Ammoniak [1]


Ammoniak [1]

Ammoniak NH3, Mol.-Gew. 17, spez. Gew. 0,595 (Luft = 1), 1 l wiegt 0,7635 g. Farbloses Gas von eigenartig scharfem Geruch und Geschmack; durch Abkühlung auf –40° oder durch Druck (5 Atm. bei 0°) zu einer farblosen Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,731 (bei 15°) verdichtbar, die in einer Kältemischung von Aether und fester Kohlensäure zu einer farblosen Kristallmasse erstarrt.

Festes Ammoniak schmilzt bei –75°, flüssiges siedet bei –34° unter gewöhnlichem Druck. Von Wasser wird es begierig absorbiert und bildet den Salmiakgeist, in Säuren löst es sich zu entsprechenden Ammoniumsalzen (s. Ammoniumoxydhydrat). In reinem Sauerstoffe, bei höherer Temperatur auch in Luft, verbrennt das Gas zu Wasser, Ammoniumnitrit, Stickstoffdioxyd und Stickstoff. Im Ueberschusse vorhanden unterdrückt es den gewöhnlichen Verbrennungsprozeß, sowie den tierischen Atmungsprozeß.

Ammoniak bildet sich bei der Vermoderung bezw. Verkohlung tierischer, pflanzlicher und fossiler stickstoffhaltiger Stoffe (Tierkohle, Holzkohle, Koks); es kommt aber trotzdem nicht frei in der Natur vor, sondern fast ausschließlich in Form von Salzen. Bei seiner Darstellung geht man entweder von einer konzentrierten Lösung des Ammoniumoxydhydrates (s.d.) oder von einem Gemische eines Ammoniumsalzes (Salmiak, Ammoniumsulfat) mit Aetzkalk aus. Ersteres wird in Kolonnenapparaten, letzteres in Retorten erwärmt. Es entsteht in beiden Fällen ein Destillationsprodukt, das durch Abkühlung und Ueberleiten über gebrannten Kalk vom Wasser befreit wird. Das wasserfreie Gas wird dann durch Druck und Abkühlung zu einer Flüssigkeit verdichtet, die in starkwandigen, mit Druckreduzierventilen versehenen, eisernen Flaschen zum Versand kommt. Das freie Ammoniak findet nach vorgängiger Verflüssigung fast ausschließlich als Kälteerzeugungsmittel (s. Kälteerzeugungsmaschinen) und bei der Fabrikation von künstlichem Eise Verwendung, da es bei seinem Uebergange aus dem flüssigen in den festen Aggregatzustand eine große Wärmemenge aufnimmt.

Bujard.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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  • Ammonĭak — NH3, gasförmige Verbindung von Stickstoff mit Wasserstoff, findet sich im freien Zustand kaum in der Natur, aber Verbindungen desselben mit Säuren, die Ammoniaksalze, sind sehr verbreitet in der Luft, im Boden und in den Gewässern. Kohlensaures A …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Ammoniak — Smn stechend riechende Stickstoff Verbindung erw. fach. (15. Jh., Form 17. Jh.) Onomastische Bildung. Entlehnt aus l. sāl ammōniacum Ammonisches Salz (medizinisch verwendet), aus gr. Ammōniakón hálas n. Steinsalz , so bezeichnet nach der Ammons… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Ammonĭak — (Ammonĭa, Ammoniăcum, flüchtiges od. thierisches Alkali, Chem.), NH3, findet sich an Basen, bes. an Salzsäure gebunden, unter vulkanischen Sublimationsproducten in thierischen Stoffen, mehreren Pflanzen u. Mineralien, entwickelt sich bei der… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ammoniak [2] — Ammoniak mittels Synthese. Fritz Haber, Berlin, hat eine Anzahl Patente auf die synthetische Darstellung des Ammoniaks aus Wasserstoff und Stickstoff mittels Katalyse entnommen. Eine weitere Anzahl Patente, die sich auf die Vervollkommnung dieses …   Lexikon der gesamten Technik

  • Ammoniak — Ammonĭak, farbloses Gas von stechendem Geruch und 0,589 spez. Gewicht, kann durch Druck und Kälte zu einer farblosen Flüssigkeit verdichtet werden, die bei – 33,7° siedet und dabei sehr viel Wärme bindet (Anwendung bei Carrés Eismaschine);… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Ammoniak [2] — Ammonĭak, Ammoniakgummi, Droge, der eingetrocknete Milchsaft von Dorēma ammoniăcum Don., als A. in Tränen oder Körnern Arzneimittel gegen Verschleimung und Krämpfe …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Ammoniak — Ammoniak. Gehört zu den flüchtigen Alkalien, wird in der Regel als Salmiak technisch zum Löthen und Verzinnen kupferner und anderer Geschirre gebraucht Rein ist es nur in Luftgestalt darzustellen, und wird am häufigsten mit Wasser vermischt als… …   Damen Conversations Lexikon

  • Ammoniak — Ammoniak, flüchtiges Alkali, sonst auch Ammonium, als Gas Ammoniakgas, alkalische Luft, urinose Luft, von Priestley zuerst dargestellt und so benannt; ein farbloses, unsichtbares Gas, welches von Wasser absorbirt den Salmiakgeist, mit Kohlensäure …   Herders Conversations-Lexikon

  • Ammoniak — [...ạk, auch: ạm...; aus lat. sal ammoniacum = Ammonssalz (nach dem ägypt. Gott Ammon)] s; s: stechend riechende gasförmige Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff …   Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke

  • Ammoniak — Ammoniak: Der Name der stechend riechenden gasförmigen Stickstoff Wasserstoff Verbindung geht auf lat. sal Ammoniacum »Ammonssalz« zurück (nach der Ammonsoase ‹heute Siwa› in Ägypten, in der dieses Salz gefunden wurde) …   Das Herkunftswörterbuch


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