Vogel [1]

Vogel 1) Johann Jakob, geb. 4. Mai 1660 in Leipzig, studirte Theologie, wurde 1686 Diakonus zu Taucha, wo er seine Sammlungen zur Chronik Leipzigs begann, 1697 Pastor zu Panitzsch bei Leipzig u. st. 15. Juli 1729 daselbst. Er schr.: insignibus Lipsiae, Lpz. 1683; Nützlicher Geschichtskalender (Lebensbeschreibungen der Leipziger Superintendenten), Lpz. 1698; Leipzigisches Geschichtbuch (Jahr- u. Tagebücher von Leipzig), ebd. 1714; Leipzigisches Chronicon (Beschreibung von Leipzig); Leben des Ablaßkrämers Joh. Tetzels, 1717. 2) Rudolf Augustin, geb. 1724 in Erfurt, wurde 1753 Professor der Medicin in Göttingen, später Leibarzt u. st. 1774 in Göttingen; er schr. Medicinische Bibliothek, Erf. u. Gott. 1751–73, 8 Bde.; Insitutiones chemiae, Gött. 1755,4. Ausg. Bamb. 1774; Historia materiae medicae, Leyd. 1758, 4. Ausg. Bamb, 1774; Praktisches Mineralsystem, Lpz. 1762, 1776; Definit. generum morborum, Gött. 1764; De cognoscendis praecipuis corporis humani affectibus, ebd. 1772, 3. Ausg. Lauf. 1789 (deutsch von Pohl, Lpz, 1780); Observatt. med.-chirurg., Gött. 1773; Opuscula med., ebd. 1786. 3) Georg Johann Ludwig, geb. 1742 in Feuchtwangen, wurde Docent der Orientalischen Sprachen in Halle, Adjunct der philosophischen Facultät u. 1773 Professor der Philosophie u. st. 1776 zu Altdorf. Er schrieb eine Paraphrase der Sprüchwörter Salomonis, Lpz. 1767, u. der prophetischen Bücher des A. T., Halle 1771, von den Werken älterer Bibelinterpreten, Schultens, Grotius u.a., gab er Auszüge. 4) Samuel Gottl. v. V., Sohn von V. 2), geb. 1750 in Erfurt; prakticirte als Arzt in Göttingen, wurde 1780 Physicus zu Ratzeburg, 1783 Landphysicus des Herzogthums Lauenburg, 1789 mecklenburg-strelitzer Hofrath u. Garnisonmedicus u. Professor der Medicin zu Rostock u. 1797 Leibmedicus u. Brunnenarzt zu Doberan; er wurde 1832 vom König von Baiern geadelt u. st. 1837; n schr. u.a.: Medicinisch-praktische [636] Beobachtungen, Gott. 1777; Handbuch der praktischen Arzneiwissenschaft, Stendal 1781–1816 u. 1816–21, 6 Bde. (lat. ebd. 1790–1792, 3 Thle.); Unterricht für Eltern u. Erzieher, wie das Laster der Selbstbefleckung zu entdecken, zu verhüten u. zu heilen, ebd. 1786, 2 Ausg. 1789; De causis, quare tot submersi in vitam non revocentur, Hamb. 1790 (deutsch ebd. 1791); Anleitung zum Studium der Arzneiwissenschaft, Stendal 1791; Über den Nutzen u. Gebrauch der Seebäder, Hamb. 1794; Das Krankenexamen, ebd. 1796; Baderegeln zum Gebrauch für Badelustige, Stendal 1817; Handbuch zur richtigen Kenntniß u. Benutzung der Seebadeanstalt zu Doberan. ebd. 1819; Allgemeine medicinische diagnostische Untersuchungen, ebd. 1824–31, 2 Thle.; Beweis der unschädlichen u. heilsamen Wirkungen des Badens im Winter, Bern 1828: Medicinische Beobachtungen u. Memorabilien, Stendal 1834. 5) Christian Lebrecht, geb. 1759 in Dresden, Maler, lebte seit 1780 in Wildenfels, kehrte 1804 nach Dresden zurück, wurde daselbst 1814 Professor der Akademie u. st. 6. April 1816. Er war vornehmlich ausgezeichnet in Bildnissen von Kindern. 6) Johann Ludwig Andreas, geb. 1771 in Arnstadt, prakticirte seit 1794 als Arzt in Stadt-Ilm, 1811 in Arnstadt, 1815 in Sondershausen, ging später nach Gotha, wurde 1818 Bezirksarzt in Esthland, 1823 Staatsrath u. Professor der Medicin an der Universität zu Kasan, erhielt 1837 Urlaub u. st. 1840 in Gotha; er schr.: Taschenbuch für angehende Geburtshelfer, Erf. 1798; Diät. Lexikon, ebd. 1800–1803, 3 Bde.; Allgemeines medicinisch-pharmaceutisches Formel- od. Receptlexikon, ebd. 1802–6, 3 Bde.; Diätetisches Lesebuch für Jünglinge, Gotha 1808; Die Heilkunst der Wunden, Fracturen, Gliederstümpfe u. Verbrennungen, ebd. 1817; Die Heilkunst der venerischen Krankheiten, ebd. 1817; Die Heilkunst der Krätze, der Flechten, des Aussatzes, ebd. 1818. 7) Wilhelm, geb. 1772 in Manheim, studirte erst Medicin, ging aber 1791 aus Neigung aufs Theater nach Hamburg u. dann für jugendliche Liebhaber 1793 nach dem Haag, Düsseldorf u. Manheim, wo er Charakterrollen spielte. 1798 übernahm er die Direction des Theaters zu Strasburg u. bereiste mit seiner Gesellschaft Karlsruhe, Mainz, Wiesbaden, Worms etc.; als diese Gesellschaft badische Hofschauspielergesellschaft wurde, legte er die Direction nieder, spielte mit seiner Gattin (Katharina geb. Düpert) u. einigen Schauspielern mehre Jahre in der Schweiz, ging 1818 als Theatersecretär u. später Director nach Wien, privatisirte dort von 1821–34, bereiste dann mit seiner Pflegetochter Clara Hirschmann u. nach deren Tode allein Deutschland u. lebte dann wieder zu Wien, wo er 1843 starb. Er schr.: Nachspiele, Frankf. 1809, 2 Bde.; Kleine dramatische Spiele für stehende Bühnen u. Privattheater, ebd. 1817; Reue u. Ersatz, Der Erbvertrag, Drei Schildwachen auf einem Posten, König u. Stubenheizer, Das Majorat, Die vier Sterne, Das Duellmandat, Karl XII., Christine von Schweden, Witzigungen, Ein Handbillet Friedrichs II. etc. 8) Heinrich August, Enkel von V. 1), studirte Medicin, war 1806 Präparator an der Ecole de pharmacie zu Paris, 1816 Conservator des Botanischen Gartens zu München, dann Professor der Chemie an der Universität zu München. Er schr.: Analytische Versuche über Weizen, Hafer u. Reis, Münch. 1818; Die Mineralquellen des Königreichs Baiern, ebd. 1829; Lehrbuch der Chemie, Münch. u. Stuttg. 1830–32, 2 Bde. 9) Karl Christian V. von Vogelstein, Sohn von V. 5), geb. 26. Juni 1788 in Wildenfels. Erst von seinem Vater unterrichtet, dann auf der Akademie zu Dresden ausgebildet, ging er 1808 nach Petersburg u. erwarb sich daselbst als Bildnißmaler einen Namen. In Rom, wohin er sich 1813 gewendet hatte, schloß er sich an die dortigen Landsleute u. die neue Richtung an, malte mehre religiöse Bilder, bes. aber den Papst Pius VII. Während einer schweren Krankheit wurde er katholisch. 1820 kehrte er als Professor an der Akademie nach Dresden zurück u. wurde 1824 zum Hofmaler ernannt. In Pillnitz malte er im Speisesaale des königlichen Schlosses eine Folge poetisch-allegorischer Bilder u. in der Kapelle eine gleiche aus dem Leben der heil. Jungfrau, letztere al fresco, u. wurde geadelt. 1842 unternahm V. noch einmal eine Reise nach Rom, hauptsächlich wegen einer Composition aus Dantes göttlicher Komödie, welche er auch dort ausführte u. an den Großherzog von Toscana verkaufte. 1852 trat er aus der Dresdner Akademie u. lebt seitdem in München. Er hat, in männlichen Bildnissen bes. excellirend, eine Sammlung berühmter Zeit-, bes. Kunstgenossen angelegt, welche das Königreich Sachsen angekauft hat u. die noch immer fortgeführt wird. 10) Ludwig, geb. 1788 in Zürich, Historienmaler, studirte in Wien u. Rom. Die Wahl seiner Gegenstände bezeichnet ihn als patriotischen Maler; die Heimkehr der Sieger von Morgarten war sein erstes Bild 1816; seit der Zeit bearbeitete er vielfach die Geschichte seines Vaterlandes mit Kraft u. Wärme der Empfindung, reicher Anschauung u. klarer Darstellung. 11) Johann Karl Christoph, Sohn von V. 6), geb. 19. Juli 1795 in Stadt Ilm, studirte seit 1812 in Jena Theologie u. Philologie, wurde 1816 Lehrer in Tharand, dann an Längs Institut in Wackerbartsruhe bei Dresden, wo er seit 1821 Mitdirector war, 1824 Director der höhern Stadtschule zu Krefeld, 1832 Director der allgemeinen Bürgerschule zu Leipzig, gestaltete diese um, affiliirte ihr eine Realschule, errichtete 1840 eine Zweite Bürgerschule u. st. 15. Nov. 1862 in Leipzig. Er schr.: Lesebuch für Schule u. Haus, Lpz. 1836, 14. A. ebd. 1860; Atlas der neueren Erdkunde, ebd. 1836. 9. A. ebd. 1861; Schulwörterbuch der Deutschen Sprache, ebd. 1841; Des Kindes erstes Schulbuch, ebd. 1843, 8. A. ebd. 1860; Deutsches Lesebuch für die oberen Klassen, ebd. 1849; Des Kindes zweites Schulbuch, ebd. 1851, 4. A. ebd. 1862; Handbuch zur Belebung geographischer Wissenschaft, Lpz. 1852, 3 Bde.; Netzatlas auf Wachspapier zum Kartenzeichnen in Schulen, ebd. 1852, 7. A. 1863; Naturbilder, ebd. 1852; Geschichtsbilder, ebd. 1854. Er gab auch ein englisches Lesebuch (Lpz. 1839) heraus u. war seit 1840 Mitredacteur der Darmstädter allgemeinen Schulzeitung, gab Schulnachrichten in freien Blättern heraus u. redigirte seit 1852 mit Körner die pädagogische Zeitschrift: Die höhere Bürgerschule. 12) Karl, geb. 1798 in Dessau; lebte als praktischer Arzt zu Liegnitz, wurde 1826 Leibarzt des Großherzogs von Weimar, Hofrath u. Mitglied der Landesdirection; er schr.: Versuch einer Darstellung der praktischen Heilmittellehre, Berl. 1830; Grundlehren der ärztlichen Praxis, Jena 1832; Das staatsärztliche Verfahren, ebd.[637] 1835. 13) Julius, geb. 1815 in Wunsiedel, Professor an der medicinischen Facultät u. Mitglied des Physiologischen Instituts zu Göttingen; er schr.: Prodromus disquisitionis sputorum, Münch. 1838; Untersuchungen über den Eiter. Erl. 1838; Über den gegenwärtigen Standpunkt der Physiologie, Jena 1840; Beiträge zur Kenntniß der Säfte u. Excrete des menschlichen Körpers, Lpz. 1841, 1 Bd.; Erläuterungstafeln zur pathologischen Histologie, ebd. 1843. 14) Elise, Tochter von V. 11); s. Polko 13) Eduard, Sohn von V. 11), geb. 7. März 1829 in Krefeld, studirte seit 1848 in Leipzig u. Berlin Mathematik u. Naturwissenschaften u. wurde 1851 Assistent Hinds an Bishops Sternwarte in London. Hier wurde ihm im Januar 1853 von Seiten des englischen Gouvernements der Antrag gemacht an des verstorbenen Richardsons Stelle sich als Astronom der Expedition anzuschließen, welche unter Betheiligung der beiden Deutschen Barth u. Overweg in Centralafrika verweilte. Er reiste im Februar ab. Nach einigem Aufenthalte in Tripolis ging er über Murzuk nach Kuka am Tsadsee, bestimmte die Lage dieses für die Geographie Afrikas höchst wichtigen Wasserbeckens, so wie die Höhe der großen Wüste ganz genau, drang bis zum 9.° nördl. Breite nach Mosgu vor, erforschte die Länder westlich vom Tsad, traf mit Barth in der Nähe von Zinder im Dec. 1854 zusammen, drang dann bis Jakoba vor, welches vor ihm noch kein Europäer betreten hatte, versuchte in Adamawa Eintritt zu gewinnen, mußte jedoch ohne Erfolg am Ufer des Benue wieder umkehren, da ihm feindliche Negerstämme weiteres Vordringen wehrten. Im Dec. 1855 wandte er sich nach Wadai u. kam dort 1856 in der Hauptstadt Wara an, verscholl aber seitdem. Nach einem Gerüchte über ihn war er von dem dortigen Sultan gefangen u. als Rathgeber zurückgehalten, nach einem andern aber von dem Sultan, weil er unvorsichtig einen heiligen Hügel bestiegen, im Februar 1856 hingerichtet worden; letzteres Gerücht wurde 1863 vor dem englischen Generalconsul in Tripoli von einem der vier Diener V-s, welcher bei der Hinrichtung entkommen war, bestätigt. Um Gewißheit über V-s Schicksal zu erhalten, wurden zwei Expeditionen nach Wadai abgesendet, 1861 die unter v. Heuglin von Osten u. 1862 unter v. Beurmann von Norden aus. Vgl. Elise Polko (V-s Schwester), Erinnerung an einen Verschollenen, Lpz. 1863.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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