Nebensatz


Nebensatz

Nebensätze sind Teilsätze, die in einem übergeordneten Teilsatz, einem Matrixsatz, eingebunden sind und von ihm abhängen. Im Deutschen steht, im Gegensatz zum Hauptsatz, in einem Nebensatz die finite Verbform als sogenanntes Prädikat grundsätzlich am Satzende (Ausnahmen: siehe Sonderfälle). Ein infinites Verb befindet sich in solchen Nebensätzen direkt vor dem finiten Verb. Teilsätze ohne finite Verbform (Infinitiv- oder Partizipialsätze) können ebenfalls zu den Nebensätzen gezählt werden. Da ein Nebensatz einen Matrixsatz voraussetzt, kann er im Gegensatz zu einem Hauptsatz nie alleine stehen.

Nebensätze kann man weiter in Gliedsätze und Attributsätze unterteilen. Gliedsätze übernehmen im Matrixsatz die Funktion eines Satzglieds. Attributsätze übernehmen im Matrixsatz die Funktion eines Attributes; sie erweitern also ein dort bereits bestehendes Satzglied. In einigen Grammatiken wird Gliedsatz auch zu Nebensatz synonym verwendet.

Eine noch feinere Unterteilung lässt sich vornehmen, indem man bestimmt, welches Satzglied ersetzt oder womit eines erweitert wurde (siehe Arten von Nebensätzen).

Inhaltsverzeichnis

Arten von Nebensätzen

Nach ihrer Funktion als Satzteil des übergeordneten Satzes unterscheidet man zwischen Subjektsätzen, Objektsätzen, Adverbialsätzen, Attributsätzen und Prädikativsätzen.

  • Subjekt- und Objektsätze nehmen immer eine komplette Argumentstelle eines verbalen Prädikates ein und werden in vielen Fällen − aber nicht immer − durch ein Komplement wie dass, ob oder ein Fragepronomen eingeleitet. Steht ein Subjektsatz in Endstellung, wird er oft durch das Pronomen es vorsignalisiert.
    • Beispiele für Subjektsätze:
      • Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.
      • Wann er kommt, ist unklar.
    • Beispiel für Objektsätze:
      • Und er sah, dass es gut war.
      • Ich frage mich, ob sie mich noch kennt.
      • Peter glaubt, dass er den Hund gesehen habe.
  • Adverbialsätze werden durch verschiedene Konjunktionen eingeleitet. Je nach ihrem Bedeutungsgehalt unterscheidet man:
    • Temporalsätze (Zeit): Als das hohe Pfingstfest gekommen war, waren sie alle an einem Ort.
    • Konditionalsätze (Bedingung): Wenn/Falls ich gewinne, bezahlst du.
    • Konzessivsätze (Einschränkung/Gegengrund): Obwohl es regnet, spielen sie draußen.
    • Kausalsätze (Grund): Weil du gesehen hast, glaubst du.
    • Modalsätze (Art und Weise): Indem sie schwiegen, zeigten sie die Ignoranz.
    • Komparativsätze (Vergleich zweier Dinge/Sachen): Es ist besser, als ich es mir erträumt habe.
    • Adversativsätze (Gegenüberstellung): Während der Konzessivsatz einen logischen Widerspruch angibt, ist das beim Adversativsatz nicht der Fall.
    • Finalsätze (Absicht, Zweck): Damit du mich verstehst, erkläre ich es noch einmal.
    • Konsekutivsätze (Folge): Er verpasste den Bus, sodass er sich verspätete.
    • Lokalsätze (Ort): Ich wohne da, wo die großen Häuser sind.
  • Attributsätze (meist Relativsätze) werden durch Relativpronomina, gelegentlich durch Fragewörter bzw. Relativadverbien eingeleitet (man fragt danach welcher, welche, welches).
    • Beispiele:
      • Lange stand Julian auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte.
      • Der Ort, in dem ich geboren bin, liegt am Meeresufer, wo der Po ausmündet.

Sonderfälle

Kein System kann die Fülle sprachlicher Äußerungen vollkommen adäquat widerspiegeln. Beim Nebensatz ergeben sich im Deutschen unter anderem folgende Grenz- und Sonderfälle:

  • a) nach ihrer Signalisierung
    • Nebensatz ohne Konjunktion: Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben. (Signalisierung durch Inversion)
    • Nebensatz ohne Konjunktion und ohne Inversion: Er meint, es sei gut so. (Signalisierung durch Modus)
    • Schwanken zwischen Nebensatz und Hauptsatz: Er meint, es ist gut so. (Signalisierung durch Intonation bzw. Interpunktion; vergleiche: Er meint: „Es ist gut so.“)
  • b) nach ihrer Klassifikation
    • Einordnung z. B. der verallgemeinernden Relativsätze: Wer Ohren hat zu hören, der höre. (Elliptischer Attributsatz (Jeder, der...) oder Subjektsatz)
    • Einordnung der weiterführenden Relativsätze vom Typ „Da brach sie ab, was schade war.“ (Satzapposition, elliptischer Relativsatz, eigenständiges sprachliches Phänomen?)

Gliedsatz/Inhaltssatz/Nebensatz

Der Begriff "Gliedsatz" besagt, dass ein Nebensatz ein Satzglied vertritt. Die terminologische Unterscheidung ist uneinheitlich. Meist wird der Begriff synonym für "Nebensatz" gebraucht. In Benennungssystemen, die das Attribut nicht zu den Satzgliedern zählen, sondern nur die direkt auf das Prädikat bezogenen Elemente des Satzes, wird entsprechend der Relativsatz (Attributsatz) vom Gliedsatz geschieden. Kein Gliedsatz ist dann auch der weiterführende Relativsatz. Ein Relativsatz wird mit einem Relativpronomen eingeleitet. Siehe dazu auch Inhaltssatz. Es gibt: Lokalsatz(Orterg.) Modalsatz(Arterg.) Kausalsatz(Begründungserg.) Temporalsatz(Zeiterg.)

Schachtelsätze

Haupt- und Nebensätze können weitere Nebensätze enthalten. Die Unterordnung von Nebensätzen unter Hauptsätze heißt Hypotaxe.

Die Schachtelungstiefe ist syntaktisch nicht begrenzt. Satzzeichen helfen beim Lesen, indem sie die Satzstruktur erkennbar machen. Das gilt auch dann, wenn sie nach der Rechtschreibreform wahlfrei sind.

Beispiel: Haupt- und Nebensätze, die zur Verdeutlichung der Satzstruktur durch Komma – ein Satzzeichen, das nach der Rechtschreibreform vereinfachten Regeln folgt – getrennt werden, können weitere Nebensätze in ihrer Struktur, deren Schachtelungstiefe unbestimmt ist, sich aber seit hundert Jahren verkürzte, enthalten.

Seit dem 20. Jahrhundert hat sich eine Tendenz zur Vereinfachung und Verkürzung des Satzbaus herausgebildet.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Nebensatz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary Wiktionary: Hilfe:Nebensatzkonjugation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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