Aloe

Aloe, der eingetrocknete Saft aus den Blättern mehrerer Arten der Liliaceengattung Aloe.

Nach ihrer Herkunft unterscheidet man südafrikanische, ostafrikanische und westindische Aloesorten. Die über den Hafenplatz Jaffarabad (Indien) in den Handel kommende Aloe wird in Europa nicht verwendet. Erstere flammen hauptsächlich von Aloe ferox Mill., A. plicatilis Mill., A. africana Mill.; die auf der Insel Socotra wachsende A. Perryi Baker liefert die ostafrikanische Sorte, A. vulgaris Lam. (= A. vera L.) und A. Chinensis Baker die westindischen Sorten, die Curaçao- und Barbados-Aloe. Näheres darüber in [1], [2], [7]. Die Aloeblätter besitzen ein weites weiches Mark, dessen Peripherie von einem etwa 1 mm breiten grünen Gewebe begrenzt wird; in diesem liegen in kurzen Abständen die Gefäßbündel, deren Außenschicht die aloeführenden Zellen enthält. Nach der einfachsten Gewinnungsweise stellt man die abgeschnittenen Blätter in eine mit einer Ziegenhaut ausgelegte Grube und läßt den Saft ausfließen. Häufiger werden die Blätter zerschnitten, zerquetscht und ausgepreßt, auch mit Wasser extrahiert; der erhaltene Saft wird durch Verdunstung in flachen Gefäßen verdickt oder auch mit künstlicher Wärme in Kesseln eingedickt, nach Beseitigung der Verunreinigungen in Kisten oder Fässer gefüllt. Aloe erscheint nun im Handel in zwei sehr verschieden austeilenden Formen, als glänzende Aloe, Aloe lucida (auch Cap-Aloe genannt) und als Leber-Aloe, Aloe hepatica. Die glänzende Aloe umfaßt alle hellen, glasglänzenden, durchsichtigen Sorten, die im auffallenden Lichte schwärzlichdunkelbraun und grünlich bestäubt, in dünnen Stücken bernsteingelb oder hellbraun und völlig klar sind und aus einer amorphen Masse bestehen Leber-Aloe ist matt oder fettglänzend, undurchsichtig, leberbraun bis schwarzbraun, reichlich mit Kristallen (von Aloin) durchsetzt [3], [4], [5]. Alle Aloesorten bilden verschieden große, kantige, meist leicht zerbröckelnde Stücke mit muscheligem oder körnigem Bruche. Der Grund des so verschiedenen Aussehens der beiden Sorten liegt nicht etwa in der verschiedenen Abstammung, sondern in der verschiedenen Zubereitung. Das spez. Gew. beträgt 1 ∙ 364; in kaltem Wasser sind etwa 50% löslich, in 10 Teilen siedenden Wassers sind 5 Teile Aloe klar löslich, beim Erkalten scheiden sich 3 Teile als Harz wieder aus. Unlöslich ist Aloe in Chloroform, Schwefelkohlenstoff und Petroläther, in heißem Aether gibt sie etwas gelben Farbstoff ab, durch Eisenchlorid werden Lösungen grünbraun gefärbt; heiße Salpetersäure färbt alle Sorten kirschrot. Der Geruch ist eigentümlich unangenehm, der Geschmack außerordentlich bitter. Aloe enthält 22–40% Harz, 3–7% Feuchtigkeit und 2–9% Asche. Der wichtigste Bestandteil ist der kristallisierbare Bitterstoff Aloin, der nach der Abstammung als Barbaloin (aus der Barbados-Aloe), Nataloin (aus der Natal-Aloe), Curaçaloin (aus der Curaço-Aloe) und Socaloin (aus der Socotra- und Sansibar-Aloe) bezeichnet wird. Das nicht bitter schmeckende Aloeharz ist nicht näher bekannt [2]. Die Aloe wird hauptsächlich medizinisch als kräftiges Laxans verwendet. Die technische Anwendung ist sehr gering und gründet sich auf die braun- oder gelbfärbende Wirkung saurer Lösungen. Eine Auflösung in rauchender Salpetersäure dient als Aloebeize zum Gelbfärben des Holzes [6], [8]. Mit Salpetersäure gekocht entliehen aus der Aloe die Chrysaminsäure [Tetranitrochrysazin C4(H4)4NO2O4] und Aloetinsäure, welche die eigentlichen Aloefarbstoffe darstellen. Ein Gemenge derselben heißt im Handel Echtbraun und dient zum Färben von Wolle, Baumwolle und Leder; außerdem kann jede dieser Säuren unechte Farbstoffe, wie Orseille, Anilinfarben u.s.w., lichtecht machen.


Literatur: [1] Prollius, Artikel Aloe in Geißler-Moeller, Realencyklopädie d. ges. Pharm., I (1886), S. 256–262. – [2] A. Vogl, Kommentar zur 7. Ausgabe der österr. Pharmakopoe, II (1892), S. 481 ff. – [3] Prollius, Bau und Inhalt des Aloeblattes; Die geographische Verbreitung der Aloeineen, Archiv der Pharmacie 1884, Bd. 22, Heft 11 u. 12. – [4] Treumann, Beiträge zur Kenntnis der Aloe, Dissertat., Dorpat 1880. – [5] Margret, Etudes sur l'Alöes, Journ. de Pharm. et de Chim., XVIII, 1888, p. 416. – [6] Wagners Jahresber. über die Fortschritte in der chem. Industrie, 1855, S. 329. – [7] A. v. Vogl in Wiesner, Rohstoffe des Pflanzenreiches, 2. Aufl., Leipzig 1900, Bd. 1, S. 413–422. – [8] Prollius in Realencyklopädie d. ges. Pharm., 2. Aufl., Bd. 1, S. 466 (Wien, Berlin 1904).

T.F. Hanausek.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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