Nick Cave


Nick Cave
Cave, 2009.

Nicholas Edward Cave (* 22. September 1957 in Warracknabeal, Australien) ist ein australischer Musiker, Texter, Dichter, Schriftsteller und Schauspieler.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Nick Cave and The Bad Seeds 2008

Nick Cave wurde als Sohn von Dawn und Colin Cave geboren. Er hat drei Geschwister. Seine Mutter arbeitete als Bibliothekarin, sein Vater war Lehrer für englische Literatur und starb 1978 bei einem Autounfall. Nick Cave wurde nach den Lehren der anglikanischen Kirche erzogen.

Auf der Highschool lernte Cave Mick Harvey kennen, mit dem er seine erste Band The Boys Next Door gründete. Bei ihrem Umzug nach London benannten sie sich in The Birthday Party um. 1982 nahm er mit der deutschen Avantgarderock-Band Die Haut das Album Burnin' the Ice auf. 1983 zog Cave nach West-Berlin und löste The Birthday Party kurz darauf auf. Mit Harvey, Blixa Bargeld (Sänger der Einstürzenden Neubauten) und Barry Adamson gründete er die Band The Bad Seeds, die bis heute besteht und mehrere kommerziell erfolgreiche Alben veröffentlichte. Seine Musik entfernte sich zunehmend vom ekstatischen Lärm-Blues der Birthday Party und wandte sich auch der Kunst gefühlvoller Balladen zu. Inzwischen hat er sich von seinen Punk-Wurzeln entfernt und macht Rock-’n’-Roll-Musik, wie u. a. in Henry's Dream oder No More Shall We Part. Unter anderem arbeitete er auch mit David Tibet und seiner Band Current 93 zusammen und coverte Bob Dylan mit Death Is Not The End, das er mit Kylie Minogue, PJ Harvey und Shane MacGowan prominent besetzte, oder intonierte Disco 2000 von Pulp neu.

1990 zog Cave nach São Paulo um, wo er die brasilianische Journalistin Viviane Carneiro kennenlernte. 1991 wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren. Im Frühjahr 1993 zog Cave mit der Familie zurück nach London. Cave und Carneiro trennten sich kurz darauf, ihr Sohn lebt abwechselnd bei Vater und Mutter. Cave zog daraufhin in ein Haus in Hove und hatte während der Produktion seines Albums Murder Ballads eine kurze Affäre mit der Sängerin PJ Harvey, lernte aber bald darauf Model und Schauspielerin Susie Bick kennen, die er am Tag der Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 heiratete. Beide leben mit ihren Zwillingskindern in Brighton.

Nick Cave 1986

Caves Musik wird in einigen Filmen von Wim Wenders eingesetzt, etwa in Der Himmel über Berlin (dort hat Cave auch einen Live-Auftritt), Bis ans Ende der Welt und In weiter Ferne, so nah!. Cave war Co-Autor und Darsteller in dem Film Ghosts... of the Civil Dead (1989).

1989 veröffentlichte Cave seinen Roman And the Ass Saw the Angel (deutsch: Und die Eselin sah den Engel).

1991 trat er in der kleinen Rolle des Freak Storm in dem Film Johnny Suede mit Brad Pitt und Catherine Keener auf.

1996 brachten Cave und die Bad Seeds das Album Murder Ballads heraus, ein Album mit Liedern über Mord. Das Duett mit Kylie Minogue, Where The Wild Roses Grow, wurde ein Hit, ebenso Henry Lee zusammen mit PJ Harvey.

Im Frühjahr 2003 gab Blixa Bargeld bekannt, dass er die Bad Seeds verlasse. Er sagte in Interviews, er wolle in Zukunft seiner Band Einstürzende Neubauten mehr Zeit widmen.

Großen Einfluss auf die Musik der Bad Seeds hatte Nick Caves Jugendfreund Mick Harvey. Zusammen komponierten sie mehrere Songs, so auch den Klassiker The Mercy Seat. Wie alle Mitglieder der Bad Seeds betätigt sich auch Mick Harvey in anderen Projekten und wirkte beispielsweise an der Platte Uh Huh Her von PJ Harvey mit und veröffentlichte bisher vier Soloalben, darunter zwei Alben mit Coverversionen.

Nick Cave 2004

Im Jahr 2004 veröffentlichte Nick Cave mit seiner Band das Doppelalbum Abbatoir Blues/The Lyre of Orpheus. Erstmals wirkte ein Gospelchor auf einer Nick-Cave-Platte mit. Einflüsse aus Gospel, Blues, Country und Punk verbinden sich zu einem Sammelsurium von Zitaten der Popkultur. Thematisch bewegen sich die Texte im Rahmen Gott, Erotik, Gewalt, Liebe und Hoffnung. In Get Ready for Love ironisiert Nick Cave aufgetragene Gottesfürchtigkeit. Den antiken Orpheus-Mythos greift er ironisierend auf und verwandelt ihn in einen seiner „Comicsongs“. Orpheus singt so schrecklich, dass die Vögel des Himmels explodieren, Hasen sich panisch die Köpfe einrennen, und selbst Gott verliert seine Geduld, schwingt seinen Hammer und drischt den Sänger in die Unterwelt.

Im Jahr 2005 schrieb Nick Cave das Drehbuch und den Soundtrack zum Western The Proposition – Tödliches Angebot (in der Hauptrolle Guy Pearce), der unter anderem auf der Berlinale im Februar 2006 vorgeführt wurde.

Nick Cave mit Grinderman, 2006

Im März 2006 hat Nick Cave mit Waren Ellis, Jim Sclavunos und Martin Casey ein Album in den RAK studios, London, aufgenommen. Die Veröffentlichung erfolgte im März 2007 unter dem Bandnamen Grinderman.

Im Jahr 2007 schrieb Nick Cave zusammen mit Warren Ellis den Soundtrack zum Film Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford. Nick Cave hat in diesem Film außerdem eine Gastrolle.

Im Februar 2008 veröffentlichte Nick Cave mit seiner Band das bisher letzte Album, das den Titel Dig, Lazarus, Dig!!! trägt. Bei diesem Album rücken erneut die Themen Glaube und Religiosität sowie biblische Bilder stark in den Fokus.

Im September 2009 erschien Nick Caves zweiter Roman mit dem Titel Der Tod des Bunny Munro.[1] Der Roman wurde nahezu zeitgleich in über 30 Ländern veröffentlicht.[2]

Im September 2010 veröffentlichte er ein zweites Album mit seinem Projekt Grinderman.

Stil

Nick Cave versuchte sich auch als Theoretiker des Songwritings. Im Auftrag der Schule für Dichtung in Wien hielt er eine Vorlesung, die auf der CD The Secret Life of the Love Song mit Songbeispielen nachzuhören ist. Darin formulierte Cave den Gedanken, dass ein Song immer auch Melancholie enthalten müsse. Caves Poetik weist eine Nähe zur Romantik auf, nach deren theoretischem Konzept jedes Kunstwerk durch Ironie gebrochen werden müsse. Ähnlich wie in der Romantik beruhen seine Texte häufig auf Transzendenz. In seinen frühen Alben stellte meistens das Alte Testament einen wichtigen Bezugspunkt seiner Texte dar, wie auch in seinem epischen Roman Und die Eselin sah den Engel. Vor allem mit dem 1997 erschienenen Album The Boatman's Call tritt das Neue Testament immer stärker in den Vordergrund. 1998 schrieb Cave eine Einleitung zum Markus-Evangelium.

Neben der Bibel lassen sich viele andere literarische Einflüsse in seinen Texten wiederfinden, wie zum Beispiel Vladimir Nabokov, Fjodor Michailowitsch Dostojewski, William Faulkner, Dylan Thomas und Bob Dylan. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählen Bob Dylan, Johnny Cash, Leonard Cohen sowie John Lee Hooker.

Er arbeitete unter anderem mit Die Haut, Anita Lane (seine Muse aus Down-Under-Zeiten), Lydia Lunch und den Dirty Three zusammen. Johnny Cash, der schon eine Coverversion von Nick Caves The Mercy Seat einspielte, nahm ein Duett mit Nick Cave auf, eine Version von Hank Williams' I'm so Lonesome I Could Cry. Seine Liedtexte finden sich in den Anthologien King Ink, King Ink II und The Complete Lyrics. Außerdem existiert ein Tourfilm: The Road to God Knows Where (1990), die Dokumentation einer US-Tour von Uli M. Schueppel.

Werke

Filmmusik

Bücher

  • 1989: Und die Eselin sah den Engel (And the Ass Saw the Angel)
  • 2009: Der Tod des Bunny Munro (The Death of Bunny Munro)

In Bands

siehe entsprechende Bandartikel:

Weblinks

 Commons: Nick Cave – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. www.thedeathofbunnymunro.com - Webseiten zum Roman, 8. Oktober 2009
  2. KiWi-Verlag - Webseite des herausgebenden KiWi-Verlags, 8. Oktober 2009

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