Acetessigester

Acetessigester, Acetessigsäureäthylester (Acetylessigäther) C6H10O3.

Darstellung: Man bringt 100 g in kleine Würfel geschnittenes metallisches Natrium in einen Kolben mit Rückflußkühler, in dem sich 100 Teile vollkommen reinen Essigäthers befinden. Nach kurzer Zeit gerät dieser ins Sieden; wenn das Sieden nachläßt, bezw. wenn die Reaktion nicht von selbst eintritt, wird so lange auf dem Wasserbad erwärmt, bis alles Natrium in Lösung gegangen ist, dann destilliert man den überschüssigen Essigäther ab. Die noch warme flüssige Masse versetzt man mit 550 g 50 prozentiger Essigsäure und nach dem Erkalten mit 550 g Wasser, hebt den ausgeschiedenen Aether ab, entwässert mit Chlorcalcium und rektifiziert ihn. Der zwischen 170 und 180° überdestillierende Anteil ist saß reiner Acetessigester.

Vorgang:

1. 2CH2CO2C2H5+ Na2 = CH3CO∙CHNa∙ CO2C2H5 + C2H5∙ONa + H2.

2. CH3∙CO∙CHNa∙CO2C2H5 + CH3∙COOH = CH3∙CO∙CH2∙CO2C2H5 + CH3COONa.

Mit dem Verlauf der durch die erste Gleichung ausgedrückten Reaktion haben sich namentlich A. v. Baeyer [2] und Claisen [3] beschäftigt.

Eigenschaften: Der Acetessigester bildet eine farblose, angenehm obstartig riechende Flüssigkeit, die bei 181°C. siedet und bei 20°C. ein spezifisches Gewicht von 1,0256 besitzt. Mit Wasserdämpfen ist er leicht flüchtig, in Wasser wenig löslich. Die wässrige Lösung wird durch Eisenchlorid violett gefärbt. Bei mehrstündigem Erhitzen auf 230–250° C. zerfällt er in Essigsäureäthyläther und in die bei 108°C. schmelzende und bei 209°C. siedende Dehydracetsäure C8H8O4. Analog der Bildung des Aethylesters aus dem Essigsäureäthylester entstehen die homologen Acetessigsäureester aus den entsprechenden Eltern der Essigsäure. Die dem Acetessigester zugrunde liegende Acetessigsäure


Acetessigester

gehört zu den β–Ketonsäuren, d.h. den Säuren, welche die für die Ketone charakteristische Karbonylgruppe CO in β-Stellung zur Karboxylgruppe COOH enthalten. Die β-Ketonsäuren sind sehr unbeständig; dementsprechend zerfällt die Acetessigsäure ungemein leicht in Aceton und Kohlensäure:


Acetessigester

Der Acetessigester selbst ist beständiger, aber eine durch außerordentliche Reaktionsfähigkeit ausgezeichnete Verbindung. So zeigt er alle für die Ketone charakteristischen Reaktionen: er verbindet sich mit Blausäure, Hydroxylamin, Phenylhydrazin, Ammoniak, Anilin u.s.f. (s. Acetessigestersynthesen). Mit Alkalien erleidet der Acetessigester eine doppelte Spaltung, indem entweder zwei Moleküle Essigsäure neben Alkohol oder Kohlensäure, Aceton und Alkohol entstehen. Die erstere wird als Säure-, die zweite als Ketonspaltung bezeichnet. Durch Reduktion entsteht aus dem Acetessigester neben Alkohol die β-Oxybuttersäure. Die beiden Wasserstoffatome der Methylengruppe CH2 des Acetessigesters sind durch Metalle vertretbar. So entsteht durch Einwirkung von Natriumäthylat der Natracetessigester CH2·CO·CHNa·CO2C2H5, der auch bei der Darstellung des Acetessigesters erhalten wird. Das Kupfersalz hat die Zusammensetzung (C6H9O3)2Cu [4]. – Durch Umsetzung der Natriumverbindung mit Halogenalkylen oder überhaupt solchen organischen Verbindungen, die ein leicht austauschbares Halogen im Molekül enthalten, entstehen substituierte Acetessigester [5]. So entsteht aus der Natriumverbindung mit Jodmethyl der Methylacetessigester nach der Gleichung:


Acetessigester

Durch Einwirkung von β-Jodpropionsäureester z.B. wird der a-Acetylglutarsäureester gebildet:


Acetessigester

Anwendung: Wie aus obigem schon hervorgeht, bildet der Acetessigester ein ungemein ergiebiges Ausgangsmaterial zur Darstellung einer großen Reihe wichtiger Verbindungen (s. Acetessigestersynthesen): Er dient zur Synthese von Ketonen, ein- und mehrbasischen Säuren, Oxysäuren, u.a. auch zur Darstellung des Antipyrins.


Literatur: [1] Wislicenus und Conrad, Annalen d. Chemie, 186, 210. – [2] A. v. Baeyer, Berichte d. deutschen ehem. Gesellsch., 18, 3456 und 3460. – [3] Claisen, Berichte d. deutschen ehem. Gesellsch., 20, 651. – [4] M. Conrad und M. Guthzeit, Berichte d. deutschen ehem. Gesellsch., 19, 21. – [5] Vgl. z.B. Conrad und Limpach, Annalen d. Chemie, 192, 153; Conrad und Brückner, Zeitschr. f. physikal. Chemie, 7, 283.

Bujard.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Acetessigester — Strukturformel Allgemeines Name Acetessigester Andere Namen …   Deutsch Wikipedia

  • Acetessigester — Acet|es|sig|ester: Sammelbez. für die Ester der ↑ Acetessigsäure, im Fachjargon bes. für den Ethylester. * * * Acet|essigester,   Acet|essigsäure|äthylester, 3 Oxobuttersäure|äthylester, angenehm riechende Flüssigkeit, die aus… …   Universal-Lexikon

  • Acetessigester-Synthese — Acet|es|sig|es|ter Syn|the|se Acetessigsäure ethylester …   Universal-Lexikon

  • Acetessigsäureethylester — Strukturformel Allgemeines Name Acetessigester Andere Namen Acetessigsäureethylester Ethylacetoacetat …   Deutsch Wikipedia

  • Ethylacetoacetat — Strukturformel Allgemeines Name Acetessigester Andere Namen Acetessigsäureethylester Ethylacetoacetat …   Deutsch Wikipedia

  • Doebner-Variante der Koevenagel-Reaktion — Die Knoevenagel Reaktion oder Knoevenagel Kondensation ist eine wichtige Reaktion in der organischen Chemie. Es ist ein Spezialfall der Aldolreaktion, bei der Ketone oder Aldehyde mit besonders CH aciden Verbindungen, z. B. Malonsäureester,… …   Deutsch Wikipedia

  • Knoevenagel-Kondensation — Die Knoevenagel Reaktion oder Knoevenagel Kondensation ist eine wichtige Reaktion in der organischen Chemie. Es ist ein Spezialfall der Aldolreaktion, bei der Ketone oder Aldehyde mit besonders CH aciden Verbindungen, z. B. Malonsäureester,… …   Deutsch Wikipedia

  • Organische Säure — Organische Säuren sind organische chemische Verbindungen, die über eine funktionelle Gruppe verfügen, die mit Wasser oder anderen protonierbaren Lösungsmitteln eine Gleichgewichtsreaktion eingeht. Dabei entsteht im Fall von Wasser das Oxoniumion… …   Deutsch Wikipedia

  • Acetessigestersynthesen — Acetessigestersynthesen, diejenigen Reaktionen des Acetessigesters (s.d.), die einmal auf der charakteristischen Eigentümlichkeit seiner Methylengruppe beruhen, die beiden Wasserstoffatome derselben durch Vermittlung des Natriums gegen organische …   Lexikon der gesamten Technik

  • C,H-acide Verbindung — Das Nitroalkan Nitroethan mit dem pKS 8,6 Acetessigester : Die zwischen den beiden …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”