Numeruskastell Deggingen

Numeruskastell Deggingen
Kastell Deggingen
ORL Keine Erfassung durch die Reichs-Limes-Kommission
Limesabschnitt möglicherweise Alblimes (vorgelagert)
Datierung (Belegung) völlig ungesichert
Typ Numeruskastell
Einheit unbekannter Numerus oder Vexillation
Größe etwa 60 m x 70 m = 0,4 ha
Bauweise Holz-Erde-Kastell (?)
Erhaltungszustand auf Luftbildern sichtbares Bodendenkmal
Ort Deggingen
Geographische Lage 48° 35′ 3,5″ N, 9° 43′ 24″ O48.5843055555569.7233333333333750Koordinaten: 48° 35′ 3,5″ N, 9° 43′ 24″ O
Höhe 750 m ü. NHN

Das Kastell Deggingen ist ein ehemaliges römisches Kastell, das hypothetisch dem Alblimes zugeordnet wird. Es liegt als Bodendenkmal auf einer teils bewaldeten, teils landwirtschaftlich genutzten Fläche südlich von Deggingen, einer Gemeinde im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das nördlich der von Aufhausen nach Bad Ditzenbach führenden Straße, unweit des heutigen Weilers „Schonterhöhe“ liegende Kastell diente in der Antike vermutlich als Flankenschutz im Vorfeld des Alblimes, der hier eine ziemlich tiefe Einbuchtung aufwies, und ist möglicherweise ein Hinweis auf die Bedeutung von Clarenna (Donnstetten) in römischer Zeit. Das Kastell Deggingen könnte außerdem zumindest teilweise erklären, wieso die Römerstraße von Grinario (Köngen am Neckar) nach Donnstetten außerhalb des Lautertal-Limes (also aus römischer Sicht in Feindesland) verlaufen konnte.

Das Militärlager lag strategisch günstig auf der Albhochfläche. So konnten das Obere Filstal sowie die römischen Straßen in diesem Gebiet überwacht werden.

Forschungsgeschichte

Im Sommer 1976 wurde durch eine archäologische Luftbildprospektion ein viereckiges Bewuchsmerkmal entdeckt. Erst Ende der 1990er Jahre wurden diese Spuren als römisches Kastell identifiziert. Ein 2002 gefundener Denar des Trajan stellt nur einen Einzelfund außerhalb des Befundzusammenhangs dar und kann so zu einer präziseren zeitlichen Zuordnung des Lagers nur wenig beitragen.[1] Archäologische Ausgrabungen, die Informationen über die Zeitstellung liefern könnten, blieben bisher aus.

Kastell

Über Anfangs- und Enddatierung des Kastells können zum gegenwärtigen Stand der Forschungen keine gesicherten Aussagen getroffen werden. Wenn man von einer Zugehörigkeit zum Alblimes ausgeht, unterliegt es der in dessen Zusammenhang diskutierten Datierungsproblematik.[2]
Vgl. auch separaten Artikel Alblimes.

Das Kastell bei Deggingen, mit seinen Seitenlängen von nur etwa 60 m mal 70 m und einer Fläche von rund 0,4 ha, weist eine umlaufende Grabenanlage mit abgerundeten Ecken auf. Es besitzt zwei gegenüberliegende Toranlagen. Von der Größe her bot es Platz für einen Numerus oder eine so genannte Vexillation, ein Detachement in der Größe etwa einer Zenturie.

Aussagen über eine mögliche Innenbebauung können erst nach einer Geophysikalischen Prospektion oder einer archäologischen Ausgrabung getroffen werden.

Denkmalschutz

Das Kastell Deggingen ist ein Bodendenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes des Landes Baden-Württemberg (DSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

Siehe auch

Literatur

  • Otto Braasch: Luftbildarchäologie in Süddeutschland. (Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands, 30). Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart 1983
  • Walter Lang: Kastell, Siedlung und Gräber - Römer auf der Schonterhöhe, Deggingen, Kreis Göppingen. In: Walter Ziegler (Hrsg.) im Auftrag des Geschichts- und Altertumsvereins Göppingen e.V. sowie des Kunst- und Geschichtsvereins Geislingen e.V.: Hohenstaufen/Helfenstein. Historisches Jahrbuch für den Kreis Göppingen, Band 11/2001. ISBN 3-8743-7463-7
  • Dieter Planck: Deggingen. Römisches Lager In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. S. 116ff. Theiss, Stuttgart, 2005. ISBN 3-8062-1555-3

Einzelnachweise

  1. Ulrich Klein: Fundmünzen aus Württemberg. Die Einzelfunde. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2002. Theiss, Stuttgart 2003. S. 246-255, hier S. 253 und 255. ISBN 3-8062-1780-7.
  2. Es scheint gesichert, dass in vespasianischer Zeit, um 73/74 n. Chr., unter dem Statthalter der Provinz Raetien mit dem Ausbau des Alblimes begonnen wurde, es scheint ebenfalls gesichert, dass der Ausbau zu Beginn der domitianischen Offensive gegen die Chatten im Jahre 83 n. Chr. noch nicht beendet war. Insgesamt muss also davon ausgegangen werden, dass sich der Ausbau der gesamten Strecke möglicherweise über mehrere Jahre, nämlich den Zeitraum zwischen 73 und 84 oder gar länger hinzog. Die zeitliche Zuweisung der einzelnen Kastelle gestaltet sich aufgrund fehlender Ausgrabungen und geringen Fundaufkommens recht schwierig.

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