Magenkrankheiten


Magenkrankheiten

Magenkrankheiten, sind sehr häufig, sowohl für sich, als in Begleitung anderer Krankheiten, bes. der Lungen, des Herzens u. bei verschiedenen Blutkrankheiten. Die Zeichen der M. bestehen zumeist in schmerzhaften Empfindungen in der Magengrube, Appetitlosigkeit, Ekel, Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen, Austreibung der Magengegend, Bildung einer festen Geschwulst etc. Magenschmerz (Gastrodyula), tritt in verschiedener Weise auf, bald nur als Magendrücken, bald als Magenkrampf (Gastralgie, Cardialgie), eine in unregelmäßigen Perioden wiederkehrende raffende u. schnürende, bohrende od. glühende Empfindung in der Magengegend, welche sich zuweilen nach dem Rücken zu erstreckt u. in den höchsten Graden Kälte der Extremitäten, Kolik, Schluchzen, Würgen, Erbrechen, Herzklopfen, Krampf, Ohnmacht u. andere nervöse Erscheinungen mit sich führt u. nicht selten durch zusammenbeugen des Bauches u. durch starken Druck auf die Magengrube gemildert wird u. sich unter Aufstoßen, Blähungen u. Erbrechen löst. Der Magenkrampf ist selten nur rein nervöser Natur, sondern fast immer Folge einer Magenerkrankung. Die häufigste Ursache ist das Magengeschwür u. der Magenkrebs. Leichtere Magenschmerzen können Folge sein von Überladung, Magenkatarrh, Erweiterung u. Verengung des Magens. Magenbrennen (Sodbrennen, Soda, Ardor ventriculi), wozu sich zuweilen das raffende Gefühl des Magenkrampfes od. Wasserbrechen (Pyrosis) gesellt, besteht in dem periodisch eintretenden Gefühle von Aufsteigen eines heißen, brennenden Dunstes od. einer Flamme vom Magen nach dem Schlundkopfe, meistens mit öfterem Aufstoßen einer wasserhellen sauren od. ranzigen Flüssigkeit. Als Ursachen des Magenkrampfes nennt man den Genuß fetter ranziger, saurer od. leicht säuernder Speisen, jedoch tritt dasselbe auch bei anderen Magenleiden, bes. beim chronischen Magenkatarrh u. bei Milzaffectionen ein. Die Behandlung hat die Säure (Magensäure, Açor ventriculi) zu tilgen u. die Magenverdauung zu bessern, wozu die sogenannten Absorbentia (bes. Magnesia), Natron, Wismuthweiß, kohlensaures Ammoniak, Eis, bittere Magenmittel etc. in Gebrauch sind, in sehr vielen Fällen auch eine zweckmäßige Diät ausreicht. Magenkatarrh (Magenent, zündung, Gastritis), in acuter u. chronischer Form, selbständig für sich (primär) od. in Begleitung anderer Krankheiten (secundär) der Leber, des Herzens u. der Lungen u. bei acuten Bluterkrankungen; mit Fieber verbunden, bedingt er das Gastrische Fieber u. ohne Fieberbewegung den sogenannten Gastrischen Zustand (Status gastricus). Die Symptome des Magenkatarrhs sind Gefühl von Druck u. Vollsein in der Magengrube, bes. nach der Mahlzeit, Austreibung der Magengegend, Appetitlosigkeit, Ekel, Aufstoßen, unangenehmer Geschmack, Sodbrennen u. Erbrechen, bei zuweilen ganz reiner Zunge. Beim chronischen Katarrh ist Verdickung u. Verhärtung der Magenwand zu fürchten u. führt durch Beeinträchtigung der Ernährung zu einem Auszehrungszustände (Magenschwindsucht). Die heftigeren Formen der Magenentzündug (Magencroup) sind selten u. zumeist nur durch ätzende Substanzen (Arsenik, Sublimat) erzeugt u. können zu Magenbrand führen. Die Behandlung fordert Schonung der Magenschleimhaut u. warme milde, flüssige Kost. Das Magengeschwür (einfaches od. chronisches, rundes, durchbohrendes, persorirendes), kommt am häufigsten in den Blüthenjahren u. beim weiblichen Geschlechte, zumal bei Bleichsüchtigen, vor, nimmt seinen Sitz vorzugsweise am Pylorustheile des Magens u. hat große Neigung, die Magenwand schichtenweise zu zerstören, hat eine rundliche Gestalt u. ist von sehr verschiedener Größe. Durch Zerstörung größerer Blutgefäße kann das Magengeschwür Veranlassung zu Magenblutungen werden u. bei Durchbohrung der verschiedenen Häute des Magens eine tödtliche Bauchfellentzündung bedingen od. den Magen mit den Nachbarorganen verkleben u. in Verwachsung bringen; oft heilt das Magengeschwür durch Vernarbung, jedoch bei einiger Ausdehnung des Geschwüres nicht ohne Schrumpfung der Häute, wodurch Magenverengerung herbeigeführt werden kann. Das Magengeschwür ist häufig Ursache des Magenkrampfes, u. neben diesem Schmerz findet sich häufig Erbrechen, jedoch kann das Magengeschwür auch ohne alle bemerkbaren Symptome verlaufen. Die Heilung des M-s ist nur durch Ruhe, Rein- u. Warmhaltung des kranken Magens zu erzielen. Eine eigenthümliche Form der M. sind die hämorrhagischen Erosionen (s.d.) der Magenschleimhaut; ferner kommt nicht selten Magenkrebs (s. Krebs) vor. Die Magenerweichung (Gastromalacie), tritt meist in den letzten Lebensstunden ein u. gedeiht nie bis zu völliger Zerstörung der Magenwand. Symptome der Magenerweichung sind: Erbrechen alles Genossenen, bisweilen auch einer mit bräunlichen Flocken gemischten Flüssigkeit, schneller Verfall, kaum fühlbarer Puls, beschleunigtes, unregelmäßiges Athmen. Die Magenblutung (Blutbrechen, Gastrorrhagia, Haematemesis, Malaena, Morbus niger Hippocratis), ist ein Symptom des Magengeschwürs od. der hämorrhagischen Erosion od. des Krebses. Die Magenverhärtung u. Magenverdickung (Magenhypertrophie), ist meist Folge des chronischen Magenkatarrhs.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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