Neustettin


Neustettin
Szczecinek
Wappen von Szczecinek
Szczecinek (Polen)
DEC
Szczecinek
Szczecinek
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Szczecinek
Fläche: 37,5 km²
Geographische Lage: 53° 43′ N, 16° 41′ O53.71666666666716.6833333333337Koordinaten: 53° 43′ 0″ N, 16° 41′ 0″ O
Einwohner: 38.425 (30. Juni 2008[1])
Postleitzahl: 78-400 bis 78-410
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZSZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 11 KołobrzegBytom
DK 20 Stargard SzczecińskiGdynia
DW 172 Połczyn-Zdrój ↔ Szczecinek
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Jerzy Hardie-Douglas
Adresse: Plac Wolności 13
78-400 Szczecinek
Webpräsenz: www.szczecinek.pl
Rathaus

 Szczecinek?/i (deutsch Neustettin) ist eine Stadt in der polnischen Wojewodschaft Westpommern. Sie ist Sitz des Powiats Szczecinecki und hat etwa 38.000 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Die Stadt liegt im Zentrum der Draheimer Seenplatte im äußersten Osten der Woiwodschaft Westpommern in ca. 130 Metern über Meereshöhe in Hinterpommern. In unmittelbarer Nähe liegen der Streizig- und der Vilmsee. Die Stadt liegt am Schnittpunkt der Fernstraßen DK 11 Koszalin (Köslin)–Posen und DK 21 Słupsk (Stolp)–Szczecinek. Ebenso kreuzen sich hier die Bahnlinien Stettin–Słupsk und Koszalin–Posen.

Geschichte

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden Schloss und Stadt Neustettin von Herzog Wartislaw IV. von Pommern-Wolgast zum Schutz gegen die Polen gegründet.[2] 1310 verlieh er ihr das lübische Stadtrecht, wie zuvor Stettin, daher wohl der Name Neustettin. Wegen der günstigen Lage brauchten zur Befestigung der Stadt nur ein Wall und Palisaden errichtet werden. 1356 wurde Neustettin von der Beulenpest heimgesucht. Zum Dank für das Abebben der Seuche gründeten die Herzöge Bogislaw V., Barnim IV. und Wartislaw V. das Augustiner-Kloster Marienthron, das auf dem Mönchsberg am Südende des Streizigsees errichtet wurde. Unter Herzog Wartislaw VII. wurde Neustettin von 1376 bis 1395 Sitz des gleichnamigen Herzogtums. Danach gehörte Neustettin nacheinander zu den pommerschen Teilherzogtümern Rügenwalde (bis 1418), Wolgast (bis 1474) und Stettin (bis 1618).

Neustettiner Wappen im Königreich Preußen
Neustettiner Wappen im Freistaat Preußen

Am 15. September 1423, dem sogenannten „großen Tag von Neustettin“, kamen in Neustettin die pommerschen Herzöge, der Hochmeister des Deutschen Ordens und der nordische Unionskönig Erich I. zusammen, um Maßnahmen gegen das Bündnis von Brandenburg und Polen zu verabreden. 1461 wurde Neustettin von polnischen Truppen und Tataren überfallen, weil sich Polenkönig Kasimir am Pommernherzog Erich II. rächen wollte, der Polen im Kampf gegen den Deutschen Orden im Stich gelassen hatte. Neustettin wurde geplündert und gebrandschatzt.

Pommernherzog Philipp II. ließ 1606 für seine verwitwete Mutter Anna, die zweite Ehefrau von Herzog Bogislaw XIII., das so genannte Ritterhaus in Neustettin erbauen. Herzog Ulrich ließ das lang zerstörte Schloss wieder aufbauen und machte es, bis zu seinem frühen Tod 1622, zu seiner Residenz. Seine Witwe Hedwig gründete 1640 in Neustettin das später nach ihr benannte Gymnasium.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges kam Neustettin zu Brandenburg. Mit der preußischen Verwaltungsreform von 1818 wurde die Stadt Verwaltungssitz des neu geschaffenen Landkreises Neustettin. Die Bevölkerungszahl entwickelte sich von 6.900 im Jahre 1875 auf 19.900 im Jahre 1939.

Im Jahre 1881 wurde die Synagoge der Stadt angezündet, es folgte ein Aufsehen erregender Prozess gegen die Täter.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es in der Stadt zwei Zwangsarbeiterlager.

Die deutsche Geschichte der Stadt nahm ihr Ende zu Beginn des Jahres 1945. Die Truppen der 2. Weißrussischen Front der Roten Armee setzten die deutsche Garnison mit 3.000 Soldaten fest und nahmen Neustettin ein. Die Sowjetmacht setzte als neuen Bürgermeister zunächst Gustav Pergrande ein.[3] Dieser wurde bald darauf verhaftet und durch den Buchhalter Findelking ersetzt, der gleichfalls bald verhaftet wurde.[3] Nach Übernahme der Verwaltung durch den polnischen Staat wurde die Stadt in Szczecinek umbenannt. Letzter Verwalter der deutschen Bevölkerung der Stadt war Albert Schulz.[3] Der noch nicht geflohene Teil der Bevölkerung der Stadt wurde in dem westlichen Stadtteil hinter der Infanteriekaserne zusammengefasst und nach und nach vertrieben, wofür Bahntransporte mit Güterwagen eingesetzt wurden.[3] Die Stadt wurde gleichzeitig durch polnische Bürger neu besiedelt.

Einwohnerentwicklung

Politik

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

Stadtpfarrkirche St. Marien
  • Schloss der pommerschen Herzöge
  • Die Stadtpfarrkirche St. Marien ist ein neugotischer Backsteinbau von 1905–1908 mit einem 78 Meter hohen Frontturm. Sie nahm einige Ausstattungselemente (Epitaphe) der damals abgerissenen, spätgotischen St.-Nikolai-Kirche auf.
  • St. Nikolausturm (16. Jh., heute Regionalmuseum)
  • Rathaus von 1852 im von Schinkel beeinflussten neugotischen Stil
  • Stadtpark
  • Marienthron (Wzgórze Świątki) (ehem. heidnische Kultstätte, später Kloster)
  • Bismarckturm, eingeweiht am 31. März 1911

Denkmäler

  • Denkmal im Stadtpark für die Toten Neustettins, eingeweiht am 6. September 2008. Die Inschrift lautet in deutscher und polnischer Sprache „Zum Gedenken an unsere Toten aus der Stadt und dem Landkreis Neustettin“.[4]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Gmina

Wappen der Gmina Szczecinek

Die Stadt Szczecinek ist Verwaltungssitz der Landgemeinde (gmina wiejska) Szczecinek, gehört ihr aber als eigenständige Stadtgemeinde nicht an. Die Landgemeinde zählt auf einer Fläche von 510,21 km² 10.273 Einwohner (31. Dez. 2007) und gliedert sich in 26 Ortsteile (sołectwo):

  • Brzeźno (Birkhof)
  • Dalęcino (Klein Dallenthin)
  • Drawień (Trabehn)
  • Drężno (Drensch)
  • Dziki (Dieck)
  • Gałowo (Galow)
  • Grąbczyn (Grumsdorf)
  • Gwda Mała (Klein Küdde)
  • Gwda Wielka (Groß Küdde)
  • Jelenino (Gellin)
  • Krągłe (Bernsdorf)
  • Kusowo (Kussow)
  • Kwakowo (Alt Quackow)
  • Marcelin (Horngut)
  • Mosina (Mossin)
  • Parsęcko (Persanzig)
  • Sitno (Hütten bei Gellin)
  • Spore (Sparsee)
  • Stare Wierzchowo (Sassenburg)
  • Świątki (Gut Marienthron)
  • Trzesieka (Streitzig)
  • Turowo (Thurow)
  • Wierzchowo (Wurchow)
  • Wilcze Laski (Wulfflatzke)
  • Wojnowo (Grünbüch)
  • Żółtnica (Soltnitz)

Verweise

Literatur

  • Julius Adolph Wilcke: Chronik der Stadt Neu-Stettin - Nach urkundlichen und amtlichen Quellen. Eckstein, Neu-Stattin 1862, 246 Seiten. Bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinausreichende Chronik, online.
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Sändig Reprint Verlag, Vaduz 1996 (unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1865), ISBN 3253027341, S. 270-274, online.
  • Gerd Hoffmann: Der Prozeß um den Brand der Synagoge in Neustettin. Antisemitismus in Deutschland ausgangs des 19. Jahrhunderts. Gerd Hoffmann Verlag, Schifferstadt 1998, ISBN 3-929349-30-2.
  • Heinz Jonas (Hrsg.): Neustettin - Bilder einer deutschen Stadt 1310-1945. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1998, ISBN 3-88042-885-9.

Weblinks

Fußnoten

  1. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2008 (WebCite)
  2. Meyers Reisebuch Deutsche Ostseeküste, Teil II: Rügen und die pommersche Ostseeküste mit ihrem Hinterland, 2. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1924, S. 185.
  3. a b c d Die Pommersche Zeitung. Nr. 4/2009, S. 9
  4. Die Pommersche Zeitung. Nr. 40/2008, S. 9.

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