Trauttmansdorff


Trauttmansdorff

Trauttmansdorff, ein altes, der Katholischen Confession folgendes, aus dem Schlosse Trautmannsdorf in der Steyermark stammendes, seit dem 11. Jahrh. bekanntes, bes. im 13. u. 14. Jahrh. blühendes Geschlecht, wo 1278 in der Schlacht auf dem Marchfelde 14 u. 1322 bei Mühldorf 20 T-e unter den kaiserlichen Fahnen fielen. Zu Anfang des 16. Jahrh. bestanden fünf Linien, die Davidsche in Österreich, die Leopoldsche in Tyrol, die Andreische, Wilhelmsche u. Ehrenreichsche in Steyermark, von denen die vier letztern lange erloschen sind. Die Davidsche Linie theilte sich zu Ende des 16. Jahrh. durch die Brüder Job Hartmann u. Hans Friedrich in die Österreichische u. Steyermärkische; doch starb erstere zu Anfang des 19. Jahrh. aus u. die jüngere Hans-Friedrichsche Linie blühet allein noch, welche 1623 in den Grafenstand erhoben u. durch des Grafen Maximilian (s. unten 1), des Stammvaters aller noch lebenden Glieder des Hauses T., zwei Söhne, Adam Matthias u. Georg Sigmund, in zwei Stammreihen getheilt wurde, von denen die erste 1805 für ihren jeweiligen Ältesten nach dem Rechte der Erstgeburt die Fürstenwürde erhielt. Zum Besitz des Geschlechts gehören als Fideicommisse die Herrschaften Teinitz u. Gitschin in Böhmen, Hall u. Waltersdorf in Österreich, Trautmannsdorf, Gleichenberg u. Negau in der Steyermark, sowie die Allode Poniggl in Steyermark, Lipnitz, Heraletz, Zabiehiltz u. Kostel in Böhmen, Trantmannsdors u. Fragsburg in Tyrol. 1) Graf Maximilian, jüngster Sohn Hans Friedrichs, geb. 1584 in Gratz, stand auf der Seite des Erzherzogs Ferdinand, welcher nachher als Ferdinand II. Kaiser wurde, war 1619 Abgeordneter auf dem Kaiserwahlconvent u. hatte im Dreißigjährigen Kriege großen Einfluß; er schloß 1619 in München den Bund des Kaisers mit dem Kurfürsten von Baiern, ging als kaiserlicher Gesandter nach Rom, wo er mit dem Papste u. Spanien den Plan zur Führung des Kriegs verabredete, wurde 1623 in den Grafenstand erhoben u. oft mit Aufträgen an Wallenstein gesendet, über dessen hochfliegende Plane er aber auch dem Kaiser schon die Augen öffnete u. zu dessen Sturze er beitrug; er schloß 1635 den Prager Frieden ab u. war die Seele bei den Verhandlungen des Westfälischen Friedens. Er st.1650 als Geh. Rath u. Obersthofmeister; vermählt war er mit Sophie geb. Gräfin Palffy u. hatte sieben Söhne, für welche er sieben Fideicommisse mit wechselseitiger Substitution stiftete, von denen jedoch nur zwei dauernde Nachkommenschaft hatten. I. Adam-Matthias-Linie od. Böhmische Linie, seit 1805 gefürstet; Stifter: 2) Graf Adam Matthias, ältester Sohn des Vor., geb. 1618, war Landmarschall in Böhmen u. st. 1685; er war in erster Ehe mit Eva geb. Gräfin Sternberg vermählt. 3) Graf Sigmund Joachim, Bruder der Vor., geb. 1636, stand erst in kaiserlichen, dann als General in sächsischen u. nachher in venetianischen u. als Generallieutenant wieder in sächsischen Diensten, wurde endlich kaiserlicher Feldmarschall u. erhielt 1703 den Oberbefehl über das etwa 12,000 Mann starke kaiserliche Corps, welches in Mirandola u. Ostiglia blieb, mußte es aber 1703 Krankheit halber verlassen u. st. 1706. 4) Fürst Ferdinand I., Ururenkel von T. 2), Sohn des 1786 verstorbenen Grafen Franz Norbert, geb. 1749, kaiserlicher Geh. Staatsrath, wurde zuerst 1787 gebraucht, um die Erwählung eines Prinzen von Preußen zum Coadjutor des Kurfürsten von Mainz zu verhindern, u. dann Bevollmächtigter Minister in Brabant, wo er sich gewandt benahm; er wurde 1805 in den Reichsfürstenstand erhoben u. starb 1827 als Staats- u. Conferenzminister. Jetziger Chef ist: 5) Fürst Karl, Urenkel des Vor., Sohn des 1850 verstorbenen Fürsten Ferdinand II., geb, 5. Sept 16.15, steht derzeit unter Vormundschaft seiner Mutter, Maria Anna geb. Fürstin von Liechtenstein, u. seines mütterlichen Großvaters, des Prinzen Karl von u. zu Liechtenstein. 6) Graf Joseph, Sohn von T. 4), geb. 19. Febr. 1788, wirklicher Geheimrath u. früher bis 1849 österreichischer Gesandter in Berlin u. Schwerin. 7) Graf Ferdinand, Sohn des Vor., geb. 27. Juni 1825, seit 1860 österreichischer Gesandter in Karlsruhe. II. Georg-Sigmunds-Linie od. Steyersche Linie, welche das Erblandhofmeisteramt in Steyermark besitzt. Stifter: 8) Graf Georg Sigmund, Bruder von T. 2), geb. 1638, war Geheimrath u. st. 1708; vermählt mit Cäcilie Renata geb. Gräfin von Wildenstein: durch die Söhne sei[774] nes Enkels, des Grafen Weichhard Joseph (geb. 1711, st. 1788), theilte sich diese Linie in zwei Zweige: A) Älterer Zweig auf Gleichenberg, gestiftet von Aloys (geb. 1753), älteren Sohn Weichhard Josephs; jetziger Chef: 9) Graf Max. Weichhard, Sohn des 1849 verstorbenen Grafen Thaddäus, geb. 30. April 1842. B) Jüngerer Zweig auf Trautmannsdorf in Tyrol, gestiftet von Joh. Nepomuk, jüngerem Sohn Weichhard Josephs (geb 1758, st. 1809); jetziger Chef: 10) Graf Joseph, Sohn des Stifters, geb. 1. Juni 1807, ist unvermählt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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