Nisibis


Nisibis
Nisibis (Türkei)
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Nisibis’ Lage in der Türkei

Nisibis (Akkadisch Naṣībīna, im Hellenismus zeitweilig Antiochia in Mygdonien[1], syrisch-aramäisch ܨܘܒܐ, Ṣōbā, armenisch Medzpine[2],, moderner Name Nusaybin (zur modernen Geschichte siehe dort), ist eine antike Stadt im oberen Mesopotamien im heutigen Bezirk Nusaybin der türkischen Provinz Mardin an der türkisch-syrischen Grenze.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ruinen der Sankt Jakobskirche in Nusaybin

Die Stadt Nisibis ist seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. belegt. 901 v. Chr. zog der assyrische König Adad-nirari II. gegen den Temaniten Nūr-Adad von Nisibis zu Felde. Ab der Mitte des 9. Jahrhunderts v. Chr. bis 612 v. Chr. ist sie als assyrische Provinzhauptstadt belegt. Die Mygdonier leben nach Strabon[3] in der Gegend von Nisibis. Nach Strabon lag Nisibis zu Füßen des Mons Masius.

Unter den Seleukiden trug Nisibis den Namen Antiochia in Mygdonia, der aber wieder aus Gebrauch kam, als die Stadt ab 141 v. Chr. zuerst Teil des unter parthischer Oberherrschaft stehenden Königreichs Adiabene wurde, dann zu Armenien kam. Ab etwa 36/38 n. Chr. gehörte Nisibis zum Partherreich.

Die Stadt gelangte im Partherkrieg des Septimius Severus Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. unter römische Herrschaft und war in der Spätantike aufgrund ihrer günstigen Lage und wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung zwischen Rom und dem Sassanidenreich heftig umkämpft. Die Stadt wechselte wiederholt den Besitzer. 298 wurden im Frieden von Nisibis wichtige Teile Nordmesopotamiens römisch, darunter auch Nisibis, und die Stadt wurde als einer von drei Orten bestimmt, in denen der Handel zwischen den beiden Großmächten stattfinden sollte. Der Perserkönig Schapur II. belagerte die Stadt im vierten Jahrhundert dreimal vergeblich (338, 346 und 350), doch nach dem gescheiterten Persienfeldzug des Kaisers Julian musste dessen Nachfolger Jovian Nisibis in dem darauffolgenden Friedensvertrag von 363 den Sassaniden überlassen. Die meisten römischen Einwohner mussten die Stadt verlassen, darunter auch der Kirchenlehrer Ephräm der Syrer, und wurden durch persische Familien ersetzt, die in Nisibis angesiedelt wurden; diese Schmach blieb in Rom sehr lange unvergessen. Noch über 120 Jahre später sollten die Oströmer die Rückgabe des Ortes verlangen, und im 6. Jahrhundert versuchten kaiserliche Truppen mindestens zweimal (543 und 572) vergeblich, Nisibis zu erobern. Der Ort lag sehr nah am römischen Territorium, stellte eine der stärksten, größten und wichtigsten persischen Festungen dar und beherbergte eine mehrere tausend Mann starke Besatzung. Um der Bedrohung, die von Nisibis ausging, begegnen zu können, bauten die Oströmer im 6. Jahrhundert den unweit der Stadt auf der anderen Seite der Grenze gelegenen Ort Dara-Anastasiupolis zur Gegenfestung aus und stationierten dort ebenfalls starke Truppen. Durch den Friedensvertrag von 591 gelangte Nisibis dann wieder unter römische Kontrolle und war zur Zeit Chosraus II. erneut schwer umkämpft.

Nisibis war bereits im frühen 5. Jahrhundert Sitz eines Metropoliten; dieser wurde wenig später nestorianisch. Nestorianische Christen und andere im Imperium Romanum verfolgte religiöse Minderheiten siedelten sich in großer Zahl in Nisibis an. Die Stadt war damit auch ein sehr wichtiges religiöses und – seit dem Umzug der berühmten Schule von Edessa nach Nisibis im Jahr 489 (siehe Schule von Nisibis) – akademisches Zentrum. Sie wurde wohl 639/640 im Zuge der islamischen Expansion durch die Araber erobert und in der Folgezeit, von einigen kurzen Episoden abgesehen, von Moslems kontrolliert.

Vermutlich war Nisibis einer der Orte, an denen das Wissen der griechisch-römischen Antike besonders intensiv an die arabischen Eroberer weitergegeben wurde. Seit einem schweren Erdbeben im Jahr 717 verlor die Stadt, die bereits unter dem Wegfall des Grenzhandels zwischen Römern und Persern gelitten hatte, stark an Bedeutung. Ab 1515 beherrschten die Osmanen die Stadt (siehe Nusaybin).

Söhne und Töchter der Stadt

Einzelnachweise

  1. Strabon, Geographika 16,1,23.
  2. J. G. Taylor: Travels in Kurdistan, with Notices of the Sources of the Eastern and Western Tigris, and ancient Ruins in their Neighbourhood. In: Journal of the Royal Geographical Society of London 35, 1865, 53.
  3. Strabon, Geographika 16, 1.

Literatur

  • Michael Sommer: Roms orientalische Grenze . Palmyra - Edessa - Dura Europos - Hatra. Eine Kulturgeschichte von Pompeius bis Diokletian, Reihe Oriens et Occidens - Studien zu antiken Kulturkontakten und ihrem Nachleben, Band 9; Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 2005 ISBN 3-515-08724-9
  • Arthur Vööbus: History of the School of Nisibis. Louvain 1965.
  • J.-M. Fiey: Nisibe, métropole syriaque orientale et ses suffragants des origines à nos jours (CSCO 388). Louvain 1977.
  • Hendrik J. W. Drijvers: Nisibis. In: Theologische Realenzyklopädie 24 (1994), S. 573–576.
  • Paul S. Russell: Nisibis as the background to the Life of Ephrem the Syrian. In: Hugoye. Journal of Syriac Studies 8/2 (2005).

Weblinks

 Commons: Nisibis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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