies sich sehr nachsichtig u. klug bei ihren Schwächen. 16) Publius Corn. S., Sohn des S. 8) u. der Vater der beiden Scipionen u. Bruder des S. 9). Als Consul 218 v. Chr. erhielt er Spanien; aber als er in Massilia hörte, daß Hannibal schon über die Pyrenäen gezogen sei, ging er nach Italien, landete bei Genua u. zog, um die erschöpfte Armee des Feindes sogleich anzugreifen, an den Padus. Aber an dem Ticinus von Hannibal geschlagen, zog er sich weiter hinab auf die Anhöhen beim Trebiafluß, wo sein für ihn commandirender Colege Tib. Sempronius Gracchus geschlagen wurde. S. zog sich nun über den Padus nach Cremona in die Winterquartiere zurück u. ging darauf 217 mit einer Flotte u. Armee nach Spanien, wo die Punier ebenfalls große Fortschritte gemacht hatten. Er landete bei Tarracon u. verband sich mit seinem Bruder Cnejus; sie befreiten die spanischen Geißeln aus den Händen der Punier, durch deren gute Behandlung sie sich die Zuneigung der Spanier erwarben; schlugen den Hasdrnbal bei Ibera u. den Mago bei Illiturgis u. Intibili; Publius fiel 212 in der Schlacht bei Anitorgis. 17) Publ. Corn. S. Africanus major, Sohn des Vor., der größte Feldherr der Römer, geb. 235 v. Chr.; hatte etwas Geisterhaftes in seinem Wesen, wodurch er einen gewissen magischen Einfluß auf Andere ausübte. Vor dem Eintritt in sein Jünglingsalter kam er um Mitternacht auf das Capitol u. begehrte von den Tempelwächtern Einlaß in die Celle des Jupiter; hier verweilte er, mit dem Gott sich über das Staatswohl berathend. Er hatte schon 218 am Ticinus gefochten u. daselbst seinem Vater das Leben gerettet; war 216 als Tribun in der Schlacht bei Cannä gewesen u. hatte sich mit dem Rest der Armee nach Canusium gerettet. Hier wurde ihm das Commando übertragen, u. da er hörte, daß Mehre Italien verlassen wollten, hinderte er sie an diesem Plane, indem er sie durch einen Eidschwur band im Lande zu bleiben. Er wurde 213 Ädilis, obgleich er das gesetzliche Alter noch nicht erreicht hatte. Da das Volk 211 unschlüssig war, wen es nach dem Tode des Publius u. Cnejus, des Vaters u. Oheims des S., nach Spanien schicken sollte, erbot er sich, obgleich noch nicht 24 Jahre alt, selbst dahin zu gehen. Im Frühjahr 210 zog er mit der Flotte dahin, landete an der Mündung des Iberus u. nahm Neu-Carthago ein, wo alle Vorräthe an Waffen u. Geld u. alle spanischen Geißeln waren. Hier geschah es, wo er dem Spanier Allucius (s.d.) seine schöne Braut unberührt zurückgab; diese That veranlaßte mehre spanische Häuptlinge zu ihm überzugehen. Darauf besiegte er den Hasdrubal bei Bäcula, während Silanus u. sein Bruder Lucius anderwärts siegreich gegen die Punier fochten, so daß dieselben bis 207 gänzlich aus Spanien vertrieben waren. Nun richtete S. seine Blicke auf Afrika; um festen Fuß dort zu fassen, machte er mit dem Massäsylierkönig Syphax, bei welchem er zufällig mit Hasdrubal speiste, ein Bündniß. Während seiner Krankheit waren die Illiturgitaner, Castuloner u. Astapenser wieder zu den Puniern übergegangen; er strafte sie streng. Das falsche Gerücht von seinem Tode hatte auch bei den Seinigen im Lager bei Sucro eine Meuterei hervorgebracht, die 35 Rädelsführer ließ er hinrichten, den Übrigen verzieh er; selbst seine treuesten Bundesgenossen, Mandonius u. Indibilis, waren von ihm abgefallen, doch bald wieder zur Pflicht gebracht. Nach fünfjährigem Aufenthalt in Spanien u. nachdem er den Besitz dieses Landes für die Römer durch die Einnahme von Gades gesichert hatte, kehrte er 206 nach Rom zurück u. legte eine große Menge Silber in den Staatsschatz. Er wurde nun 205 Consul u. erhielt Sicilien, mit der Weisung nur nach Afrika zu gehen, wenn es für Rom heilsam wäre. In seiner Provinz Sicilien bereitete er nun sein Unternehmen gegen Carthago vor. Aber in Rom, wo ihn Viele wegen seines Glücks beneideten, wurden die Cabalen gegen ihn fortgespielt; die Unthaten seines Legaten Pleminius, welche dieser in Locri verübt hatte, wurden seiner Nachsicht gegen denselben schuldgegeben u. seine Beschäftigung mit den Wissenschaften ihm als Vernachlässigung des Kriegs ausgelegt. Der Gesandtschaft, welche nach Syracus kam, um ihn deshalb zur Rechenschaft zu ziehen, antwortete er durch ein trefflich ausgeführtes Manoeuver der Flotte u. des Heeres. Darauf ging er 204 nach Afrika über, wo er den König Masinissa von Numidien seiner harrend, den Syphax aber wieder zu den Puniern abgefallen fand; er belagerte im Winter Utica vergebens, verbrannte das Lager des Syphax, zogdie Reiter des Masinissa an sich, schlug die verbündeten Truppen des Hasdrubal u. Syphax, nahm die punischen Städte an der Küste u. setzte die Punier in so große Furcht, daß sie sich genöthigt sahen den Hannibal aus Italien zu rufen. S-s Glück in Afrika zeigte dem Hannibal bald den Stand der Dinge; es erfolgte eine Unterredung zwischen beiden Feldherrn des Friedens halber, doch waren die römischen Bedingungen zu hart, der Krieg wurde fortgesetzt u. S. erfocht einen entscheidenden Sieg über Hannibal 19. Oct. 202 bei Zama, marschirte sogleich vor Carthago u. schloß hier mit den Puniern Friede (s. Punische Kriege). S. kehrte mit einer Summe von 123,000 Pfd. Silber für den Staatsschatz nach Rom zurück, erhielt dafür einen Triumph u. den Beinamen Africanus. 199 wurde er Censor. In seinem zweiten Consulat 194 stand er in Oberitalien; 193 wurde er mit Cornelius Cethegus u. M. Micinius Rufus nach Afrika geschickt, um die Streitigkeiten zwischen den Puniern u. Masinissa beizulegen; doch erfolgte keine Entscheidung. 190 ging er, nachdem er auf dem Capitol einen Triumphbogen mit 7 vergoldeten Standbildern u. 2 Pferden errichtet hatte, mit seinem Bruder Lucius als dessen Legat gegen den König Antiochos von Syrien nach Griechenland. Er erhielt hier den Prusias, welcher von Antiochos zum Abfall gereizt worden war, dem römischen Volke treu. Antiochos versuchte durch das Versprechen, dem S. seinen bei ihm gefangenen Sohn zurückzugeben, den Abzug der Römer zu erlangen, aber S. schlug das Anerbieten aus u. rieth ihm blos die Hand zum Frieden zu bieten, was für ihn das Nützlichste wäre. Dennoch schickte Antiochos den jungen S. seinem Vater zurück, dieser aber vergaß über dieser Privatgefälligkeit das Wohl seines Vaterlandes nicht; er schlug den Antiochos bei Magnesia u. nöthigte denselben zu einem, für ihn nachtheiligen Frieden. Gleichwohl wurde er von seinen Neidern, 187 nach Rom zurückgekehrt, angeklagt dem Antiochos zu milde Friedensbedingungen gemacht, Geschenke angenommen[700] u. sich Äußerungen des Stolzes schuldig gemacht zu haben. S. verschmähete es, nach seinen großen Verdiensten um sein Vaterland, auf diese Beschuldigung zu antworten u. ging auf sein Landgut bei Liternum; Tib. Gracchus nahm sich seiner an u. die Untersuchung wurde unterdrückt. Er blieb aber auch ferner auf seinem Landgute wohnen, starb dort einige Jahre nachher (183 nach Polybius) u. verordnete auch allda begraben zu werden. Sein Denkmal in Liternum war schon zu Livius' Zeit zerstört; eine Bildsäule von ihm stand in dem Grabmal der Scipionen, eine andere in dem Tempel des Capitolinischen Jupiter. Er war ein Freund der Griechischen Literatur u. ein gepriesener Redner; der Dichter Ennius, sein vertrauter Freund, besang seine Thaten in dem verlorenen Epos Scipio. Vgl. Seran de la Tour, Histoire de Scipion l'Africain, Par. 1783. Er war vermählt mit Ämilia, der Tochter des Ämilius Paulus; von seinen zwei Töchtern heirathete eine, Cornelia, den Tib. Gracchus u. war die Mutter der beiden Gracchen, die andere den P. Cornel. S. Nasica; einer seiner Söhne: 18) Luciusc od. Cnejus Corn. S. war der von Antiochos gefangen gehaltene; nach Einigen war er im Anfang des Krieges auf dem Marsche von Chalkis nach Oreos von königlichen Schiffen gefangen, nach And. in Asien auf Erkundigung des königlichen Lagers ausgehend, von syrischen Reitern ergriffen worden. 19) Publ. Corn. S., älterer Bruder des Vor., beschäftigte sich mit den Wissenschaften u. soll mehre gute Reden, welche er jedoch wegen seiner Schwächlichkeit nicht selbst hielt, u. eine Geschichte geschrieben haben. 180 p. Chr. wurde er Augur. Da er keine Kinder hatte, adoptirte er den einen Sohn des L. Ämilius Paulus, welcher bekannt ist als 20) Publius Corn. S. Ämilianus Africanus minor Numantianus. Er diente zuerst unter seinem Vater, Ämilius Paulus, im Macedonischen Kriege als 17jähriger Jüngling u. that sich 168 v. Chr. in der Schlacht bei Pydna hervor. Er studirte dann eifrig die Griechische Literatur u. hatte in der Philosophie den Panätios, in der Geschichte den Potzbios zu Lehrern. 151 ging er als Legat des Lucullus mit nach Spanien u. zeichnete sich bes. bei der Eroberung der Stadt Intercatia aus, wo er zuerst die Mauern bestieg; 149 ging er als Gesandter nach Afrika zu Masinissa, wo er nach Ciceros Dichtung einen höchst merkwürdigen Traum hatte (s. Somnium Scipionis); zwei Jahre darauf, nach dem Ausbruch des dritten Punischen Krieges, ging er als Tribunus wieder mit nach Afrika, u. als die Consuln bei der Belagerung Carthagos gegen Hasdrubal nichts ausrichten konnten, wurde ihm das Commando übergeben. Er stellte die Kriegszucht im Heere her u. nahm 146 Carthago ein, s.u. Punische Kriege. Für diesen Sieg wurde ihm der Beiname Africanus u. zwar (zum Unterschied von seinem Adoptivgroßvater) minor gegeben. 142 war er Censor u. suchte namentlich dem Luxus u. dem Verfall der alten römischen Sitten durch Strenge entgegen zu wirken; nach Ablauf der Censur untersuchte er in besonderem Auftrag des Senats den Zustand der Provinzen Asien u. Afrika. 134 befehligte er im Numantinischen Kriege, konnte aber erst nach 14monatlicher Belagerung Numantia erobern, s.u. Rom (Gesch.) u. Spanien (Gesch.). Er erhielt nochmals einen Triumph u. den Beinamen Numantianus. Inzwischen waren die Gracchischen Unruhen ausgebrochen, u. obgleich er der Schwager der beiden Gracchen war, billigte er deren Unternehmungen für das Volk nicht, aus Furcht, der Staat möchte darüber zu Grunde gehen. Seine zum Theil dadurch verlorene Popularität büßte er vollends ganz ein, als 130 durch seinen Einfluß eine beabsichtigte Äckervertheilung unterblieb. Es entstand ein Aufstand des Volkes, u. S. wurde am andern Morgen todt in seinem Bett gefunden; wahrscheinlich war er ermordet worden, denn man begrub ihn mit verhülltem Haupte; als sein Mörder wurde der Volkstribun Papirius Carbo bezeichnet. Seine Freundschaft mit Lälius Sapiens war im Alterthume berühmt. S. war nicht allein ein großer Krieger, sondern auch ein Verehrer der Wissenschaften, unter andern Beutestücken ließ er auch literärische Schätze nach Rom schaffen, außer Polybios u. Panätios gehörte auch der Dichter Lucilius zu seiner Gesellschaft, welcher ihn in den Numantinischen Krieg begleitete; er war auch ein Freund des Dichters Terentius, zu dessen Komödien er sogar die Vorspiele geschrieben haben soll, u. las beständig den Xenophon; er war auch höchst uneigennützig u. gerecht, denn nach der Eroberung von Carthago ließ er die Siculer, aus deren Städten die Punier Schätze u. Kunstwerke in ihre Stadt geschleppt hatten, zusammenkommen u. erlaubte jedem sein Eigenthum wieder zu nehmen; seine Mutter Papiria, von welcher sich sein Vater hatte scheiden lassen, unterstützte er von seinem Vermögen. 21) Lucius Corn. S. Asiaticus, zweiter Sohn des P. Corn. S. (s. oben 16) u. Bruder des Africanus major, begann seine kriegerische Laufbahn unter seinem Bruder in Spanien; war nachher auch Legat in Afrika, 194 v. Chr. Prätor in Sicilien u. ging 190 als Consul mit seinem Bruder Publius nach Griechenland, übernahm daselbst die Armee des M' Acilius Glabrio u. ging nach Asien über, um dort den Antiochos anzugreifen. Er schlug denselben bei Magnesia u. bekam mehre asiatische Städte in seinen Schutz. Er erhielt einen Triumph u. es wurde ihm die Führung des Namens Asiaticus gestattet. Aber 187 wurde er u. sein Bruder Publius verklagt 6000 Pfund Gold mehr von Antiochos erhalten zu haben, als er in den Schatz gelegt hatte; P. S. Nasica u. Tib. Gracchus nahmen sich der Beschuldigten an. S. wurde darauf zwar persönlich entlassen, allein seine Güter sollten confiscirt u. öffentlich versteigert werden, um die Summe, welche er zu zahlen verurtheilt worden war, für den Staatsschatz zu erhalten. Aber bei der Untersuchung fand sich, daß er nicht einmal so viel besaß, als er veruntreuet haben sollte. Einer der vorzüglichsten Feinde der Scipionen war der Censor Cato, welcher dem Lucius 184 bei der Censur auch sein Ritterpferd zu nehmen befahl.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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