Niederschöna


Niederschöna
Niederschöna
Gemeinde Halsbrücke
Ortssiegel
Koordinaten: 50° 58′ N, 13° 25′ O50.962513.422222222222348Koordinaten: 50° 57′ 45″ N, 13° 25′ 20″ O
Höhe: 348 m ü. NN
Einwohner: 2.073 (30. Apr. 2005)
Eingemeindung: 1. Jan. 2006
Postleitzahl: 09600
Vorwahl: 035209

Niederschöna ist ein Ortsteil der Gemeinde Halsbrücke im Landkreis Mittelsachsen.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Verkehr

Der Ort liegt am Rande des Tharandter Waldes im Tal des Rodelandbaches, einem rechtsseitigem Nebenfluss der Bobritzsch. Durch den Ort führt die Bundesstraße 173 von Freiberg nach Dresden. Zudem ist der Ortsteil an das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs angeschlossen.

Ortskern
Niederschöna mit Sicht auf Falkenberg, Conradsdorf und die "Hohe Esse Halsbrücke"
Niederschöna, Blick von der ehemaligen Bahnstrecke
Niederschöna (aus Sachsens Kirchengalerie 1838)
Sühnekreuz, Niederschöna
Sandsteinbruch am Forsthaus in Niederschöna
Tafel am ehemaligen Sandsteinbruch
Niederschöna, von der Oberen Dorfstraße in den Tharandter Wald

Geschichte

In den Jahren 1228–1230 wird Niederschöna (1364 Schonaw, 1427 Neder Schona, 1691 Niederschöna) als landesherrliches Dorf, verlehnt an die Familie von Mergenthal, erstmalig erwähnt. Der Ortsname leitet sich von der niederen schönen Aue ab. Um 1350 als Allodium Schonaw erwähnt, gehörte das Waldhufendorf 1378 zum castrum Tharandt. Landesherrliche Verwaltungsbezirke des Dorfes waren danach 1696 das Erbamt Meißen, 1843 das Amt Freiberg, 1856 das Gerichtsamt Freiberg und nach Trennung von Justiz und Verwaltung 1875 die Amtshauptmannschaft Freiberg. Die Grundherrschaft lag zwischen 1551 und 1764 beim Rittergut Krummenhennersdorf.

Das Erbgericht Niederschöna wird 1447 erwähnt, als der Freiberger Rat sich gegen das seiner Meinung nach unberechtigtes Brauen und Mälzen der Niederschönaer Erbrichter wandte. Das Erbgericht befand sich in des Dorfes Mitte, war zugleich ein starker Gasthof und besaß auch einen kleinen Steinbruch. Durch den Hof des Erbgerichts führte die Chaussee, ein bis ins 19. Jh. von Freiberg nach Dresden auf der Spur eines älteren Hufenweges folgender Fahrweg[1], der auch als Poststraße diente.

Die zur Grundschule umgebaute ehemalige Mittelschule wurde am 7. August 2009 eingeweiht. Das Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1888. Die alte Schule, 1819 errichtet (heute Wohnhaus), mit der Kirche und dem Pfarrgehöft, stellen ein wirkungsvolles Bauensemble dar.

Das Herrenhaus (Wiesenweg 7) des früheren Freigutes Niederschöna, welches 1910 umgebaut und 1946 in ein Kurheim für Tbk-Kranke umfunktioniert wurde, ist etwa ab Ende der 1960er Jahre als Pflegeheim für ältere Bürger genutzt worden. Gegenwärtig sind nur noch die Anbauten des einst stattlichen Herrenhauses vorhanden.

In der Nähe der Kirche, am alten Friedhof unmittelbar vor der Pfarrhofscheune befindet sich ein Sandsteinkreuz mit eingeritztem Schwert. Es handelt sich hierbei um ein Steinkreuz, welches den Sühne- oder Mordkreuzen zugeordnet ist und als das ältestes Zeugnis vor der Ortsgründung gilt. Ein weiteres Steinkreuz, das ebenfalls zu den Sühnekreuzen zählt, befindet sich in einem Privatgrundstück auf dem "Krähenhübel" nördlich des ehemaligen Sandsteinbruchs. Dieses Steinkreuz ist wie ein Malteserkreuzes geformt und hat keine Einritzung. Es wurde auf einem Feldrain gefunden und soll früher auf einem Grab eines 1813 von Franzosen erschossenen Fleischermeister gestanden haben.

An einem Wirtschaftsweg der Agrargenossenschaft neben der "Schumann-Linde" erinnert ein 1913 errichtetes Fliegerdenkmal an den Absturz am 21. September 1912 eines Militärflugzeuges vom Typ Albatros-Farman-Doppeldecker, wobei die beiden Offiziere den Tod fanden.

Seit Ortsgründung wird das Dorf durch die Landwirtschaft geprägt. Die Bauernhöfe und Häuser in Fachwerkbauweise zeugen aus vergangenen Zeiten.

Neben der Landwirtschaft war der Bergbau in früherer Zeit eine bedeutende Erwerbsquelle. Die 1704 entstandene Grube König-August-Erbstolln war das bedeutendste Bergbauunternehmen Niederschönas. Ein Höhepunkt im Bestehen dieser Grube war der Besuch des russischen Zaren Peter I. 1711. Der Grubenbetrieb wurde 1715 wegen Unbauwürdigkeit der Erzgänge auf der Falkenberger Talseite weiter betrieben.

In Niederschöna arbeiteten einst zwei Mühlen. Die "Obermühle" etwa bis 1890 und die "Niedere Mühle" bis ca. 1975.

Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) "Otto Buchwitz" Niederschöna wurde 1952 gegründet, heute Agrargenossenschaft Niederschöna e.G. mit den Bereichen Pflanzenproduktion, Tierprodoktion und der im Dezember 2002 in Betrieb genommenen Biogasanlage. Die Biogasanlage erzeugt 330 KW elektrische Leistung und hat einen Gasspeicher von 900 m³. Einsatzstoffe sind Gülle und Silomais[2].

Zwischen 1923 und 1971 besaß der Ort einen Haltepunkt an der Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Oberdittmannsdorf. An die Kleinbahnlinie, heute Wander- und Radweg, erinnern Wasserhaus und Wasserkran.

Die im November 2011 fertiggestellte OPAL-Pipeline verläuft planmäßig von der Anlandung bei Lubmin bis nach Olbernhau im Erzgebirge. Im Abschnittsbereich Niederschöna befand sich 2009/2010 das Rohrlager. Hier war auch eine Biegemaschine im Einsatz, mit der die Rohrstücke dem hügeligen Gelände angepasst wurden.

Kirche Niederschöna

Das genaue Alter der Sankt-Annen-Kirche ist nicht bekannt. Ein Ritter, der im dritten Kreuzzug mit Kaiser Rotbart (Friedrich I. Barbarossa) ritt, soll angeblich ein Gelübde für glückliche Heimkehr mit der Erbauung der Kirche eingelöst haben[3]. Da die erste urkundliche Erwähnung Niederschönas später erfolgte, kann diese Gründungsgeschichte wohl nur zu den Legenden zählen.
Die heutige barocke Gestalt der Kirche mit Dachreiter und flachgedecktem Rechtecksaal mit doppelten Emporen entspricht dem Umbau von 1716. Zur älteren Bausubstanz, um 1600 datiert, gehören die gefasten Rundbogentürgewände im Chorbereich. Der Kanzelaltar gehört vielleicht noch ins 18. Jahrhundert. Der große Taufstein zeigt eine spätgotische Ornamentik. Die hervorragende Ausstattung der Kirche ist die einmanualige Orgel des sächsischen Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann aus dem Jahre 1716.
Von 2000 bis 2007 wurde die Kirche saniert.

Niederschönaer Sandstein

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Einwohner Niederschönaus war der Abbau von Sandstein in mehreren Steinbrüchen auf dem Gemeindegebiet und im Tharandter Wald. Aus dem Niederschönaer Sandstein wurden viele Architekturteile für Gebäude im Raum Freiberg hergestellt. Die Freiberger Postmeilensäule besteht ebenfalls aus diesem Gestein. 1915 wurde der Betrieb eingestellt.
Von den zahlreichen ehemaligen Sandsteinbrüchen in und bei Niederschöna ist der am Forsthaus gelegene am besten erhalten. Die Funde prähistorischer Pflanzen in den Tonsteinlagen der nach dieser Typlokalität benannten Niederschönaer Schichten (modern Niederschöna-Formation) sind durch Hanns Bruno Geinitz in die Geologiegeschichte eingegangenen und haben auf geowissenschaftlichem Gebiet internationale Beachtung erlangt. Hier liegen Sandstein, Tonstein sowie Schluffstein und an der Schichtenbasis paläogeographische Flußschotter in Wechsellagerung übereinander. Die Schotter sind Relikte eines prähistorischen Flusslaufes. Einzelne Sandsteinschichten dieser Sedimentabfolge wurden von Häntzschel (1934) als Dünensandstein erklärt. Obere Schichten sind jedoch schon marinen Ursprungs (Glaukonitgehalte, Kriechspuren von Lebewesen), weisen ein marines Basalkonglomerat auf und in den darüber liegenden Schichten der Oberhäslich-Formation sowie der Dölzschen-Formation befindet sich kompakter Sandstein als Meeresablagerung. Es wird auf Grund dieser Merkmale eine spätere Flussmündung angenommen, die sich bis zur küstennahen Flachmeerzone entwickelte. Schwankendes Vordringen des Meeres und eben solches Zurückweichen im Zusammenspiel mit einem prähistorischen welligen Gelände hinterließen einen komplizierten Schichtenaufbau in der Sedimentabfolge zwischen Grillenburg und Niederschöna. Für das Verständnis paläogeographischer Zusammenhänge kreidezeitlicher Ablagerungen im Raum Dresden sind diese geologischen Aufschlüsse und spätere Forschungsbohrungen innerhalb der Wissenschaftsgeschichte Sachsens von herausgehobener Bedeutung.[4][5]

Entwicklung der Einwohnerzahl

1551: 52 besessene Mann und 109 Inwohner

1764: 35 besessene Mann, 23 Gärtner, 22 Häusler auf 31 Hufen je 16-18 Scheffel[6].

Stand jeweils 31. Dezember :

1834 bis 1946

  • 1834 : 818
  • 1871 : 1027
  • 1890 : 999
  • 1910 : 953
  • 1925 : 926
  • 1939 : 879
  • 1946 : 1167

1950 bis 2004

  • 1950 : 1525
  • 1964 : 1367
  • 1990 : 1140
  • 1998 : 2103
  • 2000 : 2105
  • 2002 : 2137
  • 2004 : 2073

1950 wurde Oberschaar mit Haida nach Niederschöna eingemeindet. Ab 25.07.1952 gehörte die Gemeinde zum Kreis Freiberg. 1994 erfolgte der Zusammenschluss mit Hetzdorf zu Landgemeinde Niederschöna im Landkreis Freiberg. Zum 1. Januar 2006 erfolgte die Eingemeindung nach Halsbrücke[7], weil die Gemeinde mit 8,2 Millionen Euro verschuldet und nicht mehr handlungsfähig war.

Literatur

  • Niederschöna. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 7. Band, Zwickau 1820, S. 321.
  • Gerhard Platz: Goldene Tage, Bilder aus der Freiberger Bergbaugegend. Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Band XXII, Heft 10/12, 1933.
  • Freiberger Land. 1. Auflage. Akademie-Verlag Berlin, Berlin 1988 (Werte unserer Heimat. Band 47).
  • Christine Zimmermann: Niederschöna - Geschichte(n) zwischen Tharandter Wald und Bobritzschtal, Hrsg. Gemeinde Halsbrücke, 1. Auflage 2009.
  • Richard Steche: Niederschöna. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C. C. Meinhold, Dresden 1884, S. 112.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Niederschöna. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 7. Band, Zwickau 1820, S. 321.
  2. Vgl. Agrargenossenschaft Niederschöna (darin auch die Biogasanlage)
  3. Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Band XXII, Heft 10/12, 1933, Seite 328
  4. W. Pälchen (Hrsg.)/ H. Walter (Hrsg.): Geologie von Sachsen. Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. Stuttgart 2008. S. 317-319 ISBN 978-3-510-65239-6
  5. Frank Haubrich, Mareike Eberlein:Der Tharandter Wald als Sinnbild der Geologie von Sachsen. Exkursionsführer zur Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft. 2007
  6. Vgl. Niederschöna im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006

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