Odysseus


Odysseus
Odysseus und Diomedes stehlen das Palladion von Troja, apulische rotfigurige Oinochoe aus dem Umkreis des Iliupersis-Malers; um 360-350 v. Chr., aus Reggio di Calabria (heute im Louvre, Paris)

Odysseus (ep. griechisch Ὀδυσσεύς[1], att. griechisch Ὀλυττεύς, korinth. griechisch  Ὀλισεύς, lat. Ulyssēs, Ulixēs, etruskisch Uthuce) ist ein Held der griechischen Mythologie, dessen Taten vor Troja von Homer bereits in der Ilias, dessen Heimreise und zehnjährige Irrfahrt, vor allem aber in seiner Odyssee geschildert werden. Er ist der Sohn des Laërtes (in weniger verbreiteten Versionen des Sisyphos) und der Antikleia. Mit seiner Gemahlin, der spartanischen Königstochter Penelope, hat er einen Sohn namens Telemachos, außerdem war er durch Kirke der Vater des Telegonos und der Bruder der Ktimene.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Als Herrscher der Insel Ithaka war Odysseus einer der bekanntesten griechischen Helden im Trojanischen Krieg. Er war tatkräftig wie viele der Helden vor Troja, berühmt aber für seine listigen Ideen. (Auf das Trojanische Pferd brachte ihn dabei eine Aussage des gefolterten trojanischen Sehers Helenos.) Die Göttin Pallas Athene war ihm sehr wohlgesinnt. Auffallend ist, dass sie Odysseus (Od. 6: 231), als er bei den Phäaken landend von ihr herausgeputzt wird, blauschwarz umlockt, d. h. er war im Gegensatz zu anderen griechischen Helden dieses Krieges nicht blond. Auch soll sein Name auf eine Gattungsbezeichnung („König“) in einer vorderasiatischen Sprache zurückgehen.

Odysseus und seine Gefährten blenden den Polyphem, lakonisch-schwarzfigurige Schale des Reiter-Malers, ca. 565–560 v. Chr.

Nach dem Sieg über Troja, dem zehn Jahre Krieg vorangegangen waren, begab er sich auf die Heimreise, die Homer in dem EposDie Odyssee“ beschrieb. Diese Reise dauerte ebenfalls zehn Jahre lang: Odysseus und seine Mannschaft hatten zahlreiche Abenteuer zu bestehen und Unglücksschläge zu erleiden. Für einige waren sie selbst verantwortlich, andere hatten sie der Feindseligkeit namentlich des Gottes Poseidon zu verdanken. Indem sie den Zyklopen Polyphem blendeten, erzürnten sie dessen Vater Poseidon, der ihnen über Jahre hinweg Schwierigkeiten bereitete. Ein Jahr verbrachte Odysseus bei der Zauberin Kirke, sieben Jahre bei der Nymphe Kalypso, er kämpfte gegen Skylla und Charybdis und verlor schließlich alle seine Gefährten.

Odysseus erschießt die Freier, aus einer Ausgabe der Sagensammlung von Gustav Schwab

Dank der Hilfe der Göttin Athene kam Odysseus endlich nach Hause, fand aber seine Frau Penelope von „Freiern“ bedrängt vor. Diese Männer, unter denen insbesondere Antinoos und Eurymachos hervorragten, sahen Odysseus wegen dessen langer Abwesenheit für tot an und wollten dessen reiche Witwe heiraten. Als Bettler verkleidet wurde Odysseus zunächst nur von seinem alten, sterbenden Hund Argos erkannt, fand sodann heraus, dass Penelope ihm treu geblieben war, tötete zusammen mit seinem gerade erwachsen gewordenen Sohn Telemachos die Freier und hängte zwölf untreue Mägde quer über den Hof an einem Seil auf. Dies führte zu einem letzten Kampf gegen die Familien der getöteten Männer, Athene stellte jedoch den Frieden wieder her.

Die letzten Schicksale des Odysseus und dessen Tod durch seinen eigenen Sohn Telegonos wurde in der nur sehr fragmentarisch erhaltenen Telegonie geschildert, doch gibt es auch andere, abweichende Überlieferungen über das weitere Los des Odysseus nach seiner Wiederetablierung seiner Herrschaft in Ithaka. Nach manchen Darstellungen wanderte er sogar nach Italien aus. In all diesen Erzählungen hat der Mann kaum noch etwas mit dem in der Ilias und Odyssee geschilderten gemein.

Odysseus sinnend, mit den Waffen des Achilleus (Schild, Helm und Panzer). Tonöllampe, 1. Jahrhundert n. Chr.

Datierungsansätze

Plutarch und Heraklit interpretierten eine Passage über Odysseus' Heimkehr im 20. Buch von Homers Odyssee („Die Prophezeiung des Theoklymenos“)[2], als eine poetische Umschreibung einer Sonnenfinsternis in der Region der ionischen Inseln, ein Ereignis, das dort nur etwa alle 360 Jahre auftritt. Die Theorie einer Sonnenfinsternis war lange bekannt gewesen, wurde ursprünglich jedoch skeptisch aufgenommen. Odysseus' Rückkehr war bereits von Carl Schoch und Paul Neugebauer (1926) auf den bekannten Tag der ägäischen Sonnenfinsternis am 16. April 1178 v. Chr. datiert worden.[3] Da generell angenommen wurde, dass die antike griechische Astronomie sich erst nach der Niederschrift der Odyssee entwickelte, blieb dieser Datierungsansatz meist unbeachtet.[4]

Die Biophysiker Baikouzis und Magnasco (2008) wählten als alternativen Ansatz einen Verzicht auf die unsichere Theorie der Sonnenfinsternis und analysierten die letzten Etappen von Odysseus' Reise auf weitere Erwähnungen astronomischer Beobachtungen wie seltener Konstellationen von Sternbildern und Planeten.[5] Sie kamen zu dem Schluss, dass am Tag von Odysseus' Rückkehr nach Ithaka Neumond war, Venus vor Sonnenaufgang hoch am Firmament stand, und die Plejaden sowie das Sternbild Boötes am Abend gleichzeitig sichtbar waren. Daraufhin durchsuchten sie einen 135-jährigen Zeitraum (1250 bis 1115 v. Chr.) nach dieser homerischen Himmelskonstellation und berechneten 15 mögliche Tage für Odysseus' Rückkehr nach Ithaka. Basierend auf ihrer These, dass in Homers Beschreibung des Gottes Hermes, der gen Westen nach Ogygia flog, der Planet Merkur über dem westlichen Horizont chiffriert war, legten die Biophysiker unabhängig von der früheren Untersuchung Odysseus' Rückkehr ebenfalls ins Frühjahr 1178 v. Chr., was die spezifischere Datierung auf den 16. April 1178 v. Chr. unterstützt.[6][7]

Rezeption

Der Odysseusstoff wurden in der Literatur und Bildenden Kunst immer wieder aufgenommen und verarbeitet. Sophokles zeigt Odysseus in seinen beiden Tragödien "Philoktet" und "Ajax" in Rollen, die dessen schillernden Charakter Rechnung tragen, Euripides dramatisiert in seinem Satyrspiel "Der Kyklop" die Episode von der Blendung des Riesen und die anonym überlieferte Tragödie "Rhesos" behandelt die Tötung des thrakischen Königs und den Diebstahl seiner reichbeschirrten Rosse. In Dantes Göttlicher Komödie tritt Odysseus im 26. Gesang des Inferno auf und erzählt, wie er am Ende seiner Reisen, statt nach Ithaka zurückzukehren, seine Gefährten zur Fahrt über die Säulen des Herkules hinaus aufgerufen habe. Nach langer Fahrt sei sein Schiff am – von Dante im Süden des Atlantiks gedachten – Läuterungsberg zerschellt. Alfred Tennysons Gedicht Ulysses enthält denselben Aufruf, jetzt aber von Odysseus nach der Rückkehr nach Ithaka an die Gefährten gerichtet. Im 20. Jahrhundert stellte James Joyce im Ulysses die „Irrfahrten“ seines Leopold Bloom durch Dublin in minutiösen Entsprechungen zu den Irrfahrten des Odysseus dar.

Die Geschichte des Odysseus wurde 1954 unter dem Titel „Die Fahrten des Odysseus“ sowie 1997 unter dem Titel „Die Abenteuer des Odysseus“ verfilmt. 1968 entstand unter der Regie von Franco Rossi „L'Odisseia“, eine Fernsehverfilmung, die 1969 in Deutschland in drei Teilen unter dem Titel „Die Odyssee“ gezeigt wurde, 2002 die Trickfilmserie Mission Odyssey.

Siehe auch

Literatur

Homers Odyssee

Datierung der in der Odyssee gespiegelten Gesellschaftsverhältnisse

Rezeption des Odysseusmythos

  • Ulisse nel tempo. La metafora infinita. A cura di Salvatore Nicosia, Marsilio, Venezia, 2004, ISBN 978-88-317-8187-9.
  • Almut-Barbara Renger: Zwischen Märchen und Mythos – die Abenteuer des Odysseus und andere Geschichten von Homer bis Walter Benjamin. Eine gattungstheoretische Studie, Stuttgart [u.a.]: Metzler, 2006, ISBN 3-476-01986-1, 978-3-476-01986-8 Gb., XX,441 S. Inhaltsverzeichnis

Weblinks

 Commons: Odysseus – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Odysseus – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. volksetymologische Angleichung an griechisch ὀδύσσομαι "grollen, zürnen"
  2. Zitiert: „Die Sonne ist am Himmel erloschen, und rings herrscht schreckliches Dunkel“.
  3. Karte der Sonnenfinsternisse für den besagten Zeitraum (NASA)
  4. J.R. Minkel, „Homer's Odyssey Said to Document 3,200-Year-Old Eclipse“, in Scientific American, 23. Juni 2008
  5. Constantino Baikouzis & Marcelo O. Magnasco, „Is an eclipse described in the Odyssey?“, in Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 24. Juni 2008, Online-Publikation
  6. Uwe Thomanek, „Wann Odysseus nach Ithaka zurückkehrte“, in Bild der Wissenschaft, 24. Juni 2008, Online-Vorabveröffentlichung; siehe auch weitere Artikel von Spektrumdirekt, Die Presse, Live Science und der Los Angeles Times.
  7. Astronomisches Jahr: -1177; auf Ithaka war die Sonnenfinsternis am späten Nachmittag lediglich als partielle Finsternis zu beobachten (Berechnung mit astronomischer Software Stellarium).

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