Anisöl


Anisöl

Anisöl (Oleum Anisi) wird aus dem Anis, der Frucht von Pimpinella Anisum L., durch Destillation mit Wasser gewonnen.

Es ist farblos oder blaßgelb, von süßlichem, gewürzhaftem Geschmack und eigentümlichem Geruch. Sein spez. Gew. ist 0,980–0,990; es schmilzt zwischen 15 und 19° C; je höher der Schmelzpunkt, um so besser ist das Oel. Im geschmolzenen Zustande läßt es sich, ohne fest zu werden, bedeutend unter seinen Schmelzpunkt abkühlen. Durch Hinzufügen von etwas festem [209] Anethol oder durch Reiben mit einem Glasstab erstarrt es dann plötzlich unter Wärmeentwicklung. Das Anisöl löst sich vollständig in wasserfreiem Weingeist, weniger in wasserhaltigem. Es besteht aus 80–90% eines Stearoptenkörpers, des starren, kristallinischen Anethols C10H12O, das bei 21–22° C. zu einer farblosen Flüssigkeit von reinem Anisgeruch und stark süßem Geschmack schmilzt. Es bildet farblose, glänzende, blätterförmige Kristalle. Das Anisöl findet Verwendung in der Medizin, der Likörfabrikation und in der Parfümerie- und Toiletteseifefabrikation. Am geschätztesten ist das Oel aus russischem Samen. Dem Anisöl sehr ähnlich ist das Sternanisöl aus den Früchten von Illicium anisatum Laur., einem in Tonkin heimischen Baume. Es unterscheidet sich von dem Anisöl durch seinen viel geringeren Gehalt an Anethol, weshalb es erst bei Temperaturen von 5–10° C. erstarrt. Außerdem ist der Geruch des im Sternanisöl enthaltenen Terpens ein andrer wie der des Terpens im Anisöl. Eine solche Beimischung läßt sich meist durch den Geruch und Geschmack erkennen; alle sonstigen Unterscheidungsmethoden sind unzuverlässig. Das Anisöl wird außerdem mit Terpentinöl, Zedernholzöl, Kopaiva- und Gurjunbalsam, Spiritus, Walrat und fettem Oel verfälscht, Verfälschungen, die sich durch Bestimmungen des spezifischen Gewichts, des Erstarrungspunktes und der Löslichkeit in Weingeist ermitteln lassen. – Das Anethol wird jetzt auch künstlich dargestellt und findet bedeutende Verwendung in der Likörfabrikation. Anethol geht durch Oxydation in Anisaldehyd C6H4(OCH3)∙COH über. Es ist bei gewöhnlicher Temperatur flüssig, hat ein spez. Gew. von 1,126, ist in Alkohol leicht löslich und erinnert im Geruch an blühenden Weißdorn, weshalb es jetzt unter dem Namen Aubépine (Weißdorn) vielfach zu Seifen und Extrakten Verwendung findet. Ein im Handel vorkommendes kristallisiertes Aubépine ist anisaldehydschwefligsaures Natrium und Soda. Es liefert auf Wasserzusatz nur 40% Anisaldehyd.

Deite.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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  • anisol — ANISÓL, anisoli, s.m. (chim.) Eter metilic al fenolului. – Din fr. anisole. Trimis de tavilis, 13.09.2007. Sursa: DEX 98  ANISÓL s. (chim.) metoxibenzen, eter fenilmetilic. Trimis de siveco, 05.08.2004. Sursa: Sinonime  anisól s. m …   Dicționar Român

  • Anisöl — ist ein ätherisches Öl, das über Wasserdampfdestillation aus den zerkleinerten Früchten des Anis (Pimpinella anisum) und Sternanis (Illicium verum) gewonnen wird. Hauptbestandteil ist trans Anethol (80–90 %), ferner Estragol, Acetanisol u. a …   Deutsch Wikipedia

  • Anisol — An i*sol anisole anisole, n. [Anisic + ol.] (Chem.) Methyl phenyl ether, {C6H5.O.CH3}, got by distilling anisic acid or by the action of methide on potassium phenolate. [Webster 1913 Suppl.] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Anisöl — (Fenchelöl, Sternanisöl), C20H12O2, das flüchtige Öl des Anis, Fenchels u. Sternanis, ist ein Gemenge eines festen sauerstoffhaltigen Körpers mit einem mit dem Terpentinöl isomeren Kohlenwasserstoffe; der beim Abkühlen des Öles sich abscheidende… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Anisōl — (Dracol, Phenylsaures Methyloxyd), C14H8O2, bildet sich bei der Destillation von Anissäure mit Baryt, ebenso bei der Zersetzung von salicylsaurem Methyloxyd; farblose, sehr bewegliche Flüssigkeit von angenehmem aromatischem Geruche; unlöslich in… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Anisöl — Anisöl, das durch Destillation von Anissamen mit Wasser gewonnene ätherische Öl (Ausbeute 1,5–3,5 Proz.), ist farblos, riecht und schmeckt wie Anis, spez. Gew. 0,98–0,99, löst sich wenig in Wasser, leicht in Alkohol und Äther, erstarrt bei 15–19° …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Anisöl — Anīsöl, ätherisches Öl aus dem Anissamen durch Destillation mit Wasser gewonnen, farblos oder hellgelb, größtenteils Anethol (s.d.), blähungtreibendes, auswurfbeförderndes Mittel, auch gegen Läuse und Krätze bewährt …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Anisol — Strukturformel Allgemeines Name Anisol Andere Namen Methoxyb …   Deutsch Wikipedia

  • Anisöl — Anis|öl 〈a. [ ′ ] n. 11〉 aus Anisfrüchten gewonnenes Öl, Zusatz zu Hustenmitteln * * * A|ni|sol [griech. ánison = Anis], das; s; Syn.: Methoxybenzol, Methyl phenyl ether: H3CO C6H5; farblose, angenehm riechende Fl., Sdp. 156 °C, die als Lsgm.… …   Universal-Lexikon

  • anisól — s. m., pl. anisóli …   Romanian orthography


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