Nitto Santapaola


Nitto Santapaola

Nitto Santapaola (eigentlich: Benedetto Santapaola; * 4. Juni 1938 in Catania, Sizilien, Italien) ist ein mächtiger sizilianischer Mafioso.

Leben

Benedetto Santapaola, der seit frühester Jugend mit Vornamen nur Nitto genannt wird, wuchs gemeinsam mit mehreren Brüdern in sehr armen Verhältnissen im catanesischen Stadtteil San Cristoforo auf. Schon früh als Kleinkrimineller aktiv, wurde er Anfang der 1960er Jahre in die Mafia-Familie von Catania aufgenommen; ihm folgte bald auch sein Bruder Antonino „Nino“ Santapaola. Mit dem Boss der Familie, Giuseppe Calderone, war er eng befreundet, ebenso mit dessen Bruder, Antonino Calderone. Mit der Justiz geriet er bereits in den 1960er Jahren mehrfach in Konflikt und 1970 wurde er, wie viele andere Mafiosi ins Exil geschickt; dies ist eine spezielle Maßnahme des italienischen Strafrechts. Santapaola verbrachte diese Zeit hauptsächlich in Neapel.

1975 wurde auf Betreiben Giuseppe Calderones die Regional-Kommission gegründet, ein Regierungsorgan der Cosa Nostra. Giuseppe Calderone selbst wurde ihr Vorsitzender und musste aufgrund der damaligen Statuten dieses Organs die Führerschaft über die Familie von Catania an jemand anderen abgeben. So wurde sein Freund Nitto Santapaola neuer Boss, während Antonino Calderone Vize-Boss blieb. Santapaola erweiterte die zahlenmäßig schwache Familie bald durch Aufnahme vieler neuer Verbrecher, von denen einige wie Alfio Ferlito Kleinkriminelle waren, einige andere mit ihm persönlich in enger Beziehung standen. Auf diese Weise baute Santapaola sich innerhalb der Familie eine eigene Privatarmee auf, die nur ihm gehorchte. Santapaola, der auch am Heroinhandel beteiligt war, stieg in den 1970er Jahren auch gesellschaftlich auf. Ende des Jahrzehnts wurde er Generalvertreter von Renault in Catania.[1]

Als sich ab Mitte der 1970er Jahre die Kluft zwischen den traditionellen Bossen aus Palermo und den aufstrebenden Corleonesern auftat, verbündete sich Santapaola mit den Corleonesi um Salvatore Riina. Die Calderones hingegen pflegten traditionell enge Beziehungen zu den palermitanischen Bossen wie Stefano Bontade und Salvatore Inzerillo. Es kam zu Spannungen innerhalb der Familie und im September 1978 wurde Giuseppe Calderone auf Betreiben Riinas und der Corleonesi ermordet. Sein Bruder Antonino, überzeugt davon, ebenfalls ermordet zu werden, floh im Jahr 1982 Nizza; dort wurde er 1986 von der französischen Polizei verhaftet, und entschloss sich bald, ein Pentito zu werden und als Kronzeuge auszusagen. Alfio Ferlito sagte sich von der Familie los und begann mit einigen Getreuen einen blutigen Krieg gegen Santapaola und seine Anhänger.

1981 brach der Zweite Mafiakrieg aus, den die Corleonesi durch ein blutiges Massaker unter ihren Gegnern für sich entschieden. Ferlito, mit ihrem Gegner Bontade verbündet, wurde von ihnen ebenso ermordet wie unzählige andere. Santapaola war nun der unangefochtene Boss in Catania. Als enger Verbündeter Riinas saß er von nun an auch in der Interprovinzial-Kommission. An der Ermordung des Präfekten von Palermo, General Carlo Alberto Dalla Chiesa, war auch Santapaola beteiligt, der einige Angehörige des Killerkommandos aus seiner Familie stellte. Santapaola wurde 1994 in der Nähe von Catania in einem umgebauten Bauernhaus verhaftet, wo er sich vor der Justiz versteckt hielt. Wegen vielfachen Mordes verurteilt, büßt Santapaola eine lebenslängliche Haftstrafe ab.

Antonino Calderone beschreibt ihn in seinen Aussagen als einen brutalen Mörder, der sich auch nicht scheute, eine Gruppe 15-jähriger umzubringen, weil diese seiner Mutter ihre Handtasche gestohlen hatten. Seinen Bruder Nino Santapaola beschreibt Calderone als einen Psychopathen, der aus Zwang mordete und oft samstagsabends loszog, um Leute aus meist nichtigen Gründen zu ermorden oder einfach nur weil sie ihm unsympathisch waren:

„Nino Santapaola ist der grausamste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Adolf Hitler hat weniger Morde begangen als er. Nino brauchte das Morden.[1]

Im Dezember 2007 wurde Nitto Santapaloas Sohn Vincenzo festgenommen, durch den Santapaola weiterhin die Familie von Catania geleitet haben soll. Nitto Santapaola soll an Lykanthropie erkrankt sein; bei dieser Krankheit halten sich die Betroffenen selbst für Werwölfe.[2]

Einzelnachweise

  1. a b Pino Arlacchi: Mafia von innen – Das Leben des Don Antonino Calderone, Frankfurt a. M. 1995, Fischer Verlag, ISBN 3-596-12477-8
  2. [1], The Guardian, December 5, 2007

Literatur


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Santapaola — Nitto Santapaola (eigentlich: Benedetto Santapaola; * 4. Juni 1938 in Catania, Sizilien, Italien) ist ein mächtiger sizilianischer Mafioso. Leben Benedetto Santapaola, der seit frühester Jugend mit Vornamen nur Nitto genannt wird, wuchs gemeinsam …   Deutsch Wikipedia

  • Benedetto Santapaola — Nitto Santapaola. Benedetto Santapaola (born June 4, 1938), better known as Nitto is a prominent mafioso from Catania, the main city and industrial centre on Sicily s east coast. His nickname is il cacciatore (the hunter), because of his passion… …   Wikipedia

  • Benedetto Santapaola — Nitto Santapaola (eigentlich: Benedetto Santapaola; * 4. Juni 1938 in Catania, Sizilien, Italien) ist ein mächtiger sizilianischer Mafioso. Leben Benedetto Santapaola, der seit frühester Jugend mit Vornamen nur Nitto genannt wird, wuchs gemeinsam …   Deutsch Wikipedia

  • Cosa Nostra — (ital. „unsere Sache“) ist eine sizilianische Mafia. Inhaltsverzeichnis 1 Die sizilianische Cosa Nostra 2 Begriff 3 Organisation 3.1 Struktur …   Deutsch Wikipedia

  • Bontade — Stefano Bontade auch: Stefano Bontate (* 23. April 1938 in Palermo; † 23. April 1981 ebenda) war ein mächtiger sizilianischer Mafioso. Sein Spitzname war „Fürst von Villagrazia“. Es ist nahezu erwiesen, dass er in Kontakt mit mehreren mächtigen… …   Deutsch Wikipedia

  • Stefano Bontate — Stefano Bontade auch: Stefano Bontate (* 23. April 1938 in Palermo; † 23. April 1981 ebenda) war ein mächtiger sizilianischer Mafioso. Sein Spitzname war „Fürst von Villagrazia“. Es ist nahezu erwiesen, dass er in Kontakt mit mehreren mächtigen… …   Deutsch Wikipedia

  • Giuseppe Calderone — Giuseppe “Pippo” Calderone (Catania, November 1, 1925 – Palermo, September 8, 1978) was an influential Sicilian mafioso from Catania. He became the ‘secretary’ of the interprovincial Sicilian Mafia Commission, formed around 1975 on his… …   Wikipedia

  • Giuseppe Fava — also known as Pippo, (Palazzolo Acreide, September 15, 1925 Catania, January 5, 1984) was a Sicilian writer, investigative journalist, playwright and Antimafia activist who was killed by the Mafia. He was the founder of the I Siciliani monthly… …   Wikipedia

  • 1995 in organized crime — See also: 1994 in organized crime, other events of 1995, 1996 in organized crime and the list of years in Organized Crime . Events*March 16 The New York State Senate began hearings investigating the presence of organized crime at the Jacob K.… …   Wikipedia

  • 1982 in organized crime — See also: 1981 in organized crime, other events of 1982, 1983 in organized crime and the list of years in Organized Crime . Events*Salvatore Ruggiero, a heroin trafficker and brother of Gambino crime family Capo Angelo Ruggiero, is killed in a… …   Wikipedia


We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.