Schachtlotung [1]

Schachtlotung (vgl. Anschlußmessung und Orientierungsmessung [1], [2]), die senkrechte Uebertragung von Punkten aus einem Vermessungshorizont auf einen andern durch einen feigeren Schacht zum Zwecke des Zusammenschlusses der Messungen in den verschiedenen Abbausohlen eines Bergwerks untereinander und des Anschlusses dieser Grubenmessungen an das Vermessungssystem auf der Erdoberfläche.

Die Ablotung geschieht auf mechanische Art durch frei hängende Lote, seiten auf optischem Wege. Man hat scharf darauf zu achten, daß die Lotdrähte nirgends anliegen. Einen ersten Anhalt ergibt die Schwingungszeit t in Sekunden in bezug auf die in Metern genommene Lotlänge l durch die Näherungsformel t = √l; die weitere Prüfung darauf, ob die Lote frei hängen, geschieht durch Befahrung des Schachtes und Ableuchten des Lotdrahtes. Bei mehr als einem Lote in einem Schachte wird man oben und unten genau die Entfernung der Lotdrähte voneinander messen; hierbei würde sich auch eine Ablenkung eiserner Lotkörper durch polarmagnetisch gewordene Eisenschienen im Schachte zeigen. Die Lotkörper hängt man an Messing-, Stahl- oder Phosphorbronzedraht auf. In tiefen und nassen Schächten und bei Wetterzug kommen die Lote nie zur Ruhe; man versucht die Ruhelage auf verschiedene Art festzustellen. Der Wetterzug ist bei wichtigeren Schachtlotungen abzustellen, da er die Lotrichtung einseitig beeinflußt und ablenkt. Die Störungen durch das abtropfende Wasser, das auf den Schachteinbau fällt und dann gegen den Lotdraht spritzt, sucht man dadurch zu beseitigen, daß man die Lote möglichst beruhigt und aus den sich noch zeigenden Schwingungen die Ruhelage bestimmt. Zur Beruhigung der Lote nimmt man schwere Lotkörper, hängt sie in einen Kübel mit Wasser ein, übergießt das Wasser mit Oel und deckt den Kübel gegen das Tropfwasser gut ab; wenn nötig, versteht man die Lotkörper noch mit senkrecht stehenden Flügelschaufeln, die im Wasser eine gute Dämpfung abgeben. Mit dieser Vorrichtung können die Lote so weit beruhigt werden, daß man die Ruhelage mit dem im festen Anschlußpunkte aufgestellten Theodolitfernrohr entweder unmittelbar bekommen oder sie aus einer Reihe von Beobachtungen ableiten kann. Letzteres geschieht durch eine Okularskala im Theodolitfernrohr oder aber durch Ablesung einer Reihe von Ausschlägen an einer hinter dem Lotdrahte horizontal und senkrecht zur Visur aufgestellten Skala. Junge-Freiberg hat einen Zentrierteller konstruiert [2], in welchem der Lotdraht schwingt und auf dem eine Skala hinter dem Drahte aufgesteckt werden kann; rechtwinklig zur ersten Skala kann auf dem Zentrierteller eine zweite Skala aufgesteckt werden, so daß die Ruhelage auch in einer zur ersten senkrechten Ebene bestimmt werden kann, entweder durch ein Fernrohr in einem zweiten Standpunkte, oder durch Spiegelung vom ersten Standpunkte aus. Das Lot läßt man dabei entweder frei schwingen oder man gibt ihm eine Dämpfung. Max Schmidt-Freiberg hat das Verfahren wesentlich verbessert durch Einführung der Methode der fixierten Lote [3], [4], Er hat in den Zentrierteller ein Mittelstück eingefügt, das durch Schrauben parallel zu den aufgesteckten Skalen verschoben werden kann. Dieses Mittelstück hat eine vertikale seine Bohrung, durch welche der Lotdraht durchgesteckt wird. Ist nun die Ruhelage des Lotes durch Schwingungen in zwei zueinander senkrechten Ebenen ermittelt, so wird das Mittelstück mit dem Lotdrahte in diese Ruhelage geschoben und dort festgeschraubt.

Eine photographische Bestimmung der Ruhelage des Lotes stammt von Fuhrmann-Berlin [5]. Das Lot hat zentral eine Bohrung; in dieser ist eine Lichtquelle untergebracht, welche nach unten zu leuchtet. Unter dem Lote befestigt man im Schachte horizontal einen Rahmen, in den auswechselbares, lichtempfindliches Papier eingespannt ist. Man läßt das Lot in verschiedenen Ebenen je einmal hin und her schwingen. Dabei zeichnet der Lichtpunkt je zwei Linien auf, die Teile flacher ellipsenförmiger Kurven sind; diese Linien werden dadurch sichtbar gemacht, daß man das photographische Papier im festgestellten Rahmen entwickelt. Der Mittelpunkt der Kurven entspricht dem Lotpunkte, man sticht ihn auf die Grundplatte des Rahmens durch. Das Verfahren wird mit ausgewechseltem Papier nach Bedarf wiederholt; zuletzt wählt man die Ruhelage aus allen Durchstichpunkten auf der Grundplatte des Rahmens aus.

Ein optisches Verfahren der Schachtlotung wurde von Stampfer-Wien eingeführt und durch Nagel-Dresden verbessert [4]. Es gründet sich auf den Gedanken, das mechanische Lot durch den Schnitt zweier sich rechtwinklig kreuzender vertikaler Visierebenen zu ersetzen.[587] Als Lotungsinstrument dient ein Passageninstrument, das vertikal nach unten gerichtete Visuren zu nehmen gestattet. Wegen der geringen Durchsichtigkeit der Luft in tiefen Schächten und der Unsicherheit in der Vertikalstellung des Ablotefernrohrs hat das optische Verfahren indessen keine allgemeine Verbreitung gefunden.


Literatur: [1] Brathuhn, Lehrb. d. Markscheidekunst, 4. Aufl., Leipzig 1908. – [2] Uhlich, Lehrb. d. Markscheidekunde, Freiberg 1901. – [3] Schmidt, M., Das Problem der Schachtlotung und seine Lösung mit schwingenden Loten, Sacht Jahrb. f. Berg- u. Hüttenw., Freiberg 1882. – [4] Ders., Die Methoden der unterirdischen Orientierung und ihre Entwicklung seit 2000 Jahren, Populäre Schriften der Urania zu Berlin, Nr. 15, 1892. – [5] Fuhrmann, Photographischer Lötapparat, Mitt. a. d. Markscheiderwesen, Neue Folge, Heft 3, Freiberg 1901.

Haußmann.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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