Notre Dame de Paris


Notre Dame de Paris
Notre-Dame de Paris von Westen
Die Kathedrale von Südosten

Die Kathedrale Notre-Dame de Paris (Unsere (liebe) Frau von Paris), Sitz des Erzbistums Paris, wurde in den Jahren von 1163 bis 1345 errichtet und ist somit eines der frühesten gotischen Kirchengebäude Frankreichs. Ihre majestätische Silhouette erhebt sich im Zentrum von Paris auf der Ostspitze der Seineinsel Île de la Cité im 4. Pariser Arrondissement.

Die beiden Türme sind 69 Meter hoch, der Dachreiter 90 Meter. Das Kirchenschiff ist im Inneren 130 Meter lang, 48 Meter breit und 35 Meter hoch. Bis zu 10.000 Personen finden in der Kirche Platz.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgängerbauten

Die Kathedrale ersetzt einen Vorgängerbau, der unter der Herrschaft des fränkischen Königs Childebert I. (König von 511 bis 558) in den Jahren um 540/550 entstanden und als Kathedrale St. Etienne (Stefansdom) bekannt war. Damit ist ihr Standort – nach denen des Panthéons und einer von Gregor von Tours erwähnten Begräbniskapelle bei der damaligen Nekropole Saint-Marcel – einer der ältesten unter den bekannten christlichen Gebetsstätten innerhalb der heutigen Pariser Stadtgrenzen.

Mit 12 m Durchmesser eine der größten Fensterrosen Europas

Die Errichtung 1163–1345

Im Jahr 1163 wurde unter Bischof Maurice de Sully und Ludwig VII. mit dem Bau des Chores begonnen. Nach dessen Fertigstellung 1182 folgte der Bau des Hauptschiffes. Von 1208 bis 1225 erfolgte die Errichtung der Westfassade mit ihren drei großen Portalen und der westlichen Fensterrose. Darauf wurden die beiden Haupttürme errichtet; die Arbeiten an den Türmen wurden 1250 vorläufig beendet. Anschließend wurde das Querhaus durch Jean de Chelles und Pierre de Montreuil, der auch an der Errichtung der Sainte-Chapelle mitwirkte, vollendet. Es folgte der Bau von Kapellen und Dach, so dass die Fertigstellung der Kathedrale erst im Jahre 1345 gefeiert werden konnte.

Man fragt sich natürlich, warum die erste gotische Kathedrale nicht direkt in der Hauptstadt Paris, sondern in Saint-Denis erbaut wurde, wenn der gotische Stil doch so eng mit der Geschichte des Königshauses verbunden war. Dazu muss man wissen, dass sich Paris erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Hauptstadt durchsetzte. In der ersten Jahrhunderthälfte war Saint-Denis bedeutender. Erst als die Dynastie der Kapetinger ihren Herrschaftsbereich merklich ausdehnte, konzentrierte sich die Macht in Paris.

Spätere Geschichte des Bauwerks

Im Zeitalter der Aufklärung wurden im Jahr 1728 die Buntglasfenster durch weiße Glasfenster ersetzt und die Wände weiß übertüncht. In den folgenden Jahrzehnten wurde ein Großteil der Figuren an den Türmen entfernt.

1793 stürmten die Verfechter der Revolution das Gotteshaus und zerstörten die Inneneinrichtung, deren metallene Gegenstände im Hôtel des Monnaies eingeschmolzen wurden. Im Gegensatz zu zahlreichen französischen Klöstern wurde die Kirche nicht abgerissen, aber entweiht und zum Tempel des höchsten Wesens, der Vernunft, erklärt. Später diente sie als Weindepot.

Nach der Unterzeichnung des Konkordates von 1801 gestattete Napoléon I. im Jahr 1802 die erneute liturgische Nutzung der Kathedrale, bevor er sich zwei Jahre später hier zum Kaiser krönte. Am 27. Februar 1805 wurde die Kirche durch Papst Pius VII. zur ersten französischen Basilica minor erhoben. Doch auch dies konnte den durch die Revolution begonnenen Verfall nicht aufhalten. Zudem verwüsteten während der Julirevolution von 1830 Aufständische den an die Kirche angrenzenden erzbischöflichen Palast und die Schatzkammer.

Restaurierungen

Panorama:Zustand der Kirche im Umfeld 1909.

Erst Victor Hugos 1831 erschienener Roman Der Glöckner von Notre-Dame rückte die Schönheit des Gebäudes wieder ins Blickfeld und trug zu der 1844 getroffenen Entscheidung für eine umfassende Restaurierungskampagne unter der Leitung von Eugène Viollet-le-Duc bei, die erst zwanzig Jahre später (1864) zum Abschluss kam. Unter anderem wurden die beschädigten oder fehlenden Skulpturen ersetzt und ein neuer Dachreiter errichtet, der nun 90 m in die Höhe ragt. Im Jahr 1858 wurden im Zuge der Restaurierung der erzbischöflichen Grabkammer weitere Gräber freigelegt.

Vor einigen Jahren wurden Westfassade und Türme erneut restauriert, so dass sie heute wieder hell erstrahlen.

Architektur

Fassade

Notre-Dame de Paris bei Nacht
Hauptportal

Der ganze Bau war in seinen wesentlichen Teilen bereits 1196 vollendet, als man um 1200 mit der Fassade begann, die erst 1250 vollendet wurde, also ungefähr zu der Zeit, als die Gotik in Deutschland einsetzte.

Die Vollendung der Fassade der Basilika von Saint-Denis 1137 liegt zu diesem Zeitpunkt bereits 60 Jahre zurück und die der Kathedrale von Laon 1190 immerhin schon zehn Jahre. Aber Paris greift diese Strömungen nicht auf, sondern bietet wieder das traditionelle kastenförmige Aussehen mit den betonten waagerechten Elementen, allerdings in einem sehr ausgewogenen und genau berechneten Verhältnis.

Die Proportionen der Fassade beruhen auf mehreren Ineinanderverschränkungen von Quadraten. Mit diesen Quadraten wird ein Rechteck ungefähr im Seitenverhältnis 2:3 aufgebaut. Hier wurde das Ideal des heiligen Augustinus verwirklicht: eine Architektur, deren Proportionen auf musikalischen Konsonanzen beruhten, die ihrerseits die harmonische Ordnung des Universums widerspiegeln.

Das Mittelportal ist im Vergleich zu den Seitenportalen nur unmerklich hervorgehoben. In dieser Hinsicht ist Notre-Dame rückschrittlich und erinnert fast an die normannische Fassade der Klosterkirche Saint-Étienne in Caen von 1060, also 140 Jahre zuvor.

Paris führt aber andererseits in der Fassadengestaltung eine entscheidende Neuerung ein, nämlich die Königsgalerie über der Portalzone als Sinnbild der Vereinigung von Kirche und Monarchie. Die 28 Figuren stellen die Könige von Juda dar. Schon im 13. Jahrhundert hielt das Volk diese für die Könige Frankreichs. Diese Reihung von überlebensgroßen Königsstatuen wird in einigen der bedeutendsten Kathedralen nach Paris übernommen, so in Reims und Amiens. Die Figuren sind jedoch allesamt neuzeitliche Interpretationen. Ihre Originale - die ja für das Volk gemeinhin den Herrschaftsanspruch der französischen Könige darstellten - wurden wie viele Kunstwerke in Notre-Dame während der Französischen Revolution zerstört.

Notre-Dame verfügt des Weiteren über bedeutende Figurenportale sowohl an der Westfassade als auch an den Querhäusern. Die Portale der Westfassade sind im 19. Jahrhundert stark restauriert worden. So sind die grossen Gewändefiguren allesamt historische Neuschöpfungen dieser Zeit. Da das ursprüngliche Programm und Aussehen jedoch bekannt waren haben sich die Restauratoren weitgehend daran gehalten. Das südliche der drei Westportale, das Portail de la Vierge, ist das älteste. Es entstand etwa um 1200 und ist ein typisches Marienportal. Im Tympanon ist die Krönung Marias durch Jesus zur Himmelskönigin dargestellt. Der zentrale Türstürz darunter zeigt die von Christus erweckte Maria. Zwei Engel heben sie in Anwesenheit der 12 Apostel aus ihrem Sarg. Der unterste Türstutz ist mit Prophetendarstellungen versehen. Das zentrale Westportal, das Portal des Jüngsten Gerichts, ist etwas später als das Portail de la Vierge entstanden. Portalgestaltungen zum Jüngsten Gericht waren in der mittelalterlichen Gotik weit verbreitet und treten auch anderen bedeutenden Kathedralen auf. Zuoberst im Tympanon ist Christus als Weltenrichter dargestellt. Im Türsturz unter ihm sind ein Engel mit einer Waage und ein Teufel dargestellt welche um die Seelen der Verstorbenen feilschen. Rechts führt ein zweiter Teufel die Verdammten an einer Kette in die Hölle. Der unterste Türsturz zeigt die Verstorbenen die sich aus ihren Gräbern zum Jüngsten Gericht erheben. Das Portail de Saint Anne ist das jüngste der drei Westportale (etwa um 1230) besitzt jedoch die ältesten Elemente da der Architekt ein Tympanon sowie einen Türsturz des 12. Jahrhunderts verwendete. Wie das Portail de la Vierge steht es im Zeichen der Jungfrau Maria. Diese thront in der Mitte des Tympanons und hält das segnende Jesuskind auf ihrem Schoss. Die beiden Türstürze darunter zeigen das Leben der Jungfrau von ihrer Geburt bis zur Hochzeit mit Joseph.

Das Strebewerk – eine Pariser Erfindung?

Strebebögen an der Ostseite

Eine für die Geschichte der gotischen Architektur ganz entscheidende Erfindung hat man lange den Baumeistern von Notre-Dame, Pierre de Montreuil und Jean de Chelles zugeschrieben: das Strebewerk von 1180/1200. Es ist bis jetzt nicht gesichert, an welchem Bauwerk das offene Strebewerk zum ersten Mal aufgetreten ist. Nachträgliche Vergrößerungen der Fensterzonen, Bauschäden oder Restaurierungen haben den ursprünglichen Zustand vieler früherer Strebewerke verunklärt. Hier in Paris waren anfangs die Streben noch unter den Emporendächern eingebaut.

Zwischen 1160 und 1180 entstanden die ersten über den Seitenschiffdächern hinaufsteigende Strebebögen und das möglicherweise nicht hier bei der Notre-Dame, sondern einige hundert Meter weiter bei St. Germain-des-Prés.[1] Das Strebesystem hier der Notre-Dame ist demnach später vergrößert und erhöht worden. Genaue Daten liegen hier allerdings wie gesagt nicht vor.

Möglicherweise sind die Pariser Strebebögen erst nach denen von Bourges und Chartres – nach 1200 – entstanden, denn Notre-Dame de Paris hatte anfangs keine Gewölbe, sondern eine Holzdecke, weshalb es die Probleme mit dem Seitenschub kaum gab. Der erste Architekt der Pariser Kathedrale wusste noch nicht, wie er ein so hohes Gewölbe abstützen konnte und ließ das Problem für spätere Generationen offen. Erst der zweite Architekt konnte auf den Erfahrungen an anderer Stelle aufbauen, zog das Gewölbe ein und stützte es außen mit dem offenen Strebewerk ab. Wegen des vergleichsweise früheren Baubeginns der gesamten Kathedrale 1163 hat man lange geglaubt, das Strebewerk sei überhaupt hier erfunden worden.

Bis dahin hatte man in der Architektur noch versucht, den Gewölbeschub über dicke Mauern oder über Kapellen, Seitenschiffe und Emporen abzuleiten. Es gab zwar einige Vorformen des gotischen Strebewerkes, z. B. an der Hagia Sophia in Konstantinopel im 6. Jahrhundert[2] oder bei Umgangschören ab etwa 1160 in der Normandie und Île-de-France.[3] Aber hier in Paris entstand jetzt um 1160/80 eine ganz neue Idee, nämlich für den Gewölbeschub neben der eigentlichen Kirche eine gesonderte Konstruktion zu errichten, und nur das wird gotisches Strebewerk genannt.

Mit der Erfindung des Strebewerkes als äußerer Abstützung des Gewölbeschubes ist eine ganz neue Dimension in den gotischen Kathedralbau gekommen. Jetzt erst war es möglich, mit der Kombination von Kreuzrippengewölbe, Spitzbogen und Strebewerk die lastenden Kräfte der Kirche, also vor allem das Gewicht des Gewölbes und den Seitenschub zu lenken, zu konzentrieren und nach außen zu verlagern. Das äußere Stützsystem war von innen kaum zu ahnen. Jetzt konnte man das gotische Prinzip der Wandauflösung, die Verwandlung der Mauer in eine lichtdurchschienene, entkörperlichte Glasschicht erst richtig durchführen, da die Mauer von einem Großteil ihrer stützenden Funktion entlastet wurde. Im Innern der Kathedrale herrschte jetzt jene vielzitierte „aufwärtsstrebende Körperlosigkeit“.[4]

Und damit konnte man jetzt auch in ganz andere Höhen hinein bauen, weil das Problem des Gewölbeschubes von der Konstruktion des Innenraumes weitgehend unabhängig wurde. Und Paris erreichte auch mit einer Gewölbehöhe im Mittelschiff von 32,5 Meter eine bis dahin für unmöglich gehaltene Höhe. Sens, Noyon und Laon bewegten sich zwischen 22 und 24 Metern. Notre-Dame war also zehn Meter höher. Die Gewölbehöhe in den gotischen Kathedralen Frankreichs wird sich noch bis zum absoluten Höchstwert von 48 Metern in Beauvais steigern.

Grotesken

Drolerie auf der Kathedrale „Notre-Dame“

Auf ein Motiv am oberen Rand dieser Fassade soll besonders eingegangen werden, auf die berühmten Grotesken der „Galerie des Chimères, die von der oberen Balustrade auf die Stadt hinabblicken (siehe auch Drolerie).

Victor Hugo (1802–1885) schrieb 1831 einen historischen Roman Notre-Dame de Paris, dessen Kernhandlung unter dem deutschen Titel Der Glöckner von Notre-Dame und den diversen entsprechenden Filmen bekannt geworden ist. Der unglückliche, verkrüppelte Held Quasimodo hat das Treiben auf der Straße von oben aus beobachtet.

Die originalen Wasserspeier wurden im 18. Jahrhundert entfernt, als einige durch die Witterungseinflüsse zu zerbröckeln begannen und 60 Meter tief auf das Pflaster stürzten. Die Figuren sind heute Kopien, bzw. Neuschöpfungen aus dem 19. Jahrhundert und durch den Roman von Victor Hugo beeinflusst. Man merkt das aus der Nähe deutlich an dem Betoncharakter des Materials.

Solche grotesken Phantasiefiguren an den Außenseiten der Kirchen hatten seit alters her apotropäische Bedeutung, sie sollten also bösen Zauber abwehren. Die Monstren aller Art sind eine Besonderheit der romanischen Kunst. Im 13. Jahrhundert geht ihre Darstellung an bevorzugten Plätzen wie den Portalen merklich zurück, vermutlich durch den starken Einfluss der Zisterziensermönche. So wurden die seltsamen Fabelwesen in gotischer Zeit nur noch an den Regenwasserspeiern angebracht.

Innenraum

Blick in den Chor
Der Grundriss von Notre-Dame de Paris nach Viollet-Le-Duc

Notre Dame ist die letzte große frühgotische Kathedrale Frankreichs und zugleich die letzte und größte Emporenkirche. Sie misst in der Länge knapp 130 Meter, das Mittelschiff erreicht 32,5 Meter Höhe. Der Blick nach Osten in den Chor zeigt aber nicht das Originalbild des 12. Jahrhunderts, denn als der Original-Chor 1182 vollendet wurde, gab es noch kein Maßwerk. Auch der Innenraum hat durchgreifende Änderungen erfahren. Er hatte anfangs nicht mal ein Gewölbe.

Die Kirche hatte ursprünglich einen vierteiligen Wandaufriss wie schon Noyon und Laon, allerdings nicht mit Triforium, sondern mit zwei Fensterzonen übereinander. Das hat man später ab 1220 geändert zu einem dreiteiligen Wandaufbau mit einem Maßwerkgeschoss im Lichtgaden nach dem Vorbild von Reims.

An einer Stelle – rund um die Vierung herum – hat Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert diese spätere Veränderung wieder rückgängig gemacht, um wenigstens hier den ursprünglichen Zustand zu dokumentieren. Dieses seltsame Missverhältnis erklärt sich also aus den zu jener Zeit einsetzenden denkmalpflegerischen Absichten, die es in den Jahrhunderten zuvor nicht gab.

Die Gestaltung des Wandaufrisses mit der Säulenreihe und den aufsitzenden Diensten bis ins Gewölbe hinein kennt man bereits aus Laon. Seltsamerweise hat man sich in Paris damals aber immer noch nicht zu vierteiligen Gewölben entschlossen, sondern ist bei den sechsteiligen geblieben, obwohl sich die einzelnen Langhausjoche jetzt kaum mehr voneinander unterscheiden. Die immense Größe und Weite des Raumes hat vielleicht für ein Festhalten an den bekannten Techniken gesorgt. Das Mittelschiff ist mit über 32 Metern nicht nur ungewöhnlich hoch, sondern mit über 12 Metern auch sehr breit für die damalige Zeit. Notre-Dame ist eine fünfschiffige Kathedrale und hat eine Länge von über 127 Metern. Etwa 9.000 Menschen konnten in diesem Raum Platz finden.

Die äußeren Seitenschiffe werden ebenfalls von einer Säulenreihe getrennt. An jeder zweiten dieser Säulen erkennt man – wie schon in Laon – das Bestreben, die tragenden Kräfte des Baues in einzelnen aufsteigenden Diensten kenntlich zu machen. Das hat man hier an jeder zweiten Säule so ausgedehnt, dass fast der gesamte Schaft von solchen Diensten umstanden ist. In Bourges wird dieses Motiv an den Hauptpfeilern des Mittelschiffes in grandioser Form aufgegriffen werden.

Die südliche Querhausfassade

Das Querhaus

Der Grundriss zeigt die ungewöhnliche Form des Chores von Notre-Dame. Chorumgang und Kapellenkranz setzen eigentlich die Seitenschiffe des Langhauses lediglich fort und umkreisen den Chor mit mathematischer Genauigkeit. 1330 kamen die Chor-Kapellen hinzu, so dass die Kathedrale wie siebenschiffig wirkte und das in der Mitte liegende Querhaus kaum noch hervortrat.

Um das Querhaus über die Flucht der Kapellenwände hinausragen zu lassen, war bereits 1267 die alte Querhaus-Fassade abgebrochen und dieser Bauteil an beiden Seiten um ein Joch verlängert und mit einer neuen Fassade versehen worden, die jetzt so kunstvoll und aufwändig gestaltet war, dass sie nicht mehr drohte, in dem übrigen Bau unterzugehen. Diese neuen, riesigen Fenster sind feinstes Maßwerk. Sie gehören zum Besten und Schönsten, was es auf diesem Gebiet gibt.

Die Stilstufe dieser Maßwerkfenster wird in der Kunstgeschichte als „rayonnant“ bezeichnet, also strahlenförmig. Von 1270 bis 1380 herrschte dieser Maßwerk-Stil in Frankreich vor (Hochgotik). Diese Querhaus-Fassade von Notre-Dame in Paris ist zugleich eine der ersten und bedeutendsten dieser Stilstufe.

Kirchenmobiliar

Altäre

Von dem mehrmals - zuletzt von Viollet-le-Duc - erneuerten ehemaligen Hochaltar im Chor ist einzig die Mensa erhalten, über der sich eine marmorne Pieta von Nicolas Coustou erhebt. Sie ist von zwei Marmorskulpturen flankiert: links Ludwig XIV. von Coysevox, rechts Ludwig XIII. von Guillaume Coustou, beide in kniender Haltung.

Den heutigen Hauptaltar aus Bronze, der im Bereich der Vierung steht, gestaltete Jean Touret (1916–2004) im Jahr 1989[5] im Auftrag des Erzbischofes von Paris, Kardinal Jean-Marie Lustiger. An der Stirnseite sind die vier Evangelisten des Neuen Testaments (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) zu sehen, an den beiden kurzen Seiten die vier großen Propheten des Alten Testaments (Ezechiel, Jeremia, Jesaja und Daniel).

Orgeln

Hauptorgel

Hauptorgel

Die Hauptorgel von Notre Dame hat heute 113 Register, verteilt auf fünf Manualen. Die mittelalterliche Orgel, erbaut von Friedrich Schambantz, bestand von 1403 bis 1730 und wurde 1730–1838 durch einen klassischen Neubau Francois Thierrys abgelöst. Zur Zeit von Eugène Viollet-le-Duc wurde die Orgel von Aristide Cavaillé-Coll 1863–1868 erweitert und entsprach nun dem zeitgenössischen orgelsymphonischen Ideal. Kleinere Änderungen wurden durch Cavaillé-Colls Nachfolger Charles Mutin durchgeführt. 1959 wurde die bis dahin rein mechanische Spieltraktur von Jean Hermann elektrifiziert, in den Jahren darauf eine Zungenbatterie eingebaut und einige Grundstimmen verändert. Im Mai 1992 konnte die Restaurierung durch die Orgelbaufirmen Boisseau, Giroud und Emeriau abgeschlossen werden. Hierbei wurde bewusst auf eine historisierende Rekonstruktion des ursprünglichen Cavaillé-Coll-Instruments verzichtet. Stattdessen war man bemüht, den gewachsenen Zustand zu konservieren und durch eine behutsame Intonation ein harmonisches Klangbild zu schaffen. Außerdem wurde der alte Cochereau-Spieltisch wieder eingebaut. Auf diesem nach wie vor symphonischen Instrument können romantische Werke des 19. und 20. Jahrhunderts außerordentlich überzeugend interpretiert werden. Eine Besonderheit stellt die Sprachsteuerung für blinde Organisten und die Computersteuerung dar, mit deren Hilfe live eingespielte Konzerte mittels einer MIDI-Schnittstelle bearbeitet und erneut abgespielt werden können.

Disposition der Hauptorgel seit 1992[6]

I Grand Orgue C–g3
Violon-Basse 16′
Bourdon 16′
Montre 8′
Viole de Gambe 8′
Flûte Harmonique 8′
Bourdon 8′
Prestant 4′
Octave 4′
Doublette 2′
Fourniture II–V
Cymbale II–V
Bombarde 16′
Trompette 8′
Trompette (Réc.) 8′
Clairon 4′
Chamade 8
Chamade 4


II Positif C–g3
Montre 16′
Bourdon 16′
Salicional 8′
Flûte Harmonique 8′
Bourdon 8′
Unda Maris (ab c0) 8′
Prestant 4′
Flûte Douce 4′
Nasard 22/3
Doublette 2′
Tierce 13/5
Fourniture V
Cymbale V
Clarinette 16′
Cromorne 8′
Clarinette aiguë 4′
III Récit C–g3
Quintaton 16′
Diapason 8′
Viole de gambe 8′
Voix céleste 8
Flûte traversière 8′
Bourdon céleste 8′
Octave 4′
Flûte Octaviante 4′
Quinte 22/3
Octavin 2′
Bombarde 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
Basson-Hautbois 8′
Clarinette 8′
Voix Humaine 8′
Hautbois 8′
Dessus de Cornet V
Dessus de Hautbois 8′
Trompette 8′
Clairon 4′
Régale en chamade 2′/16′
Chamade (G.O.) 8′
Chamade (G.O.) 4′
IV Solo C–g3
Bourdon 32′
Principal 16′
Montre 8′
Flûte Harmonique 8′
Grosse Quinte 51/3
Prestant 4′
Grosse Tierce 31/5
Nazard 22/3
Septième 22/7
Doublette 2′
Grande Fourniture III
Fourniture V
Cymbale V
Cornet II–V
Cromorne 8′
Trompette (G.O.) 8′
Clairon (G.O.) 4′


V Grand Chœur C–g3
Principal 8′
Bourdon 8′
Prestant 4′
Nazard 22/3
Doublette 2′
Tierce 13/5
Larigot 11/3
Septième 11/7
Piccolo 1′
Plein jeu IV
Tuba Magna 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
Pédale C–f1
Principal Basse 32′
Contrebasse 16′
Soubbasse 16′
Quinte 102/3
Violoncelle 8′
Flûte 8′
Bourdon 8′
Grosse Tierce 62/5
Quinte 51/3
Septième 44/7
Octave 4′
Flûte 4′
Tierce 31/5
Nazard 22/3
Flûte 2′
Tierce 13/5
Larigot 11/3
Piccolo 1′
Fourniture III
Cymbale IV
Bombarde 32′
Bombarde 16′
Basson 16′
Sordun 16′
Trompette 8′
Basson 8′
Clairon 4′
Chalumeau 4′
Clairon 2′
  • Koppeln: II/I, III/I, IV/I, V/I ; III/II, IV/II, V/II ; IV/III, V/III, ; V/IV, Octave grave général, inversion Positif/Grand-orgue, Tirasses (Grand-orgue, Positif, Récit, Solo, Grand-Chœur en 8 ; Positif en 4, Récit en 4, Solo en 4), Octaves graves et octaves aiguës.
  • Spielhilfen: Appel d’anches (Pédale, Grand-orgue, Positif, Récit, Grand-choeur), Coupure Pédale, Division Pédale, Sostenuto, unbeschränkte Zahl freier Kombinationen in Gruppen von 5400.

Chororgel

In der Nähe des Querschiffes steht eine Chororgel, die 1970 erbaut wurde. Ihr Titularorganist ist seit 1988 Yves Castagnet, der seit 2004 von Johann Vexo unterstützt wird.

I Grand Chœur
Bourdon 16′
Montre 8′
Prestant 4′
Doublette 2′
Nazard 22/3
Tierce 13/5
Fourniture II
Cymbale IV
Trompette 8′
Clarion 4′
Chamade 8′
II Positif
Bourdon 8′
Prestant 4′
Flute 4′
Doublette 2′
Nazard 22/3
Tierce 13/5
Larigot 11/3
Cymbale IV
Cromorne 8′
Regale 16′
Tremblant
Pédale
Flute 16′
Soubasse 16′
Flute 8′
Flute 4′
Principal 2′
Bombarde 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
  • Koppeln: Accouplement II/I, Tirasse I, Tirasse II.
  • Spielhilfen: 5000 freie Kombinationen.

Organisten

Aufgrund der intensiven Aktivitäten gibt es gegenwärtig nicht einen, sondern drei Titularorganisten. Die Instrumente der Notre-Dame bespielten beziehungsweise bespielen einige der besten Organisten der Welt. Die ordentlichen Organisten der Kathedrale waren beziehungsweise sind:

Glocken

In den beiden Türmen von Notre Dame hängen fünf Glocken. Im Südturm hängt die gewaltige, 13.000 kg schwere Glocke Emmanuelle. Sie hat den Schlagton ges0 und wurde 1686 von Florentin le Guay gegossen. Im Nordturm hängen die restlichen vier Glocken, die in den Tönen des1–es1–f1–ges1 erklingen.

Kirchenschatz

In einem Anbau kann ein Teil des Kirchenschatzes besichtigt werden. Neben alten Kelchen und Gewändern finden sich hier alte Kruzifixe in prächtigen Schränken. Bedeutend sind die beiden in der napoleonischen Zeit entworfenen Behältnisse für die Dornenkrone und einen Kreuznagel. Diese Reliquien waren ursprünglich in der eigens errichteten Sainte-Chapelle untergebracht und finden sich heute unter Verschluss in der Kathedrale.

Die Notre-Dame-Schule

Musikgeschichtlich bedeutsam ist die Notre-Dame-Schule (ca. 1160–1250). Ihr Name leitet sich von der Pariser Kathedralkirche her, an der die beiden Hauptvertreter dieser Kompositionsschule, Léonin und Pérotin, als Magister tätig waren.

Besondere Ereignisse

Die Geschichte Notre-Dames spiegelt die Geschichte Frankreichs wider. Es folgt eine Aufzählung der nennenswerten Ereignisse.

Beisetzungen

In der Kathedrale wurden beigesetzt:

  • 1161: Philipp von Frankreich († 1161), Dechant von St. Martin de Tours, Archidiakon von Paris
  • 1173: Eine Tochter des Königs Philippe-Auguste und seiner nachstehend genannten Ehefrau Isabella von Hennegau
  • 1190: Isabella von Hennegau (Isabelle de Hainaut, * 1170, † 15. März 1190), erste Frau des Königs Philippe-Auguste, starb bei der Geburt der nachstehend genannten Zwillinge im Alter von 20 Jahren
  • 1190: Philipp von Frankreich (* 15. März 1190; † 18. März 1190), Sohn des Königs Philippe-Auguste und seiner Gemahlin Isabella von Hennegau, im Alter von 3 Tagen
  • 1190: Robert von Frankreich (* 15. März 1190; † 18. März 1190), Zwillingsbruder des Vorgenannten, im Alter von 3 Tagen
  • 1415: Ludwig von Valois, Herzog von Guyenne (* 22. Januar 1397 in Paris, † 18. Dezember 1415 daselbst), Sohn des Königs Karls VI. und seiner Gemahlin Isabeau, im Alter von 18 Jahren
  • 1531: das Herz der Luise von Savoyen, Gräfin von Angoulême (11. September 1476 - 22. September 1531), Mutter des Königs Franz I.
  • 1654: Jean-François de Gondi (* 1584; † 21. März 1654 in Paris), erster Erzbischof von Paris
  • 1643: die Eingeweide des Königs Ludwigs XIII.; die Herzbestattung erfolgte im Kloster Couvent des Grands-Jésuites (Kirche Saint-Paul-Saint-Louis)
  • 1715: die Eingeweide des Königs Ludwigs XIV.; die Herzbestattung erfolgte im Kloster Couvent des Grands-Jésuites (Kirche Saint-Paul-Saint-Louis)

Krönungen

Nennenswerte Trauungen

Sonstige historische Ereignisse

Domvorplatz

Am 3. September 2006 wurde der Domvorplatz „Parvis de Notre-Dame“ aufgrund des großen historischen Beitrages von Papst Johannes Paul II. feierlich in Parvis de Notre-Dame - place Jean Paul II umbenannt. Dies hatte der Pariser Oberbürgermeister Bertrand Delanoë im April 2006 trotz heftiger Proteste oppositioneller politischer Gruppen, z. B. Les Verts, die auf die Wahrung des Prinzips der Laizität des Staates hinwiesen, im Stadtparlament durchgesetzt.

„Kilomètre zéro“, Fundamentalpunkt Frankreichs vor dem Haupteingang der Kathedrale

Frankreichs kilomètre zéro (Kilometer Null), der Referenzpunkt für die Entfernungsangaben z. B. der nach Paris führenden Autobahnen, liegt auf dem Platz vor der Kathedrale.

Quellen

  1. Nußbaum, Norbert/Sabine Lepsky: Das gotische Gewölbe. Die Geschichte seiner Form und Konstruktion. München 1999 und Darmstadt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1999, S. 77
  2. Koch, Wilfried: Baustilkunde. Das große Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. München 1994, S. 47
  3. Binding, Günther: Was ist Gotik? Eine Analyse der gotischen Kirchen in Frankreich, England und Deutschland 1140–1350. Darmstadt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2000, S. 107
  4. Brooke, Christopher: Die Kathedrale in der mittelalterlichen Gesellschaft. In: Swaan, Wim: Die großen Kathedralen. Köln 1969, S. 61
  5. Jean Touret – Sculpteur – Vie et oeuvres
  6. notredamedeparis.fr: Composition actuelle depuis 1992
  7. herodote.net: Renaissance et Réforme: 24 août 1572: Massacre de la Saint-Barthélemy à Paris

Literatur

  • Dieter Kimpel, Robert Suckale: Die gotische Architektur in Frankreich 1130–1270. München, Hirmer Verlag 1985, ISBN 377744040X (S. 148–162, 410–421, 527–528)
  • Pascal Tonazzi: Florilège de Notre-Dame de Paris (anthologie). Paris, Editions Arléa 2007, ISBN 2869597959
  • André Trintignac, Marie-Jeanne Coloni: Découvrir Notre-Dame de Paris, Editions du Cerf, 1984 Paris, ISBN 2204020877

Weblinks

48.8527777777782.357Koordinaten: 48° 51′ 10″ N, 2° 21′ 0″ O


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