Alizarinfarbstoffe

Alizarinfarbstoffe. Unter Alizarinfarbstoffen oder Alizarinfarben versieht der theoretische Chemiker etwas andres als der empirische Färber. Ersterer wird als solche zunächst nur die für sich allein oder als Gemenge in den verschiedenen Alizarinmarken vorkommenden Farbstoffe gelten lassen, also neben dem eigentlichen Alizarin (für Rosa und Lila) das Flavopurpurin, Isopurpurin und Purpurin. Diese Farbstoffe werden in der Druckerei und Färberei gerade so verwendet und behandelt, wie für das Alizarin angegeben worden ist. Weiter wird der Theoretiker das Anthragallol (oder Anthracenbraun), Alizarinbordeaux, Alizarincyanin, Anthracenblau und Rufigallol als Tri-, Tetra-, Penta- und Hexaoxyanthrachinone unter die Alizarinfarbstoffe aufnehmen und ihnen schließlich die Alizarinderivate, das Alizarinorange, Alizarinmarron, Alizaringranat, Alizarinblau und Alizaringrün, nebst den neuerdings eingeführten Anthrachinonfarbstoffen: Alizarinsaphirol, Alizarinviridin, Alizarincyaningrün, Säurealizarinblau, Säurealizaringrün zugesellen. Ueber den chemischen Charakter dieser Farbstoffe vgl. d. Art. Farbstoffe, künstliche organische.

Der in der Praxis stehende Färber und Drucker begnügt sich mit diesen Alizarinfarbstoffen im engeren Sinne des Wortes nicht, obgleich sie zusammen ein hübsches Kontingent ausmachen. Einem Bedürfnis der Praxis nachgebend, hat er den Begriff bedeutend erweitert. Ohne jede Rücksicht auf die chemische Zusammensetzung rechnet er zu den Alizarinfarbstoffen (mit Ausnahme der auf Eisenbeize grün färbenden Nitrosofarbstoffe) alle diejenigen beizenfärbenden Produkte unsrer Farbenfabriken, die er entsprechend dem Alizarin und den Holzfarbstoffen behandeln und mit ihnen kombinieren kann. Ferner verlangt er von seinen Alizarinfarbstoffen im weitesten Sinne des Wortes, daß ihre Lacke, insbesondere ihre Chromlacke, auf der Woll- oder Baumwollfaser dem durchschnittlichen Echtheitsgrad der Alizarinfarbstoffe im engeren Sinne des Wortes gleich- oder möglichst nahekommen. Daß bei dieser empirischen Einteilung die eigentlichen Alizarinfarbstoffe mit Produkten von ganz verschiedener chemischer Zusammensetzung, mit Triphenylmethan, Phtalein-, Oxazin-, Thiazin-, Chinonoxim- und Azofarbstoffen, zusammengeworfen werden, kümmert den Praktiker nicht, er beurteilt die Farbstoffe nur nach der Art ihrer Verwendung. Auf diese Weise ist die Zahl der Alizarinfarbstoffe mit der Zeit so groß geworden und wird mit jedem Jahre größer, daß wir sie nicht alle und nicht in allen ihren Varietäten oder Marken aufführen können. Wir begnügen uns vielmehr mit der Erwähnung[141] solcher Repräsentanten dieser von der Empirie zusammengefügten Gruppe künstlicher Farbstoffe, die sich vom Standpunkt der Theorie oder der Praxis vorübergehend oder dauernd einen Namen gemacht haben, und führen sie nach der Art ihrer Verwendung in der Färberei und im Zeugdruck auf. Ueber die Anwendung selbst geben die Handbücher der Färberei [1] und des Zeugdrucks [2], sowie die Anweisungen der Farbenfabriken die beste Auskunft. Nur so viel sei hier darüber erwähnt, daß man in der Seidenfärberei nur dann zu den Alizarinfarbstoffen greift, wenn es sich um die Erzeugung möglichst licht-, koch-, seifen- und walkechter Färbungen handelt. Ihr Hauptgebiet ist die Wollfärberei; hier werden sie immer gewählt, wenn ganz echte Farben erzeugt werden sollen. Demgegenüber hat das Färben der Baumwolle mit Alizarinfarbstoffen noch nicht annähernd die gleiche Wichtigkeit erlangt. Der Grund dafür liegt einerseits in der Inaktivität der Baumwolle gegenüber Beizen, anderseits im Mangel an zuverlässigen, sicheren Färbemethoden.

Im Zeugdruck haben sich die Alizarinfarbstoffe, in Verbindung mit metallischen Beizen auf der Faser als Farblacke fixiert, wegen deren hervorragender Echtheit eingebürgert.

A. Verzeichnis der wichtigeren in der Färberei verwendeten Alizarin- oder Beizenfarbstoffe (nach Ganswindt).

1. Nur nach der Zweibadmethode anwendbar: Alizarin, Alizarinbordeaux, Alizarinmarron, Galloflavin W, Alizaringelb FS, Alizaringelb Ν in Pulver, Resoflavin, Coerulein, Coerulein S, Alizaringrün SW, Alizarinviridin, Solidgrün, Dioxin, Gambin, Sulfamin, Alizarinblau, Alizarinblau S, Alizarincyanin, Anthracenblau, Anthracendunkelblau SW u. WW, Alizarindunkelblau S, Anthracendunkelblau W, Alizarinindigblau SW u. SMW, Gallocyanin, Gallaminblau-Coelestinblau B, Delphinblau, Chromblau, Phenocyanin B u. VS, Corein, Gallazin A, Gallanilindigo PS, Chromocyanin, Chromazurin S, Anthracylblau, Prune pure, Blau PRC, Anthracen, braun, Diamantbraun i. Tg., Alizarinbraun AS, Sulfaminbraun, Chrombraun, Azochromin G, Tuchbraun, Rufigallol, Alizarinblauschwarz W u. SW, Alizarinschwarz R, B, Alizarinchromschwarz W doppelt i. Tg., Alizaringrau.

2. Nur für die Einbadmethode geeignet: Säure-Alizaringranat, Säure-Alizaringelb, Säure-Alizaringrün, Alizarincyaningrün, Diamantgrün B, Säure-Alizarinblau, Anthracensäurebraun, Säure-Anthracenbraun, Säure-Alizarinbraun, Palatinchrombraun W, Diamantbraun 3R, Diamantschwarz, Säure-Alizarinblauschwarz B, Chromschwarz B u. T, Anthracenchromschwarz, Palatinchromschwarz A, Chromechtschwarz B, Chrompatentschwarz, Domingoviolettschwarz, Domingochromschwarz, Chromechtschwarz F, R u. BB, Säure-Chromschwarz B u. G, Säure-Alizaringrau.

3. Für beide Färbemethoden geeignet: Alizarinrot S, Alizarinrot 1 WS, 3 WS, 5 WS, Alizarinrot Pulver PS, Alizarinrot SB, W u. W. extra, Tuchrot, Anthracenrot, Tuchscharlach, Walkrot, Salicinrot, Domingochromrot, Alizarinorange i. Tg., Tuchorange, Walkorange, Alizaringelb i. Tg., Alizaringelb A i. Tg., Alizaringelb C i. Tg., Alizaringelb GGW, R u. RW, Alizaringelb 2 G, 3 G u. R, Anthracengelb, Beizengelb G u. R, Beizengelb 0, Carbazolgelb W, Chromgelb, Chromgelb S, Chromechtgelb G, Diamantgelb G i. Tg., Domingochromgelb, Echtbeizengelb, Salicingelb G u. GG, Walkgelb, Wollgelb, Chrompatentgrün, Brillantalizarinblau G u. R, Brillantalizarincyanin G u. 3 G, Indochromin, Gallein, Gallanilviolett, Echtbraun, Walkbraun B u. G., Metarbrombraun B i. Tg., Alizarinschwarz, Alizarinblauschwarz B u. 3 B, Alizarincyaninschwarz G, Alizarinechtschwarz.

4. Am besten für saure Färbungen geeignet: Alizarincyaningrün, Naphtholgrün B, Walkgrün S, Echtgrün G, Alizarinsaphirol, Alizarinreinblau, Alizarinheliotrop, Alizarinirisol, Diamantbraun 3 R.

5. Chromentwicklungsfarbstoffe: Chromotrop, Azofuchsin B u. G, Carmoisin B, Floridaroth, Azorubin, Chromogen I, Chrombraun BO u. RO, Säure-Alizarinschwarz R.

B. Verzeichnis der wichtigeren im Zeugdruck verwendeten Alizarin- bezw. Beizenfarbstoffe.

Alizarinrot (Tonerde), Alizarinpurpurin (Tonerde), Brillantchromrot i. Tg. (Chrom), Chromrot R (Chrom), Eosin S (Chrom), Rhodamin (Chrom), Rhodamin S (Chrom), Alizaringelb R (Chrom), Alizarinorange 20% (Tonerde), Diamantorange i. Tg. (Chrom), Chromorange i. Tg. (Chrom), Alizaringelb GG i. Tg. (Chrom), Alizaringelb 3 G i. Plv. (Chrom), Anthracengelb i. Tg. (Chrom), Diamantflavin G i. Tg. (Chrom), Diamantgelb G i. Tg. (Chrom), Chromgelb i. Tg. u. D i. Plv. (Chrom), Chromgelb G i. Plv. (Chrom), Chromgelb R extra i. Tg. (Chrom), Alizarinviridin FF i. Tg. (Chrom), Alizarinviridin DG i. Tg. (Chrom), Coerulein S i. Tg. (Chrom), Azogrün i. Tg. (Chrom), Chromgrün i. Plv. (Chrom), Alizarinblau S (Chrom, Nickel, Zink), Alizarinblau SR (Chrom), Alizarincyanin G extra i. Tg. (Chrom), Alizarincyanin R i. Tg. (Chrom), Alizarincyanin 3R doppelt (Chrom), Alizarinsaphirol B i. Tg. (Chrom), Brillantalizarinblau GR u. Di. Tg. (Chrom), Brillantalizarinblau SD i. Plv. (Chrom), Coelestinblau B (Chrom), Delphinblau B i. Tg. (Chrom), Gallaminblau i. Tg. (Chrom), Gallocyanin i. Tg. (Chrom), Alkaliblau 3 B, Chromblau i. Tg., Neuvictoriablau B, Victoriablau B, Alizarinbordeaux BD i. Tg. (Chrom), Alizarincyanin R i. Tg. (Tonerde), Alizarinheliotrop BB i. Tg. (Tonerde), Alizarinheliotrop R i. Tg. (Chrom u. Tonerde), Alizarinrot I extra 20% (Eisen), Gallein i. Tg. (Chrom), Chromprune i. Tg. (Chrom), Chromrubin (Chrom), Chromviolett i. Tg. (Chrom), Alizarinbordeaux BD u. GD i. Tg. (Tonerde), Alizarinorange G. u. R., 20% (Chrom), Alizarinpurpurin i. Tg. (Chrom), Alizarinrot SX u. XGD 20% (Chrom), Anthracenbraun G, GG u. R i. Tg. (Chrom), Anthracenbraun R i. Tg. (Tonerde), Diamantbraun G i. Tg. (Chrom), Chrombordeaux i. Tg. u. CB doppelt i. Tg. (Chrom), Alizarinschwarz (Chrom), Alizarinblauschwarz B u. 3 B i. Tg. (Chrom), Alizarincyaninschwarz G i. Tg. (Chrom), Alizarinechtschwarz BG u. T i. Tg. (Chrom).


Literatur: [1] Knecht, Rawson u. Löwenthal, Handbuch der Färberei, Berlin 190001; Ganswindt, Moderne Färberei, Leipzig 1902; Ganswindt, Theorie u. Praxis der modernen Färberei,[142] Leipzig 1903. – [2] Lauber, Praktisches Handbuch des Zeugdrucks, Leipzig 1901/02; Dépierre, Traité de la teinture et de l'impression des matières colorantes artificielles, Paris 1892 und folgende Jahre.

(Kielmeyer) R. Möhlau.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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