Simolin

Simolin, ein in gerader Linie von dem ungarischen Hause der Bathory abstammendes, in Kurland u. Preußen begütertes freiherrliches Geschlecht, welches nach seinem Erbgute Simony den Namen S. annahm. Der Stifter dieses Geschlechts war Graf Simon Bathory (gest. 1528), seine zwei Urenkel u. Söhne des Grafen Simon, Andreas Karl u. Franz, wurden die Gründer zweier Linien der Grafen Bathory-Simolin. Die jüngere Linie, gegründet von Franz S., erlosch gegen Ende des 17. Jahrh.; die ältere, gestiftet von Andreas Karl S. (geb. 1596), blüht noch gegenwärtig in dem Geschlechte der Freiherrn von S.; die Glieder derselben wurden 1754 in den deutschen Reichsritterstand u. 1776 vom König Stanislaus August in den Freiherrnstand erhoben, welche sich in mehre Linien theilen. Durch ein am 12. Oct. 1852 ergangenes Rechtsgutachten der Juristenfacultät in Leipzig wurde dem Freiherrn von S. das Recht auf Namen u. Titel der Grafen Bathory zugesprochen. Die Familie kam durch Matthias Karl, Sohn von Andreas Karl, geb. 1639 u. gest. 1706, im Dreißigjährigen Kriege nach Schweden u. Finnland; Johann Matthias, Enkel des Vor. u. Sohn von Michael Karl, geb. 1690, st. 1740 als Propst in Reval, hinterließ zwei Söhne: 1) Freiherr Karl Gustav, geb. 1715 in Åbo, wurde schon früh zu diplomatischen Sendungen gebraucht, so 1743 bei den Friedensunterhandlungen zu Åbo; 1756 ging er als russischer Gesandter an den kurländischen Hof nach Mitau, wo er sich das Vertrauen sowohl der Bironschen, als auch der polnischen Partei erwarb; wurde 1776 in den Freiherrnstand erhoben[114] u. st. 1777 in Spaa. Seine drei Söhne, Karl, Gustav u. Alexander, gründeten drei Nebenlinien: a) Linie Weitenfeld-Jahteln, Gründer: 2) Freiherr Karl, ältester Sohn des Vor., geb. 1756 u. gest. 1796; jetziger Chef: 3) Freiherr Alexander, Sohn des Vor., geh. 1788, trat 1803 in preußische, 1812 in russische u. 1814 zurück in preußische Militärdienste u. nahm 1842 als General seinen Abschied; b) Linie Perbohnen, Gründer: 4) Freiherr Gustav, Bruder von S. 2), geb. 1759, st. 1798; diese Linie blüht fort in drei Zweigen, welche von seinen Enkeln gegründet sind; c) Linie Groß-Dselden, Gründer: 5) Freiherr Alexander, Bruder des Vor., geb. 1766 u. gest. 1832; 6) Freiherr Alexander Heinrich, Sohn des Vor., geb. 29. Juni 1800, preußischer Kammerherr; hat sich als lyrischer Dichter, sowie im Fach der Heraldik, Genealogie u. Alterhumskunde bekannt gemacht; er schr. Stammtafeln des Geschlechts der Bathory von S., Berl. 1855. Sein Sohn Alexander Georg, geb. 1836, nahm nach dem Tode seiner Mutter, der Erbtochter des Herrn von u. zu Wettberge, Namen u. Wappen der Wettberge an. 7) Johann Matthias, Bruder von S. 1), geb. 1720 in Åbo, war 1766 russischer Gesandter bei dem Deutschen Reiche in Regensburg, ging als diplomatischer Agent mit dem Grafen Peter Romanzow in den Türkenkrieg u. schloß 1771 den Waffenstillstand zu Giurgewo; wurde 1773 Staatsrath u. ging als Gesandter nach Kopenhagen, 1777 nach Stockholm, 1789 nach England u. 1787 nach Paris, wo er 1791 der Königin Maria Antoinette einen falschen Paß ausstellte u. dazu des Grafen Montmorin Unterschrift erzwang. Er lebte nachher einige Zeit in Frankfurt a. M. u. wurde 1799 als Präsident des Reichsjustizcollegiums nach Rußland zurückgerufen, starb aber 19. Sept. 1799 auf der Rückreise dahin in Wien. Vgl. außer den oben genannten Stammtafeln von Alexander v. S., noch Stramberg, Das Haus Bathory in seinen Verzweigungen bis auf den heutigen Tag, Berl. 1853.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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