Niederroßla


Niederroßla
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Niederroßla
Niederroßla
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Niederroßla hervorgehoben
51.03333333333311.483333333333175
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Weimarer Land
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Ilmtal-Weinstraße
Höhe: 175 m ü. NN
Fläche: 5,84 km²
Einwohner:

1.125 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 193 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99510
Vorwahlen: 0 36 44
Kfz-Kennzeichen: AP
Gemeindeschlüssel: 16 0 71 063
Gemeindegliederung: einer der 10 Orte der Verwaltungsgemeinschaft Ilmtal-Weinstraße
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Buttstädter Str. 8
99510 Niederroßla
Bürgermeister: Andreas Trübner
Lage der Gemeinde Niederroßla im Landkreis Weimarer Land
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Niederroßla ist eine Gemeinde an der Ilm im Landkreis Weimarer Land (Thüringen) und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Ilmtal-Weinstraße. Niederroßla wird im Volksmund auch „Kitzelbach“ genannt. Bekannt ist Niederroßla für sein Elefantenfest.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ersten Fundstücke aus Niederroßla und seiner Flur stammen schon aus der mittleren Steinzeit, später aus der Bronzezeit und Eisenzeit. Seit dem 1. Jahrhundert ist Besiedlung durch Hermunduren nachweisbar. Auf deren Kultstätten verweisen Orte wie Thorleite, Heilige Weiden und Radland (herabrollende brennende Räder zur Sonnwendfeier). Aus späterer Zeit stammen Slawen-Gräber.

Man geht davon aus, dass Niederroßla erstmals in einer Urkunde des Kaisers Otto III. (HRR) vom 15. September 996 erwähnt wird. Otto III. (HRR) schenkte dem zu gründenden Kloster St. Killians Zelle in Würzburg den Ort Roßla mit allem Zubehör. Offen allerdings bleibt, ob unter dem erwähnten Iocum Roßla Niederroßla an der Ilm oder Roßla bei Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) gemeint ist.

Wasserburg

Im frühen Mittelalter gab es noch keine Unterscheidung zwischen Nieder- und Oberroßla. Diese vollzog sich erst im 12. Jahrhundert. Vermutlich zur gleichen Zeit wurde in Niederroßla eine Wasserburg errichtet. Ein edelfreier Dietmar von Roßla wurde erstmals in einer Urkunde von 1119 erwähnt. Er entstammte dem fränkischen Adelsgeschlecht der Reginbodonen und darf wohl als Erbauer der Wasserburg betrachtet werden.

Nach den Edelfreien nannte sich eine Niederadelsfamilie von Roßla. Nach dem Aussterben dieses letztmalig 1371 urkundlich erwähnten Rittergeschlechtes ging die Burg in den Besitz der von Vitzthum über, welche sie bis 1447 besaßen. Apel von Vitzthum wurde als Raubritter der „Brandmeister von Thüringen“. Er wird mitverantwortlich gemacht für den Ausbruch des Sächsischen Bruderkrieges von 1446 bis 1451. Die Vitzthums verloren die Burg.

Bis zum Jahre 1482 besaß Wilhelm III. (der Tapfere) die Burg und errichtete hier ein Rechnungs- und Justizamt. Da er kinderlos blieb, ging die Burg in den Besitz des Geschlechts Altenburg über. Als 1672 das Geschlecht Sachsen-Altenburg ebenfalls ausstarb, kam Niederroßla zum Herzogtum Sachsen-Weimar. Im Jahr 1738/39 ließ der Weimarer Herzog Ernst August I. auf dem Boden der Vorburg ein barockes Jagdschloss bauen. Es hatte einen trapezförmigen Grundriss, zwei Ecktürme und war zum Park hin offen. 1779 bis 1789 hat sich Goethe mehrmals im Schloss aufgehalten. Er soll auch Kastanienbäume im Park gepflanzt haben. Die Burg war Justiz- und Rechnungsamt.

Daneben entwickelte sich ein beachtliches landwirtschaftliches Gut: ab 1874 Weimarisches Kammergut, von 1920 bis 1945 staatliche Domäne. Im Frühjahr 1945 wurde das Schloss bei einem Bombenangriff beschädigt. Nach Kriegsende wurde es als Bürgermeisteramt und für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Die US-amerikanische Besatzung ab April 1945 wurde Anfang Juli durch die Rote Armee abgelöst. 1947 erfolgte auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration (Befehl 209) der Abbruch des Schlosses und der Gesindewohnungen. Mit dem Bauschutt verfüllte man den Wassergraben um das ehemalige Schloss. Durch Einsatz von Bürgern und Gemeinde konnte jedoch die Kernburg vor einem Abriss bewahrt werden. Es setzte allerdings ein Verfall der Burg ein. 1956 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt, 1966 begannen Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Die Burg wurde zum Kulturzentrum umgestaltet. 1991 bis 1996 waren Schwerpunkte die Gestaltung der Außenanlage und der Erhalt der Fachwerkreste. Am 1. April 2008 brach die Giebelseite des Ostflügels ein. Die Ursache dafür ist strittig. Nach ersten Sicherungsmaßnahmen erfolgte der Wiederaufbau, dessen Grundstein am 23. April 2009 durch den Bürgermeister gelegt wurde. Ins Mauerwerk eingelassen wurde eine Kunststoffröhre mit Münzen, einem Faltblatt zur Wasserburg, dem Spendenaufruf, einer aktuellen Zeitung und eine Festschrift.[2]

Ein Schaukasten vor der kleinen Burg mit ihrem 57 m hohen Bergfried mit spitzem Turmhelm erzählt – gut bebildert – die Geschichte von Burg und beseitigtem Schloss. Die ehemalige Wasserburg mit ihrem weithin sichtbaren Turm ist das Wahrzeichen von Niederroßla. Mit der angegebenen Höhe ist er somit der höchste Bergfried Deutschlands. Die soliden Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Kammerguts – teilweise mit Fachwerk – sind gut erhalten.

Seit 1995 ist ein großes neues Wohngebiet in Niederroßla entstanden.

Bürgermeister seit 1822

  • 1822-1835: Wilhelm Schlömlich
  • 1835-1861: Bernhard Kaiser
  • 1862-1887: August Preller
  • 1888-1897: Karl Heidelmann
  • 1897-1908: Karl Meißelbach
  • 1908-1919: Otto Zahn
  • 1919-1922: August Meißner
  • 1922-1934: Karl Schlömilch
  • 1934-1945: Arno Thiel
  • 1945: Bruno Kalkhoff
  • 1945-1947: Arthur Zeunert
  • 1947-1951: August Vent
  • 1951-1954: Conrad Weise
  • 1954-1959: Arno Berger
  • 1959-1963: Helmut Prenzel
  • 1964-1970: Hilde Mai
  • 1970-1974: Hans Meuschke
  • 1974-1982: Karl Taudte
  • 1982-1984: Klaus Horn
  • 1984-1985: Hubert Lindner
  • 1985-1994: Peter Dubberke
  • 1994-2010 Hans-Jürgen Dietsch
  • ab 2010 Andreas Trübner

Politik

Gemeindepartnerschaften

Eine Partnerschaft mit Weisenheim am Sand (Rheinland-Pfalz) besteht seit dem 20. April 1991.

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 12 Sitze und setzt sich seit den Kommunalwahlen 2009 wie folgt zusammen:

  • Freie Wähler Niederroßla (FWN): 7 Sitze
  • CDU: 3 Sitze
  • FDP - Freie Bürger: 2 Sitze

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Elefantenfest

Plakat der Wandermenagerie
Evangelische Dorfkirche

In Niederroßla findet alle 25 Jahre ein Elefantenfest statt, das auf eine kuriose und aufsehenerregende Begebenheit im Jahre 1857 mit einem Elefanten zurückgeht (siehe Miss Baba). Bisher fanden in den Jahren 1907, 1932, 1957, 1982 und 2007 Elefantenfeste statt. Das nächste Fest ist für 2032 geplant.

Bauwerke

  • Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert; auf dem davorliegenden Platz befand sich das 1947 abgerissene Barock-Schloss.
  • Barocke Dorfkirche aus dem Jahr 1670 mit Orgel (1730 von Heinrich Nicolaus Trebs nach Entwurf von Johann Gottfried Walther erbaut)
  • Dorfplatz als Mittelpunkt des Ortes
  • Wasserturm von 1913; von hier aus hat man einen guten Blick auf den Ort.

Vereine

Die wichtigsten im Ort aktiven Vereine sind:

  • Burg- und Heimatverein Niederroßla e. V., seit 2004
  • Volkschor Niederroßla, seit 1946 (hervorgegangen aus Freien Sängern und Gesangsverein Männerchor)
  • SV Blau-Weiß Niederroßla, mit Sportplatz und Sportlerheim
  • Freiwillige Feuerwehr Niederroßla
  • Niederroßlaer Carnevals Club (NCC)
  • Vocalkreis Niederroßla, seit 1986 (Kirchenmusikalisches Ensemble)

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Sonstige Persönlichkeiten

  • Karl Dobermann (1834–1894), Hundezüchter und Hundesteuereintreiber im Amt Niederroßla

Literatur

  • Thomas Bienert: "Ein Bau von Herzog Ernst August in Niederroßla" in "Das Schicksal geschundener und ausgelöschter Adelssitze" (in Thüringen). Thüringer Allgemeine, TA Extra, 2006

Einzelnachweise

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung nach Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (Hilfe dazu)
  2. Niederroßla: Grundsteinlegung an der Wasserburg. Thüringische Landeszeitung, 24. April 2009

Weblinks

 Commons: Niederroßla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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