Aequinoktien

Aequinoktien. Wenn die Sonne auf ihrem scheinbaren Lauf um die Erde jene beiden Punkte (Knoten) erreicht, in denen die Ekliptik (s. Koordinaten am Himmel) den Himmelsäquator durchschneidet, so sagt man, sie habe das Aequinoktium erreicht, und es werden folglich auch die beiden Durchschnittspunkte als Aequinoktialpunkte (Widderpunkt, Wagepunkt) bezeichnet.

An zwei Tagen des Jahres, dem 21. März und dem 23. September, bewegt sich demgemäß die Sonne in einer Tagesbahn, die völlig mit dem Himmelsäquator zusammenfällt, und da der Horizont wie jeder andre größte Kreis der Himmelskugel den Aequator halbiert, so ist für die genannten beiden Tage der Tagbogen der Sonne gleich ihrem Nachtbogen: Tag und Nacht sind einander gleich; jedem von beiden Zeiträumen fallen genau zwölf Stunden zu. Die griechischen Astronomen bestimmten den genauen Eintritt des Frühlings- oder Herbstäquinoktiums in der Art, daß sie einen metallenen Kreisring senkrecht zur Weltachse einstellten und nun abwarteten, um welche Zeit der innere Rand dieses Kreises gleichmäßig beschattet war. – Für Orte von 0° geographischer Breite herrscht das ganze Jahr hindurch Gleichheit von Tag und Nacht (Sphaera recta), und es wird deshalb der Aequator wohl auch, zumal in älteren Schriften, als Circulus aequinoctialis bezeichnet (s.a. Präzession).


Literatur: Wolf, R., Handbuch der Astronomie, ihrer Geschichte und Literatur, Zürich 1891, 2. Buch, S. 421 ff., S. 439 ff.

Günther.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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