Maas [1]

Maas (lat. Mosa, franz. Meuse), 1) Fluß in Frankreich, Belgien u. den Niederlanden, entspringt im französischen Departement Haute-Marne in den Vogesen bei den Dörfern Meuse u. Montigny, wird bei St. Thibault schiffbar, durchläuft die Departements der Vogesen, der Meurthe, der Maas u. der Ardennen u. berührt die französischen Städte Neufchâteau, Commere, Verdun, Sedan, Mezieres u. Givet. Hier tritt sie auf belgischen Boden u. fließt an Dinant (rechts Mündung der Lesse), Namur (links Mündung des Sambre), Huy (rechts Mündung des Hoyoux), Lüttich (rechts Mündung der Ourthe), u. Visé vorbei. Von hier bis unterhalb Maeseyk bildet sie mit Ausnahme des Gebietes von Mastricht die Grenze zwischen Belgisch u. Niederländisch Limburg. Von da, stets nördlich fließend, bespült sie Roermond (Einfluß der Roer) u. Venloo, trennt sodann die Provinz Nordbrabant zunächst von Limburg, dann von Geldern, läuft westlich an Grave, Ravestein u. der Schanze St. Andreas vorbei, wo sie sich mit der Waal vereinigt, doch um sie sogleich wieder zu verlassen. Nachdem sie Creveceur u. Hensden berührt hat, fließt sie bei Woudrichem mit der Waal zusammen u. bildet fortan die Merwede. Als solche durchfließt sie den Biesbosch u. theilt sich bei Dortrecht wieder in zwei Arme, welche beide, der linke in mehren Mündungen, der rechte, nach vorheriger Aufnahme des Lecke, sich in die Nordsee ergießen. Der Hauptarm dieser verschiedenen Maasmündungen ist der nördliche, welcher unterhalb Briel auf der Insel Voorue das Meer erreicht; der mittlere, zwischen den Inseln Voorn u. Overflakke, heißt nach einander Hollanddeep, Haringvliet u. Flakke; der südliche, Krammer genannt, dringt zwischen diesem u. der Insel Schouwen ins Meer. Die Länge des Flusses beträgt 90 Meilen (schiffbar nur 72, wovon 24 in Frankreich, 23 in Belgien u. 25 in Holland). Ihr Stromgebiet umfaßt 864 QM. Die Hauptkanäle im Maasgebiete sind: der Kanal von Lüttich nach Mastricht (Canal latéral à la Meuse), 201/2 Kilometer lang, 13 Meter breit; der Kanal von Mastricht nach Herzogenbusch od. Zuid-Willems-Vaart, 1231/2 Kilometer; der Kanal von Bocholt (am eben erwähnten Kanal) nach Herenthals durch das belgische Kempenland (Canal à la Campine), 571/2 Kilometer, von welchem sich ein Ausläufer bis nach Antwerpen zieht. Der Nordkanal, welchen die Franzosen zur Verbindung der M. mit dem Rhein, mittelst der Niers begannen, ist unvollendet. Von der Sambre unterhalb Charleroi führt der Kanal von Charleroi u. dessen Fortsetzung der Kanal von Willebrök in die Rupel bei Boom u. durch diese zur Schelde. Mit dem Seinegebiete ist die M. verbunden durch den Ardennenkanal, welcher aus ihr oberhalb Meziéres zur Aisne oberhalb Rethel, u. durch den Oise-Sambrekanal, welcher von der oberen Sambre bei Landrecy aus in die Oise bei Eteux führt. Der Maas-Moselkanal beginntbei Lüttich, durchläuft einen Theilder Provinz Lüttich u. das Großherzogthum Luxemburg u. mündet bei Wasserbillig in die Mosel. Die Arbeiten begannen 1828, geriethen aber 1831 ins Stocken; durch Convention vom 12. Mai 1842 zwischen Belgien u. Holland wurde der Weiterbau beschlossen, aber noch nicht in Angriff genommen; 2) Departement in Frankreich, nach Vorigem benannt, aus dem Herzogthum Bar u. der Landschaft Verdunois bestehend; grenzt nördlich an das Großherzogthum Luxemburg, 113,28 QM.; durch die Vorberge der [659] Vogesen gebirgig; Flüsse: M., Aire, Aisne, Ornain, Saulx, Chiers u.a.; im Norden steinig u. dürr, im Süden fruchtbar; bringt Garten- u. Hülsenfrüchte, Ölpflanzen, Wein, Obst u. dgl.; Viehzucht ansehnlich (Pferde, Rinder); an Mineralien finden sich: Eisen, Schiefer, Bausteine u. Marmor; man fertigt Wollen-, Baumwollen- u. Leinwaaren, Leder, viel künstliches Gebäck, Liqueure, Metall- (bes. Eisen- u. Stahlwaaren), Papier, Fayence etc.; die Paris-Strasburger Eisenbahn u. der Marne-Rheinkanal durchschneiden das Departement. Eintheilung in die vier Arrondissements: Bar le Duc, Verdun, Commercy, Montmedy mit 28 Cantonen u. 305,727 Ew. Das Departement gehört zur fünften Militärdivision u. zum dritten Militärobercommando (Nancy); Hauptstadt: Bar le Duc; 3) das ehemalige (während des ersten französischen Kaiserreichs) Departement Unter-M. (Meuse inférieur), hatte 64 QM., 267,500 Ew., zur Hauptstadt Mastricht u. entsprach dem heutigen Gebiet von Belgisch u. Niederländisch Limburg.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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