Niedernhall


Niedernhall
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Niedernhall
Niedernhall
Deutschlandkarte, Position der Stadt Niedernhall hervorgehoben
49.2952777777789.6177777777778202
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Hohenlohekreis
Gemeindeverwal-
tungsverband:
„Mittleres Kochertal"
Höhe: 202 m ü. NN
Fläche: 17,71 km²
Einwohner:

3.945 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 223 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74676
Vorwahl: 07940
Kfz-Kennzeichen: KÜN
Gemeindeschlüssel: 08 1 26 060
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 30
74676 Niedernhall
Webpräsenz: www.niedernhall.de
Bürgermeister: Emil G. Kalmbach
Lage der Stadt Niedernhall im Hohenlohekreis
Landkreis Heilbronn Landkreis Schwäbisch Hall Main-Tauber-Kreis Neckar-Odenwald-Kreis Bretzfeld Dörzbach Forchtenberg Forchtenberg Ingelfingen Krautheim (Jagst) Künzelsau Kupferzell Mulfingen Neuenstein (Hohenlohe) Niedernhall Öhringen Pfedelbach Schöntal Waldenburg (Württemberg) Weißbach (Hohenlohe) ZweiflingenKarte
Über dieses Bild
Blick auf das Götzenhaus in Niedernhall

Niedernhall ist eine Stadt im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg (Deutschland).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Niedernhall liegt im Bereich der Hohenloher Ebene am Ufer des mittleren Kochers in 200 bis 400 Meter Höhe.

Die Altstadt Niedernhalls liegt an der Mündung eines von Südosten kommenden, im Oberlauf Forellenbach und gegen die Mündung zu Mühlbach genannten Nebengewässers in den Kocher auf dessen linker Seite, wo das Ufer zu einer ungefähr 300 m weiten Aue verbreitert ist. Der Altstadtgrundriss ist ein nur wenig verzogenes Quadrat von etwas über 200 m Seitenlänge, von dem eine Seite fast ans Ufer des hier kurzzeitig nach Süden ziehenden Flusses grenzt.

Im Tal gibt es jüngere Stadtbereiche, meist in Gestalt von Siedlungszeilen, die sich ins untere Mühlbachtal und längs des abwärtigen linken Kocherhangfusses ausstrecken bzw. den Fuß des rechten Talhanges säumen oder ihn halb ersteigen. Etwa einen Kilometer nördlich der Altstadt liegt auf breiter rechter Talebene ein größeres Industriegebiet an der Stadtgrenze zu Ingelfingen. Einen weiteren halben Kilometer nördlich davon liegt über dem Kochertal mit Aussicht über die Talebene der Sattelhof, nördliche Spitze des Stadtgebietes, das rechts des Tales nirgendwo wesentlich über die obere Hangkante hinausreicht.

Der überwiegende Teil der Stadtfläche liegt auf der Hochebene links über dem Kochertal zwischen den beiden südöstlichen Kocherzuflüssen Forellenbach und, weiter abwärts, Kupfer. Hier liegt, gleich oberhalb einer Straßensteige, die den Kamm zwischen Mühlbach- und unterem Kochertal erklettert, das größte und jüngste Neubaugebiet. Weiter südwestlich bzw. südlich von diesem liegen auf der Hochebene nur mehr die recht kleinen Siedlungsplätze Giebelhöfe und Hermersberg bzw. Waldzimmern. Der Süd- und Westrand des Stadtgebietes ist meist über einen Kilometer breit bewaldet.[2]

Stadtgliederung

Niedernhall besteht aus Niedernhall selbst, den Weilern Giebelhöfe und Hermersberg sowie den Wohnplätzen Sattelhof und Waldzimmern.[3]

Geschichte

Niedernhall verdankt seinen Namen einer Salzquelle. 1037 wurde der Ort als hala inferiori im Öhringer Stiftungsbrief erstmals urkundlich erwähnt. Darin vermachte Bischof Gebhard III. von Regensburg u. a. Güter in Niedernhall an das Stift Öhringen. Im späten 11. Jahrhundert waren die Herren von Stein in Niedernhall begütert. Nach ihrem Aussterben kam ihr Besitz teilweise an das Kloster Comburg, an die Herren von Belsenberg, von Nagelsberg und von Neuenstein sowie die Herren von Dürn. Die Dürner Güter und Rechte in Niedernhall kamen im späten 13. Jahrhundert an das Kloster Schöntal, das außerdem auch von Herren von Neudenau, Flügelau und Bachenstein weitere Güter und Rechte im Ort erwarb. Gleichzeitig mit dem wachsenden Besitz des Klosters Schöntal verstärkte sich auch der Einfluss des Hauses Hohenlohe am Ort, da die Herren von Hohenlohe Vögte des Öhringer Stifts waren und sie damit auch Verwaltungsanspruch in Niedernhall hatten. Die hohenloheschen Ämter Forchtenberg und Ingelfingen schlossen die Niedernhaller Markung mit ein. 1317 ist auch erstmals Besitz der Hohenloher in Niedernhall belegt. 1323 war Hohenlohe im Alleinbesitz von zuvor durch eine Erbengemeinschaft verschiedener Adelsfamilien verwalteter Niedernhaller Güter. Aufgrund des wachsenden Besitzes der Hohenloher veräußerte das Kloster Schöntal 1326 den größten Teil seines Besitzes am Ort an den Erzbischof von Mainz, Matthias von Buchegg. Kaiser Karl IV. machte Niedernhall 1356 zur Stadt mit Frankfurter Recht. Die Rechte und Pflichten am Ort wurden in etwa zu zwei Dritteln an das Erzbistum Mainz und zu einem Drittel an Hohenlohe vergeben. Die heute noch bestehende Stadtmauer wurde 1362/63 von Hohenlohe und Mainz gemeinsam unter Einhaltung des Proporzes errichtet. Aufgrund der zwei Herrschaften gab es auch zwei Schultheißen, was insbesondere nach der Glaubensspaltung zur Zeit der Reformation zu häufigen Unstimmigkeiten führte und jeden wirtschaftlichen Aufschwung verhinderte. 1799 erwarb die Linie Hohenlohe-Ingelfingen den mainzischen Anteil der Stadt, wodurch es jedoch noch zu keiner einheitlichen Verwaltung kam, da der alte hohenlohesche Besitz bei der Linie Hohenlohe-Öhringen lag.

Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses kam Niedernhall wie die meisten hohenlohischen Gebiete zum Königreich Württemberg. Der Ort wurde selbstständige Gemeinde und zunächst dem Oberamt Neuenstein unterstellt, 1810 dem Oberamt Schöntal und 1811 dem Oberamt Künzelsau. Die Stadt hatte im Jahr 1812 1562 Einwohner.[4]

Salzgewinnung

Die Saline in Niedernhall wurde bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrieben. Aufgrund der nachlassenden Qualität der Sole und des Preisdruckes des württembergischen Steinsalzes musste die Saline geschlossen werden. U.a. war Carl Christian Friedrich Glenck Leiter der Saline.

Politik

Rathaus

Bürgermeister

Bei der Bürgermeisterwahl am 5. April 2009 wurde Emil Kalmbach (parteilos) mit 92,4 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 53,17 Prozent gegen seinen Mitbewerber Jürgen Wartha (parteilos) für eine dritte Amtszeit bestätigt. [5]

Liste der Schultheißen/Bürgermeister

Da Niedernhall über Jahrhunderte mehrere Landesherren hatte, Kurmainz und Hohenlohe, gab es zumeist auch mehrere Schultheißen.

Mainzer Schultheißen
Amtszeit von bis Bemerkung
Christoph Bezold 1559 1576
Paulus Holtzschuher 1576 1601
Elias Knapp 1601 1609
Veit Gerich 1609 1618
Elias Bayer 1618 1632 abgesetzt, da Hohenlohe Alleinherr
Württembergische Ortsvorsteher nach 1809
Amtszeit von bis Bemerkung
Leonhard Friedrisch Stolzenberg 1809 1830
Braun 1831 1853
Friedrich Schmidt 1853 1889
Foß 1889 1905
Richard Hohrein, Schramberg 1906 1922 erst in zweiter Wahl bestätigt, da bei erster Wahl zu viel „Freiwein“ geflossen sein soll
Ernst Lutz, Waldbach bein Weinsberg 1922 1928
Hans Schon, Oberndorf/Neckar 1929 1945 seit 1939 zum Kriegsdienst einberufen und vertreten durch Schmezer
Bürgermeister nach 1945
Amtszeit von bis Bemerkung
Brändlein 1945 1946 von der Besatzung ernannt
Friedrich Fahrbach 1946 1948 vom Gemeinderat gewählt
Kaiser 1948 1951
Wilheilm Balbach 1951 1993
Emil G. Kalmbach 1993 dato

Gemeinderat

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab folgende Sitzverteilung:

BWV 35,7 % + 1,6 5 Sitze ± 0
FWV 31,8 % + 5,1 5 Sitze + 1
SPD 20,7 % - 0,3 3 Sitze ± 0
CDU/UBL 11,8 % - 6,4 1 Sitz - 1

Wappen und Flagge

Die Blasonierung des Niedernhaller Wappens lautet: In Gold der heilige Laurentius in silbernem Unter-, rotem Obergewand und roten Schuhen, mit der Rechten einen schwarzen Rost haltend, in der Linken ein silbernes Buch tragend. Die Stadtflagge ist Rot-Weiß.

Der heilige Laurentius ist Kirchenpatron Niedernhalls und schon im ältesten Siegel der Stadt aus dem 15. Jahrhundert zu sehen. Die jetzige Tingierung setzte sich durch, nachdem noch 1931 das Obergewand des heiligen Laurentius blau dargestellt wurde. Die Flagge wurde der Stadt am 19. August 1980 vom Landratsamt des Hohenlohekreises verliehen.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur

Niedernhall ist ein Weinbauort, dessen Lagen zur Großlage Kocherberg im Bereich Kocher-Jagst-Tauber liegen.

Ansässige Unternehmen

  • PVS-Kunststofftechnik, Hersteller mit Niederlassungen in Ungarn und den USA
  • Würth Elektronik, ein Tochterunternehmen der Würth-Gruppe mit Schwerpunkt auf der Herstellung von Leiterplatten aller Art
  • BTI Befestigungstechnik GmbH Ingelfingen in Niedernhall, Großhandel für Befestigungstechnik

Bildungseinrichtungen

Das Salztor

Das Bildungszentrum Niedernhall umfasst eine Grund-, Haupt- und Realschule mit insgesamt etwa 610 Schüler(inne)n.

Freizeit- und Sportanlagen

  • Freibad
  • Solebad
  • Tennisplätze
  • Sportplatz
  • Sporthalle

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Niedernhalls historischer Stadtkern steht seit 1983 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Neben der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert mit Wehrgang, Türmen und dem letzten verbliebenen Stadttor Salztor sind die Laurentiuskirche aus dem 13. Jahrhundert, das Rathaus, eine historische Kelter und das Götzenhaus bedeutende Baudenkmale der Stadt. Das Jagdschloss Hermersberg wurde 1540 auf der Höhe südlich von Niedernhall errichtet.

Museen

Im Rathaus ist auch das Heimatmuseum untergebracht.

Persönlichkeiten

Reinhold Würth, Unternehmer, hat seinen Wohnsitz auf dem Schloss Hermersberg.[7]

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)
  2. Topographische Karte 1:25.000 Baden-Württemberg Nord, als Einzelblatt Nr. 6623 und 6723.
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 221–222
  4. Karl und Marianne Schumm: Hohenlohische Dorfordnungen. Kohlhammer, Stuttgart 1985, ISBN 3-17-008404-6, S. 705 (Württembergische ländliche Rechtsquellen. Band 4) (Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe A, Quellen. Band 37)
  5. Staatsanzeiger Nr. 13 vom 9. April 2009, Seite 11
  6. Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 106
  7. sueddeutsche.de: „Würths Welt“ (gesehen am 5. Januar 2009)

Literatur

  • Festschrift zur 600-Jahr-Feier der Stadt Niedernhall. Stadt Niedernhall, Niedernhall 1956

Weblinks


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