Oeynhausen (Adelsgeschlecht)


Oeynhausen (Adelsgeschlecht)
Wappen derer von Oeynhausen

Oeynhausen ist der Name eines alten westfälischen Adelsgeschlechts. Die Herren von Oyenhausen gehörten zum Uradel im Paderborner Land. Die Schreibweise des Namens variiert von Oyenhausen, Oynhausen, Oinhausen, Öynhausen, Oenhausen bis Oeynhausen. Zweige der Familie bestehen bis heute.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Herkunft

In alten Annalen wird der Name Oeynhausen als Einhaus gedeutet. Erstmals erwähnt wird das Geschlecht mit Berhardus villicus de Oienhusen in einer am 1. Mai 1237 ausgestellten Urkunde.[1] Oeynhausen, der Namen gebende Stammsitz, ist heute eine Ortschaft bei der Stadt Nieheim im Kreis Höxter. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt um 1300 mit Johann von Oynhausen.

Linien und Besitzungen

Auf dem Lehentage des Fürstbistums Paderborn im Jahre 1500 erschienen Johann, Konrad und die Brüder Burchard und Friedrich von Oeynhausen. Seit dieser Zeit verbreitete sich das Geschlecht in alle umliegenden Lande. Georg von Oeynhausen war um 1630 kaiserlicher Oberst und zeichnete sich ebenso wie Melchior Hermann von Oeynhausen, herzoglich-holsteinischer Oberst, während des dreißigjährigen Krieges aus. Arnd von Oeynhausen, Herr auf Gut Grevenburg, war 1650 Hauptmann und Kommandant zu Gießen und Friedrich von Oeynhausen zählte 1702 zu den Domherren von Paderborn.

Bereits 1430 gelangten die Güter Lichtenau und Sudheim in den Besitz bzw. Teilbesitz der Familie. 1536 konnte Gut Grevenburg bei Nieheim und 1592 die Oldenburg bei Marienmünster erworben werden. Adam Arnd von Oeynhausen kaufte im Jahre 1600 von seinem Schwager Asmus von Baumbach weitere Lehen, er starb 1635 als Burgmann zu Gießen. Sein Sohn Heinrich Hermannn († 1671) wurde 1641 Kammerjunker in Darmstadt und braunschweigischer Landdrost und Berghauptmann. Raban Arnold von Oeynhausen erwarb 1665 von den Schencken zu Schweinsberg die Wüstung Nordling als Lehn der Abtei Fulda. Später wurden einzelne Zweige des Geschlechts unter anderen zu Langreder im Calenberger Land und in neuerer Zeit zu Brahlstorf bei Wittenburg in Mecklenburg-Schwerin besitzlich.

Schon früh gehörten die Herren von Oeynhausen zum ritterschaftlichen Adel im Calenberger Land. Während des 18. Jahrhunderts waren sie auch Mitglied der Reichsritterschaft im rheinischen Ritterkreis.[2]

Der Magdeburger Domherr Ludwig Ferdinand Graf von Oeynhausen, Enkel des ersten Grafen von Oeynhausen Raban Christoph und seiner Frau Sophia Juliana Freiin von der Schulenburg, wurde 1725 von einem Onkel mütterlicherseits adoptiert und nannte sich darauf hin Graf von der Schulenburg-Oeynhausen. Später wurde er kaiserlicher Oberst und 1735 zum Generalmajor befördert. Der gräfliche Stamm begründete zwei Linien und die erste Linie wiederum drei Zweige.

Stammvater des ersten Zweiges der ersten Linie war der kurhannoversche Oberjäger- und Forstmeister Friedrich Ulrich Graf von Oeynhausen, Herr auf Grevenburg, Reesen und Dören.

Den zweiten Ast begründete Julius Graf von Oeynhausen, Sohn des kurhannoverschen Majors Ludwig Graf von Oeynhausen.

Der dritte Zweig der ersten Linie ist als portugiesisch-brasilianischer Zweig insbesondere charakterisiert durch Johann Carl August von Oeynhausen-Grevenburg (* 1777 oder 1778 wahrscheinlich in Lissabon), letzter Generalkapitän von São Paulo (1819-1821), mehrfacher Minister (1827-1831, Auswärtiges und Marine) unter dem brasilianischen Kaiser Dom Pedro I. und zuletzt portugiesischer Gouverneur von Mosambik (1837-1838). Später wurde er zum Marquez de Aracaty ernannt. Er war der Sohn von Carl August Graf von Oeynhausen (* 5. November 1738; † 3. März 1793). Seine Mutter ist unbekannt, er wurde von seiner Stiefmutter, Leonor de Almeida Portugal Lorena y Lancastre, der 4. Marqueza de Alorna (1750-1839, mit seinem Vater verheiratet seit 1779) erzogen. Sein Stiefbruder Johann Carl Ulrich (* 1779) erbte den Grafentitel von seinem Vater. Johann Carl August von Oeynhausen-Grevenburg starb am 28. März 1838 ohne Nachkommen zu hinterlassen.[3]

Die zweite gräfliche Linie ist ebenfalls erloschen. Letzter Angehöriger war Ferdinand Ludwig (II.) Graf von Oeynhausen, fürstlich-lippischer Kammerherr. Er starb 1860.

Standeserhebungen

Der königlich-britische Kammerherr und Oberjägermeister im Kurfürstentum Hannover Raben Christoph von Oeynhausen wurde von Kaiser Karl VI. am 17. April 1722 zu Wien in den Reichsgrafenstand erhoben. Die Erhebung wurde am 14. August 1725 in Hannover anerkannt und bekannt gegeben. Diese Erhebung verdankte er seinen treuen Diensten gegenüber seinem Landesherrn Kurfürst Georg I. Ludwig, denn Oeynhausen hatte die aus der Liaison seiner Schwägerin Melusine von der Schulenburg mit dem Welfen hervorgegangenen Töchter offiziell als eigene Kinder erzogen[4]

Um standesgemäß verheiratet werden zu können, erhielt daher die Pflegetochter Margarete Gertrud von Oeynhausen, bereits am 10. Oktober 1721 den Grafenstand mit der Anrede Hoch- und Wohlgeboren und einer Wappenvermehrung mit dem von der Schulenburg. Sie heiratete im gleichen Jahr, am 30. September, den Erbgrafen Albrecht Wolfgang zu Schaumburg-Lippe, den Gesandten Hannovers und Großbritanniens am kurpfälzischen Hof in Mannheim.

Weitere Zweiglinien des Geschlechts trugen den Freiherrentitel gewohnheitsrechtlich. Eine preußische Anerkennung des Freiherrnstandes erfolgte am 28. April 1874 durch Allerhöchste Kabinettsorder.

Wappen

Wappen der Stadt Bad Oeynhausen

Das Stammwappen zeigt in Blau eine aufrecht gestellte silberne Leiter mit vier Sprossen. Auf dem bekrönten Helm zwei nach außen schräg gestellte silberne Leiterbäume mit je vier nach außen gekehrten Sprossen (halbe Leitern). Die Helmdecken sind blau-silbern.

In späteren Abbildungen erscheint als Helmzier ein blauer Flug, wobei jeder Flügel mit einem der Leiterbäume belegt ist.

Die Leiter aus dem Wappen der Familie Oeynhausen erscheint noch heute im Stadtwappen von Bad Oeynhausen, dort wird silbern in der Tingierung weiß dargestellt.

Namensträger

Einzelnachweise

  1. Regest einer Abdinghofer Urkunde in Overhams Handschriften, Stadtarchiv Wolfenbüttel I, 2
  2. Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. C.H. Beck, München 2007; ISBN 9783406549861.
  3. Friedrich Sommer: Deutsche Charakterbilder aus der brasilianischen Geschichte. Verlag Rotermund & Co.; São Leopoldo o. J. [nach 1916], S. 62-68 (Johann Carl August von Oeynhausen).
  4. Ulrike Weiß, Dame Herzog: Kurfürst König. Das Haus der hannoverschen Welfen 1636-1866. Schriften des Historischen Museums Hannover 34, Hannover 2008, S. 105.

Literatur

Siehe auch

  • Liste deutscher Adelsgeschlechter N - Z

Weblinks

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