Nicolae Ceausescu


Nicolae Ceausescu
Ein Ausschnitt einer rumänischen Briefmarke von 1988

Nicolae Ceauşescu [tʃau̯ˈʃesku] (* 26. Januar 1918 in Scorniceşti; † 25. Dezember 1989 in Târgovişte) führte von 1965 bis 1989 als Generalsekretär die Rumänische Kommunistische Partei und war von 1967 bis 1989 Staatspräsident Rumäniens, bis 1974 als Vorsitzender des Staatsrates. Er war verheiratet mit Elena Ceauşescu. Mit ihr zusammen hatte Ceauşescu zwei Söhne (Valentin Ceauşescu und Nicu Ceauşescu) und eine Tochter (Zoia Ceauşescu).

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Jugend

Nicolae Ceauşescu wurde laut Geburtsregister am 23. Januar 1918 in Scorniceşti als Sohn von Andruţă Ceauşescu geboren. Offiziell wurde sein Geburtstag jedoch als 26. Januar 1918 angegeben. Sein Geburtsdorf hatte zu dieser Zeit etwa 2000 Einwohner. Er war der Sohn einer einfachen Bauernfamilie und hatte neun Geschwister. Sein jüngster Bruder Ioan Ceauşescu wurde später Staatssekretär, ein anderer Bruder, Ilie Ceauşescu, stellvertretender Verteidigungsminister.

Nicolae Ceauşescu besuchte zuerst die vierjährige Grundschule im Ort und zog dann im Alter von elf Jahren in die Hauptstadt Bukarest, wo er bei einer Schwester und ihrem Ehemann lebte. Ceauşescu begann eine Lehre als Schuhmacher. Dabei kam er erstmals mit den rumänischen Kommunisten in Kontakt. Sein Meister war Mitglied der damals noch illegalen Rumänischen Kommunistischen Partei (PCR/RKP), der er selbst im Frühjahr 1932 beitrat. Zu dieser Zeit regierte bereits Carol II., dessen Regierung sich bis 1940 immer mehr zur Königsdiktatur entwickelte.

1933 wurde Ceauşescu dann erstmals kurzzeitig von der Polizei verhaftet. Der Grund für diese Festnahme ist bis heute nicht genau nachgewiesen. Im August 1934 kam es zu einer erneuten Verhaftung. Ceauşescu war beim Verteilen regierungsfeindlicher Flugblätter gefasst worden und wurde dafür der Hauptstadt verwiesen. Unter Polizeibegleitung musste er in seinen Heimatort Scorniceşti zurückkehren. In seiner Polizeiakte wurde er als gefährlicher kommunistischer Agitator und aktiver Verteiler kommunistischer und antifaschistischer Propaganda geführt. Ceauşescu ging in den Untergrund und wurde 1936 erneut verhaftet, diesmal wurde er wegen antifaschistischer Aktivitäten zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Strafe saß er im Gefängnis Doftana ab. Während der Haft traf er auf Gheorghe Gheorghiu-Dej und andere führende Mitglieder der RKP.

Nachdem er Ende 1938 aus der Haft entlassen wurde, nahm Ceauşescu 1939 eine Tätigkeit als kommunistischer Jugendfunktionär auf. Im gleichen Jahr lernte er die zwei Jahre ältere Elena (Lenuţa) Petrescu kennen, die er 1946 heiraten sollte.

1940 übernahm die faschistische Militärdiktatur Ion Antonescus die Regierung. Ceauşescu wurde in diesem Jahr erneut verhaftet und 1943 in ein Konzentrationslager bei Târgu Jiu verlegt. Hier teilte er seine Zelle mit Gheorghe Gheorghiu-Dej und die beiden wurden enge Freunde.

Er kam erst nach dem Sturz des Antonescu-Regimes am 23. August 1944 frei. Die Mitglieder der RKP, die hier zusammen inhaftiert waren, nannten sich später die Gefängnisfraktion und setzten sich in den folgenden Jahren innerhalb der RKP gegen die sogenannte Fraktion der Illegalen und später die Moskauer Fraktion um Ana Pauker durch.

Funktionärskarriere im kommunistischen Rumänien

Nachdem die Opposition mit Hilfe von König Mihai I. unter dem Druck der vorrückenden Roten Armee Antonescu stürzen konnte, wurde die RKP an der Macht beteiligt. Ceauşescu wurde führendes Mitglied der kommunistischen Jugendbewegung. Darüber hinaus wurde er im Oktober 1945 durch die Fürsprache Gheorghiu-Dejs Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der RKP. 1946 wurde er als Parteiinstrukteur nach Constanţa und später in den Distrikt Olt geschickt.

Am 19. November 1946 wurde er für den Distrikt Olt als Abgeordneter in die Große Nationalversammlung, das rumänische Parlament, gewählt. Diesen Posten hatte er bis zu seinem Tod 1989 inne. Auf dem Vereinigungsparteitag der RKP mit der sozialdemokratischen PSD zur Rumänischen Arbeiterpartei (PMR, Partidul Muncitorilor din România) im Februar 1948 wurde Ceauşescu nicht wieder ins ZK gewählt, obwohl das Gremium auf 41 Personen aufgestockt wurde. Er war vorläufig einer von 16 stellvertretenden ZK-Mitgliedern.

Allerdings konnte er sich der Protektion seines Förderers Gheorghiu-Dej weiterhin sicher sein. Dieser verhalf ihm im März 1948 zum Posten des stellvertretenden Landwirtschaftsministers unter Vasile Vaida, der ebenso wie Ceauşescu Schuhmacher war. Allerdings zog er in dieser Funktion als Hauptverantwortlicher für die Bodenreform starke Kritik auf sich. Ceauşescu folgte in dieser Phase den Vorstellungen Ana Paukers, die als Mitglied des sogenannten Moskauer Flügels der Ideologie Josef Stalins nahestand. Die Radikalität in der Frage der Bodenreform führte zu Zweifeln bei Gheorghiu-Dej. Dieser entschloss sich aber, den Enthusiasmus seines Protegés auf ein anderes Feld zu lenken.

Ceauşescu bekam am 9. Januar 1950 für vier Jahre den Posten des stellvertretenden Verteidigungsministers. Gleichzeitig wurde er in den Rang eines Generalleutnants der Infanterie befördert und wurde Chef der Obersten Politischen Direktion der Volksarmee (rum. Şef al Direcţiei Superioare Politice a Armatei Populare).

Am 23. Juli 1953 kam es noch zu einer kleinen Aufwertung seines Amtes. Ceauşescu durfte sich nun Erster stellvertretender Verteidigungsminister nennen und stand damit in der Ministerialhierarchie direkt hinter Verteidigungsminister Emil Bodnăraş. In der Zwischenzeit wurde er im Mai 1952 im Zuge der Säuberungen gegen die Moskauer Fraktion um Ana Pauker auch wieder Mitglied des ZK der PMR.

Sein innerparteilicher Aufstieg begann spätestens, als Ceauşescu mit dem Ende seiner Zeit im Verteidigungsministerium am 19. April 1954 zum Sekretär des Zentralkomitees für Organisationsfragen sowie zum Kandidaten für das Politbüro aufstieg. Der Posten des ZK-Sekretärs für Organisationsfragen stellte in den kommunistischen Parteien eine wichtige Machtposition dar, weil damit unter anderem auch der Zugriff auf innerparteiliche Personalentscheidungen gegeben war. Die endgültige Aufnahme Ceauşescus in das Politbüro, das aus 11 Personen bestand, fand im Dezember 1955 statt.

Nachfolger von G. Gheorghiu-Dej

Zehn Jahre später starb der bis dahin unbestrittene Führer der rumänischen Kommunisten, Gheorghe Gheorghiu-Dej, an Krebs. Die Nachfolgeregelung war nur wenige Stunden nach Gheorghiu-Dejs Tod zugunsten Ceauşescus entschieden. Im engsten Führungszirkel, dem Politbüro, das die Entscheidung traf, hatte sich Ceauşescu schon zuvor seine Wahl gesichert. Die Nominierung zum Ersten Sekretär des ZK der PMR durch das ZK am 22. März 1965, drei Tage nach dem Ableben seines Förderers, war nur noch eine Formsache, genauso wie die formell noch nötige Wahl durch den Parteitag im Juli 1965. Bei diesem Parteitag setzte Ceauşescu auch durch, dass die PMR wieder in RKP zurückbenannt wurde. Nach dem bisher weitgehend allein herrschenden Gheorghiu-Dej musste sich Ceauşescu die Macht anfangs jedoch mit anderen Führungspersonen teilen, die ihn bei der Wahl innerparteilich gegen Konkurrenten unterstützt hatten. Von Ceauşescu versprach man sich einen leicht lenkbaren Spitzenfunktionär gefunden zu haben. [1] So übernahm Chivu Stoica das Amt des Vorsitzenden des Staatsrates und Ion Gheorghe Maurer behielt seinen Posten als Ministerpräsident. Auf dem schon erwähnten Parteitag wurde diese Ämterteilung noch dadurch formalisiert, indem festgeschrieben wurde, dass zukünftig Parteimitglieder nur noch eine Führungsfunktion als Vollzeitstelle besetzen können sollten.

1966 begann Ceauşescu ein Studium ohne Anwesenheit (Fernstudium), welches er auch mit einem Diplom der Bukarester Wirtschaftsakademie abschloss. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Arbeit über Ausgewählte Probleme der industriellen Entwicklung Rumäniens im 19. Jahrhundert von einem Ghostwriter verfasst wurde.

Schnell zeigte sich die Zielstrebigkeit Ceauşescus, der bereits am 9. Dezember 1967 zusätzlich das Amt des Vorsitzenden des Staatsrates übernehmen konnte. Damit war das alte Prinzip der Ämtertrennung in Rumänien aufgehoben. Ceauşescu war nun zusätzlich zum Parteivorsitzenden Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Ausbau der Popularität und Hinwendung zum Westen

Ceauşescu erlangte schnell große Popularität in Rumänien. Die äußeren Bedingungen waren günstig. Die Industrialisierungspolitik begann in den späten 1960er Jahren zu wirken und Rumänien erlebte eine Zeit des Wohlstands. Außenpolitisch betonte Ceauşescu die Unabhängigkeit Rumäniens und distanzierte sich in dieser Zeit öffentlich vom Führungsanspruch der Sowjetunion innerhalb der kommunistischen Bewegung. Indirekt auf die Sowjetunion bezogen erklärte er auf einer Plenarsitzung des Zentralkomitees der Rumänischen Kommunistischen Partei im März 1968: „Niemand kann in Fragen der Entwicklung des sozialen Lebens ein Monopol auf die absolute Wahrheit beanspruchen und niemand hat das letzte Wort weder im Bereich der Praxis noch im Bereich der sozialen und philosophischen Ideen.“[2]. Während des sowjetisch-chinesischen Disputs unterbrach Rumänien im Gegensatz zu anderen osteuröpäischen sozialistischen Staaten seine Beziehungen zur VR China nicht und näherte sich teilweise sogar den sowjetfeindlichen Chinesen an.

1967 sorgte Ceauşescu dafür, dass Rumänien das erste Land des sowjetischen Einflussbereichs wurde, das diplomatische Beziehungen zur BRD aufnahm. Damit brüskierte er die Führung der DDR um Walter Ulbricht, die zuvor versuchte, ihn von diesem Schritt abzubringen. [3] Auch nach dem Ausbruch des Sechstagekriegs im Nahen Osten blieb Rumänien das einzige Land im Einflussbereich der Sowjetunion, das weiterhin diplomatische Beziehungen zu Israel unterhielt.

Im August 1968 verweigerte Ceauşescu die Teilnahme rumänischer Truppen an der militärischen Niederschlagung des Prager Frühlings. Darüber hinaus verurteilte er am 21. August 1968 auf einer Massenveranstaltung in Bukarest die Besetzung der Tschechoslowakei in scharfen Worten. Ceauşescu befand sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Popularität nicht nur in Rumänien, sondern auch im Westen. Im August 1969 besuchte US-Präsident Richard Nixon Rumänien, im Dezember des darauf folgenden Jahres flog Ceauşescu zum Staatsbesuch in die USA. Es folgte die Aufnahme in den Internationalen Währungsfonds und in die Weltbank.

1971 erhielt Ceauşescu die höchste von der Bundesrepublik Deutschland zu vergebende Auszeichnung, die Sonderstufe des Großkreuzes.

Personenkult

Propagandabild auf den Straßen Bukarests im Jahr 1986

Eine Reise Ceauşescus nach China und Nordkorea im Jahre 1971 brachte ihn mit dem dort praktizierten Personenkult in Berührung. Davon angeregt begann er, diesen konsequent auf Rumänien zu übertragen.

Am 28. März 1974 übernahm er das Amt des rumänischen Staatspräsidenten. Da die hierzu nötige Verfassungsänderung jedoch „vergessen“ wurde, musste sie am 17. März 1975 nachgeholt und Ceauşescu erneut als Staatspräsident bestätigt werden. In seiner Amtszeit baute Ceauşescu eine stalinistische Diktatur mit einem starken Personenkult auf. Mit seinen zahlreichen offiziellen Titeln gab er sich nicht zufrieden.

So ließ er sich Conducător (dt. Führer) nennen. Dies war ein Titel, der auch schon unter der faschistischen Antonescu-Diktatur bestand. Darüber hinaus wurden ab Mitte der 1970er Jahre zahlreiche Lyrikbände herausgegeben, die Hofdichter, unter ihnen die heute noch aktiven ultranationalistischen Politiker Corneliu Vadim Tudor (PRM, Partidul România Mare, deutsch „Großrumänienpartei“) und Adrian Păunescu (PSD, Partidul Social Democrat, dt. Sozialdemokratische Partei), regelmäßig zu seinen Geburtstagen veröffentlichten[4]. Dort wurden Ceauşescu Titel wie Großer Kommandant, Titan der Titanen, glorreiche Eiche aus Scorniceşti oder Sohn der Sonne gegeben. Er besaß eine in Leder gebundene Ausgabe sämtlicher Reden Adolf Hitlers.[5]

So ließ er sich auch der Auserwählte oder unser irdischer Gott nennen. Heute noch am geläufigsten ist jedoch die Bezeichnung Genie der Karpaten. Mit einer alles überwachenden Geheimpolizei Securitate schaltete er seine Gegner und die politische Opposition wie den langjährigen Verteidigungsminister Generaloberst Ion Ioniţă aus. Die Hauptstadt Bukarest war mit einem System von Tunneln unterzogen, damit die Securitate jederzeit gegen Oppositionelle vorgehen konnte. Um keine möglichen Gegner oder Kritiker im näheren Umfeld zu haben, ließ er wichtige Ämter mit Familienmitgliedern besetzen. Er hatte Angst vor einem ähnlichen Fall wie die Flucht Pacepas 1978. Seine Paranoia ging sogar soweit, dass er die gleichen Kleidungsstücke nie zwei Mal anzog; bei seinen Arbeitsbesuchen in Fabriken oder auf dem Lande musste alles steril sein, so dass eine Hundertschaft von Geheimdienstbeamten alles keimfrei machen musste.

Seine Frau Elena erlangte erheblichen Einfluss in der Politik. Auch sie schloss sich seinem Personenkult an, indem sie sich vom Volk als „liebende Mutter der Nation“ feiern ließ, sich als „kühne Wissenschaftlerin und Forscherin, mit internationaler Anerkennung auf dem gesamten Erdball“ im Bereich der Chemie und Polymere (polimeri şi poliperi, ein geflügeltes Wort des Volkes) titulierte. Sogar Doktortitel und akademische Grade wurden für sie erfunden. Selbst beim Anblick der Soldaten des Erschießungskommandos fragte sie, ob diese nicht wüssten, dass sie auch deren „Mutter“ sei. In den letzten Jahren von Ceauşescus Herrschaft wurde sein jüngster Sohn Nicu Ceauşescu als „Thronfolger“ eingeweiht und politisch stark in das System eingebunden.

Niedergang des Ceauşescu-Regimes

Ceauşescu empfängt Hans-Dietrich Genscher (1979)
Ceauşescu 1988 auf Staatsbesuch bei Erich Honecker

1978 verließ Ion Mihai Pacepa, stellvertretender Leiter der Abteilung für Auslandsinformation – Geheimdienst/Spionage – (rum. Departamentul de Informaţii Externe) das Land und ersuchte in den USA um politisches Asyl. Der Geheimdienst wurde dadurch stark getroffen und jeder Versuch, diesen umzustrukturieren, um Pacepas Anhänger gänzlich zu entfernen, scheiterte. Pacepa enthüllte wichtige Informationen über die Zusammenarbeit des kommunistischen Regimes mit arabischen Terrororganisationen und Drogenbossen, intensive Wirtschaftsspionage, vor allem in den USA, und Pläne zur politischen Unterstützung des Regimes im westlichen Ausland. Dies führte dazu, dass Rumänien eine wichtige Handelsklausel mit den USA verlor. Nach der Flucht Pacepas wurde die politische Isolierung Rumäniens noch deutlicher spürbar, ebenso die Verschlechterung der Wirtschaft.

Als 1985 Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU wurde und umfangreiche Reformen einleitete, reagierte Ceauşescu mit Ablehnung.

Die rigorose Industrialisierung führte zum Niedergang der Wirtschaft und vor allem der Landwirtschaft: Die Arbeiter erhielten keine Löhne mehr, elektrischer Strom musste rationiert werden, und selbst die Lebensmittelversorgung brach zusammen. Um die Staatsschulden abzubauen, wurden Lebensmittel rücksichtslos für den Export bestimmt. Statt sich der Probleme anzunehmen, setzte Ceauşescu gigantische Bauvorhaben in Gang. Er beendete den unter Gheorghiu-Dej begonnenen Donau-Schwarzmeer-Kanal, dessen Ufer mit einem Mosaik, das sein Ebenbild darstellt, verziert war. Den Wiederaufbau Bukarests nach dem verheerenden Erdbeben von 1977 trieb er intensiv voran, vor allem, um den Parlamentspalast bauen zu lassen. Die Ansicht der Stadt Bukarest als „Klein-Paris“ des Balkans wurde dadurch nicht unerheblich gemindert. Besonders rücksichtslos war auch das so genannte „Dorfzerstörungsprogramm“, bei dem Dörfer zwangsweise zusammengelegt und in agroindustrielle Industrie-Komplexe umgewandelt werden sollten. Wären diese Pläne durchgeführt worden, wären circa 8.000 Dörfer zerstört worden. Der offizielle Name dieser Aktion lautete Systematisierung.

1988 wurde Ceauşescu zu seinem 70. Geburtstag demonstrativ von SED-Chef Erich Honecker mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet und damit für seine ablehnende Haltung zur sowjetischen Perestroika gewürdigt.

Im November 1989 reiste Ceauşescu nach Moskau. Hier wurde ihm seine Abdankung nahegelegt. Er lehnte ab und ignorierte konsequent die Zeichen der Zeit. Noch im selben Jahr erfolgte auch die Aberkennung des britischen Ritterordens (KBE ehrenhalber), mit dem er durch Königin Elisabeth II. 1978 gewürdigt worden war.

Zusammenbruch des Ceauşescu-Regimes

1989 waren viele rumänische Unternehmen bankrott. In der verarmten Bevölkerung machte sich zunehmend Unmut breit. Selbst die Staatspolizei und hohe Mitglieder der KP kritisierten zunehmend die Führung Ceauşescus. Besonderen Unmut erregte das oben erwähnte, umstrittene Dorfzerstörungsprogramm. Erst im Frühling 1990 wurde international bekannt, dass die kommunistische Führung überall im Land Kinderheime für die „Unwiederbringlichen“, also Behinderte und Kinder notleidender Eltern, eingerichtet hatte (siehe unter Cighid). Auf Grund der dort üblichen unmenschlichen Behandlung wurden sie auch als „Kinder-Gulags“ (nach ähnlichen sowjetischen Lagern, russisch: Gulag) bezeichnet.

Am 16. Dezember kam es zu einem größeren Aufstand im westrumänischen Timişoara, nachdem ein regimekritischer evangelisch-reformierter, ungarischer Pfarrer, László Tőkés, hatte verschleppt werden sollen. Mehrere Demonstranten wurden dabei getötet. Die Geheimpolizei Securitate setzte bei der Niederschlagung Hubschrauber ein und begann daraufhin mit einem regelrechten Terror gegen die Aufständischen und diejenigen Mitglieder der Armee, welche die Seite gewechselt hatten.

Sturz und Hinrichtung

Nach einer zweitägigen Reise in den Iran sprach Nicolae Ceauşescu am 21. Dezember 1989 im Zentrum von Bukarest zu einer Menge von 100.000 Menschen. Nachdem die Bevölkerung ihn zu Beginn noch bejubelt hatte, schwang die Stimmung während der Rede um, und Ceauşescu erblickte voller Fassungslosigkeit, wie er ausgebuht wurde und die Menge gegen ihn zu schreien begann; dies wurde im Fernsehen live übertragen, jedoch musste die Übertragung aus diesem Grund abgebrochen werden. Daraufhin eröffnete die Securitate das Feuer, aber das Militär unter Verteidigungsminister Vasile Milea weigerte sich, es ihnen gleichzutun. Einen Tag später versuchte Ceauşescu ein zweites Mal, die Massen zu beruhigen. Diese waren aber so aufgebracht, dass sie begannen, das Parteigebäude zu stürmen – das Diktatorenpaar selbst versuchte, mit einem Hubschrauber aus der Hauptstadt zu entkommen. An diesem Tag kam Milea unter lange Zeit ungeklärten Umständen ums Leben (eine Untersuchung von 2005 geht von einem misslungenen Versuch der Selbstverstümmlung aus). Die Armee vermutete eine Hinrichtung und stellte sich – vermutlich auch deswegen – gegen das Regime. Die Armee und die Securitate trugen in Bukarest offene Straßenkämpfe aus, und viele wurden im Schusswechsel getötet. Ceauşescu und seine Frau versuchten, in einem Schützenpanzerwagen außer Landes zu fliehen. Soldaten der rumänischen Armee nahmen sie jedoch bei Târgovişte nördlich von Bukarest fest. Da die Securitate sich weigerte, die Waffen niederzulegen, wurde Ceauşescu am 25. Dezember zusammen mit seiner Frau von einem eilig zusammengestellten Militärgericht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Die Durchführung dieses Verfahrens hatte Ceauşescu unmittelbar vor seiner Festnahme durch die Einsetzung des nationalen Ausnahmezustandes ermöglicht. Kurz vor 15 Uhr Ortszeit wurde Nicolae Ceauşescu gemeinsam mit seiner Frau Elena Ceauşescu von den Offizieren Ionel Boeru, Octavian Gheorghiu sowie Dorin Cârlan erschossen. Der Prozess wurde, mit Ausnahme des Moments der Hinrichtung, gefilmt und zusammen mit den Aufnahmen der Toten schnell landesweit und international mit der Begründung verbreitet, die Position der Einheiten der rumänischen Armee zu beeinflussen und so einen drohenden Bürgerkrieg abzuwenden. Tatsächlich traten die regulären Truppen in den folgenden Tagen einheitlich auf die Seite des Volkes über.

Im Ausland wurde der Fall Ceauşescus allgemein erleichtert aufgenommen. In der – sich in der Wende befindenden – DDR kam die GrußformelCiao-şescu“ in Mode.

Die beiden Leichen wurden mit dem Hubschrauber von Târgovişte nach Bukarest geflogen und am 30. Dezember 1989 unter größter Geheimhaltung und unter falschem Namen auf dem Bukarester Friedhof Ghencea begraben. Auch das Begräbnis wurde auf Film dokumentiert. Heute sind die beiden Gräber, die nicht zusammen liegen, ausfindig gemacht und können besucht werden.

Nach dem Sturz Ceauşescus übernahm die Front zur nationalen Rettung (FSN) unter dem Vorsitz von Ion Iliescu, einem politischen Ziehsohn des Conducător, die Führung in Rumänien. Später kam es immer öfter auch zu kritischen Untersuchungen der Ereignisse im Dezember 1989. Es gibt starke Anhaltspunkte dafür, dass der Unmut der Volksmassen von Securitate und Armee – mit Einverständnis der Sowjetunion – genutzt wurde, den verhassten Diktator durch einen Staatsstreich zu beseitigen.

Das Grab des von vielen heute wieder geschätzten Diktators ist immer wieder mit frischen Blumen dekoriert, die gerade ältere Bukarester niederlegen. Durch die hohe Arbeitslosigkeit und schlechte soziale Situation und auch des immer größer werdenden zeitlichen Abstandes zu dieser Zeit kommt es zu einer zunehmenden Verklärung der Zeit der Diktatur.

Einzelnachweise

  1. Kunze, S. 155
  2. so zit. in: Dennis Deletant, Romania under Communist Rule, Civic Academy Foundation: Bucharest, 1998, S.159
  3. Kunze, S. 171
  4. siehe z.B: Ceauşescu, Partei und Vaterland, Bukarest: Ion Creangă Verlag, 1982 (dt.); Ehrung des Präsidenten CEAUŞESCU, Bukarest: Kriterion Verlag, 1984 (dt.)
  5. Hans Vastag, Manfred Engelmann, György Mandics: Temeswar. Symbol der Freiheit. Wien 1992. ISBN 3-85002-311-7, S. 59

Literatur

  • Nicolae Ceausescu: Ausgewählte Schriften. Dietz-Verlag, Berlin 1977. 
  • Nicolae Ceausescu: Rumänien auf dem Weg des Sozialismus. Reden-Aufsätze-Interviews. Rombach & Co GmBH, Freiburg im Preisgau 1971. 
  • Heinz Werner: Draculescus Tod und Erbe. Wo blieben die Vampire. Dietz-Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-320-01684-9. 
  • Wolf Oschlies: Ceausescus Schatten verschwindet. Politische Geschichte Rumäniens 1988-1998. Böhlau, Köln 1998, ISBN 3-412-06698-2. 
  • Vasile Crisan: Jäger? Schlächter Ceausescu. Dieter Hoffmann, Mainz 1998, ISBN 3-87341-080-X. 
  • Heinz Siegert: Ceausescu. Management für ein modernes Rumänien. Bertelsmann, München, Gütersloh, Wien 1973, ISBN 3-570-06088-8. 
  • Kunze, Thomas: Nicolae Ceauşescu – Eine Biographie; Berlin: Ch. Links, 2000; ISBN 3-86153-211-5
  • Pacepa, Ion Mihai: Red Horizons: Chronicles of a Communist Spy Chief; 1986; ISBN 0-89526-570-2;
    Reprint: Red Horizons: The True Story of Nicolae and Elena Ceausescus' Crimes, Lifestyle, and Corruption; Regnery Publishing, 1990; ISBN 0-89526-746-2
  • Ursprung, Daniel: Herrschaftslegitimation in der rumänischen Geschichte. Repräsentation und Inszenierung von Herrschaft in der rumänischen Geschichte in der Vormoderne und bei Ceauşescu; Heidelberg, Kronstadt 2007; ISBN 978-3-929848-49-6
  • Cioroianu, Adrian: Ce Ceauşescu qui hante les Roumains. Le mythe, les représentations et le culte du dirigeant dans la Roumanie communiste; Bucarest 2004, 2nd édition 2005; ISBN 973-669-099-7
  • Gabanyi, Anneli Ute: The Ceauşescu cult. Propaganda and power policy in communist Romania; Bucharest 2000; ISBN 973-577-280-9
  • Olschewski, Malte: Der Conducator Nicolae Ceauşescu: Phänomen der Macht; Wien 1990; ISBN 3-8000-3370-4
  • Câmpeanu, Pavel: Ceauşescu: the countdown; Boulder, New York 2003 (=East European monographs, 626) ISBN 0-88033-524-6
  • Bois, Pierre du: Ceauşescu au pouvoir. Enquête sur une ascension; Genève 2004; ISBN 2-8257-0878-X
  • Deletant, Dennis: Ceauşescu and the securitate. Coercion and dissent in Romania, 1965-1989 London 1995; ISBN 1-85065-267-8
  • Fischer, Mary Ellen: Nicolae Ceauşescu. A study in political leadership Boulder, London 1989; ISBN 0-931477-83-2
  • Gilberg, Trond: Nationalism and Communism in Romania. The rise and fall of Ceauşescu’s personal dictatorship Boulder, San Francisco, Oxford 1990; ISBN 0-8133-7497-9

Siehe auch

Weblinks


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