Abfallspinnerei

Abfallspinnerei (Barchentspinnerei) stellt Garne von Nr. 1–10 her mit Verwendung von ostindischer Bengal-Baumwolle oder aus Mischungen besserer und geringerer Baumwollabfälle zu Flanell- und Barchentgeweben.

Der Arbeitsprozeß besteht hier im Oeffnen, Karden und Spinnen, mit Wegfall des Streckens und Vorspinnens (der Vorspinnprozeß wird nur für bestimmte, feinere Produkte beibehalten). Vom Oeffner kommt die Baumwolle auf die Schlagmaschine, welche aus dem gereinigten Material einen Wickel bildet. Die Vorkarde (Tambourkarde) liefert das gekardete Material ab, entweder als Band, von dem dann je 25 durch eine Wattenmaschine zu einem neuen Wickel vereinigt werden, oder als dünnes Vlies, das in mehreren (100 und mehr) Lagen übereinander auf einer Trommel zu einem neuen, der Vorspinnkrempel vorzulegenden Wickel aufgerollt wird. Die Vorspinnkrempel ist eine Walzenkarde und liefert mit Hilfe des Florteilers Vorgespinstspulen (4 Stück zu je 20 bis 24 Fäden), die nur gewürgelt sind. Das Spinnen kann auf zwei Arten geschehen: 1. durch einen Selfaktor mit nur 2 Lieferzylindern, dessen Wagengeschwindigkeit gegen das Ende langsamer wird, während die Spindeln sich mit doppelter Geschwindigkeit bewegen. Der Faden wird noch nachgedreht, nachdem der Wagenweg beendigt ist; 2. durch einen Selfaktor mit 3 Streckzylindern und eigner Abwindwalze für das Vorgespinst; Wagennachzug bei stillgestellten Streckzylindern. Das Prinzip des Abfallspinnens besteht darin, bei dünnen, der geringen Faserlänge angemessenen Streckzylindern den Faden während des Drehens auseinanderzuziehen, wobei die zu starken Stellen dünner werden, und die Drehungen, die sich vorher auf die dünnen Stellen konzentrierten, sich nunmehr auf die ganze Fadenlänge verteilen. Zur Schonung des kurzfaserigen Materials ist auch die Wagen- von der Spindelbewegung unabhängig gemacht.


Literatur: Johannsen-Nieß, Baumwollspinnerei, 2. Aufl., Weimar 1885, S. 484.

Boßhard.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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