Norderhever


Norderhever
Letztes, kanalisiertes, Stück des Heverstroms bevor es den Husumer Hafen erreicht

Der Heverstrom ist ein Gezeitenstrom, der nördlich von Eiderstedt durch das nordfriesische Wattenmeer verläuft. Der Strom verbindet den Husumer Hafen durch das Wattenmeer mit der offenen Nordsee, stellte im Laufe der Geschichte aber immer wieder eine Gefährdung für die Inseln Pellworm und Nordstrand dar.

Der Strom beginnt als Seegatt zwischen Eiderstedt und Süderoogsand, bevor er sich bei Südfall in die Norderhever und den Heverstrom teilt. Die Norderhever fließt zwischen Pellworm und Nordstrand hindurch und teilt sich bei der Hallig Nordstrandischmoor in mehrere kleine Arme. Der Heverstrom fließt entlang Eiderstedts bis kurz vor Husum.

Der Strom hatte 1990 eine Tiefe von knapp 30 Metern. Das Tidebecken von Heverstrom und Norderhever ist das größte des nordfriesischen Wattenmeers. Es umfasst den ganzen Bereich nördlich Eiderstedts. Im Westen geht es in die offene Nordsee über, im Norden begrenzen es der Süderoogsand, Pellworm und die Watthöhenscheiden zwischen diesen Punkten und dem Festland. Es umfasst 415,4 km3 und hat einem Volumen von 1,753 Mrd m3 Wasser bei mittlerem Tidehochwasser. Die sublitorale Fläche, die ständig unter Wasser steht umfasst 138,7 km3, der eulitorale Wattenbereich 276,6 km3. Das Wasservolumen teilt sich etwa hälftig zwischen dem dauerhaft vorhandenen Prielvolumen mit 905,3 m3 und dem ein- und ausfließenden Tideprisma mit 848,5 m3 [1] Damit vergrößerte sich seine permanent wasserbedeckte Fläche von 1934 bis 1990 um 80 km², der Heverstrom grub sich in derselben Zeit vier Meter tiefer in das Watt ein und vergrößerte sein Volumen um 400 Millionen m³.

Die Norderhever bildete sich erst durch die Burchardiflut 1634, die größere Teile der Insel Alt-Nordstrand im Meer versinken ließ. Der Strom fließt durch das Gebiet, das ehemals zu Alt-Nordstrand gehörte, und hat dort in den letzten 370 Jahren eine 20 Meter tiefe Rinne gegraben. Da er immer wieder droht, die Inselsockel von Pellworm und Nordstrand anzugreifen, ergriffen die Nordfriesen seinetwegen aufwendige Küstenschutzmaßnahmen. 1906/1907 verbanden sie Nordstrand über einen Damm mit dem Festland, der Damm durchbrach den Norderhever, der sich dort wieder mit dem Heverstrom vereinigte und legte diesen Stromarm „trocken“. 1987 folgte die Eindeichung des Beltringharder Koogs, wiederum vor allem, um Nordstrand vor dem Strom zu schützen. Immer wieder planen die Küstenschützer einen Damm zwischen den beiden Inseln, um den Norderhever ganz zu durchdämmen, aber zurzeit gefährdet er Pellworm nicht akut, so dass die Planungen auf Eis liegen.

Anmerkungen

  1. Frank Spiegel: "Volumina von Tidebecken im nordfriesischen Wattenmeer" in: Umweltbundesamt und Nationalparkverwaltungen Niedersächsisches Wattenmeer/Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): "Umweltatlas Wattenmeer. Bd. 1, Nordfriesisches und Dithmarsches Wattenmeer; Eugen Ulmer, Stuttgart 1998/1999, ISBN 3800134918 S. 46-47

Literatur

  • Petra Witez: Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben MTK 0608 (03 KIS 3160): Programme zur langfristigen Erhaltung des Wattenmeers – Prowatt. Hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Laboe 2002, S. 91–112.

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