Aethylschwefelsäure

Aethylschwefelsäure C2H5HSO4 gehört in die Klasse der Aetherschwefelsäuren, d.h. der sauren Ester der Schwefelsäure, Verbindungen, die nur das eine der beiden typischen Wasserstoffatome der Schwefelsäure durch Alkyl ersetzt haben. Man stellt sie durch einfaches Zusammenmischen der primären Alkohole mit konzentrierter Schwefelsäure dar. So hat man


Aethylschwefelsäure

Die freie Aethylschwefelsäure bildet einen in Wasser sehr leicht löslichen Sirup vom spez. Gew. 1,316 bei 16°; mit Wasser gekocht, zerfällt sie in Alkohol und Schwefelsäure, mit Alkohol auf 140° erhitzt, liefert sie Aether und Schwefelsäure. Beim Destillieren wird sie in Aethylen und Schwefelsäure zerlegt. Ihre Salze sind sämtlich in Wasser leicht löslich, wodurch sie sich von den Sulfaten scharf unterscheiden. – Zu ihrer Reindarstellung läßt man ein Gemisch von drei Molekülen Alkohol auf ein Molekül konzentrierter Schwefelsäure vier Stunden auf dem Wasserbad stehen, wobei bis zu 77,4% an Säure gebildet werden, läßt dann abkühlen, verdünnt mit Wasser, fällt die überschüssige Schwefelsäure mit kohlensaurem Blei aus, entbleit das Filtrat mit Schwefelwasserstoff, filtriert vom Schwefelblei ab und konzentriert das Filtrat bis zur Sirupkonsistenz im luftverdünnten Raum über Schwefelsäure [1]. – Die Alkalisalze der Aetherschwefelsäuren werden vielfach zu verschiedenen Reaktionen, oft an Stelle von Jodalkylen angewandt. So entsteht aus äthylschwefelsaurem Kalium und Kaliumsulfhydrat Aethylmercaptan, mit Cyankalium Aethylcyanid u.s.w. Zur richtigen Erkenntnis des Bildungsprozesses des gewöhnlichen Aethers ist die Erkenntnis der Entstehung und Konstitution der Aethylschwefelsäure durch Serullas (1828) von großer Bedeutung gewesen [2]. Die Aethylschwefelsäure bildet einen Bestandteil der arzneilich verwendeten Mixtura sulfurica acida (Hallers Sauer).


Literatur: [1] Claesson, Journal s. prakt. Chemie (2), Bd. 19, S. 245. – [2] Kekulé, Lehrbuch der organ. Chemie, Erlangen 1861, Bd. 1, S. 402 ff.

Bujard.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Kunstseide [1] — Kunstseide (Kollodium , Nitro , Celluloseseide, Glanzstoff, Soie parisienne, Lustracellulose, Imitationsseide, Soie de Tubize, Astraline, Stearnofil, Celestronsilk). Der durch die Struktur der Seidenfaser bedingte eigentümliche Glanz ist die… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Aetherschwefelsäure — Aetherschwefelsäure, s.v.w. Aethylschwefelsäure (s.d.) …   Lexikon der gesamten Technik

  • Aethylen — (Elayl, ölbildendes Gas, schweres Kohlenwasserstoffgas), C2H4 oder CH2 = CH2 Molekulargewicht 28. Es entsteht bei der trockenen Destillation fettsaurer Salze, der Fette, Harze, des Holzes und der Steinkohlen und ist deshalb ein wichtiger… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Essigsäure [1] — Essigsäure (Aethansäure, Acetylsäure, Acidum aceticum), die zweite und wichtigste Säure in der Reihe der eigentlichen Fettsäuren, deren Anfangsglied die Ameisensäure bildet. Die Essigsäure besitzt die Zusammensetzung C2H4O2 gemäß ihrer… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Radikaltheorie — Radikaltheorie, durch Lavoisier und Berzelius angebahnt, wurde durch Liebig und Wöhler auf Grund ihrer mit Benzoylverbindungen enthaltenen Untersuchungsresultate (1832) weiter ausgebildet. Organische Radikale sind zusammengesetzte… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Spiritusfabrikation [1] — Spiritusfabrikation, die fabrikmäßige Darstellung hochprozentiger Alkohol Wassermischungen aus vergorenen Zuckersäften. Die Gewinnung des sogenannten Mineralspiritus aus Acetylen durch Ueberführung in Aethylen, Aethylschwefelsäure und Zerlegung… …   Lexikon der gesamten Technik

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”